In dieser Woche empfehlen wir die für den Friedrich-Glauser Preis 2013 nominierten Kurzkrimis:

Gunter Gerlach – "Lügen in Lünen" in: Kalendarium des Todes (Grafit) Ein Gärtner verliert seine große Liebe, noch bevor er sie lieben darf. Weil im ungünstigsten Moment die Mauer fällt und sie geht, während er bleibt. Jahrzehnte später bricht der Gärtner doch noch auf, sein Gartenwerkzeug und ihre Postkarten im Gepäck: Klagelieder über den untreuen Ehemann. Der Gärtner erkennt: Der Ehemann muss weg. In der Hoffnung auf Liebe ist er bereit, über Grenzen hinaus zu gehen - und stößt unerwartet auf Abgründe. Eine sorgfältig gezeichnete Beziehungsgeschichte, erzählt in sprachlich hoher Qualität. ................................................................................................................................................................ Peter Probst – "Das Wunder von Werne" in: Kalendarium des Todes (Grafit) Eine Kindheit in den 60er-Jahren: Wie in einem Nachhall des Krieges quälen Kinder einander, beim Fußball, beim Raufen, in einem sadistischen Spiel zwischen Brüdern, während Erwachsene mit ihren Heldentaten an der Front prahlen. Die Begegnung mit dem "wirklichen" Tod in Form eines Schädels wird zum überraschenden Wendepunkt, der aus dem kindlich-herzlosen Ich-Erzähler einen mitfühlenden Jungen macht. Eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden. ................................................................................................................................................................ Regina Schleheck – "Hackfleisch" in: Mordsküche (Der kleine Buchverlag) Eine gestresste Mutter, mitten in den Vorbereitungen zum Mittagessen. Routiniert, pragmatisch, mit der verzeihlichen Ungeduld überforderter Frauen. Ein kleiner Junge, der nicht ahnt, dass er als Bote des Bösen missbraucht wird. Der Dialog über den Verbleib der großen Schwester während des Hackfleischknetens: fast beiläufig. Aber dann: Nachfragen. Begreifen. Panik. Der Beginn unendlicher Trauer und Seelennot einer Mutter, die ihr eigen Fleisch verliert. Mitten im Alltag, diesem banalen Alltag, der auf einmal zum verlorenen Paradies wird. Regina Schleheck hat auf viereinhalb Seiten ein Universum des endlosen Grauens aufgefaltet. Starke Bilder, kein Wort zu viel. Eine Geschichte mit großem Nachklang. ................................................................................................................................................................ Elmar Tannert – "Unter dem Apfelbaum" in: Tatort Garten (ars vivendi) Hinter dem harmlos-heimeligen Titel "Unter dem Apfelbaum" verbirgt Elmar Tannert eine düstere Geschichte. Düster das Setting: Die Welt in naher Zukunft, bar jeder Ordnung. Eine Familie zieht sich in ihr zur Trutzburg ausgebautes Landhaus zurück. Düster die Gedanken: Nur die enge Familie zählt, der andere, der Fremde, ist Feind. Düster der Plot: Mit der Wucht einer griechischen Tragödie endet Elmar Tannerts Kurzgeschichte genau "unter dem Apfelbaum" und das letzte Hoffen ist dahin. ................................................................................................................................................................ Sabine Trinkaus – "Agnus Dei" in: Schöner Morden im Norden Pendragon) Damals waren sie dicke Freunde, Enno und Alexander. Auch an dem Tag, an dem Enno seinen Bruder Thorsten erschlug – und Alexander dazu schwieg. Enno schweigt jetzt für immer – sein aus dem Ruder geratenes Leben hat ein frühes Ende genommen. Die Übriggebliebenen erweisen ihm unter dem Agnus Dei die letzte Ehre. Ein dichter Krimi, eindringlich und packend, eloquent erzählt.

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Für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte “Kurzkrimi” 2013 konnten Krimi-Kurzgeschichten eingereicht werden, die im Jahr 2012 in gedruckter Form (elektronische Veröffentlichungen wurden nicht berücksichtigt) erschienen sind. Die Kurzkrimis duften nicht länger als 20 Normseiten (30 Zeilen á 60 Anschläge) sein. Die Autoren mussten die Kurzkrimis selbst beim Jury-Sekretariat einsenden; Anthologie-Einsendungen von Verlagen konnten nicht berücksichtigt werden. Die Juroren waren: Christine Brand, Christiane Höhmann, Nina George, Stefan Valentin Müller, Franz Zeller Jury-Organisation: Romy Fölck Alle eingereichten Geschichten finden Sie hier >> 112.5K Der Preis in der Sparte „Kurzkrimi“ ist mit 1.000 € in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert. Der/die Preisträger/in wird auf dem „Tango Criminale“, der großen Abschlussgala bei der CRIMINALE 2013 in Bern am Samstag, den 20. April 2013 verkündet und geehrt.