Thea Krüger
© Foto: Heidi Ramlow

Thea Krüger

Zwischen Provinz und Hauptstadt reisende Ostfriesin. Sie studierte Germanistik und ev. Theologie und absolvierte neben dem Studium ein Volontariat in einem Verlag. Danach war sie einige Jahre als Lehrerin in England und Deutschland tätig.

1985 Beginn der Schreibtätigkeit mit Publikationen von Lyrik und belletristischen Kurzgeschichten in Zeitschriften und Magazinen. Ghostwriter und Lektorat für akademische Texte.

Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie in der Wirtschaft, lange Jahre als angestellte Weltreisende, später machte sie sich selbständig. Kuriose Reisebeobachtungen, extravagante Wirtschaftspraktiken und skurrile Alltagserfahrungen fließen seit 2008 in mörderische Kriminalgeschichten ein. Sie schrieb drei Kriminalromane und mehrere Kurzgeschichten.

Thea Krüger ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat.

Pseudonyme:

Goest&Patsch (zusammen mit Ria Klug)

 

Text zu Beginn einer Lesung von Goest&Patsch in Berlin:

Ein Café in Wilmersdorf.
Laues Sommerwetter.

Amelie sieht sich um und entdeckt eine einzelne Frau an einem Tisch unter einem Sonnenschirm. Die Frau hat einen in einem schmutzigen Converse steckenden Fuß auf das Polster des zweiten Stuhls gelegt und zerbröselt Bierdeckel.


Amelie: „Guten Tag. Du bist bestimmt Nel.“

Nel, blickt kurz auf: „Was geht dich das an?“

Amelie: „Ich bin Amelie von Nerungen.“ Sie schaut starr auf den Fuß, der den Stuhl blockiert. Nur an der Bewegung von Nels Kopf kann sie erkennen, dass sie selbst betrachtet wird und Nel den Blick bemerkt. Deren Sonnenbrille spiegelt.

Sehr gemächlich nimmt Nel den Fuß weg.

Amelie, winkt der Bedienung: „Einen Milchkaffee, bitte!“ Zu Nel: „Möchtest du auch noch etwas?“  Sie wendet das Kissen und setzt sich.

Nel: „Bist du so eine Adelsschranze?“

Amelie: „Dieser Begriff war schon vorgestern überholt. Frag mal die Youngsters am Nachbartisch . Klare Antwort auf deine Frage: Nein.“

Nel, verblüfft: „Du sabbelst wie eine Friseuse.“

Amelie: „Dass mich meine Autorin solch einen Satz wie deinen sagen lässt, davon kann ich nur träumen. Stattdessen muss ich dein Reden ordinär und degoutant finden. Halte bitte einen Moment still.“ Sie ordnet ihre roten Locken im Sonnenbrillenspiegel und zückt den Lippenstift.

Nel: „Red keinen Scheiß. Meine Autorin lässt mich nur solche Sätze sagen. Zum Kotzen ist das.“ Sie nimmt die Brille ab. „Alle halten mich für ungehobelt oder lachen über mich.“ Sie schließt den Mund um den Strohhalm ihres Milchshakes und bläst kräftig hinein.

Amelie, verzieht das Gesicht: „Du hast es besser als ich. Ich finde es eklig, was du da machst; ich kann nicht anders. Tante Sophie würde sich echauffieren, wenn ich solches täte. Meine Autorin hat mich von ihr aufziehen lassen. Die Tante legte stets Wert auf Benehmen und Contenance.“


Nel: „So ne geile Kluft wie deine würde ich auch gerne mal spazierenführen. Meine Freunde würden sich bepissen vor Lachen.“

Amelie, streicht sich über den Rock: „Wir können versuchen, ob sie uns tauschen lassen. Ich wollte schon immer mal spüren, wie sich eine Jeans mit Löchern trägt.“

Nel: „Wir scheißen ihnen vor den Koffer. Wir machen´s einfach, bevor sie es spitzkriegen.“ Sie öffnet den Gürtel.“

Amelie: „Die wissen doch genau, was wir hier machen. Willst du dich wirklich in der Öffentlichkeit entblößen und umkleiden?“

Nel, öffnet die Hose: „Ich muss!“

Amelie. „Sex sells, ich weiß. Aber nicht wenn er so schmutzig daherkommt, wie bei dir.“

Nel, schiebt die Hose über den Hintern nach unten: „Bei mir ist alles verdammt schmutzig ...“

Amelie: „Ha – ha – ha! Mir musst du das nicht sagen. Wir schreiben es unseren Autorinnen. Vielleicht nehmen sie von uns einen Rat an. Was bei mir zu wenig, ist bei dir zu viel drin. Wenn sie sich zusammentun, könnten sie Erfolg haben.“

Nel, die Hose in den Kniekehlen: „Kann sein. Aber dann sind wir weg vom Fenster. Uns gibt’s dann nur noch in der Remittentenkiste.“

Amelie, schulterzuckend: „Ist das schlimm? Wir sind beide nicht zufrieden. Vielleicht leben wir weiter, in anderen Figuren. Vielleicht in einer gemeinsamen. Sozusagen simultane Wiederauferstehung.“

Nel: „Du hast ja nicht alle Tassen im Schrank.“ Sie nestelt unschlüssig an der Hose herum. „Gut. Apropos Tassen. Dann lass uns noch einen heben, während wir was zusammenkritzeln. Meine Autorin hat mir einen 50 Euroschein in die Tasche gesteckt.“ Sie schreit nach der Bedienung.

Amelie, zieht einen Schreibblock und einen goldfarbenen Füller aus der Lederhandtasche: „Ich möchte ein Glas Chablis. Oder einen Veuve Clicquot, wenn sie den haben.“

Nel zieht ihre Hose hoch und schließt die Gürtelschnalle. „Geil. Champagner hat mir meine Autorin noch nie in den Kühlschrank gestellt.“ Sie setzt sich wieder und wedelt mit dem Geldschein. „Wird die Kohle dafür reichen?“

Amelie, lächelt: „Lass man gut sein. Eines schätze ich sehr an meiner Autorin: Sie hat mir ein Vermögen auf diversen Konten angelegt.“

Die Bedienung tritt an den Tisch und Amelie bestellt den besten Champagner des Hauses. Die Gläser werden gebracht, beide prosten sich zu. Die ersten Zeilen fließen zögerlich aus Amelies Feder. Nel rückt mit ihrem Stuhl näher an sie heran. Unterbrochen von Nels Kommentaren und gemeinsamem Kichern füllen sich die Seiten.


Szenenwechsel: Wenzels Gartenwelt am 16. April 2014. (Die diesen Satz Lesende sieht auf die Uhr) 20 Uhr xx

Ria: „Nichts ist schlimmer, als wenn Protagonisten, in diesem Fall unsere Damen, ein Eigenleben entwickeln.“

Thea seufzt: „Im Prinzip ja. Allerdings waren die Ideen, die die beiden uns in den Kopf gesetzt haben, richtig gut. Frage bleibt nur, ob unsere gemeinsamen Geschichten dem Publikum gefallen werden?“

Ria: „Genau. Deshalb gehen wir jetzt lückenlos zur Lesung unserer gemeinsamen Geschichten über.“







Bücher von Thea Krüger

Goest&Patsch: Hauptsache Ziege, erschienen in: Mit Genuss ins Jenseits - Delikatessen für Krimigourmets

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Goest&Patsch: Dein Kleid will mich was lehren, erschienen in: Mordlichterglanz

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Goest&Patsch: Armer Onkel Lübbo, erschienen in: Tote wie Sand am Meer

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Goest&Patsch: Frau Callahans besondere Form der Gnade, erschienen in: Porridge, Pies and Pistols

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Schafe zur Rechten - Böcke zur Linken

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