Berlin 1797

Auf dem Koppenschen Armenfriedhof wird eine Leiche gefunden, doch es gibt keinerlei Hinweise auf die Todesursache. Bei der Sektion in der Charité findet sich im Magen des Toten eine Kette mit einem Pentagramm. Bevor Polizeisergeant Gustav Reiser der Sache weiter auf den Grund gehen kann, wird die Leiche gestohlen. Als wenig später auch noch die Nichte seiner Zimmerwirtin spurlos verschwindet – und mit ihr das mysteriöse Pentagramm – entschließt sich Reiser, zu handeln. Gegen den Willen seiner Obrigkeit kommt er einem schier unglaublichen Geheimnis auf die Spur. Zunächst geht es um Geisterbeschwörungen und Okkultismus. Doch bald entdeckt Reiser eine Intrige, die bis in die höchsten Ebenen der Macht reicht. Von da an steht sein Leben auf dem Spiel. ................................................................................................................................................................................ Werner Münchow Zur Schule gegangen in Lübeck und Bochum, studiert in Mannheim, promoviert in Gießen. Für die Entwicklungshilfe in Afrika, Asien und im Nahen Osten unterwegs gewesen. Danach als Professor sesshaft geworden. Derzeit mitten in Berlin lebend, wo ich (am liebsten) Kriminalromane mit realhistorischem Bezug schreibe. Kurze Kriminalgeschichten: "Perfektes Timing" bei jokers-downloads.de, "Cinderellas Asche" in Grimms Märchen Update 1.1; Hörbücher: „Nach uns die Sintflut" (kommentierte Zitate, 2004), „Sudelbücher" (Textauswahl G. C. Lichtenberg, 2007); Texte und Bilder zur Glasharmonika, dem Kultmusikinstrument der Romantik, habe ich unter „www.armonica.de" veröffentlicht. ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Werner Münchow

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? In frühester Jugend: mit Verschleierung von Obstdiebstählen, Irreführung Ortsfremder und falschen Alibis gegenüber Amtspersonen der Schulbehörde Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Einige kleine und zwei große Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich verspreche, zu versuchen, mich zu bessern ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Reiser schloss die Augen. Sie brannten vor Anstrengung. Seit Stunden saß er vor einem Stapel Papieren und versuchte, für den Tagesbericht krakelige Schriften von fehlerhaft ausgefüllten Meldezetteln, umständlich formulierten Protokollen und nachlässig hingeworfenen Notizen zu entziffern. Das Licht in der Wachstube reichte gerade, um die Karos auf dem Kanzleipapier zu erkennen. Er richtete sich auf, verschränkte die Arme hinter dem Kopf, atmete tief durch, blinzelte und schaute zum Fenster. Auf dem kniehohen Sims hockte ein stoischer Novembernebel und verschleierte die Sicht auf die Linienstraße. Von den Ställen der reitenden Artillerie am Oranienburger Tor schallten vertraute Geräusche herüber. Die Truppe rückte wieder einmal zur Übung aus. Pferde schlugen mit ihren Hufeisen einen holprigen Rhythmus auf das Kopfsteinpflaster. Die Räder der Feldgeschütze und Munitionswagen knirschten dazu eine monotone Melodie. Befehle gellten. Bald würde der Hornist zum Abmarsch blasen. Bestimmt ging es zum Schießplatz hinter dem Gesundbrunnen beim Wedding. Wie wollten die bei dem Wetter mit ihren Kanonen überhaupt ein Ziel treffen? Vielleicht schossen sie ja auch nur ins Blaue. Ins Graue sollte man wohl sagen. Wie auf Kommando ging plötzlich ein Pfeifen und Brüllen los, als sei die Wilde Jagd unterwegs. In dem gräulichen Dunst formte sich wie von Geisterhand ein Schemen und wuchs, lange Fahnen heißen Dampfes ausstoßend, zu bedrohlicher Größe an. Der furchterregende Drache entpuppte sich als kolossales Kaltblut der Artillerie, das geradenwegs auf die trübe Glasscheibe zu hielt. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>