Ein Köln-Krimi

Die Journalistin Katja Leichter arbeitet an einer Reportage über Pflegefamilien in Köln, als ihr zwei hilfebedürftige Kinder, ein kleiner Junge und seine Schwester, über den Weg laufen. Anstatt das Jugendamt zu informieren, besorgt ihnen Katja ein Versteck. Wenig später wird im Rhein ein totes Mädchen entdeckt, und eine Frau, die Katja vor Kurzem interviewt hat, wird ermordet aufgefunden. Katja hat einen schrecklichen Verdacht und beginnt nachzuforschen. Dabei merkt sie zu spät, dass sie selbst in Lebensgefahr ist. ................................................................................................................................................................................ Ingrid Strobl, geboren 1952 in Innsbruck. Studium der Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte in Innsbruck und Wien. Diverse Jobs während des Studiums. Politische/feministische Aktivitäten. Freiberufliche Tätigkeit beim ORF (Fernsehen und Hörfunk). 1979 Umzug nach Köln. 1979 – 1986 Redakteurin der Zeitschrift „Emma“. Seit 1986 freie Buch-, Fernseh- und Hörfunk-Autorin in Köln. Zuletzt: "Endstation Nippes", Köln-Krimi, Emons Verlag; "Respekt - Anders miteinander umgehen", Sachbuch, Pattloch Verlag; „Tödliches Karma“, Köln-Krimi, Emons Verlag; „'Es macht die Seele kaputt.' Junkiefrauen auf dem Strich“; „Ende der Nacht“, Orlanda Verlag; „'Ich hätte sie gerne noch vieles gefragt.' Töchter und der Tod der Mutter“, Fischer TB. http://www.ingrid-strobl.de ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Ingrid Strobl

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Spätestens mit 16, als ich meinen ersten Joint rauchte (was ja auch damals schon verboten war.) Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto? No comment. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Wieso Verteidigung? ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Vor meiner Tür lag etwas. Ich näherte mich vorsichtig, und dann wurde mir schlecht. Ich lehnte mich an die Wand und schloss die Augen. Als ich sie öffnete, lag es immer noch da. Es war eine gehäutete Katze ohne Kopf. Unter ihr lag ein Zettel so, dass ich die Mitteilung lesen konnte, ohne den Kadaver zu bewegen. »Als Nächstes ist das Mädchen dran.«  Ich will nicht mehr, dachte ich. Ich will das alles nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Rief Tina an. Sagte ihr auf die Mailbox, was geschehen war. Danach versuchte ich es bei Hotte. Er ging dran.  »Wo ist Chantal?«  »Hä?«  »Hotte, wo ist Chantal?«  »Bei der Mary. Wieso?«  Ich sagte ihm kurz, warum. Bat ihn, Chantal bei Mary zu lassen. Sicherer als bei einer Kung-Fu-Meisterin konnte sie in ganz Köln nicht sein. Dann erzählte ich ihm von dem Kadaver und dem Zettel.  »Mensch Katja, Scheiße! Biste sicher, dass das deine Katze is? Is dein Schloss aufgebrochen? Guck doch mal!«  Meine Tür war abgeschlossen. Ich sperrte sie auf.  »Bleib dran, Hotte, ja?«  Ich schlich auf Zehenspitzen in die Wohnung. »Rosa?« Inspizierte die Küche. Nichts. »Röschen, meine Süße, wo steckst du?« Fand sie weder im Schlaf , noch im Arbeitszimmer. »Röschen?!« Ging zurück in die Küche und schüttete Brekkies in eine Schale.  Ein leises Maunzen. Sie stolzierte in die Küche, inspizierte die Brekkies, spielte ein wenig damit herum und verdrückte sich wieder.  »Isse da?«  »Ja, danke. Hör mal Hotte, lass Chantal aber trotzdem bei Mary.« Kaum hatte ich eingehängt, klingelte mein Handy.  »Katja«, sagte Tina, »das tut mir so schrecklich ...«  »Es ist nicht Rosa!«, unterbrach ich sie.  »Gott sei Dank!«, seufzte Tina. »Hör mal, ich kann jetzt hier nicht weg. Aber ich schicke dir die Spusi und einen von meinen Kollegen. Ich melde mich wieder.« Ich legte mich aufs Sofa und dachte darüber nach, worüber ich als Journalistin arbeiten könnte, wenn ich die »harten« Themen aufgab, die meine Spezialität waren. Mir fiel nichts ein. Niente. Nada.  Das Handy riss mich aus meinen Überlegungen.  »Die Chantal is fott!«  Ich schoss hoch. »Wie: fott?«  »Die is nie bei der Mary angekommen. Hörma, wir müssen die finden!« Hotte keuchte vor Aufregung.  »Ich ruf sofort Tina Gruber an, wann sollte Chantal bei Mary sein?«  »Um elf.« Ich sah auf die Uhr, es war kurz vor halb zwölf. »Okay, ich informiere Tina, die soll die Suche anleiern. Ich muss hier auf die Bullen warten wegen der toten Katze, danach komme ich zu dir.«  Schweigen.  »Hotte, wir finden sie.«  »Mhm.«  Tina hatte wieder nur die Mailbox an.  Als es klingelte, riss ich die Tür auf und wollte gerade loslegen. Aber da standen nicht Tinas Kollege und die Spurensicherung. Da stand der Typ vom Hausflur. Und vor ihm Chantal.  »Mach Platz«, wies er mich an und schob Chantal in meinen Flur. Er hielt eine Pistole in ihren Rücken gedrückt. Stieß mit dem Fuß die angelehnte Tür zu meinem Arbeitszimmer auf. Schubste Chantal aufs Sofa und blaffte: »Ausziehen!«  »Fick dich!«  Er schlug ihr ins Gesicht. Sie zuckte zurück und biss sich auf die Lippen. Blut lief ihr aus der Nase. Der Typ wandte sich jetzt mir zu. »Ich fange mit ihr an«, sagte er und strich mit der Hand über Chantals noch kaum vorhandene Brüste. »Dann bist du dran.« Er musterte mich von oben bis unten und grinste abfällig. »Vielleicht. Vielleicht bist du mir aber auch zu alt und ausgeleiert. Dann nehme ich den Besen. Magst du es mit dem Besen?«  Das kurzärmlige T-Shirt, das er trug, ließ jede Menge Anabolika-gedüngte Muckis zur Geltung kommen. Er war um die dreißig, vom Typ her eine Mischung aus Rapper und Security, hatte ein hübsches, verlebtes Gesicht und trug Glitzerohrringe. Und war entweder auf Koks oder auf Speed. Ich tippte eher auf Koks.  Chantal saß aufrecht auf dem Sofa und hielt die Hände vor dem Bauch gefaltet. Ich begriff plötzlich, dass sie in ihr Tan T'ien atmete, das Zentrum des Chi, der Energie. Hoffte inständig, dass das Mädchen sich nicht überschätzte und versuchte, mit ihrem bisschen Anfängerinnen-Kung-Fu gegen einen zugekoksten Brutalo mit Pistole anzugehen.  »Zieh dich aus«, blaffte der Typ erneut Chantal an.Fuhr ihr mit der Hand unter das T-Shirt. Ich sprang ihn von hinten an, er schwang herum und rammte mir den Ellenbogen in den Solar Plexus.

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