Axel Ulrich

Axel Ulrich

1951 wurde ich in Bad Homburg geboren, bin Dipl. Volkswirt und habe einige Jahre als Wirtschaftsjournalist bei einer großen Nachrichtenagentur gearbeitet. War spannend. Danach habe ich wieder einige Jahre für eine amerikanische Management-Consulting-Firma Kunden beraten. 

In den Achtzigern habe ich mich selbständig gemacht und daraus ist ein IT-Systemhaus mit knapp 30 Mitarbeitern geworden. Von der wenig lukrativen Hardware habe ich mich später getrennt, Firmenteile verkauft und nur noch Software gemacht und vertrieben, zuletzt auch apps.

Ich wollte schon immer Bücher schreiben, kann gar keinen Grund dafür sagen. Wollte ich einfach.

Ich mache gern spannende Sachen, Thriller. Muss zugeben, dass ich die ewigen Leichen mit anschließender Aufklärung des Falles durch den Kommissar mittlerweile langweilig finde (mit Ausnahmen). Und wenn, dann sollte es sich um richtige professionelle Verbrecher handeln.

Ich mag gerne Wirtschaftsverbrechen, Geldwäsche, Schwarzgeld etc. am besten gekoppelt mit Erpressungen und mafiösem Verhalten.

Dann habe ich noch so einen Thriller mit einem Menschen von einem anderen Planeten fertig, der als schräger Entwicklungshelfer hier bei uns tätig ist.

Rezension von eBooks Thomas   Heilandsack. Dieser Krimi hat es in sich. Er entwickelt ein buntes Panoptikum mehr oder weniger gesetzestreuer Schwaben und Alemannen, die vor allem in Sachen Geldwäsche ein radikal schwäbisches Maß an Sauberkeit entwickelt haben. Aber die Angst lebt mit: dass es halt doch mal aufkommt. Das besonders schön gemachte Cover des Buches, der gleichsam dem schwäbischen Hades entsteigende Alukofferträger, hat sofort mein Interesse geweckt.

Dieser Krimi hat mich bestens unterhalten. Seine Handlung ist klug durchdacht und oszilliert zwischen sofrortigem Erkennen des weiteren Handlungsverlaufs – meinte ich mehrfach (!) – und wirklichen Überraschungen. Die inneren Stimmen der Personen kommentieren den Verlauf der Handlung. Das half mir beim Lesen meist weiter und verlieh der Handlung eine – teils köstliche – Aberwitzigkeit. Und zwar ohne, dass mein Film im Kopf abriss.
Als Schwabe mit einer Affinität zum Schwäbischen Meer war ich wirklich angefixt und habe den Roman in Einem durchgelesen. Wegen des Titels „Schoofseggl“ – einer schwäbisch-allemannischen Mischung aus wüster Beschimpfung und leisem Lob – hatte ich zunächst befürchtet, dass hier mit einem geeigneten Dialekt das übliche Heimat-Schindluder getrieben wird.
Was sich mir als Leser dann offenbarte, ist ein zurückhaltender und diskreter, dafür stets witziger Umgang mit dialektalen Einsprengseln. Ich glaube, das kann nur ein sprachbegabter Nichtschwabe, der Land und Leute irgendwie liebt. Gratulation; Herr Ulrich!

Lesen Sie diesen Roman! Ich hoffe, dass ich von seinem Autor, Axel Ulrich, noch viel zu Lesen bekommen werde.

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Schoofseggl

Schoofseggl

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Heilandsack!

 

Am Ende des Tempolimits auf der A81 von Stuttgart in Richtung Süden, genau bei dem schwarzweißen Schild, das dem beherzten Fahrer Erlösung von der Qual der Langsamkeit signalisiert, senkt sich sein Fuß bleischwer auf das Gaspedal. 600 Newtonmeter Drehmoment und 457 PS fallen gnadenlos über die 255er Hinterräder her. Der V8-Motor röhrt heiser, in den oberen Drehzahlregionen steigert sich das zu einem wilden Stakkato. Die Tachonadel zieht entfesselt an der 200 vorbei und strebt dynamisch in höhere Bereiche. 

Im SWR3 läuft geile Musik, dann beginnen die Nachrichten und nach der ersten Meldung schreit er plötzlich „Heilandsack“, verreißt dabei das Lenkrad ein wenig und die Fuhre macht bei 220 Sachen einen Schlenker. Heilandsack ist ein schwäbischer Fluch, die verkürzte Form für Heiland, Sakrament – wörtlich etwa „Gott verdamme mich“. Das Sakrament darin weist angeblich auf eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes hin.Es ist nicht gesichert, dass Franz Walzer in seinem schwarzen Mercedes diese Definition bei der Anwendung des Fluchs so ganz genau bedacht hat. Der Lenkwinkelsensor des ESP seines C63 AMG T-Modells merkt sofort, dass da etwas gewaltig nicht stimmt, er erfasst die Gierrate, die Querbeschleunigung, die Drehzahlen der Räder und – weiß der Geier was noch alles – etwa 150-mal pro Sekunde. Bits zischen mit Lichtgeschwindigkeit durch die Kabellage dieses Karrens, eine digitale Orgie ohnegleichen läuft ab. Netterweise schickt das schlaue kleine System einen Bremsimpuls an das linke Vorderrad und nimmt die Leistung ein wenig zurück. Mein Gott, bei 457 PS ist das zu verschmerzen. Dann sind es eben temporär nur noch 300 PS. Das Auto stabilisiert sich sofort ganz sanft. Es lebe die Elektronik, dieser Reparaturmechanismus für menschliche Dummheit und Unzulänglichkeit.Ihr verdankt der ehemalige Rechtsanwalt Franz Walzer jetzt, dass nichts passiert ist. Sein Puls jagt, die Hände sind feucht, er schnauft, steigt in die Eisen und erwischt gerade noch die Ausfahrt zum nächsten Parkplatz. Genau genommen sind es auch keine Eisen, sondern es ist die optionale Keramik-Bremsanlage. Die hält 1000 Grad aus, das braucht man ja. Kostet so um die 7000. Seine Freundin Lena hat ihn ja aus der großen S-Klasse in diesen Kleinwagen gezwungen. „Ich schäme mich in dieser Protzkiste.“ Doch für seine geliebte Lena aus Konstanz tut er alles. Aber dann wenigstens mit Keramikbremsen, darauf hatte er beim Kauf bestanden. Er steigt aus und geht ein paar Schritte hin und her. Ist ja immer sehr romantisch auf Autobahnparkplätzen. Der Text in den Nachrichten auf SWR3 lautete: Wie erst jetzt bekannt geworden ist, hat das Stuttgarter Landesfinanzministerium vor einigen Monaten eine Daten-CD des Schweizer Bankhauses Indermann angekauft. Darauf sollen sich Informationen über Schwarzgeldkonten von fast 1000 Steuerhinterziehern aus Baden-Württemberg befinden.Er hat bis vor kurzem so ein Konto bei genau dieser Bank gehabt. Eine schöne Bank. Er ist immer gern bei der Filiale in Kreuzlingen gewesen. Kreuzlingen ist der schweizerische Nachbarort von Konstanz am Bodensee. Biedere Schalterhalle unten, Lift in die erste Etage und dort alles vom Feinsten. Die Damen und Herren wie aus dem Ei gepellt. Er war mit seiner einen „Kiste“, wie die dort zu einer Million sagen, in Kreuzlingen ein mittelkleiner Fisch. Es gab ärmere aber auch reichere. In Zürich hätten die ihm bei einer „Kiste“ gerade mal einen Kaffee spendiert, in Kreuzlingen gab es noch Gebäck und eine Champagnertrüffel dazu, aber nur eine. In Zürich ist man erst so ab zehn oder eher 20 „Kisten“ jemand. Da gibt es dann Einladungen ins Grandhotel Dolder, das jetzt „Dolder Grand“ heißt – warum auch immer – oder zu Weekends in London. Er ist lange nicht mehr bei der Bank in Kreuzlingen gewesen, denn er hat das Konto vor einem Jahr leer geräumt und gelöscht. Aber er weiß nicht hundertprozentig, ob auf der vom Finanzministerium angekauften CD seine Daten noch drauf sind. Man weiß nie genau, wie alt diese Daten sind.Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat immer gesagt, sie kaufe solche Daten nicht an, und jetzt machen sie es doch, empört er sich innerlich. Diese Lügner, diese dreckigen. Grüne und Sozis eben. Wollen das Geld von hart arbeitenden Leuten unter all den Faulen verteilen. Werden schon sehen, wer alles das Land verlässt. Dann haut er eben ab. Ach so, er ist ja schon abgehauen. Lebt jetzt in der Schweiz in der Nähe von Konstanz. Aber als er das Konto eröffnet hat, da lebte er noch in Konstanz. Heilandsack!Nach einer Weile steigt er wieder ein und fährt nach Hause. Jetzt aber in gemäßigtem Tempo. Er muss das Ganze in Ruhe anschauen. Natürlich hat er Schiss, dass die auf ihn kommen. Klar, er ist in die Schweiz gezogen, aber das nützt rückwirkend gar nichts. Wenn du in Deutschland wohnst und ein nicht deklariertes Konto bei Indermann hast, dann bist du dran. Das ist leider in seinem Fall bis vor etwa einem Jahr so gewesen. Er kann jegliche behördliche Aufforderung aus Deutschland ignorieren, aber dann kann er Deutschland nicht mehr betreten. Doch das will er auch wieder nicht. Walzer ist knapp über 50, schwäbelt heftig mit einem nasalen Unterton. Er ist etwa 1,80 groß, mit schütterem Haar und einer Hakennase. Er grinst immer so leicht verschmitzt. Selbst wenn er ernst schaut, grinst er irgendwie. Er kommt ursprünglich aus Reutlingen.Dort spricht man den Ortsnamen nicht etwa wie Reutlingen aus, sondern wie „Reidlenga“. Das ist schon ein komplizierter Dialekt und er klingt so gar nicht gut, aber der badische ist auch nicht viel besser – alle Badener mögen verzeihen und die Schwaben gleich mit. Er ist Jurist und hatte viele Jahre eine gut gehende Anwaltskanzlei in Konstanz. Die ist seinem Temperament zum Opfer gefallen und einer gewissen Neigung, den Staat nicht allzu ernst zu nehmen. In so einer normalen Anwaltskanzlei hat man halt Scheidungen, Verkehrsunfälle oder sonstige Streitereien zu bearbeiten – alles nicht so aufregend. Walzer hat diese Standardfälle immer brav erledigt, aber wenn einer mit einer spannenden Geschichte zu ihm kam, ist er zur Hochform aufgelaufen. Bei Geschäftsleuten in ausweglosen Situationen schlug seine große Stunde. Seine Spezialität waren Unternehmer, die sich von ihrer eigenen GmbH Geld geliehen haben. Das gab es oft. Wenn dann das Unternehmen überschuldet war, konnte der Inhaber keinen Konkurs anmelden, denn die Gläubiger hätten in diesem Fall auf sein privates Vermögen zugreifen können. Wirtschaftlich kommt man dann gar nicht mehr auf die Füße. Also kaufte jemand für ihn das Unternehmen für einen Euro auf. Er setzte einen völlig besitzlosen Geschäftsführer ein, der gerade aus dem Knast gekommen war. Dem war alles wurscht, denn bei ihm war für niemanden irgendwas zu holen. Anschließend wurde die Bude dreimal umbenannt und der Sitz viermal verlegt. Wenn einer der Leute, denen die Firma Geld schuldete, sie doch fand, wurde ihm statt Geld die ganze Firma angeboten, die natürlich nur noch eine leere Hülle war und keinerlei Vermögensgegenstände mehr enthielt. Der neue Inhaber und der neue Geschäftsführer konnten ja ohne jedes Risiko für sich selbst Konkurs anmelden, denn sie haben sich bei der Firma kein Geld geliehen. So ersparte er den Unternehmern den Konkurs und sie konnten schnell einen Neubeginn starten. Walzer führte diese Rettungsaktionen jedoch nur dann durch, wenn die Gläubiger der Unternehmen groß und mächtig waren, wie zum Beispiel Banken. Der Kampf gegen die Riesen machte dem selbsternannten Robin Hood für kleine Unternehmer in Schwierigkeiten richtig Spaß, auch wenn er genau wusste, dass das Geschäft schon nicht mehr in einer sogenannten Grauzone angesiedelt, sondern wirklich kriminell war. Hatte aber ein Unternehmer, der ihn um Hilfe bat, seine Mitarbeiter oder kleine Lieferanten hängen lassen, dann half der Walzer nicht. Moral hat er schon, aber eine sehr eigene.Irgendwann haben Kollegen, die die mächtigen Gläubiger vertraten, das mitbekommen und ihn von da an sehr genau beobachtet. Dann ist er auch noch so unvorsichtig gewesen, auch selbst als kurzzeitiger Geschäftsführer so einer Firma aufzutreten und damit an einer sogenannten Konkursverschleppung aktiv mitzuwirken. Damit hatten sie ihn am Wickel. Er machte zwar rotzfrech weiter, aber irgendwann entzog man ihm die Zulassung als Rechtsanwalt. Ganz genau genommen hat er sie selbst zurückgegeben, aber nur um dem Entzug zu entgehen.Der Schock bremste ihn eine Weile aus, aber irgendwann stellte er fest, dass er jetzt befreit von den Regeln des Berufsstandes der Rechtsanwälte lustig weitermachen konnte. Er ist allerdings etwas vorsichtiger geworden. Zum Glück hat ihm seine bisherige Praxis ziemlich viel Geld eingebracht, mit dem er sorgsam umgegangen ist und es gescheit angelegt hat. Jetzt musste er sich auch nicht mehr mit der langweiligen juristischen Aufarbeitung von Verkehrsunfällen befassen, sondern konnte sich exklusiv um verfahrene unternehmerische Situationen kümmern. Nach seinem Beinahe-Abflug im Mercedes auf der Autobahn schüttet sich Walzer am Abend auf seinem Sofa leider einen Rotwein zu viel ein. So kann er nicht mehr ganz klar denken, aber es ist ihm klar, dass er etwas wegen seines ehemaligen Kontos bei Indermann unternehmen muss. Er hat auch schon von einigen seiner Klienten, die früher Konten bei Indermann besaßen, Whatsapp-Nachrichten bekommen. Die wollen wissen, ob sie was machen müssen. Whatsapp – wie unvorsichtig. Er rätselt, warum es im Radio hieß, der CD-Ankauf sei schon ein paar Monate her, und er und andere noch keinen Besuch oder Post von der Steuerfahndung bekommen haben. Irgendwas stimmt da nicht. Im Normalfall wird das erst bekannt, nachdem die Steuerfahndung alle Leute abgeklappert hat, um ja keinen aufzuscheuchen. Macht ja auch Sinn.
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