Der Preis in der Sparte "Roman" ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert. Der oder die PreisträgerIn 2020 wird am Samstag, den 18. April 2020 während der 34. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Hannover verkündet und geehrt.

Nominierte für den Glauser-Preis 2020 in der Sparte "Roman":

Cover Am Ende nur ein kalter Hauch Lena AvenziniAvazini Foto Thomas Schrott mittel

Lena Avanzini
Am Ende nur ein kalter Hauch, Haymon

Carla Bukowski, Gruppeninspektorin beim LKA Wien, kehrt auf Bitten ihres Bruders in ihr Heimatdorf zurück, weil ihr Neffe entführt wurde. Im Umfeld ihrer komplett zerstrittenen Familie ermittelt sie ohne jede Rücksicht - auf andere und auf sich. 
Avanzini lädt ein zum Mitfühlen und zeigt, was passiert, wenn ungeklärte Vorfälle jahrzehntelang totgeschwiegen werden. Es ist hohe Kunst, wie sie verschiedene Perspektiven einnimmt und jeder eine eigene Sprache gibt. Dadurch entsteht eine Nähe zu den Figuren, die uns tief in diese Geschichte hineinzieht. Das ist das ist außergewöhnlich gut und spannend erzählt.

 

 

 

 


 

Die Glocke Ludwig Cardano
Maehr Christian SW Copyright Christina Gasser

Ludwig Cardano, Foto © Christina Gasser

Die Glocke, braumüller

Damit Schriftsteller Michael Manolis die historische Geschichte der „Dame vom See“ neu interpretieren kann, vermittelt seine Agentin ihm ein Haus am Schwarzsee. Dort trifft er nicht nur eine          veritable Dame vom See, sondern auch einige Schatzsucher, die sich auf eine alte Sage und ein unvollständiges Tagebuch eines Naziwissenschaftlers stützen, um ein todbringendes Objekt zu finden. 
Cardano spielt von Beginn an mit den verschiedenen Facetten von Realität, was sich auch in den mal hintergründigen, mal skurrilen Dialogen spiegelt. Er schickt seinen Helden wider Willen auf eine wendungsreiche Reise. Inhaltlich originell und sprachlich exzellent, gestaltet der echte Autor ein Abenteuer, das der fiktive eigentlich nur aufschreiben müsste – sofern er es überlebt.

 

 


 

Liebes Kind Romy HausmannRomy Haussmann

Romy Hausmann, Foto © Astrid Eckert
Liebes Kind, dtv

 

Vor 14 Jahren verschwand die Studentin Lena nach einer Party. Jetzt scheint sie mit zwei Kindern aus einer Hütte entkommen zu sein, in der sie gefangengehalten wurden. Aus verschiedenen Perspektiven durchleben wir eine anscheinend schlüssige Situation, die nach und nach ins Wanken gerät. Nach einem fulminanten Einstieg verschwimmt, was real ist und was nur fabuliert. Ob traumatisierte Gefangene, verzweifelte Eltern, verblendeter Großvater oder autistisches Kind - Hausmanns Figuren gehen unter die Haut. Beim Lesen entsteht ein beklemmendes Gefühl, das nicht nur nach Auflösung, sondern fast nach Erlösung schreit.

 

 

 


Die rote Hand Jürgen Heimbachjuergen heimbach 478

Jürgen Heimbach
Die Rote Hand, weissbooks.w

 

Eine zerkratze Schallplatte von Edith Piaf ist der einzige Trost, den Fremdenlegionär Arnolt Streich aus unzähligen verlorenen Kriegen mit nach Frankfurt bringt. 1959 gelten nur Hoffnung auf eine bessere Zukunft und das Vergessen, aber nicht für ihn. Der französische Geheimdienst zwingt Streich, ein Attentat auf einen Waffenhändler vorzubereiten. Wer sind die Guten, wer die Bösen? Heimbachs Krimi noir erweckt mit seiner stark reduzierten und bildhaften Sprache eine dichte Atmosphäre. Er liefert messerscharfe Sätze, kalte Dialoge und banale Gewalt, aber keine klaren Antworten. Auch nicht durch seine Figuren. Gepeinigte Seelen auf der Suche nach Geld, Glück oder Erlösung, aber wie im richtigen Leben gibt es das alles nicht umsonst. Kein Buch zum Glücklichwerden, sondern zum Wachwerden.




 

 


Die Cannabis Connection Hoeps und ToeHoepsToes mt cJörg Wüstkamp

 

 Hoeps & Toes, Foto © Jörg Wüstkamp


Cannabis-Connection, unionsverlag

Vor dreißig Jahren verkauften Marcel Kamrath und Sander van Haag Drogen in Amsterdam. Sander verschwand spurlos, Kamrath wurde deutscher Staatssekretär mit dem Ziel, Cannabis zu legalisieren. Der Erfolg ist bereits greifbar, als Sander auftaucht mit einer Forderung im Gepäck. Und einer Waffe. In einer Spirale aus Ehrgeiz, Macht und Gewalt hetzt das deutsch-niederländische Autorenduo vielschichtige Figuren aufeinander. In ausgefeilter Sprache erzählen sie vor einem sorgfältig recherchierten Hintergrund eine thematisch aktuelle Geschichte, die in der Tradition einer griechischen Tragödie nicht gut enden kann. Wäre Politik immer so spannend, gäbe es keine Nichtwähler mehr. Wäre sie immer so grausam - keine Politiker.


 



Für den Glauser-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2020, konnten bis zum 30. November 2019 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2018 und November 2019 lag (Originalausgaben).
 


Die Liste aller 326 eingereichten Werke können Sie hier herunterladen (PDF) 296.8K.

Die Juroren waren:

Rudi MüllenbachSabine HartmannJutta Profijt (Preisträgerin 2019), Moni Reinsch und Leif Tewes.

Juryorganisation: Michaela Pelz