Irrsinns-Story

Der hundertjährige Seniorchef der Biosuppenfirma Hepp ist ein ebenso reizender wie rätselhafter Mensch. Ist es bloße Senilität, die ihn gelegentlich abdriften lässt? Blitzt die „Schizophrenie“ wieder auf, die NS-Akten ihm unterstellen. Oder sind es Schuldgefühle, die ab und an Löcher in das Gespinst aus Lügen schlagen, mit dem die Familie seit Jahrzehnten ein Verbrechen verbirgt? Nachwuchsjournalistin Karoline Rosenkranz will es wissen und lässt sich als Mitarbeiterin der PR-Abteilung einstellen. Mitten in ihre Recherchen platzt die Nachricht, Firmenerbe Valentin Hepp sei entführt worden. Der 19-Jährige gilt als versponnen und wird verdächtigt, einen Sprengstoffanschlag auf eine Charge Brathähnchen angezettelt zu haben. Das lockt Karo auf eine neue Spur. Eine Spur, die in die Irre führt - buchstäblich. ................................................................................................................................................................................ Ella Theiss, lebt und arbeitet in der Nähe von Darmstadt. Sie hat Germanistik und Sozialwissenschaften studiert, nach ihrem Volontariat mehrere Jahre als leitende Redakteurin bei der EKD gearbeitet. Seit der Geburt ihrer Töchter ist sie freie Journalistin, verfasst unter ihrem bürgerlichen Namen Elke Achtner-Theiss Artikel und Sachbücher zu Ernährungs- und Ökologiethemen. Seit 2007 befasst sie sich auch mit dem literarischen Schreiben, hat mehrere Kurzgeschichten und ihren ersten Roman "Die Spucke des Teufels" 2009 veröffentlicht. Er belegte Platz 2 zum Gerhard-Beier-Preis 2010. Im Frühjahr 2012 erschien ihr zeitgenössischer Roman "Neben der Spur". http://www.ellatheiss.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Ella Theiss

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Bin immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort: Schreibtisch, spätabends. Welches ist Ihre Lieblingstatwaffe? Am liebsten lass ich meine Protagonisten frei wählen. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich sag nichts. Wer sich selbst verteidigt, klagt sich an. Das wusste schon Hieronymus. ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Herrlich boshaft schreibt Ella Theiss, und sie beherrscht die Kunst der Überraschung. Was ihre Figuren sagen und wie sie agieren, das alles liest sich sehr überzeugend. "Neben der Spur" ist gehaltvolle, amüsante, raffinierte Krimi-Kost. www.lokalkompass.de Das Buch fängt gelassen mit einer frechen Protagonistin an, deren unbeschwerte Jugendlichkeit durch alle Ritzen dringt. Im Verlauf der Handlungen steigert sich die Spannung und endet in einem Showdown, der Film-Qualitäten besitzt. www.buchtips.net Ein fabelhafter Kriminalroman, brillant erzählt, spannungsreich und, trotz des ernsten historischen Hintergrunds, sehr vergnüglich zu lesen. www.klusiliest.blogspot.de Ella Theiss hat den Wechsel vom historischen Roman zum Krimi ganz hervorragend gemeistert. Ihren lockeren und flüssigen Schreibstil hat sie ebenso beibehalten wie ihren sorgsamen Umgang mit den Charakteren. www.buchblinzler.blogspot.de ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

… Karo wirft sich ein Lakritzbonbon ein und braust, was die alte Karre und die Verkehrsverhältnisse hergeben, in die Pampa im Norden. Doch kurz vorm Ziel: kein Durchkommen mehr. Polizei samt Schusswaffen und Spürhunden. Feuerwehr, Blaulichter, rot-weiße Banderolen vor der Werkseinfahrt. Und jede Menge Gaffer mit verschränkten Armen und gierenden Mienen. Karo parkt auf einem nahen Wanderweg. Not kennt kein Verbot. Die Redaktion wird den Strafzettel bestimmt zahlen. Die Frage, die ein Normalsterblicher in solcher Situation den Umstehenden stellen würde, nämlich was denn da los sei, kommt für Karo nicht in Betracht. Karo ist ja Reporterin, muss also direkt an die Informationsquelle rankommen. Vor allem hinter die Absperrung muss sie kommen, wo ein Löschfahrzeug samt Feuerwehrleuten in Schutzkleidung von Dramatik zeugen. Der Kollege vom lokalen Anzeigenblatt huscht, seine Kamera vorm Gesicht, in Hasenmanier umher, ein Typ vom Fernsehen hält einem eisern schweigenden Polizeibeamten ein Mikro unter die Nase. Dicht daneben – Karo stockt der Atem – hat sich Alex aufgebaut, den wie immer lauernden Blick auf den Fernsehmenschen gerichtet. So was! Endlich hat Karo mal eine gute Story, eine für die Titelseite vielleicht, da taucht der wieder auf. Sie arbeitet sich durch die Menge bis zum Rolltor, das von einem uniformierten Riesen mit buschigen Augenbrauen bewacht wird, will ihren Presseausweis zücken – Verdammt, den hat sie nicht dabei, der steckt in der Jeans mit dem Colafleck! Vielleicht klappt es auch ohne. Mit angelegten Ellbogen stößt sie vor. „Bleiben Sie zurück, Sie dürfen hier nicht durch!“ Der Riese fährt seine Greifarme aus, packt Karo und schiebt sie wie einen Rollkoffer zurück. „Aber mein Mann ist da drin“, kreischt sie, „ich muss zu ihm!“ „Niemand ist ernstlich verletzt. Gehen Sie nach Hause, warten Sie ab. Wenn die Personalien aufgenommen sind, dürfen alle Beschäftigten heim.“ „Bitte, Herr Wachtmeister, ich will zu meinem Christian. Er braucht seine Notfallpillen“, jammert Karo, „sonst kriegt er vielleicht einen Herzinfarkt.“ Entschlossen ergreift sie die Schachtel mit den Lakritzbonbons, wedelt damit vor den Augenbrauen herum, die sich bedenklich weit in Richtung Nasenspitze abgesenkt haben. ‚Wachtmeister’ ist ein Zauberwort. Es lässt den Freund und Helfer in jedem noch so drögen Polypen aufleben. ‚Herr Wachtmeister’ wirkt immer. Besonders wenn man dazu entweder flirtet oder schluchzt. Karo schluchzt wie ein verstopftes Saxofon, die Greifarme lösen sich und sie hechtet, „danke schön“ japsend, durch die Sperre …

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