Totemwald
Bernhard Klaffke

CW Niemeyer Buchverlage GmbH Hameln

Klappenbroschur, Taschenbuch, Ruhrgebiet Thriller

ISBN 978-3-8271-9336-0
1.Auflage, 464 Seiten

16,– € [D], SFr. 15,25 [CH], 16,– € [A]

 

Was haben Kommissar Frank Fröhligs Exfrau, ein ausgewachsener Orkan und ein Bündel Schrumpfköpfe gemeinsam? Alle drei versauen ihm den Tag. Als Kommissar Fröhlig zu einem Tatort gerufen wird, ahnt er nicht, welches Ausmaß das Ganze einnehmen wird. Die fünf abgetrennten Köpfe sind nur der Auftakt einer Reihe perfider Ritualmorde, die gerade erst begonnen hat. Und als wäre das nicht alles belastend genug, mischt sich auch noch das LKA in seine Ermittlungen ein. Auf der Suche nach dem Mörder, dessen blutige Spur sich in den Tiefen des Duisburger Stadtwalds verliert, beginnt ein erbarmungsloses Wettrennen gegen die Zeit. Denn schnell wird klar: Der Killer hat ein weiteres unschuldiges Opfer in seiner Gewalt. Fröhlig muss es gelingen, in den Verstand des Serienmörders vorzudringen, ohne dass er Gefahr läuft, selbst zum Opfer zu werden.

 

Bernhard Klaffke

Es hat mich immer schon interessiert, was in den Köpfen der Anderen vor sich geht. Vor allem die dunklen Seiten haben mich fasziniert. Wieso z.B. werden aus gewöhnlichen Menschen Monster? Einfach so, ohne dass es jemandem vorher aufgefallen ist.

Ein sehr guter Freund und ich saßen eines Abends bei einem Glas Wein zusammen und waren uns einig, dass Duisburg großes Potential für gute Geschichten besitzt. Tatort und Schimanski lassen grüßen.

Mein Freund meinte, dass die unheilvollen Bilder, die in meinem Kopf herum spuken, viele Bücher füllen könnten. War das als Kompliment gedacht, oder sprach da der Wein aus ihm.

Der Gedanke daran, selbst ein Buch zu schreiben, war mir nie gekommen. Bisher hatte ich immer die Bücher von anderen gelesen. Die Idee erschien mir anfänglich illusorisch, doch aus heutiger Sicht, war sie das Beste, was mir passieren konnte.

Schreiben ist so viel mehr als nur Wörter auf Papier zu bringen. Es eröffnet ein Universum unbegrenzter Möglichkeiten.

Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Bernhard Klaffke

Wo schreibst du am liebsten?

Überall dort, wo ich meinen Laptop aufklappen kann.       

Welcher ist dein Lieblingskrimi?

Stephen King / Der Anschlag.

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Nils Meyer-Selbach     

Warum bist du im SYNDIKAT?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Vielleicht hat es was damit zu tun, dass ich als ehemaliger Hauptschüler nicht im Traum daran gedacht habe, einmal in einer Schriftstellervereinigung Mitglied zu seien. Und schon gar nicht in einer so ehrwürdigen wie dem SYNDIKAT.

Dein Lieblingswort?

Gallertartig.

Dein Sehnsuchtsort?

Da gibt es viele, aber Duisburg lässt mich nicht gehen.

Dein Lieblingsgetränk?

Das ist einfach, Bier.

Dein Lieblingsmord?

Den ich mit einem Lächeln begehe.      

Wo findest du Ruhe?

 Beim Spazierengehen im Wald.   

Wo Aufregung?

Beim Thema Fakenews.

Leseprobe

Sie erlebte einen Moment der Klarheit, in welchem sie spürte wie sich der Geist weigerte, ihren Körper zu verlassen. Die Hoffnung auf einen gnadenvollen Tod blieb ihr damit verwehrt.
Die junge Chinesin fühlte sich so unendlich müde. Sie war kaum noch imstande, die Augen offenzuhalten. »Schließ deine Augen, kleine Xiangmei, versuche nicht dagegen anzukämpfen. Lass los und das Grauen wird für dich ein Ende haben.« Selbst die Stimme in ihrem Kopf erkannte das Unausweichliche.
Xiangmei konnte die Wärme ihres eigenen Atems spüren, als sie den Kopf erschöpft auf der Matratze ablegte. Der Stoff roch widerlich nach alter Kleidung und war durchfeuchtet, doch selbst das konnte sie nicht mehr stören. Mit weit aufgerissenen Augen lag sie da und starrte apathisch in die Schwärze.
Seit Tagen hatte er ihr nichts mehr zu essen gebracht und nun war es soweit. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, den sie so schmerzhaft herbeigesehnt hatte. Der Gedanke ließ eine einzelne Träne über die schmutzige Wange laufen, hinterließ flüchtig das Gefühl von menschlicher Wärme. Mit einem kurzen Ruck zog sie den Rotz zurück in die Nase. Unfreiwillig fing sie in der Finsternis an zu lächeln und ein Gefühl der Dankbarkeit überkam sie. Dankbarkeit darüber, seiner kranken Fantasie nicht länger schutzlos ausgeliefert zu sein. Dankbarkeit über den nahenden Tod. Nach all dem, was er ihr angetan hatte und all dem was er… Unfähig, dem Gedanken ein gutes Ende zu geben, drehte sich die junge Frau stöhnend vor Schmerz auf den Rücken, woraufhin die durchgelegene Matratze ein knatschendes Geräusch von sich gab. Noch im gleichen Augenblick bereute sie die unbedachte Bewegung. Reißend drang das spitze Ende der Feder tief in ihr Fleisch ein, woraufhin ihr Rücken sich ruckartig zum Bogen krümmte. Heiser keuchte sie auf und klebrig warme Flüssigkeit quoll aus der entzündeten Wunde hervor. Am liebsten hätte sie in ihrer Verzweiflung geschrien, aber sie besaß einfach nicht mehr genügend Kraft.

Die Infektion war wie das Gift des Taipan durch ihre Adern gekrochen. Bis zu dem Punkt, wo der Wundbrand so starke Halluzinationen hervorrief, dass sie zwischen Realität und Fiktion kaum noch zu unterscheiden wusste.
Meist kamen die Fieberschübe in Wellen und brachten eine Eiseskälte mit sich. Doch das was darauffolgte, war um ein Vielfaches grausamer. Der eigenen Fantasie schutzlos ausgeliefert, lag sie für Stunden da und ertrug die selbst entworfene Hölle. Anfangs hatte sie noch geschrien in der Hoffnung, jemand könne sie hören. Doch nach und nach gingen die verzweifelten Hilferufe in jämmerliches Weinen über, bis auch die Tränen versiegten.

Panisch hielt die junge Frau mit einem Mal inne, lauschte in das absolute Schwarz ihres Kerkers. Da war es wieder. Nur dieses Mal nicht ganz so laut. Angestrengt versuchte sie, sich auf die Richtung zu konzentrieren aus der die Geräusche kamen. Xiangmeis Puls begann zu rasen und Angst stieg in ihr auf. Wenn sie kamen, dann gewöhnlich über das Wasser. Meist in kleinen Gruppen, zu dritt oder zu viert. Schützend zog sie das gesunde Bein näher zu sich heran. Die infizierte Wunde des anderen Beins fing an zu pochen und ein fürchterliches Reißen setzte ein. Wie gerne hätte sie geschrien. Aus Angst und vor Schmerz. Aber sie durfte keine Schwäche zeigen. Dem Gegner nicht zeigen, wie verwundbar sie geworden war. Rotz lief ihr aus der Nase, den sie mit dem Handrücken achtlos wegwischte.
»All das hier ist nicht real«, säuselte eine Frauenstimme verführerisch an ihr Ohr.
»Hallo, ist da wer?«, hörte sie sich selbst wie durch Watte. »Für all das hier gibt es eine ganz einfache Erklärung. Überlege, dann kommst du von ganz alleine darauf.«

Das SYNDIKATS-Gewinnspiel

Die Frage lautet: „Ihm gegenüber befanden sich vier Abzweigungen und alle führten in eine andere Himmelsrichtung. Unter normalen Umständen hätte er jetzt eine Münze geworfen.“ Was aber macht Kommissar Fröhlig stattdessen?

Der Gewinner erhält ein signiertes Exemplar mit persönlicher Widmung und eine Flasche Bier, Mord&Totschlag. Antworten bitte bis zum 17. Januar per E-Mail

 

 

"Totemwald“ von Bernhard Klaffke, in Duisburg geboren, spielt im Ruhrgebiet. Als Kommissar Frank Fröhlig von seiner ExFrau – und direkten Dienstvorgesetzten – während eines Unwetters zu einem Tatort gerufen wird, ahnt er das Ausmaß des Schrecklichen nicht, das ihn erwartet. Der Fund: 17 Leichen, einige davon enthauptet. Ein Ritualmord? Gedankenwelt und Vorgehensweise des Mörders, dessen Leidenschaft es ist, Leiden zu schaffen, sind nur schwer zu ertragen. Die Suche nach ihm führt Frank Fröhlig bis in die Tiefen des Duisburger Stadtwalds. Und an die Duisburger Uni, zum Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz. An seiner Seite agiert Julia Stern vom LKA, die ihr Asperger-Syndrom als Gabe zu sehen weiß – und dem Buch viel Charme inmitten von Verstörendem verleiht.

coolibri Ausgabe 09/2023