Der GLAUSER-Preis in der Sparte "Kurzkrimi" ist dotiert mit 1.000 Euro in kleinen, nicht fortlaufend nummerierten Scheinen für die beste deutschsprachige Krimikurzgeschichte des vergangenen Jahres. Der oder die PreisträgerIn 2020 wird am Samstag, den 18. April 2020, während der 34. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Hannover verkündet und geehrt.

Nominiert für den GLAUSER-Preis 2020 in der Sparte "Kurzkrimi":


Mordsmäßig Münchenerischraoul biltgen 170

Raoul Biltgen, Foto © Gerry Huberty
Harmlos, in: Mordsmäßig Münchnerisch 2Hischkäfer Verlag

»Harmlos« ist der Titel von Raoul Biltgens Kurzkrimi. Harmlos ist diese Geschichte keineswegs. Dabei ist dies kein »Wer war’s«. Es gibt keinen Ermittler, nur einen Beobachter, und eine sich herauskristallisierende Frage: Was macht Missbrauch mit Opfern, wenn die Macht auf Seiten der Täter ist, der äußere Schein schön und harmlos bleibt und damit die Scham bei den Opfern?

Raoul Biltgens Erzähler schildert die Reise eines kleinen Jungen vor fast 2000 Jahren an den Nil, während er – harmlos? – die spielenden Kinder im Park beobachtet. Diese Geschichte ist so eindringlich, dass es weh tut. Sie lotet menschliche Abgründe aus, ist gesellschaftlich relevant und sprachlich erlesen. Raoul Biltgens »Harmlos« hallt lange nach, fördert Empathie – und ist richtig gute Kriminalliteratur. 





Lametta Lichter Leichenschmauskatja bohnet 3997

Katja Bohnet, Foto © Benedikt Ernst
D für Drive, in: Lametta, Lichter, Leichenschmaus, Knaur Verlag

Der Titel ist Programm: D für Drive. Dieser Kurzkrimi sticht wohltuend aus der Fülle der Einsendungen heraus. Geschrieben in einer Sprache dieser Zeit. Knackig, heftig unter die Haut gehend. Die Protagonisten ohne billige Effekthascherei perfekt gezeichnet. Das Thema aktuell und leider längst zu einer fatalen Normalität geworden. Eine würdige Nominierung für den Glauser-Kurzkrimi 2020

 

 

 

 


Woidbluad

Richard Fliegerbauer
Nachtschicht, in: Woidbluad, HePeLo Verlag, Edition Golbet


Einer, der wie unser Protagonist Bruno auf "Nachtschicht" geht, ist wie geboren, um der Held eines Krimis zu sein. Ein Schnüffler mit Herz und Spürnase, aufmerksam, loyal, treu. Ein Profi eben. Einer, der für Recht und Ordnung steht. Wenn man ihm sagt: »Bruno, kümmere dich drum!«, dann kümmert er sich drum. Wie etwa um die beiden Typen, die der Tochter vom Boss gefährlich werden könnten. Um die Bruno sich kümmern soll. 

Damit kommt ein Krimi in Gang wie ein guter Krimi sein muss: Geradeaus, mit stetig steigender Spannung, wenn wir verfolgen, wie Bruno die Verfolgung aufnimmt. Ein Krimi mit guten und weniger guten Menschen und natürlich einem Verbrechen, über das wir Zug um Zug immer schmutzigere Details erfahren.
Ein Krimi, so schwingend leicht und sogleich so präzise erzählt, dass man seine ganze Doppelbödigkeit eigentlich erst beim zweiten Lesen voll und ganz genießen kann. Ein Krimi, der Bekanntem und allzu Bekanntem plötzlich mit einem Augenzwinkern neue Facetten abgewinnt, der so spielerisch mit dem Gewöhnlichen und dem Ungewöhnlichen umgeht, dass am Ende eine packende, kriminell gute Geschichte dabei herauskommt. Danke, Bruno!





Geschmackvoll mordenjulia hofelich 8542

Julia Hofelich, Foto: © Herb Allgaier
Opfer, in: Geschmackvoll morden, Wellhöfer Verlag

 

Bunte Glasperlen sind für die stotternde Außenseiterin Alice das schönste Geburtstagsgeschenk. Doch die geplante Feier in der Schule gerät zu einem Fiasko, das ihr gesamtes weiteres Leben bestimmt. Jahre später trifft Alice ihren Peiniger wieder, das Unheil nimmt erneut seinen Lauf. Mit großem Gespür für das Verhalten ängstlicher Menschen, die ihrem Schicksal scheinbar nicht entfliehen können, entwickelt die Autorin eine eindrucksvolle und überaus empathische Geschichte, deren Ende nicht nur für den Täter kaum voraussehbar ist. 






 



Blutige Lippe
sunil mann 490

  • Sunil Mann
    Der Watschenmann, in: Blutige Lippe 3, Ventura Verlag

Im Morgennebel verflüchtigt sich die endlose und schreckliche Nacht für den gepeinigten Watschenmann, der von seinem Jagdhochsitz aus beobachtet, wie eine unsichtbare Hand durch das Weizenfeld streicht und der erste rosa Schein am Horizont die Ären silbern flimmern lässt. Ein Rudel Rehe grast friedlich, ein Reiher fliegt vorbei, in der Ferne gluckert der Biesterbach und gleich unter sich hört er, versteckt im Weizenfeld, das Raubtier fressen, einzig die gelbe Schuhspitze von Thorsten ragt heraus, zuckt hin und wieder. Nein, der Watschenmann ist nicht der Jäger. Er ist der Gejagte, der Gefangene, der Gefolterte, hilflos verschnürt auf dem Hochsitz.

Sunil Mann würzt seinen packenden Kurzkrimi, dessen starke Bilder dem Leser im Kopf hängen bleiben, mit Landliebe, Witz und Bitterkeit, garniert mit jugendlichem Wahn und serviert dem Leser einen literarischen Hochgenuss, der zart und zugleich deftig schmeckt und einen verstörend süßen Nachgeschmack hinterlässt.






 


Für den GLAUSER-Preis in der Sparte "Kurzkrimi" 2020 konnten Krimi-Kurzgeschichten eingereicht werden, die im Jahr 2019 in gedruckter Form (elektronische Veröffentlichungen wurden nicht berücksichtigt) erschienen sind. Die Kurzkrimis durften nicht länger als 20 Normseiten (30 Zeilen à 60 Anschläge) sein. Die Autoren mussten die Kurzkrimis selbst bei der Juryorganisation einsenden.

Die Liste aller 95 eingereichten Werke können Sie hier herunterladen (PDF) 174.3K.

Die Juroren waren:

Karr & Wehner (Preisträger 2018), Marlies FerberMonika MansourHorst Prosch und Günther Zäuner.

Juryorganisation: Fenna Williams

Die nominierten Kurzgeschichten können SYNDIKATs-Mitglieder und AMIGOs mit freundlicher Genehmigung der Verlage im Geheimbereich nachlesen.