Wien, Wein & Tod

Sie wollen die wahre Geschichte des Zweigelts wissen? Oder jene vom stürmischen Tod Beethovens? Genießen Sie dazu ein Pinot-Noir-Menü mit herbem Abgang oder einen verräterischen Gespritzten, und danach eine Badewanne voll Blauem Portugieser oder russisches Blut, gemischt mit Cabernet Sauvignon. So sind Sie dann gestärkt für den veltlinergeschwängerten Weltuntergang, eine koschere Rache, den deutschösterreichischen Riesling-Kampf bis aufs Blut oder ein Fluchtachterl mit Konsequenzen – oder füreinen anderen der 18 Kurzkrimis zum Thema Wiener Wein. Zehn Wiener Rebsorten und acht Weinbegriffe inspirierten Raoul Biltgen, Christian Klinger, Edith Kneifl, Beatrix Kramlovsky, Lisa Lercher, Beate Maxian, Ilona Mayer-Zach, Sabina Naber, Andreas Pittler, Claudia Rossbacher, Eva Rossmann, Ivo Schneider, Susanne Schubarsky, Stefan Slupetzky, Amaryllis Sommerer, Thomas Askan Vierich, Christoph Wagner und Manfred Wieninger zu bitterbösen, aber auch lukullischen Geschichten, die tief in die Wiener Seele blicken lassen. ................................................................................................................................................................................ Sabina Naber, geboren 1965, Magistra der Theaterwissenschaft. Seit 1987 als Autorin und Regisseurin tätig (Theater und Film); daneben auch journalistische Erfahrung bei diversen Printmedien und beim ORF. Ihr erster Roman mit der Wiener Kommissarin Maria Kouba („Die Namensvetterin“, Rotbuch/Hamburg) erschien im März 2002, der mittlerweile sechste Band („Die Spielmacher“, Rotbuch/Berlin) im März 2011. Sie ist außerdem Herausgeberin von Kriminalanthologien und verfasst selbst Kurzgeschichten. Für die Geschichte "Peter in St. Paul", erschienen in "Mörderisch unterwegs", hrsg. v. Edith Kneifl, Milena/Wien 2006, erhielt sie im April 2007 den Friedrich-Glauser-Preis für die beste Kurzgeschichte. Sabina Naber ist Mitbegründerin der Plattform der österreichischen Krimiautoren (www.krimiautoren.at) und seit September 2010 Sprecherin des Syndikat. http://www.sabinanaber.at ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Sabina Naber

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden? Gruppenzwang Was ist Ihre Lieblingstatwaffe? Was sich gerade anbietet. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Gruppenzwang ................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Ein “Gemischter Satz” aus Kriminalgeschichten rund um das Thema Wien, Wein und Tod. Was kommt heraus, wenn 18 KrimiautorInnen jeweils eine dieser Kurzgeschichten schreiben und daraus eine Anthologie wird? Eine mordsmäßig unterhaltsame Lektüre! Das Thema war, so wie es sich liest, eine wahre Fundgrube für Ideen und eine Muse für das Spiel mit Worten. Die 18 nahmen sich ein Blatt vor die Feder und fabulierten und phantasieren nur so dahin, dass es richtig Freude macht. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte – mehr solcher Anthologien, bitte! Danke! www.literatur-blog.at ................................................................................................................................................................................

Leseproben

Raoul Biltgen Die Wanne ist voll oder Warum es nicht immer von Vorteil ist, ein Weinexperte zu sein Blauer Portugieser

Also stieg ich über die Leiche hinweg zur Badewanne, tunkte den Finger in die Flüssigkeit, steckte ihn in den Mund und saugte daran. Als mich einer der Polizisten brutal nach hinten riss, sagte ich nur: „Blauer Portugieser“.

Christian Klinger Rache ist koscher koscherer Wein

Drei gleiche Flaschen standen aufgereiht vor ihm da. Von den ersten beiden wusste er bereits aufgrund des Laborberichts, dass sie penibel gereinigt worden waren.

Edith Kneifl Küsse gab sie uns und Reben Sturm

„Lassen Sie sich das Gansl gut munden, gnädiger Herr“, sagte Therese und stellte auch einen Krug mit kaltem frischem Sturm neben den Teller auf seinen Tisch. „Der Most wird bald zur Gänze vergoren sein. Dann kriegen Sie nur mehr einen Staubigen“.

Beatrix Kramlovsky Auferstehung Staubiger

„Martin, du wirst es nicht glauben …“, setzte Rudolf an und öffnete die Aktentasche, um Flasche und Gläser heraus zu holen, „… da gibt’s Irre, die Grabteile stehlen. Kannst dir das vorstellen? Was macht man damit? Verkaufen?

Lisa Lercher Herb im Abgang Pinot Noir

Vergessen hat sie ihn nie. Wie auch? Immer wieder hat er geschworen, dass sich alles ändern wird, ist auf Knien vor ihr gelegen, hat seinen Kopf in ihren Schoß gedrückt. Und dann ist er ebenso plötzlich aus ihrem Leben verschwunden, wie er seinerzeit aufgetaucht war – beim Lagerfeuer, den Hendlhaxn in der Hand. Sie holt das Blut aus der Speis. Es ist dunkel, fast braun. Sie kramt nach der Kochschokolade.

Beate Maxian Beim Wein und meiner Seele! Grinzinger Kellerdialog Weißer Burgunder

Sepp: Gib dein Glas her, ist ja schon wieder leer. Da, Brot und Schmalz ist auch noch am Tisch, nimm dir einfach.“ Rudi: „Danke, wir sollten eh was essen, wenn wir so weitersaufen.“ Sepp: „Trinken. Es heißt immer noch trinken, bei so einem guten Tröpferl darfst nicht saufen sagen.“ Rudi: „Der Wein befreit die Zunge. Erzähl weiter!“

Ilona Mayer-Zach Die Wahrheit liegt im Wiener Wein Gemischter Satz

Die Herbstsonne strahlte vom Himmel und brachte die Blätter und Pflanzen zum Leuchten. Sie ergatterten einen Tisch unter einem Lindenbaum und von Weiterwandern war keine Rede mehr.

Sabina Naber Die Chance Fluchtachterl

Sie war so schön, die Haut leicht getönt und samtig wie die eines Babys. Er streichelte sie Zentimeter um Zentimeter. Ihre Beine umklammerten seinen Hintern, der Orgasmus verwandelte sie in eine Göttin, er umschlang sie und hatte das Gefühl, endlich komplett zu sein.

Andreas Pittler Tod im Hochriegl Sekt

Dann sah sich Bronstein die Leiche näher an. Ein Mann von etwa 30 Jahren, gepflegt, wenn auch offenbar eher aus einfacheren Verhältnissen, wie man aus der Kleidung schließen konnte. Bronstein vermutete in dem Toten einen Buchhalter oder einen kleineren Beamten.

Claudia Rossbacher Nur über seine Leiche Traminer

Noch einmal überprüfte Werner die Flinte des Großvaters. Er war nervös. Ob er es schaffen würde, auf den eigenen Bruder zu zielen und abzudrücken? Würde ihm die Polizei einen angeblichen Unfall abkaufen?

Eva Rossmann Ins Gras gebissen Sauvignon Blanc

Hinter dem Festsaal das übliche Chaos. Kartons und Kühlboxen und Weinkisten und Werbematerial. Ich seufze und sehe mich um. Hinter diesem Raum sind noch zwei Räume. In dem einen haben sich die meisten von uns umgezogen. Wer will schon in einem knallroten Hosenanzug in der U-Bahn stehen? Ich öffne die Tür zum anderen, sehe tatsächlich zwei Kühlboxen von Plus-Catering und fast gleichzeitig etwas, das ich zuerst für eine Inszenierung der PR-Tante halte: Wiener Blut. Oder besser: Wiener im eigenen Saft.

Ivo Schneider Igors Blut Cabernet Sauvignon

Als beide volle Gläser in der Hand hielten, hob der Alte das seine. „Auf ’n Igor.“ Sie tranken. Nach einigen Minuten stillen Sinnierens drehte sich der Blinde wieder zu dem jungen Mann. „Bist du a Anwalt oder so was?“

Susanne Schubarsky Unüblich Übliches Gespritzter

Der Tote liegt ganz friedlich in dem schmalen Verbindungsweg zwischen Spittelberggasse und Gutenberggasse. Erst auf den zweiten Blick ist die Blutlache unter seinem Kopf zu erkennen.

Stefan Slupetzky Arche Johann Grüner Veltliner

Es geschah in einer finsteren Nacht, dass sich der alte Mann in Johanns Träume schlich. Johann nahm ihn anfangs gar nicht wahr, und als er ihn dann doch bemerkte (so wie einem ein störender Fleck im Augenwinkel erst nach einer Weile bewusst wird), da ignorierte er ihn. Wie üblich hatte sich Johann am Abend betrunken, um nach der dritten Flasche Wein – gleich hier, auf einer Bank im Presshaus seines Hofs – in einen tiefen, todesähnlichen Schlaf zu sacken.

Amaryllis Sommerer Escort Service Chardonnay

„Hier kommen wir also her, um zu sterben. Schön, sehr schön.“ Der alte Mann, der nach ungelüftetem Keller riecht, saugt die frische Luft, die aus den vor ihm liegenden Weinbergen steigt, genüsslich in sich auf. Noch ist es nicht sein letzter Atemzug, noch schweift sein von verschrumpelten Lidern verhangener Blick über die saftig grünen Hügel der Stadt, über fruchtbare Weinstöcke, über ein üppiges Blättermeer – über das blühende Leben schlechthin.

Thomas Askan Vierich Großer Zwerg Riesling

Aber Poldi ist nicht ehrlich. Nicht wenn es um Riesling geht. Also musste ich nachlegen: „Für dieses raffinierte Spiel zwischen Säure und Restsüße beim deutschen Riesling langt es bei euch einfach nicht. Dafür bringt ihr weder den Mut am Weinberg noch die Geduld im Keller auf.“

Christoph Wagner Requiem in neuer Eiche Barrique

Schatzberger bat Dattelböck, an einem langen, aus einem einzigen Stück Holz gezimmerten Eichentisch Platz zu nehmen, und griff erneut zu seiner Fernbedienung. Die Klänge eines Symphonieorchesters durchströmten plötzlich das ganze Gewölbe, dessen Akustik aufgrund der vielen darin gelagerten Eichenfässer jedem Konzertsaal Ehre gemacht hätte.

Manfred Wieninger Brauner Zweigelt Zweigelt

„Dieser Dr. Zweigelt war eigentlich Maikäferforscher und ist 1933 in die NSDAP eingetreten“, ließ sich Dr. Pindar nicht stoppen, „1940, da war er bereits Direktor, hat er einen Schüler seiner Anstalt mehr oder weniger hineingeritten bei der Gestapo. Habe ich jedenfalls gelesen. Der Bub wollte in einem Dumme-Jungen-Streich der Adolf-Hitler-Eiche in Klosterneuburg mit Unkrautsalz ans Holz gehen.“

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