VON BALSTHAL BIS ZOLLIKOFEN

Was passiert, wenn 20 renommierte Krimiautorinnen und -autoren – darunter mehrere Glauser-Preisträger – 20 Gemeinden in den Kantonen Bern und Solothurn heimsuchen und Geschichten schreiben, die vor Ort spielen? Es entstehen Kurzkrimis, von kaltblütig bis sentimental, von ernst bis humorvoll, von makaber bis subtil, von gruselig bis romantisch. Nur eines ist allen gemeinsam: Hochspannung pur. Woran ist der Wachhund der Kallnacher Brennerei wirklich gestorben? Wieso bricht in Thun die Pest aus? Welche unerwünschten Nebenwirkungen hat der Ligerzer? Und wieso wird in Lyss so viel Rosenseife produziert? Ein neuer Blick auf sonst beschauliche und friedvolle Berner und Solothurner Gemeinden - von folgenden AutorInnen: Tatjana Kruse (D) Sunil Mann (CH) Susy Schmid (CH) Wolfgang Bortlik (CH) Michael Theurillat (CH) Sabina Naber (A) Claudia Rossbacher (A) Gunter Gerlach (D) Raoul Biltgen (A) Stephan Pörtner (CH) Paul Lascaux (CH) Judith Merchant (D) Sabina Altermatt (CH) Peter Godazgar (D) Nina George (D) Wolfgang Kemmer (D) Christoph Badertscher (CH) Isabel Morf (CH) Christine Brand (CH) Roger Strub (CH) ................................................................................................................................................................................ Sabina Altermatt, geboren 1966, aufgewachsen in Chur. Sie studierte Staatswissenschaften an der Hochschule St. Gallen. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Zürich und im Glarnerland. Sie schreibt Kolumnen, Kurzgeschichten, Hörspiele und (Kriminal-)Romane. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. http://www.sabina-altermatt.ch/

Paul Ott, geboren 1955, aufgewachsen in Goldach am Bodensee und in St. Gallen, seit 1974 wohnhaft in Bern. In den letzten 30 Jahren veröffentlichte er neben zahllosen journalistischen Arbeiten vor allem Kriminalromane und kriminelle Geschichten. Spezialpreis der Literaturkommission der Stadt Bern.

http://www.literatur.li

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Drei Fragen an Paul Ott

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? 1961 mit dem Betrachten der ersten Fernsehsendung, einer Art Jugendkrimi, in dem eine Ziege geschlachtet worden war. Zum Glück war es nicht die Lieblingsziege, und die Bösewichte wurden gefasst. 1987 erschien dann unter dem Pseudonym Paul Lascaux mein erster Krimi. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Ich habe die Übersicht verloren. Zählen die degustierten Käse und Würste auch dazu? Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich bin ein guter Mensch. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Lexikon Altermatt, Sabina Die Mitherausgeberin der vorliegenden Anthologie lebt in Zürich und im Glarnerland, ist aber im Kanton Solothurn heimatberechtigt, was bedeutet, dass man sie in früheren Zeiten bei Armengenössigkeit oder verbrecherischem Verhalten in diese Gemeinde hätte ausweisen können. Dieser Kelch geht an Sabina vorbei, weil sich ihre kriminelle Energie ausschließlich in literarischem Schaffen manifestiert. Autor/in, der/die Das ist eine Person, die dank ihren überlegenen sprachlichen und erzählerischen Fähigkeiten dazu ausersehen ist, an vorliegender Anthologie mitzuarbeiten und eine Gemeinde mit einem Verbrechen zu beglücken, das es ohne Autor/in niemals gegeben hätte. Bern Die Bundesstadt der Schweiz und das Zentrum der Criminale 2013, gesegnet mit einer wunderschönen Altstadt (1191 von Herzog Berthold V. von Zähringen gegründet), einem gemächlichen Lebensrhythmus und einer sprichwörtlich langen Leitung, die sich in folgendem Witz ausdrückt: „Warum soll man einem Berner am Samstagabend keinen Witz erzählen? – Weil man in der Kirche nicht lachen darf!“ Falls Sie selber etwas länger gebraucht haben, um diesen Witz zu verstehen, sind sie deswegen noch lange kein Berner. Blut, das Für das kriminelle Genre unabdingbare Körperflüssigkeit, von der in manchen Erzählungen und Romanen exzessiv Gebrauch gemacht wird, auch wenn diejenigen, die literweise davon ausgießen, bei jeder Blutwurst ins Würgen geraten. Die Berner mögen’s umgekehrt. Burgdorf Eine der Trägergemeinden der Criminale 2013, bekannt geworden durch die „Burgdorfer Krimitage“, die im geraden Zweijahresrhythmus durchgeführt werden. Bemerkenswerte historische Altstadt mit Schlosshügel, im Mittelalter von denselben Zähringern gegründet, die auch für Thun und Bern verantwortlich sind. Criminale, die Jährliches Treffen der deutschsprachigen Krimiautorenszene, die sich im Syndikat organisiert hat. Findet abwechslungsweise in städtischen und ländlichen Regionen statt, 2013 zum ersten Mal vollständig in der Schweiz. Anlass dafür ist der 75. Todestag von Friedrich Glauser. Die Criminale dient als Schaufenster für den aktuellen deutschsprachigen Kriminalroman, aber auch als Klassentreffen der Autorinnen und Autoren, und wie bei jedem Klassentreffen kommt es zu Verschwesterungen, Exzessen, Tränen und Freudenkundgebungen. Die Criminale 2013 findet vom 17.-21. 4. 2013 in Bern-Burgdorf-Thun-Solothurn statt. Es wird mit 200-250 Teilnehmenden gerechnet. Erkenntnisgewinn, der In den vorliegenden Kurzkrimis gründet sich der Erkenntnisgewinn der Leser/innen auf der einen Seite im Plot, der auf wenigen Seiten nicht nur einen geschärften Blick auf den Charakter einer Ortsgemeinschaft wirft, sondern auch zur Lösung eines Rätsels auffordert. Zusätzlich hoffen wir, dass der/die eine oder andere Leser/in genügend Anregungen empfange, um sich zum Besuch der präsentierten Ortschaften aufzumachen. Es lohnt sich in jedem einzelnen Fall! Gemeinden, beteiligte Neben den vier Hauptveranstalterorten haben sich 16 weitere Gemeinden entschlossen, mit einem Text zur Criminale 2013 beizutragen. Die Geschichten, durch die man die jeweilige Ortschaft kennen lernt und den man durchaus auch als Exkursionsführer nutzen kann, findet man in der vorliegenden Anthologie. Sie alle werden dem geneigten Publikum an einer Veranstaltung im Rahmen der Criminale 2013 von den Schreibenden zum Vortrag gebracht. Glauser, der Der Friedrich-Glauser-Preis wird vom Syndikat ausgelobt für a) den besten deutschsprachigen Kriminalroman des abgelaufenen Jahres, b) den besten Debut-Roman, c) die beste Kurzgeschichte, d) den Ehren-Glauser für ein Lebenswerk im Dienst der Kriminalliteratur. Der Preis für den besten Kinder- und Jugendkrimi heisst „Hansjörg-Martin-Preis“. Alle Preise werden im Rahmen der Criminale vergeben. Glauser, Friedrich (4. 2. 1896 – 8. 12. 1938) Friedrich Glauser war der bedeutendste Pionier der Schweizer Kriminalliteratur und einer der frühen Vertreter des Genres im gesamten deutschsprachigen Raum. Mit Bezug auf sein Vorbild Georges Simenon erhob er die „Atmosphäre“ zum stilgebenden Element seiner Erzählkunst, die er in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts mit sechs Kriminalromanen krönte, fünf davon mit der prägenden Figur des Wachtmeister Studer. Hauptstadtregion, die Als Hauptstadtregion bezeichnet sich der Zusammenschluss der vier Kantone Bern, Solothurn, Fribourg, Neuchâtel, Jura sowie der Region Oberwallis. Es ist eine politische Konstruktion als Gegengewicht zu den Metropolregionen Zürich, Basel und Lausanne-Genf. Offiziell gibt es allerdings in der Schweiz gar keine Hauptstadt (siehe Bern). Kriminalroman, der Eine besondere Form des Romans, der einem besonderen Muster folgt, über dessen Ausgestaltung jedoch mindestens schon so lange gestritten wird, wie es den Kriminalroman gibt. Als Teil der Unterhaltungsliteratur wird dem Kriminalroman oft Trivialität vorgeworfen, vor allem von denjenigen, die ihn nicht zur Kenntnis nehmen und deswegen nicht wissen, was sie dabei verpassen. Kurzkrimi, der Die Kurzform des oben erwähnten Kriminalromans, dessen Meisterschaft darin besteht, auf wenigen Seiten ein Panorama des menschlichen Leids und des Kampfes des Guten gegen das Böse aufzufächern. Je kürzer die Geschichte, desto häufiger hat das Gute nicht genügend Zeit, das Böse zu besiegen, sodass ein Kurzkrimi oft mit Schrecken endet. Mord, der Unverzichtbares Element der meisten Kriminalromane. Um ihn dreht sich auch die Genrediskussion, also ob es sich um einen Detektivroman oder einen Psychokrimi oder etwas anderes handelt. Die Aufklärung des Mords bedingt nicht nur die Arbeit des/der Autor/in, sondern auch das Mitdenken des/der Leser/in. Ott, Paul Der Mitherausgeber der vorliegenden Anthologie lebt in Bern, stammt ursprünglich aus der Ostschweiz, hat aber sein literarisches Schaffen unter dem Pseudonym Paul Lascaux hauptsächlich auf seinen Lebensraum ausgerichtet, sodass Stadt und Region Bern völlig unverdient mit einer Unzahl übler Verbrechen beglückt wird, deren Aufklärung auch nicht immer das Image der Stadt verbessert. SOKO, die In der SOKO (Sonderkommission – in Anlehnung an die Ermittlungseinheit der Polizei) versammeln sich die Autorinnen und Autoren, die die jeweilige Criminale vorbereiten. Das Festival wird nach wie vor von Autor/innen für Autor/innen organisiert, auch wenn der Aufwand, sowohl finanziell als auch personell, den Rahmen eines kulturellen Großanlasses erreicht hat. Solothurn Eine Gründung der Römer (wenn nicht noch älter), die hier eine erste Brücke über die Aare errichtet haben. Ebenfalls von den Zähringern ausgebaut zur befestigten Stadt, heute geprägt vom Barock, und im Gegensatz zum Kanton Bern katholisch. Bekannt für die Solothurner Literatur- und Filmtage, für Genossenschaftsbeizen und mediterranes Lebensgefühl. Spass, der Nun ist ein Tötungsdelikt in erster Linie mit wenig Spaß verbunden. Aber wie würde man die teilweise makabren Einfälle des Lebens ohne Humor überstehen? Auch ein gesunder Zynismus kann angesichts eines üblen Delikts nicht schaden, sodass der eine oder andere Witz durchaus gelungener Teil besonders einer zugespitzten Kurzgeschichte sein kann. Syndikat, das Im Syndikat (gegründet am 2. 2. 1986 mit dem Ziel, die deutschsprachige Kriminalliteratur zu fördern) sind etwa 700 Krimiautorinnen und –autoren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum vereinigt. Das Syndikat ist der eigentliche Veranstalter der Criminale. Thun Die dritte Zähringerstadt im Bunde und das Tor ins Berner Oberland, am Ausfluss der Aare aus dem Thuner See gelegen. Man sagt den Thunern nach, sie würden an schönen Sommertagen ihre Schleusen öffnen, um mit dem kalten Seewasser den Bernern den Badespaß in der Aare zu vergällen. Das ist aber wahrscheinlich nicht wahr. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>