Schatten der Vergangenheit

Die Leiche eines betagten Restaurantbesitzers wird am Blauen Wunder aufgehängt. Der Körper des Greises, der in eine archaische Priesterrobe gehüllt ist, weist seltsame Brandmale auf. War der Tote ein untergetauchter Kriegsverbrecher, der nach siebzig Jahren aus Rache ermordet wurde? Die Ermittlungen bringen die Mordkommission auf die Spur einer Wiener Journalistin, die auf ein unfassbares Verbrechen der Nazizeit gestoßen war, kurz bevor sie in Dresden verschwand. Während Kommissarin Conny Clausius ihren Urlaub mit Raik Winter abbricht, um sich ehrgeizig dem neuen Fall zu widmen, greift der Strafrichter der attraktiven Marijana Kettler unter die Arme, die für das Mordopfer arbeitete und macht im Keller des Restaurants eine unglaubliche Entdeckung. ................................................................................................................................................................................ Romy Fölck, wurde 1974 in Meißen geboren und studierte Jura in Dresden. Sie lebt und arbeitet seit 2002 in Leipzig. 2008 und 2009 veranstaltete sie die "LIT AQUA - Literatur & Talk auf der Elbe" auf einem Salonschiff am Terrassenufer in Dresden. Neben ihren Romanen schreibt sie Krimikurzgeschichten und Rezensionen für www.belletristik-couch.de. Ihr dritter Roman "Duell im Schatten" erscheint im Februar 2012. http://romyfoelck.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Romy Fölck

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Während meines Jurastudiums, als ich zur Entspannung meinen ersten Krimi schrieb. Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto? Man würde mich lebenslang wegsperren, wenn man mir auf die Schliche käme. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich bin kein trockener Jurist geworden. Das ist doch auch schon was ... ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Noch nie hatte Ilse Fiedler sich so sehr nach Dresden zurückgesehnt, wie in diesem Moment, als sie auf dem Deck des Schaufelraddampfers stand und im Zwielicht der Abenddämmerung die Elbwiesen und villengeschmückten Hänge an ihr vorbeizogen. Ihre Enkel hatten ihr zum Fünfundsiebzigsten diese Reise in ihre Geburtsstadt geschenkt und sie war nach dem ersten Freudentaumel skeptisch gewesen, ob es gut war, an ihrem Lebensabend noch einmal hierher zurückzukehren. Sie stand auf dem offenen Sonnendeck und obwohl sie im Fahrtwind etwas fröstelte, konnte sie sich nicht dazu durchringen, in das geschützte Passagierdeck hinunter zu steigen, wo Ludwig bei einem Bier saß. Sie sah vor dem Anthrazit des Himmels die geschwungene Kontur des Blauen Wunders heran gleiten, und plötzlich entfalteten sich bunte Bilder in ihrem Kopf, die sie längst vergessen glaubte. Bilder, wie sie damals Hand in Hand mit ihren älteren Geschwistern über die Brücke spaziert war, lachend und Lieder singend, die sie nun ihren Urenkeln vorsang. An diese Sonntagsausflüge am Elbhang hatte seit Jahren nicht mehr gedacht, obwohl da ihre kindliche Welt noch unschuldig und erfüllt von Liebe gewesen war. Nun war sie wieder hier; ihre drei Geschwister waren tot und sie selbst hatte nichts von damals zurückbehalten, als all diese Erinnerungen, die nun plötzlich wieder aufflammten. Doch war das wirklich nichts? War dieses friedliche Bild einer armen aber glücklichen Familie nicht ein kleiner Schatz, den sie nun am Rande ihres Lebens wiedergefunden hatte? Der Dampfer hatte das Blaue Wunder fast erreicht und ihr schwermütiger Blick lag auf der geschwungenen Stahlkonstruktion, als sie eine Bewegung hoch oben auf der Brüstung bemerkte. Kletterte dort etwa jemand über das Geländer? Sie kniff ihre Augen zusammen, aber so sehr sie sich auch bemühte, es war mittlerweile zu dunkel, um etwas Genaues erkennen zu können. Gleich würde das Schiff unter dem Blauen Wunder hindurchfahren. Sie erspähte eine schemenhafte Gestalt über sich, die plötzlich den Halt zu verlieren schien, so dass Ilse Fiedler vor Schreck die Hand auf den Mund presste. Die Person fiel wie ein schwerer Sack von der Brücke, wurde jedoch noch vor dem Aufprall auf dem Schiffsdeck mit einem harten Ruck zurückgerissen und schwang an einem Seil an ihr vorbei. Einen kurzen Moment hatte sie gehofft, dass es ein Scherz gewesen war, einer dieser jungen Leute, die aus nicht erklärbarem Eifer von Brücken sprangen. Doch ein Detail ihrer Beobachtung widersprach dieser Vermutung: Das Seil war um den Hals der Gestalt geschlungen gewesen. * * * Frühere „Empfehlungen der Woche“ finden Sie hier >>