Barbara Sukowa spielte Rosa Luxemburg im Film von Margarethe von Trotta. Noch vier Wochen danach hinkte sie, wie Rosa Luxemburg gehinkt hatte. Sprach mit polnischem Akzent.

Dann spielte sie Hannah Arendt. Sprach ihr Amerikanisch plötzlich mit deutschem Akzent wie Hannah Arendt, obwohl sie akzentfreies Amerikanisch spricht. Brachte damit ihre Familie zur Verzweiflung.

"Die kleinen Jungs waren die Ersten, die zum Richtplatz kamen" beginnt der Prolog zu Die Säulen der Erde. Ein wunderbarer Roman, ein spannender Prolog. Leider sind längst nicht alle Prologe so eindrücklich. Im Gegenteil, 90 % derer, die ich lesen muss, wären besser weggelassen worden.

Gehe ich durch meine Bücher, so stelle ich fest: Die Romane aus den Siebzigern, Achtzigern, Neunzigen haben selten Prologe. Horst Pahlke hat dies in seinem Blog beschrieben.

Die Hälfte der Texte, die ich zur Korrektur bekomme, hat zu wenig Absätze. Selbst viele Textprofis leiden oft unter dem, was Mediziner die "chronische Absatzscheu" nennen. In der Bundesakademie in Wolfenbüttel hat mal jemand einen Beispieltext mit mehreren Seiten ohne jeden Absatz vorgelegt.

Seine Begründung: "Das ist doch der Job der Lektoren". So kann man es natürlich auch sehen. Nur darf sich dann keiner wundern, dass niemand seine Texte zu Ende liest.

Der gute Mann ohne Absätze steht nicht allein da. In Stilratgebern und Schreibbüchern sucht man Rat zur Absatzgestaltung meistens vergeblich.

Leerzeilen strukturieren einen Text. Deshalb setzen viele Autoren gerne Leerzeilen. Leider vergessen sie dabei, dass das normale Strukturierungselement der Absatz ist und der benötigt nicht noch eine weitere Leerzeile.

Wann setzt man also Leerzeilen ein?

Ganz einfach: Wenn die normale Gliederung durch Absätze nicht ausreicht.

In vielen Texten, die ich erhalte, fällt es auf: eine Vielzahl von Auslassungspunkten. Das sind die drei Pünktchen, die Sie in der Überschrift sehen.

Wozu dienen Auslassungspunkte?

Ganz einfach: sie werden verwendet, wenn der Autor anzeigen möchte, dass etwas ausgelassen wurde. Wenn ein Sprecher im Dialog zum Beispiel seinen Satz nicht vollendet:

Als der Wecker klingelte, wachte ich auf. So beginnen viele Geschichten. Diese Konstruktion ist beliebt, sie soll Gleichzeitigkeit vermitteln. Aber sie klingt unbeholfen und ist unnötig. Einfache und eleganter: Der Wecker klingelte, und ich wachte auf.

Gemein ist diese Konstruktion, weil sie wie Giersch arbeitet. Gärtner hassen Giersch. Der überwuchert alles. Und schön sieht er auch nicht aus. Nicht anders die Als-Konstruktion. Sie vermehrt sich, ohne dass es Autoren bewusst wird. Unbewusst. Wenn ich die erste Als-Konstruktion lese, weiß ich, dass sie unterirdisch weiterwuchert und sehr bald neue Triebe austreiben wird.