Einen See ganz für sich allein hat Wulf Nölthing bei Wittenberg gekauft und die Dorfbewohner, die dort seit Kindheit badeten und tauchten, einfach ausgesperrt. Wütend demonstrieren sie gegen den Unternehmensberater aus dem Westen, bis Nölthing plötzlich erschossen auf seiner Luxusjacht liegt. Auch für Bernhard Völkel ein klarer Fall. Einer aus dem Dorf muss sich gerächt haben. Aber bei den Leuten stoßen er und sein Kollege Seiler auf eine undurchdringbare Mauer des Schweigens. Doch das ist nicht das einzige Rätsel, das sie plötzlich zu lösen haben. ................................................................................................................................................................................ Heinrich Peuckmann, wurde 1949 in Kamen geboren, wo er noch immer lebt. Aufgewachsen in einer Bergmannsfamilie. Abitur in Unna, Studium der Germanistik, ev. Theologie und Geschichte an der Ruhr Universität in Bochum. Lehrer an einem Gymnasium. Peuckmann ist verheiratet und hat drei Söhne. Seine literarische Arbeit ist sehr vielfältig. Er schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Glossen, pädagogische Artikel. Kleinere Arbeiten auch für das Fernsehen. http://www.heinrich-peuckmann.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Heinrich Peuckmann

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Nicht ich habe mich entschieden, die Welt drängt mir dieses Leben auf. Wie viel wird in dieser Welt getrickst, betrogen, Gewalt ausgeübt? Wie viele dieser Verbrecher stehen auf den oberen Sprossen der gesellschaftlichen Leiter, spielen den vornehmen Macker und sind doch nur lächerliche Figuren. Lächerlich aber gefährlich. Ich gebe zu, dass sie mich noch immer provozieren. Zum Schreiben! Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Im Laufe der Jahre (also der Anzahl der geschriebenen Krimis) habe ich eine erstaunliche Vielfalt im Morden entwickelt. Ich schieße oder stranguliere. Aber am meisten erschlage ich doch. Ob das was zu bedeuten hat? Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Neben mir auf dem Schreibtisch liegt schon das Konzept für den nächsten Fall. Von Reue also keine Spur. Erst muss sich die Gesellschaft ändern, denke ich. Dann kann ich aufhören. ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Wenn am dunklen See Schüsse fallen Still ruht der See. Als warte er auf diese beiden Schüsse. Auf den ersten, der trifft. Den zweiten, der tötet. Und schon hat der See keinen Besitzer mehr. Seiler von der Wittenberger Kripo steht vor einem Rätsel. Keine Spur, das Dorf am See hüllt sich in Schweigen. Doch Seiler holt sich Hilfe. Dass es ausgerechnet Völkel ist, der Ex-Kommissar der Dortmunder Mordkommission, geht auf einen Vortrag zurück, den der einst an der Polizeischule in Bork gehalten hat, Thema Verhörtechnik. Und daran, dass der Autor dieses Buches, Heinrich Peuckmann, in Kamen lebt und arbeitet. Es beginnt mit „einer gegen alle“, einer gegen das Kollektiv. Wulf Nölthing, Unternehmensberater aus dem Westen, hat das einst öffentliche Gewässer unweit der Lutherstadt in Privatbesitz umgewandelt, in seins. Die Anwohner dürfen nicht mehr baden, tauchen, Boot fahren. Einzig Nölthings Jacht dümpelt vorm Ufer. Nach dem Mord sind es Völkel und Seiler, die in die „gegen-alle-Rolle“ geraten. Die Dörfler haben geschimpft, protestiert, sogar das Fernsehen war da. Jetzt steht die Dorfgemeinschaft unter Verdacht und wehrt sich durch Schweigen. Die Motive sind nicht von der Hand zu weisen. Aber Mord? Wirklich Mord? Die schönsten Stellen dieses ruhig und nachdenklich erzählten Krimis sind die, wenn die Ermittler zu ahnen beginnen, was in den Menschen, den Ex-DDRlern, vorgeht. Was, wenn die Leute wissen, wer es war, stellvertretend für sie alle? Was, wenn sie – genau so ahnungslos wie die Polizei – sich gegenseitig verdächtigen, ohne etwas zu wissen, wie aus dem Verlauf einer Bürgerversammlung geschlossen werden könnte? Peuckmann verleiht da, psychologisch genau, seiner Handlung mitunter parabelhafte Züge. Dann fällt wieder ein Schuss und die Tochter des Dorfwirts verschwindet. Neue Spuren weisen Völkel und Seiler auf neue Wege. Und natürlich ins Ziel. Von Rainer Wanzelius, Westfälische Rundschau, Kultur, 28.3.12 ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Eine Windbö erfasste plötzlich das Boot und brachte es zum Schaukeln. So unverhofft kam der Stoß, dass er sich an der Reling festhalten musste. Ja, das gab es manchmal hier, plötzlich einfallende Winde, die von den Feldern herüberwehten. Das Boot schaukelte, der Wald vor und hinter ihm rauschte. Er schaute hinüber und bemerkte plötzlich, dass sich dort Zweige eines Gebüsches gegen die Windrichtung bewegten. Nein, das konnte nicht sein, er musste sich verguckt haben. Und doch war es so gewesen, gebannt schaute er zu dem Gebüsch hinüber. Er verstand nicht, was das zu bedeuten hatte. Die Bö war von den Feldern herübergekommen, nur daher. Wie konnten sich Zweige gegen die Windrichtung bewegen? Ach Gott, er sollte das lassen, seine kleinlichen Beobachtungen. Was spielte es für eine Rolle, in welche Richtung sich die Zweige eines Gebüsches bewegen? Eine Lappalie war das, nichts, worüber es sich lohnte, auch nur einen Gedanken zu verschwenden. Das Boot hatte aufgehört zu schaukeln, er konnte die Reling loslassen, der See zeigte wieder sein Farbenspiel in der untergehenden Sonne. Plötzlich, wie aus dem Nichts, ertönte ein furchtbarer Knall. Er kam aus Richtung des Gebüsches, dessen Zweige sich gerade so merkwürdig gebogen hatten. Der Knall hallte nach über dem Wasser, wie eine Welle schien er sich auszubreiten über dem See. Staunend lauschte er, wie der Hall verklang, dann blickte er hinüber zu dem Gebüsch. Erst in dem Moment spürte er einen stechenden Schmerz. Ob der Knall etwas mit dem Schmerz zu tun hatte? Er griff sich an die Leiste, spürte eine warme Flüssigkeit an der Hand und bekam einen furchtbaren Schreck. Um Gottes Willen, stand da jemand hinter dem Gebüsch und zielte auf ihn? Ob sie das wagen würden, auf ihn zu schießen, ob das einem von ihnen zuzutrauen war? Egal, er konnte die Frage jetzt nicht beantworten. Blut breitete sich neben der Reling aus, er konnte jetzt nur eines tun, nämlich abtauchen unter Deck, so schnell wie möglich. Er richtete sich nicht auf, um hinüberzulaufen, sondern ließ sich nach vorn fallen und versuchte, auf dem Bauch rutschend zur Kajüte zu gelangen. So, das wusste er, gab er kein so gutes Ziel ab für einen zweiten Schuss. Es ging mühsam, aber er kam voran, langsam, sehr langsam kam er der Treppe näher, die zur Kajüte führte. Noch zwei, noch einen Meter, dann hätte er es geschafft. In dem Moment ertönte ein zweiter Knall. Diesmal spürte er den Schmerz unterhalb der Schulter sofort. Verzweifelt bäumte er sich auf, fiel dann nach vorn, versuchte wieder, weiterzurutschen, aber es gelang ihm nicht mehr. Er konnte sich nicht bewegen, so sehr er es auch versuchte. Im letzten Moment konnte er sich an der Kajütenwand festhalten, um nicht zur Seite zu rutschen und ins Wasser zu fallen. Das war das Letzte, was er an den Händen spürte. Die Kajütenwand, die ihm für einen Moment Halt bot. Dann wurde ihm schwarz vor Augen, pechschwarz. Schlaff fielen seine Hände auf das Deck. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>