DAS SYNDIKAT trauert um Sabine Deitmer, die am 11. Januar verstorben ist. Sie fühlte sich dem Syndikat eng verbunden.

Ein Nachruf von Almuth Heuner.

Grenzen waren nicht ihr Ding. Oder doch: Sie dienten hervorragend zum Überschreiten! Und das hat Sabine Deitmer gern und oft getan - voller Neugier, mitunter humorvoll, stets mit Leidenschaft, aus Prinzip ... Und blieb dabei immer das, was sie war: unbefangen, kollegial, auch ihre rheinische Frohnatur versteckte sie nicht unter ihrer schwarzen Lederjacke, die wir als ihr Abzeichen kannten.

Die erste Grenze war möglicherweise die Lektüre von Jerry-Cotton-Heften, da ging Sabine Deitmer noch zur Schule. Die nächsten waren Staatsgrenzen, als sie ihre "Lehr- und Wanderjahre", wie sie sie nannte, zum Teil in Großbritannien und Frankreich verbrachte. Zum Abschluss ihres Studiums (Anglistik, Romanistik, Literaturwissenschaft) legte sie eine Magisterarbeit vor, in der sie die Genre-Grenzübertritte von Agatha Christie untersuchte.

1988 landete Sabine Deitmer ihren umfassendsten Grenz-Coup: Unter dem Titel "Bye-Bye, Bruno" mordete sie in fünfzehn Geschichten männliche Auslaufmodelle oder ließ sie vielmehr von ganz normalen Frauen umbringen. Das gab es zu der Zeit so noch nicht - und erregte die Gemüter. Außerdem galten Storybände unbekannter Autorinnen bei Verlagen als sichere Ladenhüter. "Bruno" entpuppte sich jedoch als Dauerbrenner, der auch viele Nachahmungstäterinnen inspirierte.

Beate Stein, so nannte Sabine Deitmer die Kommissarin, die sie in ihren Romanen ebenfalls Gratwanderungen mit dem Fuß mal auf dieser, mal auf jener Seite unternehmen ließ. Dabei vergaß sie auch die Sicht der Täter*innen oder der Opfer nicht, die gesellschaftlichen Missstände, die feministischen Aspekte. Mit der Qualität ihres Schreibens stand Sabine Deitmer in der ersten Reihe deutschsprachiger Krimi-Autorinnen und fühlte sich wohl mit ihren Kolleginnen beim SYNDIKAT, dem sie 1989 beitrat, und bei den Mörderischen Schwestern, zu denen sie sich gleich nach deren Gründung 1996 (damals noch als Sisters in Crime German Chapter) gesellte. Preise gab's auch, so den Deutschen Krimi-Preis1995, die Wiesbadener "Agathe" 2005 und den Ehren-Glauser 2008.

Jetzt hat sie wieder eine Grenze überschritten, diesmal ohne ein Zurück: Sabine Deitmer hat uns verlassen