REAL CASES - spannend, kurios, lustig und manchmal unglaublich, aber wahr!

geschildert von Jörg Schmitt-Kilian (KHK a.D. und Krimi-Autor)

Der (fiktive?) Polizist Andreas Müller erinnert sich an seine Dienstzeit, blickt zurück auf „Streifengänge“ als junger Schutzpolizist und schwierige Ermittlungen bei der Kriminalpolizei. Da Müller auch als „NÖEB“ (nicht öffentlich ermittelnder Beamter) im Drogenmilieu eingesetzt war, möchte er seine wahre Identität nicht preisgeben.

Würden Michi Kobr und Volker Klüpfel ihrem Kommissar KLUFTINGER und Rita Falck dem Dorfpolizisten EBERHOFER die unserer Serie geschilderten Situationen „auf den Leib schneidern“, würde der Leserkreis den Autoren eine „blühende Fantasie unterstellen, denn niemand würde glauben, dass solche Dinge tatsächlich geschehen. Aber die Realität des polizeilichen Alltags ist manchmal verrückter als die Autoren-Fantasie. Es gibt nichts, was es nicht gibt, und unser SYNDIKATS-Mitglied liefert die Beweise!

Real Cases Folge 11

(Auch) im Polizistenleben geht mancher Schuss daneben

Aus dem Röhrenradio auf der Münzwache erschallt soeben das Lied Im Leben, im Leben, geht mancher Schuss daneben. Es ist ein Song von Katja Ebstein über einen Förster, der „von der Jagd“ nach Hause zurückkehrt und seine untreue „Liebste“ (?) in den Armen des Oberförsters erwischt. Er ist schockiert, obwohl er sich erst soeben „auf der Jagd“ unter dem Hochsitz auch mit seiner jungen Geliebten vergnügt hat. Polizeihauptwachtmeister Müller fragt sich, ob der Förster mit seiner Flinte den Oberförster erschossen hat oder froh darüber war, dass auch er seit Jahren seine Frau betrügt.

PHW Müller ist der festen Überzeugung, dass legitimierte Waffenträger „in der Regel“ ordnungsgemäß mit ihren Schussapparaten umgehen. Er erinnert sich jedoch an mehrere Ereignisse. Zwei Vorfälle über den nicht ordnungsgemäßen Umgang mit dienstlich gelieferten Pistolen hat Müller in guter Erinnerung. In einem Fall durfte der Kollege nach einer unbeabsichtigten Schussabgabe weiter Dienst verrichten, der andere wurde entlassen, obwohl er nicht geschossen hatte. Ungerecht, meinen Sie?

Fall 1:

Polizeihauptmeister Pitter Graf hat die Mindestgröße für eine Einstellung der Polizei nur um einen Zentimeter überschritten, aber er ist mit 1,67 m nahkampferprobt und „ein Kerl wie ein Baum“. Alle nennen ihn „Bonsai“. Anstatt die Waffe bei einer Schießübung vorschriftsmäßig zurück in das Holster zu stecken, schob er die Pistole in die Hose. Pitter wollte demonstrieren, wie die Kommissare in Fernsehfilmen ihre Waffe „am Mann tragen!“ Eigentlich. »Schaut mal, wie doof die sind, wenn die…!« Er zog die Waffe aus dem Hosenbund und hatte den Satz noch nicht ausgesprochen, da ertönte ein Knall. Bonsai schrie vor Schmerz auf, ein Loch neben dem Hosenlatz und die Patronenhülse ließen Schlimmes vermuten, aber Bonsai hatte „Glück im Unglück“. Nur ein Streifschuss.

In Bonsais Leben ging mal ein Schuss daneben. Eine Hülse auf dem Boden und ein angesengter Hoden sangen die Kollegen. Ja, wer den Schaden hat…

Fall 2:

Polizeimeister Holger Manfeld hatte eine „nicht genehmigte“ Nebentätigkeit. Er arbeitete als Türsteher und Kassierer in einer „berüchtigten“ Diskothek. Eigentlich dumm. Er konnte diesen Job nicht unentdeckt ausüben Manchmal wechselte er seinen Arbeitsplatz kurz nach Ende des Spätdienstes. Dann trug er Räuberzivil (schwarze Dienstschuhe, grüne Uniformhose, an der noch die Knebelkette baumelte) und reinigte seine Pistole. Auf besonderen Wunsch demonstrierte Manfeld den Diskothekenbesuchern, wie schnell er die Waffe – und zwar blind – innerhalb weniger Sekunden auseinander- und wieder zusammenbauen kann. Einige Gäste behaupteten, der – vom Dienst suspendierte Beamte – habe angeboten, sie dürften für 2,- DM die Waffe reinigen.

 

    SYN 10 01

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SYB 10 02

 

 

 

 

 

 

 

 

Karikaturen: Hannes Dietze

Jörg Schmitt-Kilian (ehem. Drogenfahnder und KHK a.D.) hat zahlreiche Bücher (u.a. einen SPIEGEL-Bestseller, mit Uwe Ochsenknecht verfilmt) und Themenhefte zur Früherkennung und Bewältigung von Krisensituationen (Drogen, Gewalt, school-shootings) mit einer Gesamtauflage von mehr als einer halben Million Exemplare geschrieben. Im September ist ENTFÜHRT der vierte Krimi seiner Serie „Neben der Spur“ erschienen.