Sputnik hat etwas Neues für sich entdeckt: Eine "Fahrschule für Linkshänder". Als er einmal kein Auge auf seinen Fahrschüler hat, baut der einen Unfall – ausgerechnet mit einem Diplomaten, der in einem teuren Mercedes sitzt. Im Kofferraum des Diplomaten Artur Zadeh findet Sputnik aber nicht wie erhofft ein Warndreieck, sondern die Leiche des Cateringunternehmers Markus Gebhard. Zadeh, der Mitarbeiter der terkistanischen Botschaft ist, kann sich nicht erklären, wie der Tote in seinen Kofferraum gekommen ist.

Für das 'starke Team' Otto und Linett gestalten sich die Ermittlungen schwierig: Der Mord fand auf dem Botschaftsgelände statt – eine Tabuzone für die Ermittler. Erst mit Hilfe von Bens neuer Freundin Caroline, die als Ministerialdirigentin im Auswärtigen Amt arbeitet, findet das Team Zugang zu den diplomatischen Kreisen. Unbemerkt hören sich die Kommissare um: Otto mimt auf eigenen Wunsch einen Bierbrauer, der in Terkistan investieren will, und Linett gibt sich als Frau von Ben, dem selbsternannten Turbinenhersteller, aus.

Das Drehbuch schrieb SYNDIKATs-Mitglied Leo P. Ard.

Samstag 02.04.2016, 20:15-21:45 Uhr auf ZDF
Ausführliche Informationen zur Sendung finden Sie hier.

Eine Rezension erschien im März hier.

Reihe "Ein starkes Team – Tödliche Botschaft"
ZDF, 02.04.2016, 20:15 Uhr
Stappenbeck, Martens, Leo P. Ard, Maris Pfeiffer. Ein bisschen raus aus dem Trott

Tilmann P. Gangloff

Der zweite Fall des verjüngten "Starken Teams" ist über weite Strecken ein gewöhnlicher Krimi aus, aber dann wartet das Drehbuch von Leo P. Ard mit einem Knüller nach dem anderen auf. Stefanie Stappenbeck erweist sich erneut als das Beste, was der Reihe nach dem Abschied von Maja Marnow passieren konnte. Allein die Spannung hält sich in Grenzen.

Das Titelwortspiel "Tödliche Botschaft" mag nicht gerade wahnsinnig originell sein, aber immerhin erschließt es sich erst, wenn man den Inhalt des Films kennt: In seinem zweiten Fall muss das aufgefrischte neue "Starke Team" einen Mord in einer Botschaft aufklären. Zwei Drittel lang erzählt Jürgen Pomorin (Grimme-Preis für "Polizeiruf 110 – Totes Gleis"), der unter seinem Pseudonym Leo P. Ard bislang knapp zwei Dutzend Drehbücher für die Berliner geschrieben hat, eine zwar interessante, aber letztlich nicht ungewöhnliche Geschichte. Dann jedoch gibt er ihr eine komplett neue Richtung, und plötzlich geht es nicht mehr nur um die Aufklärung eines Mordes, dem zwischenzeitlich ein weiterer gefolgt ist, sondern um ein lange zurückliegendes Verbrechen, das eine komplette Familie ins Unglück gestürzt hat. 

Bis dahin jedoch machen vor allem der Schauplatz und verschiedene Details den Reiz der Handlung aus. Das beginnt schon mit dem verschmitzt eingefädelten Leichenfund: Sputnik (Jaecki Schwarz), der alte Kumpan von Otto Garber (Florian Martens), betreibt diesmal eine „Fahrschule für Linkshänder“. Als sein Fahrschüler einen kleinen Unfall verursacht und Sputnik in Ermangelung eines eigenen Warndreiecks kurzerhand den Kofferraum des fremden Autos öffnet, entdeckt er den leblosen Körper eines erstochenen Mannes. Der Besitzer des Wagens (Ivan Shvedoff) ist ebenso verblüfft wie Sputnik. Der Mann arbeitet für die Botschaft des (fiktiven) Landes Terkistan und genießt daher diplomatische Immunität, erweist sich aber als kooperativ, als Garber und seine neue Kollegin Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) am Unfallort eintreffen. Damit endet die Bereitschaft zur Zusammenarbeit jedoch: Otto und Linett, die sich unter einem Vorwand auf das Botschaftsgelände gemogelt haben, finden zwar den Tatort, doch gegen die Angehörigen der Botschaft dürfen sie nicht ermitteln, zumal das Land wegen seiner Öl- und Gasvorkommen ein wichtiger Handelspartner ist.

Natürlich präsentiert Pomorin auch deutsche Verdächtige. Der Tote war Besitzer einer lukrativen Catering-Firma, die nun sein Kompagnon (Stephan Grossmann) erbt; außerdem gibt es einen Konkurrenten (Henning Peker), dem das Duo übel mitgespielt hat. Aber selbstredend sind die Vorgänge um die Botschaft viel interessanter, zumal Drebuch und Regie (Maris Pfeiffer) schon früh den Kulturattachée (Jewgenij Sitochin) als Täter anbieten, was unter anderem zur Folge hat, dass Pomorin zum Finale noch mal ein Ass aus dem Ärmel ziehen kann. Den größeren Knüller liefert er jedoch kurz zuvor, als Linda, eine Angestellte der Catering-Firma, zum zweiten Opfer wird. Das ist zunächst ausgesprochen bedauerlich, denn bis dahin hat Isolda Dychauk praktisch nichts zu tun, weshalb das Ableben der jungen Frau recht unerwartet kommt. Aber Linda hat eine Zwillingsschwester namens Fenna, und so darf sie quasi Wiederauferstehung feiern, um als Lockvogel für den Mörder zu dienen. Der tappt prompt in die Falle, aber in der sitzt nun auch Fenna; und Linett kann nicht eingreifen. Dieses Finale ist ebenfalls clever eingefädelt. Ein weiterer kleiner Knüller ist der Epilog, mit dem der Ironie-erfahrene Pomorin (124x "Balko") seinem Buch gewissermaßen die Krone aufsetzt.

Abgesehen vom letzten Akt ist "Tödliche Botschaft" jedoch nicht weiter aufregend. Die Spannung hält sich in Grenzen, weil sich Pfeiffer, von der auch der erste Film ("Knastelse") der neuen Zeitrechnung beim "Starken Team" stammt, bei ihrer allerdings hochsoliden Inszenierung auf die Figuren und ihr Mit- bzw. Gegeneinander konzentriert. Das ist mitunter beschaulich, aber für Freunde der Reihe ohne Frage ein Genuss, zumal diesmal auch die Team-Mitglieder aus der zweiten Reihe, Kriminalrat Reddemann (Arnfried Lerche) und der Kollege Kolberg (Kai Lentrodt), ihre Auftritte erhalten: der eine, als er nach einem Besuch in der Botschaft inklusive unvermeidlichem Wodka in eine Polizeikontrolle kommt; der andere, weil er eine Liebschaft zu einer Mitarbeiterin (Katja Weitzenböck) des Auswärtigen Amts unterhält, was sich bei den Ermittlungen gegen die Botschaftsangehörigen als nützlich erweist.

Während die Bildgestaltung ansonsten nicht weiter auffällig ist, zeichnen sich die Szenen im LKA-Büro durch eine spezielle Ton-in-Ton-Ästhetik aus, in der vor allem die Farbe blau dominiert: in der Kleidung des Teams, in den dunklen Wänden und natürlich in den Augenfarben. Aber natürlich ist Stefanie Stappenbeck nicht nur aus diesem Grund das Beste, was den Verantwortlichen nach dem Ausstieg der zu Beginn des Jahres verstorbenen Maja Maranow passieren konnte; schließlich eröffnen Linetts sympathische Art und Stappenbecks Jugendlichkeit den Autoren ganz neue Möglichkeiten. Nach einem gewissen Trott weht wieder ein frischer Wind durch die ZDF-Samstagskrimireihe. (Text-Stand: 10.3.2016)