Jochen Bender

Jochen Bender

Als Jugendlicher konnte Jochen Bender ein gutes Buch kaum aus der Hand legen. Manch eine Lesenacht endete erst mit dem morgendlichen Gesang der Vögel. Schreiben wurde zu seinem Weg der kreativen Auseinandersetzung mit der Welt. In Landau und Tübingen studierte er Psychologie und schrieb zugleich seinen ersten Roman. 2011 wurde mit "Blinde & Gangsta" sein erster Krimi veröffentlicht, mit einem Psychologen in einer Hauptrolle. Als Psychologe arbeitete er in unterschiedlichen Kontexten, von der Kriminologie und dem Frauenknast bis hin zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Auf vielfältige Weise begegneten ihm menschliche Abgründe und Ängste, aber auch Stärken und Hoffnungen. Viel von seinen Erfahrungen als Psychologe fließt in seine Bücher ein.

Kontakt: coach_bender@web.de

Autorenhomepage

Termine mit Jochen Bender

Wann Was Wo
27. Jul 18
19:00 Uhr
Poesie aufs Brot
immer wieder sonntags
Medienakademie Metzingen
Eisenbahnstraße 29
72555 Metzingen, Deutschland
28. Nov 18
19:00 Uhr
Stuttgarter Buchwochen
Jochen Bender liest im Raum "Ulm"
Haus der Wirtschaft
Schlossplatz 4
70173 Stuttgart, Deutschland
29. Nov 18
19:30 Uhr
Der GinKönig muss sterben
Krimilesung mit Jochen Bender
Viertel Vor Tübingen
Egeriaplatz 12
72074 Tübingen, Deutschland
 

Bücher von Jochen Bender

Der Ginkönig muss sterben

Der Ginkönig muss sterben

Schwabenflucht

Schwabenflucht

An der Kante

An der Kante

Tödlicher Handel

Tödlicher Handel

Die Millionen von Neresheim

Die Millionen von Neresheim

Dienstage & Silvester

Dienstage & Silvester

Blinde & Gangsta

Blinde & Gangsta

Ein feiges Attentat

Ein feiges Attentat

Leseproben & Dokumente

Leseprobe aus "Der GinKönig muss sterben"

In diesem Augenblick ertönt von der Finca her besonders lautes Vogelgeschrei. Unsere Köpfe drehen sich in Richtung des Lärms. Eine Wolke bunter Papageien erhebt sich hinter dem Haus in den Himmel.
„Mierda!“
Raul zieht seine Pistole.
„Da lässt jemand die Vögel frei! Setzen Sie sich ins Auto und warten dort auf mich!“
Schon stürmt mein spanischer Begleiter in seinem jugendlichen Übermut davon. Verblüfft starre ich ihm hinterher. Glaubt er ernsthaft, ich setze mich ins Auto und warte auf ihn? Meine Hand gleitet unter meine Lederjacke, dorthin wo sich üblicherweise meine Waffe befindet. Sie ist nicht dort. Natürlich ist sie es nicht, schließlich bin ich geflogen und befinde mich im Ausland. Fluchend renne ich unbewaffnet hinter ihm her.
Raul hat bereits die rechte Gebäudeecke erreicht. Ich verliere ihn aus den Augen. Als ich selbst die Ecke umkurve, keuche ich wie ein Asthmatiker nach einem Fußmarsch ins dritte Geschoss und bekomme kaum noch Luft. Vielleicht soll ich meinen Aufenthalt hier nutzen, um mit dem Saufen aufzuhören und stattdessen lieber etwas für meine Kondition zu tun?
Als ich die nächste Ecke erreiche, kann ich den modernen Anbau der alten Finca sehen. Um wieder zu Atem zu kommen halte ich an und stütze mich an die Natursteinmauer. Von Raul ist nichts zu sehen. Beide Flügel der Tür des Anbaus stehen offen. Nach wie vor ergießt sich aus ihr ein Strom laut kreischender Vögel in den Himmel. Durch den Lärm der Flattermänner hindurch vermeine ich spanische Sätze zu vernehmen, die jedoch sofort wieder verstummen. Noch während ich überlege, was dies zu bedeuten hat, stürmen drei komplett schwarz gekleidete Gestalten mit schwarzen Sturmhauben über den Köpfen aus dem Gebäude auf mich zu. Vor Schreck zucke ich zusammen. Eilig ziehe ich mich hinter die Hausecke zurück. Noch während meines Rückzugs greife ich erneut nach meiner nicht vorhandenen Waffe.
Die drei haben mich und die Bewegung meiner Hand in die Jacke gesehen. Ich sehe sie vor Schreck zusammenzucken, sich etwas zurufen und die Laufrichtung ändern. Erleichtert stelle ich fest, dass sie Angst vor mir haben. Mit der Hand in der Lederjacke setze ich meinen grimmigsten Gesichtsausdruck auf und mache zwei Schritte in ihre Richtung. Schrille Schreie, zwar auf Spanisch, aber eindeutig im Sopran erklingen. Die drei vermummten Gestalten eilen auf den hinteren Eisenzaun zu. Die hektisch auf und ab hüpfenden Pobacken in den schwarzen Hosen besitzen allesamt eindeutig weibliche Proportionen. Von einer Waffe ist weit und breit nichts zu sehen. Mit neuem Mut setze ich hinter den Flüchtenden her.
Auch wenn es sich um Frauen handelt, rennen sie schneller als ich. Wo bleibt Raul? Seine jugendliche Kraft, vor allen Dingen seine Schnelligkeit, werden gebraucht! Ich drehe mich um. Von ihm ist noch immer nichts zu sehen. Die drei Biester müssen ihn außer Gefecht gesetzt haben.
Die Vorderste erreicht den sicherlich drei Meter hohen Zaun. Ich bin gespannt, wie sie ihn zu überwinden gedenkt. Er besteht aus senkrechten Eisenstäben von zwei Zentimetern Durchmesser, die oben als Spitze geformt sind. Ein schwer zu überwindendes Hindernis. Die Schnellste bildet eine Räuberleiter. Ihre Komplizin ist rasch mit einem Fuß auf ihrer Schulter, die Untere bildet mit beiden nach oben gestreckten Armen einen höheren Tritt, von dem aus die Andere sich voller Schwung und Eleganz über den Zaun schwingt.
„Na warte, zumindest dich kriege ich!“, murmele ich vor mich hin.
Die Zweite rollt sich auf der anderen Seite geübt ab, während die Dritte bereits ebenfalls die Räuberleiter erklimmt. Offensichtlich sind die drei nicht nur sportlich und gut aufeinander eingespielt, sondern besitzen Übung im Überwinden von Zäunen und ähnlichen Hindernissen. Ich bin gespannt, wie die Schnellste den Zaun zu überwinden gedenkt. Kaum ist die zweite Einbrecherin auf der anderen Seite, als sich die letzte umdreht und geschickt die Eisenstäbe hinaufklettert. Will die junge Frau ernsthaft versuchen, ohne Tritt die Eisenspitzen zu überwinden? Ein riskantes Unterfangen. Ich sehe ihre Hände abrutschen und ihren Körper von den tödlichen Spitzen aufgespießt.
Ehe dies tatsächlich eintreten kann, bin ich heran. Mit beiden Händen ergreife ich einen ihrer Füße und ziehe daran. Sie besitzt genug Kraft in den Händen, um sich trotz meines Ziehens an den Stangen festhalten zu können. Was nun? Natürlich könnte ich sie mit Gewalt und der Macht meiner neunzig Kilo vom Zaun losreißen. Solange ich sie am Fuß festhalte, wird sie dann allerdings unsanft mit dem Oberkörper oder gar Kopf aufschlagen und sich möglicherweise ernsthaft verletzen, was ich nicht will. So befinden wir uns in einer gewissen Pattsituation. Ihre Gefährtinnen reden hektisch in Spanisch auf sie ein.
„Kommen Sie doch bitte freiwillig herunter, ich will Sie nicht verletzen“, rede ich ihr ruhig und langsam zu.
Sie wendet den Kopf. Durch die Öffnung der Sturmhaube blickt sie auf mich herab. Klar bin ich Bulle, aber eben auch Mann. Der Blick in ihre grünen Augen gefällt mir. Ich lächele und lockere meinen Griff um ihre Fessel. Augenblicklich dreht sie das nur noch locker von mir gehaltene Bein um hundertachtzig Grad, stößt sich mit den Händen vom Zaun ab und zieht das Bein mit aller Kraft an. Voller Wucht prallt sie auf meine Schulter. Obwohl sie deutlich leichter ist als ich, reicht die Masse ihres Körpers locker, mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich kippe nach hinten um und lasse sie instinktiv los. Der Versuch mit ausgestreckten Armen meinen Sturz abzufangen führt mit Sicherheit zu Knochenbrüchen. Dank meines intensiven Judotrainings in jüngeren Jahren will ich mich stattdessen reflexartig abrollen. Da die Vermummte auf mir landet, gelingt es mir nur bedingt. Ich höre meine Rippen krachen und bleibe, vergeblich nach Atem ringend, im Gras liegen. Sie rappelt sich indessen sofort wieder auf und wieselt in Richtung Finca davon. Ich will aufstehen und ihr hinterher, bekomme aber noch immer keine Luft. Mein Brustkorb schmerzt höllisch. Zunehmend panischer schnappe ich nach Luft. Jeder Versuch einzuatmen tut verdammt weh. Zornig sehe ich meiner Peinigerin hinterher. Aus der Finca treten mehrere Männer in weißen Overalls, vermutlich Beamte der Kriminaltechnik. Ich bete inständig, dass sie das Biest zu fassen bekommen und sie dabei nicht eben sanft anfassen. Dann verliere ich das Bewusstsein.