Essen, Trinken, Menschen, Architektur

Vor der Kulisse eines Wien zwischen k.u.k.-Herrlichkeit und Moderne entfaltet Thomas Askan Vierich genussvoll einen mitreißenden Plot – mit viel Gespür für den Charakter der Stadt, Sinn für Ironie und pointierte Dialoge - und einigen überraschenden Wendungen. Barbara, die kapriziöse Tochter eines sehr bekannten Wiener Baulöwen, wird verfolgt und bedroht. Sie überredet den Journalisten und Lebemann Alfred Brinkmann, sie als eine Art Leibwächter zu begleiten. Dann wird Barbaras Vater tot aufgefunden, eingegossen in Beton. Und Alfred gerät in ein Netz erotischer Versuchungen, tödlicher Intrigen im Baumilieu und dunkler Familiengeheimnisse, in dem Lüge und Vergessen, Sex und Business, Mord und Totschlag nah beieinander liegen ... ................................................................................................................................................................................ Thomas Askan Vierich, geboren 1964. Studium der Neuen deutschen Literatur und Neuen Geschichte. Rockmusiker, Redakteur und Autor für Gastronomisches und Literatur für diverse Zeitungen (u.a. Zitty) und Radioprogramme (u.a. Deutschlandradio). Lebt seit 2002 in Wien, zwischenzeitlich auch in Zürich. Redakteur für Zeitgeistiges und anderes beim Falter und Literaturkritiker für verschiedene Zeitungen. 2006 erschien Vierichs erster Roman „Tödliche Delicatessen“, gewann den Bloody Cover Award 2007 und wurde für den Glauser-Preis als „Bestes Debüt“ nominiert. Kritiker entdeckten „köstliche Dialoge, kantige Charaktere und eine flüssige Handlung“ (Prinz), fanden das Buch „spannend, witzig und erhellend“ (frizz) sowie „gewitzt und souverän“ (Die Welt) und empfahlen den „Leckerbissen für Freunde der guten Küche und der Spannungsliteratur“ (saisonküche) als „ persönlichen Sommerfavoriten Nr.1“ (Kurier). Weitere Krimis mit Alfred Brinkmann werden folgen, im August 2009 erscheint „Blutgasse“ im Verlag HAYMONtb. Ein Zürich-Krimi und ein Krimi für die Bühne entsteht. Auch Nicht-Kriminalistisches ist in Arbeit. Diverse Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Anthologien, u.a. in „Schöne Leich’ in Wien“ (Grafit 2008) und „Tatort Salzkammergut“ (KBV 2009). ................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Thomas Askan Vierich

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? 2006 Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto? Bislang 6 veröffentlichte Tote, einer davon ein fingierter Selbstmord. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Nichts. Die Leser wollen es so. Vermute ich. ................................................................................................................................................................................

Leseprobe

1. Golem Atemlos läuft sie über einen schmalen Pawlatschengang. Die alten Bohlen quietschen, sie muss aufpassen, dass sie im Finstern nicht auf dem nassen Holz ausrutscht. Dann geht es über eine Treppe nach unten. Durch einen niedrigen Durchgang erreicht sie den Hof. Eine Platane reckt ihre kahlen Äste in den Nachthimmel. Sie bleibt stehen, holt Luft, blickt sich um, lauscht. Hat sie ihn abgehängt? Sie hört Schritte. Eine Gestalt erscheint im Hauseingang gegenüber. Sie muss sich verstecken, schnell. Hinter ihr stehen vier fast mannshohe Müllcontainer an der Hofmauer. Sie zwängt sich zwischen ihnen hindurch und geht in die Hocke. Die Gestalt kommt im Dunst der Nacht näher. Ein alter Mann, der einen kleinen Hund hinter sich herzieht. Der Hund ist ebenfalls alt und nicht mehr gut zu Fuß. Herr und Hund schlurfen an ihr vorbei und verschwinden in dem niedrigen Durchgang, aus dem sie gekommen ist. Dann ist es wieder still. Totenstill. Wo ist er? Sucht er nach ihr? Hat er sich ebenfalls verirrt im Gewirr aus Höfen, Quer- und Seitenflügeln, Durchgängen, Treppen und diesen altertümlichen Pawlatschengängen, über die man zu den Wohnungen gelangt? Oder wartet er draußen in der Gasse, bis sie wieder herauskommt? Sie blickt an den Hausfassaden empor: Hinter einigen Fenstern brennt noch Licht, die meisten sind schon dunkel. Aus einem schräg über ihr hört sie Stimmen. Ein Mann und eine Frau streiten. Nicht laut, aber sehr aggressiv. Dann verstummen sie. Existiert nicht ein Ausgang zur gegenüberliegenden Gasse? Doch wo ist der? Sie hat die Orientierung verloren in diesem Geviert in der Wiener Altstadt. Dabei ist sie erst vor wenigen Monaten schon einmal hiergewesen. Behutsame Altstadtsanierung unter Einbeziehung der Bewohner. Ein Musterprojekt. Schon damals war ihr dieses mittelalterliche Gebilde aus alten Wohnhäusern, aufgelassenen Klosteranlagen und alteingesessenen Handwerksbetrieben verwirrend vorgekommen. Charmant restauriert, aber seltsam tot. Sie friert in ihrem viel zu dünnen Regenmantel. Es ist kalt, nass und spät, weit nach Mitternacht. Sie hätte sich doch lieber gleich nach Hause fahren lassen sollen. Aber sie wollte sich davor noch mit einem kleinen Spaziergang den Kopf auslüften. Nun hockt sie hier auf Stöckelschuhen hinter Mistkübeln. Es stinkt, nach KüchenabfaÅNllen, nach verrottetem Laub und nach etwas penetrant Chemischem. Die Beine tun ihr weh in ihrer unbequemen Kauerstellung, doch sie wagt nicht aufzustehen, er könnte jeden Moment um die Ecke kommen. Und dann gäbe es keinen Ausweg, keine Flucht mehr.

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