DAS SYNDIKAT trauert um Jutta Motz, die am 17. Mai im Alter von sechsundsiebzig Jahren gestorben ist. Sie fühlte sich dem Syndikat eng verbunden.

Ein Nachruf von Paul Ott

Nein, eigentlich habe ich keine Lust, einen Nachruf zu schreiben. Einfach deswegen, weil ich nicht glauben will, dass Jutta Motz verstorben ist. Jahrelang haben wir uns nicht mehr gesehen, obwohl wir uns gegenseitig regelmässig daran erinnerten, uns wieder einmal zu besuchen. Es ist nicht mehr dazu gekommen. Zu schnell hat die Krankheit von ihr Besitz ergriffen. Der reale Tod ärgert mich!
Dabei ist der literarische Tod doch unser Metier. Und man soll eine Autorin an ihren Büchern messen. Schon 2001 hat Jutta Motz in Drei Frauen und die Kunst die Welt der Kunstfälscher ins Visier genommen. Sie schickt die Kunsthistorikerin Lisa Wolf nach Halle und Leipzig und gibt so der Gegend, in der sie geboren ist, eine Heimat im Kriminalroman. Politische Erfahrungen haben Jutta Motz geprägt. So spielt Blutfunde (2013) im Milieu der internationalen Migrationsindustrie, die im Solde der Mafia steht.
Ein kritischer Mensch, diese Jutta, aber gleichzeitig eine zuverlässige Kollegin, die sich stets für andere eingesetzt hat. Wer kennt sie nicht als Teilnehmerin an Criminalen oder Mordstagen, an Krimistammtischen oder bei den Mörderischen Schwestern. Oft auch hat sie Anlässe organisiert oder mitorganisiert, ohne je nach eigenem Gewinn zu fragen. So nahm sie über Jahrzehnte als Schweizer Vertreterin an den Jahrestagungen der AIEP/IAWC, der internationalen Vereinigung der Krimiautor/innen teil.
Ein paar Mal habe ich sie begleitet. Uns wurde gemeinsam übel in der Rechtsmedizin in Zaragoza, in der Eifel haben wir zusammen über den Durst getrunken, und als wir uns an einer Criminale zu einem Abendessen trafen, hatte ich den kuriosen Einfall, dass ich etwas abnehmen sollte. Jutta in ihrem befehlenden Ton: „Aber nicht heute!“
Liebe Jutta: Ich hoffe, dir war ein genussvolles letztes Mahl vergönnt. Wir vermissen dich sehr!