2021 05 23 Drehbuch quadrat 00 Kopie"Werkzeuge des Drehbuchschreibens"

Robert Krause und Florian Puchert, die erfolgreichen Autoren und Professoren für Creative Writing an der Hochschule für Fernsehen und Film München bieten im folgenden Artikel den SYNDIKATlern einen Einblick in Tools und Handwerk des Drehbuch-Schreibens. 

Die erste Idee - trägt sie einen ganzen Roman?

von Bernd Köstering, Autor und Schreib-Coach

Die erste, leise Idee zu einem Roman kann Ihnen irgendwo zufliegen. In einem Café - sorry, das war vor der Pandemie - oder beim Lesen der Zeitung. Während eines einsamen Waldspaziergangs oder im hitzigen Gespräch mit einem Querdenker. Schnell notiert, damit sie nicht in Vergessenheit gerät - gut so! Doch dann, beim zweiten Durchdenken, Tage später, kommen Ihnen Zweifel. Taugt diese Idee wirklich? Ist sie so valide, dass sie einen ganzen Roman trägt? Vielleicht ist sie eher für eine Kurzgeschichte geeignet - das wäre ja auch eine Variante. Immerhin verlangen die Verlage von einem Roman 250 bis 350 Seiten. Die Novelle als Kunstform zwischen Kurzgeschichte und Roman ist in der modernen Literatur kaum noch zu finden. 

Wie also können Sie die zugeflogene Idee einer Prüfung unterziehen?

SCHREiBTIPP:

Du darfst schreiben, was und wie du willst! Ignoriere Rechtschreib-, Grammatik und alle sonstigen Fehler, die dir beim Schreiben und Lesen deines Textes unterkommen.

Aber denke daran: Der erste Entwurf ist (meistens) Mist!

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Angela Esser bietet seit Jahren erfolgreich Schreib-Seminare an.
Jetzt jedoch in Zusammenarbeit mit der Münchner Volkshochschule erstmals online,  so dass nun  auch jede Menge „Nicht-Münchner*Innen“ daran teilnehmen können.

Ingrid Werner stellt einen Weg für das Entwickeln komplexer und beeindruckender Romanfiguren vor.

Wir alle erleben es täglich: Jemand sagt etwas und wir interpretieren das, was gesagt wurde. Schließlich sagen Menschen oft nicht das, was sie denken. Das, was interessant ist, steht dann zwischen den Zeilen. Das gilt besonders für Geschichten. Und ganz besonders für Witze.

Der Mann kommt nach Hause, findet seine Frau mit der Nase im Kochbuch. "Warum liest du Kochbücher? Du kannst eh nicht Kochen!"
"Du siehst ja auch Sexfilme!"

Als Lektor bin ich ein professioneller Schizophrener. Ich muss ein guter Leser sein, mich in den Text versenken können. Und gleichzeitig sitze ich mit dem Rotstift daneben und notiere, wenn ich (mein Leser-Ich) das Interesse verliere, wo die Spannung verloren geht und ob ich mit den Personen wirklich einige Stunden verbringen will.

Der erste Leseeindruck ist wichtig. Vieles, was mir dabei begegnet, kann ich gleich korrigieren. Die Delete-Taste ist der beste Freund eines Autors, heißt es. Lektoren haben mit dieser Taste sogar Blutsbrüderschaft geschlossen. Schreiben ist einfach, man muss nur die falschen Worte weglassen, hat Mark Twain gesagt. So mancher Text gewinnt durch geschickten Einsatz dieser Taste bereits Tempo und Spannung. Natürlich kann es nicht beim einmaligen Lesen bleiben. Über einen Text zu schlafen, ist immer eine gute Idee. Und am nächsten Morgen kontrolliert mein Rotstift-Ich, ob das, was mein Leser-Ich am Tag zuvor verbrochen hat, auch funktioniert.