Wie weit würden Sie für einen geliebten Menschen gehen?

Von ausgesetzten Babys, einem ermordeten Humangenetik-Genie und einer Kommissarin, die eine Sucht nach Leben entwickelt.

Wiens Öffentlichkeit ist empört: Auffallend viele Babys werden in der Stadt ausgesetzt, die Polizei aber tappt im Dunkeln. Gleichzeitig versucht Kommissarin Maria Kouba, den Mord an dem Krankenpfleger August Köhler aufzuklären, dessen Leiche im Haus einer Alzheimer-Patientin aufgefunden wird, die er betreut hat. Keine Einbruchspuren und eine sauber durchschnittene Kehle geben Maria und ihren Kollegen Rätsel auf. Ein Eifersuchtsmord? Die Nachbarn haben wechselnden Frauenbesuch beobachtet. Oder steckt mehr dahinter, denn die Vergangenheit Köhlers weist große Lücken auf? Und warum lassen sich Einstiche in Köhlers Hoden finden, die definitiv nach seinem Tod erfolgt sind? Kommissarin Maria Kouba stürzt sich, gemeinsam mit ihrem Partner und Geliebten Phillip Roth, in die Ermittlungen – hofft sie doch, durch die tägliche Routine die Amnesie zu überwinden, unter der sie infolge eines Unfalls leidet. Was geschah, bevor sie beinahe von einer Straßenbahn überfahren worden ist? Unter den Recherchen zwischen Geburt und Tod bekommt Marias Panzer Risse: Ihr wird klar, das alles schon vorbei sein könnte. Da will sie nur noch eines: Leben trinken. .................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. Sabina Naber, geboren 1965, Magistra der Theaterwissenschaft. Seit 1987 als Autorin und Regisseurin tätig (Theater und Film); daneben auch journalistische Erfahrung bei diversen Printmedien und beim ORF. Ihr erster Roman („Die Namensvetterin“, Rotbuch/Hamburg) erschien im März 2002, der zweite („Der Kreis“, Rotbuch/Hamburg) im September 2003, der dritte („Die Debütantin“, Rotbuch/Hamburg) im März 2005, der vierte ("Der letzte Engel springt", Echo/Wien) im April 2007, der fünfte ("Die Lebenstrinker", Rotbuch/Berlin) im März 2009. Für die Kurzgeschichte "Peter in St. Paul", erschienen in "Mörderisch unterwegs", hrsg. v. Edith Kneifl, Milena/Wien, erhielt sie im April 2007 den Friedrich-Glauser-Preis für die beste Kurzgeschichte. ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Drei Fragen an Sabina Naber

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn? Als Aspirantin mit sieben, acht Jahren, denn da verschlang ich, kaum, dass ich lesen konnte, Agatha Christie – wenn man es genau nimmt, eigentlich schon vorher, weil ich süchtig nach Märchen und Sagen war, die mir vorgelesen wurden, und je schauerlicher, dramatischer und blutiger sie waren, umso besser. Als Täterin begann meine kriminelle Laufbahn 2002 minus einiger Zeit, denn da erschien mein erster Kriminalroman „Die Namensvetterin“. Wie lange ich von der ersten Zeile bis zum Erscheinungstermin gebraucht habe, weiß ich nicht mehr. Die Anfänge meiner aktiven Zeit bleiben also im Nebel … Wie viele Verbrechen gehen auf ihr Konto? Tja, das ist eine schwierige Frage, wie alle Massenmörder verliere auch ich langsam den Überblick … ich denke, bei Morden werden es zwischen zwei und drei Dutzend sein, dazu kommen noch Bombenanschläge, Wirtschaftsverbrechen, Folterungen, Diebstähle, Erpressung etc. Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen? Ich bin auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen, und das schon seit meiner Pubertät, als ich vom Film „Der große Eisenbahnraub“ fasziniert war und überlegt habe, wie man ohne Spuren in den winzigkleinen Juwelierladen in meinem Ort einbrechen könnte. Theoretisch natürlich nur, immer nur theoretisch . Und bis ich die Lösung gefunden habe, übe ich eben schriftlich, um der Strafverfolgung zu entgehen. ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Pressestimmen

Alles darf nicht verraten werden, Sabina Naber, die vierundvierzigjährige Wiener Autorin, hat nämlich wieder einen spannenden Krimi geschrieben. Eines darf ich aber sagen: Diese Krimiautorin gehört zu den besten und erfolgreichsten des deutschsprachigen Raums. [...] Dieser Krimi wird vor allem jene Leserinnen und Leser interessieren, die oberhalb der Sex-and-crime-Dimension auch Intellektuelleres erwarten. Sabina Naber bietet es, und zwar neben Recht noch Medizin und Ethik. Reproduktionsmedizin ist ein Thema, In-vitro-Fertilisation ein anderes, und dann wird es ganz schwierig, es geht ums Klonen, gleichsam um die Mischung von Heilsversprechen und Horrorkabinett. [...] Sabina Naber hat, was beeindruckend ist, genau und umfassend recherchiert. Das Wissen, das im Buch zusammengetragen wurde, ist erstaunlich. Nach der Lektüre wird beileibe niemand zum Biologen, Mediziner oder Rechtsphilosophen, aber sein Wissen zum Roman-Thema wird um ein Vielfaches größer. Literaturhaus, Janko Ferk / 10. März 2009 Sabina Nabers Heldin wird brutal mit Theorie und Praxis der modernen Medizin konfrontiert. Natürlich findet sie Schönheitschirurgie entbehrlich und das Klonen von Menschen verwerflich, aber als Marias beste Freundin stirbt, kommt ihr Klonen doch nicht mehr so abwegig vor. Das streift an Science-Fiction und ist ein wenig überfrachtet. Doch Humor und die trügerische Gemütlichkeit des Wiener Dialekts machen das Buch der Wiener Autorin originell und lesbar. Der Standard, Ingeborg Sperl / 28./29. März 2009 Etwas Besseres kann einer Autorin kaum passieren. Da erscheint Sabina Nabers neuer Krimi, der ohnehin so sehr im Heute spielt, dass man meint, den Romanfiguren an jeder Wiener Ecke über den Weg laufen zu können, und dann wird das zentrale Thema des Buches auch noch zum tagespolitischen Gesprächsthema: die Reproduktionsmedizin. Doch was in der öffentlichen Debatte oft grau daherkommt, fasst Friedrich-Glauser-Preisträgerin Sabina Naber in „Die Lebenstrinker“ in grelle Bilder [...] eine komplexe Geschichte, die sich bis zum allerletzten Rest auflöst – vielleicht eine Spur zu befriedigend. Mehr als befriedigend scheint auch das Sexualleben der Kommissarin, das in allen Einzelheiten geschildert wird. Hätte das so ein Mann geschrieben, würde man ihm wohl vorwerfen, er habe zu viele Pornos gesehen. So liest man die Schilderungen auch als augenzwinkerndes Spiel mit Genreklischees. Maria Kouba ist eine konventionell-unkonventionelle Ermittlerin, an deren Methoden man sich gewöhnen könnte. Die Presse, flo / 29.März 2009 ..................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Leseprobe

Eine Biene summte vor ihrem Gesicht herum. Dann ließ sie sich auf dem Löwenzahn neben Marias Fuß nieder. In einem gleichmäßigen Rhythmus steckte sie viermal den Kopf zwischen die Blütenblätter, tänzelte einmal um die eigene Achse, tauchte an einer anderen Stelle ein. Maria drehte den Kopf gerade und sah nun genau auf ein Gänseblümchen. Eine Brise wehte eine Haarsträhne, die sich gelockert hatte, zur Blume, ein Haar blieb am Blütenkelch hängen. Es glänzte in der Sonne. Roter Glitzer auf dunkelbraunem Grund. Das Gras roch, dampfte sein Grün aus. Es war so ein unglaublich satter Geruch. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal diese Mischung zwischen bitter und frisch bewusst gerochen hatte. Marias Kopf sank noch tiefer zwischen ihre Knie. Mit der Wange diesen Blütenkelch streicheln, das wäre es jetzt. Sich hinlegen und … Maria fuhr hoch, setzte sich auf der Umrandung der Sandkiste aufrecht hin. Was für ein sentimentaler Scheiß. Krankenhausaufenthalte taten ihr einfach nicht gut. Sie machten sie mieselsüchtig und weinerlich. Ihr Blick fiel neuerlich auf das Gänseblümchen. Als Kind hatte sie sich oft, bei Spaziergängen mit ihren Eltern im Wienerwald, auf die Wiese gelegt und die Blumen von unten betrachtet. Sie wusste dann, wie sich Biene Maja fühlte. Maria lächelte. Ja, aber das tat man als Kind, und nicht als erwachsene Frau. Wenigstens war die Übelkeit wieder weg. Dafür der Schwindel umso stärker da. Sie hätte sich nicht so schnell aufsetzen sollen. Aber wenn sie zwei Schritte ging, würde der Schwindel sicher verschwinden. Sie spannte die Muskeln an, doch die gehorchten nicht. Der Arzt musste ihr ein Mittel gegeben haben, zur Beruhigung oder so, anders war ihre Schwäche nicht zu erklären. Sie nahm die losgelöste Strähne zwischen die Finger und wollte sie schon in den Haarknoten zurückwursteln, als es weiß aufblitzte. Sie zerteilte die Strähne, fusselte so lange herum, bis sie es klar erkennen konnte: ein weißes Haar. Na, bravo. Gut, das war ein Zeichen. Weniger trinken, mehr Sport. Das wäre doch gelacht. Sie riss es aus. Und stand auf. Es dauerte kurz, bis sie sich nicht mehr wie auf einem Hochseeschiff bei einem Orkan fühlte. Hinter Maria raschelte es. Sie drehte sich um und sah zwischen den Büschen am Nachbargrundstück etwas Gelbes aufblitzen. Maria stellte sich auf die Umrandung der Sandkiste. Das Haus auf der anderen Seite hatte einen Pool. An dessen Rand setzte sich gerade ein etwa fünfjähriges Mädchen mit gelbem Badeanzug hin. Sie sah herüber und wirkte leicht verschreckt. Maria lächelte sie an, um ihr klarzumachen, dass es ihr wieder gut ging. Die Kleine ließ sich ins Wasser fallen und schwamm aus Marias Blickfeld. Und wieder war da ein Geräusch in Marias Rücken. Dieses Mal kam es vom Haus. Sie schnellte herum. Es war Phillip – natürlich, wer sonst? Der Mörder? Dumme Nuss – mit einer uniformierten Polizistin im Schlepptau. Maria knickte ein Bein ein, verschränkte die Arme, versuchte, zugleich ihre Nacken- und Gesichtsmuskeln zu entspannen. Hoffentlich wirkte sie jetzt wieder halbwegs cool. Vielleicht hatte sie sich mit der sofortigen Rückkehr zum Dienst doch ein wenig übernommen. Aber das Schlimmste, so gesehen, war ja schon überstanden. Ein, zwei Stunden noch, dann konnte sie sich daheim ausschlafen. Die junge Polizistin – sie hieß … genau, Jacqueline Meyer, und sie hatte erst vor Kurzem mit Clemens von der Spusi lautstark ihren zweiundzwanzigsten Geburtstag gefeiert und ihn dann doch nicht erhört, – Jacqueline Meyer also rapportierte die ersten Ergebnisse der Befragungen der Anrainer. Der äußere Kreis der Nachbarn wurde zwar gerade erst kontaktiert, aber von den acht wichtigsten, das waren die drei gegenüber, die beiden nebenan und die drei hinten anschließend, waren alle bis auf die Bewohner des Hauses gegenüber befragt worden. Die waren gerade nicht anwesend, aber auch nicht auf Urlaub, wie die Nachbarn versicherten. Die drei rückwärtigen Anrainer, drei miteinander befreundete Pärchen, wären gestern allesamt in einem Club gewesen. Die Bewohner des Hauses mit Pool auf der Rückseite des Tatorthauses hätten sich sonst nur oft über den Lärm geärgert, der aus dem Egger-Haus gekommen war, Musik und Gelächter, und sich gefragt, ob das die kranke Frau nicht störe. Aufgefallen sei ihnen nichts. Im Haus links wohne eine junge Familie, die in der fraglichen Zeit damit beschäftigt gewesen war, die drei Kinder ins Bett zu bringen. Danach wären sie vor dem Fernseher eingeschlafen. »Und wenn gestern so ein Wirbel geherrscht hat wie heut«, Jacqueline lächelte, »dann waren die Eltern von der Rasselbande sicher so gschlaucht, dass die net einmal einen Meteoriteneinschlag mitkriegt hättn.« Phillip beugte sich zu ihr. »Kollegin, du beschäftigst dich mit Astronomie? « »Was?« »Meteoriteneinschlag. Jeder andere hätte eine Bombe einschlagen lassen.« Phillip ließ manchmal schon sehr penetrant sein Bildungsbürgertum raushängen. Jacqueline sah ihn unsicher an, dann floh ihr Blick zu Maria. Sie nickte der jungen Polizistin aufmunternd zu. »Was noch?« Jacqueline machte einen Schritt von Phillip weg, und um das zu vertuschen, einen weiteren Schritt zu Maria. Sie sah in ihren Notizblock. »Die Frau rechts davon arbeitet immer um diese Zeit und die ganze Nacht durch in einem Mobilfunk-Callcenter. Links schräg gegenüber ist eine Videofirma, die Mitarbeiter waren gestern alle auf der Demo in der Stadt unten.« Jacqueline holte Luft. Ihre Wangen waren gerötet, ihre Augen glänzten. Sie zögerte und zupfte an der Spitze ihres geflochtenen Zopfes herum. Jemand musste ihr einmal sagen, dass ihre blonden Strähnchen für ihre ansonsten aschblonden Haare zu grell gefärbt waren. Rot müsste ihr gut passen, so ein richtiges Fuchsrot, zu den grünen Augen. Maria nickte Jacqueline zu. Die befeuchtete sich die Lippen. »Ja, und da sind da noch die von rechts schräg gegenüber. Die Havliceks. Ärmlicher Haushalt. Mathilde Havlicek ist dreiundfünfzig Jahre, Hausfrau, ihr Mann Franz Havlicek achtundfünfzig, frühpensionierter Postler. Sie haben einen Pudel …« Der Kern, Mädel, der Kern. »… der heißt Charlie.« Phillip beugte sich mit einem Augenklimpern zu ihr. »Fein, Frau Kollegin. Aber der Pudel wird dem Köhler die Gurgel ja kaum durchgebissen haben.« Jacqueline öffnete den Mund, schloss ihn wieder, sah Maria an. Na, wunderbar, da glänzte es verdächtig in den Augen. Das durfte nicht wahr sein. Sie waren hier doch nicht in der Schule, wo man in Tränen ausbrach, weil einen der Lieblingslehrer zurechtgewiesen hatte. Wobei sich die Frage stellte, ob Jacqueline in Phillip ihren Lieblingslehrer sah und das nicht bloß eine Interpretation von Maria war. Sie war einfach zu frisch in der Truppe und den Umgangston noch nicht gewohnt. Ein unschuldiges Reh. Jacqueline straffte sich. »Ja, also, natürlich nicht, Kollege Roth. Aber der Havlicek geht immer mit dem Hund Gassi. Auch gestern Abend. Aber er sagt, dass er nichts gesehen hat.« Pause. Jacqueline sah sie beide abwechselnd an. Phillip beugte sich mit einem lang gezogenen »Und« vor ihr Gesicht. Maria lächelte sie an. »Ich glaub, Roth, was unsere Kollegin sagen will, ist, dass sie ihm nicht glaubt. Oder?« Jacqueline strahlte auf und setzte dann sofort wieder eine offizielle Miene auf. »Ja, ich habe das Gefühl … also, es kam mir so vor, als würde er etwas verheimlichen.« Jetzt stellte sich Phillip wie ein Oberlehrer mit auf dem Rücken gefalteten Händen vor sie hin. »Und wie kommt unsere Kollegin da drauf?« Er war einfach ein arroganter Bourgeois-Schnösel. »Hat ihr das die Intuition gesagt?« Er betonte das böse I-Wort genauso süffisant, wie er es immer Maria gegenüber tat. Nur, sie war keine Untergebene, sie konnte sich wehren. Es war zum Verzweifeln, immer dieses überhebliche Männergetue, wenn etwas – angeblich – Weibliches ins Spiel kam wie Intuition. Nein, eigentlich war es zum Einschlafen langweilig. Dabei gab es schon genug Untersuchungen zu diesem Thema, die allesamt dasselbe sagten: Frauen haben zwar eine andere, aber gleich effi- ziente Führungs-, Management- und Logikkompetenz. Vielleicht sogar besser, weil die blöden Machtspielchen wegfielen, von wegen einer wird gewinnen. Ha. Und Stutenbissigkeit? Die gab’s ja bloß unter Friseurinnen, die sich um denselben Mann stritten. Kouba, das ist ein Klischee. Und außerdem Themenverfehlung. Maria hakte sich bei Jacqueline unter und zog sie von Phillip weg. »Wieso kommst du darauf, Kollegin Meyer? Hat er sich verredet?« »Nein. Da war auch nicht viel zum Verreden. Er hat im Prinzip nur gesagt, dass er immer Gassi geht und dass er nichts bemerkt hat. Es war mehr der Blick zu seiner Frau. Der war unabsichtlich, der Blick. Also, ich sollt ihn nicht sehen. Und er hat mich nichts gefragt. Alle anderen löchern einen ja immer nach den Details.« »Kann er nicht einfach ein Menschenfeind sein?« Die beiden Frauen drehten sich zu Phillip um, er hob entschuldigend die Hände. »Ja, aber er hat nicht einmal sagen können, ob er ein Licht gesehen hat oder so. Logo, muss er auch nicht, wenn er über was nachgedacht hat oder so. Aber das Ganze ist mir halt irgendwie ein bissel komisch vorkommen. Ich weiß nicht, einfach nur so ein Gefühl …« Sie sah Maria mit großen Augen an. Maria nickte. Jacqueline sollte sich ihre Intuition nicht verderben lassen, auch wenn unter Umständen im konkreten Fall nichts dahinter war. Sie war auf einem guten Weg, sie erfragte Details und sie hörte auf ihr Gefühl. Vielleicht war sie ja ein Talent für die Mordkommission. »Gut, Kollegin Meyer, schreib das in deinen Bericht, bitte noch heute. Und wir schauen morgen einfach noch einmal bei den Havliceks vorbei.« Jacqueline stand stramm und strahlte. »Danke, Frau Kouba – also, Frau Kommi … ich mein, Kollegin Kouba. Danke.« Das konnte jetzt aber nicht sein, was sie dachte. »Ich … danke. Ich mein, ich bin … sehr glücklich, dass ich Ihnen helfen konnte.« Es war so. Sie hatte einen Fan. Der sie siezte. »Wenn ich einmal so alt bin wie Sie, dann möchte ich auch so wie Sie … ich mein, wenn ich in Ihrer Position … Also, ich mein, ich würde auch gern zur Kripo, und Sie sind …« Ihr Strahlen fiel zusammen, sie wurde rot. »Ich gehe jetzt den Bericht schreiben.« Damit drehte sich Jacqueline Meyer um und rannte fast ins Haus zurück. Sie sahen ihr nach, bis sie verschwunden war. Nein, es war viel schlimmer. Sie war ein Vorbild. Phillip gluckste und äffte romantisches Geigenspiel nach. Maria versetzte ihm einen Stoß. Phillip taumelte und griff sich mit großer Geste ans Herz. »Ja, in solchen Momenten bemerkt man es. Wir werden alt.« Blödsinn. Sie war doch erst sechsunddreißig. Einhalb. Dreiviertel.

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