Hier finden Sie alle bisherigen Preisträger der Krimipreise der Autoren seit 1987 sowie die jeweils weiteren Nominierten.

2018 Jutta Profijt - Unter Fremden (dtv)

Es sind vor allem die Qualitäten der Hauptfigur Madiha, eine syrische Frau, die den Roman niemals larmoyant werden lassen. Dass Madiha eine Figur mit großem Entwicklungspotential ist, wird spätestens dann deutlich, als Harun eines Tages spurlos verschwindet und sie sich mithilfe der deutschen Polizei, eines libanesischen Restaurantbesitzers und eines kleinen Flüchtlingsjungen auf die Suche nach ihm macht. Bei ihren eher unfreiwilligen Ermittlungen stößt sie auf ein Netzwerk von Syrern, die Landsleute beseitigen wollen, die sie für schuldig halten und damit den syrischen Krieg nach Deutschland tragen.

Außerdem nominiert aus 417 eingereichten Titeln waren:
Raoul Biltgen - Schmidt ist tot, Verlag Wortreich
Alfred Bodenheimer - Ihr sollt den Fremden lieben, Nagel & Kimche
Ellen Dunne - Harte Landung, Insel Taschenbuch
Monika Geier - Alles so hell da vorn, Ariadne

Die JuryVolker BleeckUlrike DömkesToni FellerAntonie MagenGabriella Wollenhaupt 

Juryorganisation: Ina Coelen

 

TotengräberspätzleHarald J Marburger2018 - Harald J. Marburger
Totengräberspätzle, Emons

Harald J. Marburger hat es geschafft, bei seinem Debüt gleich ein ganzes Genre neu zu erfinden. Selten zuvor war ein Regionalkrimi so unterhaltsam, so skurril und damit so außergewöhnlich.Seine fiktive Kleinstadt auf der schwäbischen Alb verwandelt er in eine kriminalistische Wundertüte, aus der sich die Leser frei bedienen können.Totengräberspätzle beginnt dort, wo sonst alles endet: auf dem Friedhof. Damit ist der Takt gesetzt für eine Handlung, die Ihresgleichen sucht: Totengräber, die sich gegenseitig die Leichen stehlen, italienische Mafia und russische Paten, Hasch-Kekse aus dem Altenheim und giftige Spinnen aus der Dunkelheit. Selbst eine schwäbische Variante von Romeo und Julia ist hier zu finden.Das alles richtet Harald J. Marburger gewitzt, aber auch gekonnt an. Seine Sprache unterstützt die Handlung und den Humor dort, wo es Sinn macht. Und hält sich zurück, dort, wo Spannung gefragt ist. Fast scheint es, als würde er jede einzelne seine Figuren lieben: Er gibt ihnen genug Raum zur Entfaltung und schenkt ihnen wunderbare Dialoge. Gleichzeitig vergisst dieses Debüt nie, was es wirklich sein will: ein Krimi. Ermittlung und Auflösung, Verbrechen und Motive – auch das braucht und gibt es auf der schwäbischen Alb. Totengräberspätzle ist ein Kriminaldebüt, das alles wagt – und alles gewinnt.

Außerdem nominiert aus 67 eingereichten Titeln waren:
Hannah Coler - Cambridge 5, Limes Verlag
Kerstin Ehmer - Der weiße Affe, Pendragon
Gereon Krantz - Unter pechschwarzen Sternen, ProTalk Verlag
Takis Würger - Der Club, Kein & Aber

Die Jury: 

Benjamin Cors (Preisträger 2016)Oskar FeifarChristiane GeldmacherJutta ProfijtManuel Vermeer

Juryorganisation:

Christiane Dieckerhoff

Hier in Tremonia in Killing You Softly reinhard jahn Walter WehnerHier in Tremonia reinhard jahn Walter WehnerKarr & Wehner (Reinhard Jahn und Walter Wehner)
Hier in Tremonia, in: Killing You Softly, KBV

Tremonia. Tremonia ist Dortmund. Tremonia ist auch der Name einer Knappschaftskapelle. Sie spielt In the Ghetto von Elvis. Die Kapelle und der Song geben der Geschichte den Takt vor. Der Pott, die Stadt, das Getto. Karr und Wehner zeichnen mit wenigen rhythmischen Strichen das Bild einer heruntergekommenen, aber funktionierenden Siedlung, in der niemand wirklich Kohle hat, aber in der man sich kennt und vor allem aufeinander verlassen kann. Bergarbeiterromantik. Aussterbende Welt. Konkret bedroht durch die Magma-Immobilienentwicklungsgesellschaft. Die wollen die Siedlung entwickeln. Was heißt: die kleinen Leute raus, neue, reichere Leute rein. Fette Kohle für die Magma, Heimatlosigkeit für die Leute aus der Siedlung. Das lassen die Rita, der Kalle und der Schorsch, der Klaus und der Rudi und die Uschi von der Band nicht durchgehen. Mit Raffinesse und Musik verhelfen sie jedem Magma-Vertreter zum passenden Unfall. Bis es aus ist mit dem Projekt. Karr und Wehner beschreiben mit leisem Humor die fast schon verlorene Welt der Zechen und Kumpels und ihrer Werte. Sie erzählen den alten Kampf von David gegen Goliath, aber sie erzählen ihn neu. Mit liebevoller Wehmut und ganz großem Sound. Einfach außergewöhnlich.


Außerdem nominiert aus 139 eingereichten Titeln waren:

Klaus Berndl - Feueralarm, in: Feuerspuren, edition karo
Thomas Kastura - Der Zuschauer, in: Kerzen, Killer, Krippenspiel, Knaur
Henry Kersting - Der Blaue, in: Rache brennt, Verlag am Schloss
Cécile Ziemons - Dünensingen, in: Feinste Friesenmorde, Leda Verlag

Die Jury:

Richard BirkefeldMechtild BorrmannSanela EgliJoe FischlerIris Leister (Preisträgerin 2016) 

Juryorganisation:

Claudia Puhlfürst

Ramadan GlückIstWasFürAnfängerRamadan Ortwin2018 - Ortwin Ramadan
Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

Oleg ist fünfzehn und kämpft sich von einem Job zum nächsten. Er lebt bei seinem kriminellen Bruder Mark und dem alkoholkranken Vater, und manchmal besucht er seine Mutter in der Psychiatrie. Um aus diesem Leben zu fliehen und seinem Traum von Australien nachzujagen, nimmt Oleg an einem Einbruch teil, der von seinem Bruder und einem Freund geplant ist. Doch der misslingt gründlich. Während die anderen fliehen können, wird Oleg von dem gleichaltrigen Millionärssohn Maximilian, der im Rollstuhl sitzt, gestellt. Um ihn vor einer Verhaftung zu bewahren, schlägt dieser Oleg einen Deal vor: Er muss für ihn arbeiten. Maximilian besitzt eine seetüchtige Jacht, und Oleg soll ihn auf einer Fahrt begleiten. Das erweist sich allerdings als schwieriger als geplant. Nach einer Entführung kann die Reise endlich losgehen. Aber Mark und andere Verbrecher sind ihnen auf der Spur, eine aberwitzige Verfolgungsjagd mit der Polizei und Presse beginnt. "Man kann sich sein Leben nicht aussuchen, aber man kann das Beste daraus machen", sagt Oleg am Ende dieses spannenden Jugendromans, der zeigt, dass auch feste soziale Grenzen im zwischenmenschlichen Bereich aufbrechen können und so etwas wie Veränderung möglich ist. Die beiden Protagonisten werden differenziert und glaubwürdig dargestellt – der eine als "arrogantes Arschloch", der andere als "Vollidiot". Trotzdem wirken sie in ihrer Unverblümtheit und Frechheit sympathisch, und man kann nur hoffen, dass diese seltsame Beziehung ein gutes Ende findet. Ein fulminantes und actionreiches Ende hat der Roman allemal. Die Jurymitglieder waren sich einig: Die Lektüre dieser rasanten und sehr zu Herzen gehenden Geschichte hat allen einen Riesenspaß gemacht.

Außerdem nominiert aus 46 eingereichten Titeln waren:
Tanya Lieske - Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg
Christian Linker - Der Schuss, dtv
Lea-Lina Oppermann - Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg
Martin Schäuble - Endland, Hanser

Die Jury:

Günter Neuwirth, Claudia Senghaas, Nina Schindler, Erich Weidinger


Die jungen Mitglieder der Kinder- und Jugendjury: Nora, Agnes und Ida Ehrenhuber
Juryorganisation: Christine Spindler

 

Kneifl Edith c Marlene Mautner

Edith Kneifl

Die Jury des Syndikats hat den Ehrenglauser 2018 der in Wien lebenden Schriftstellerin Edith Kneifl in Würdigung ihres literarischen Schaffens im Bereich Kriminalliteratur sowie ihres Engagements für die deutschsprachige Kriminalliteratur zuerkannt. Der Ehrenglauser 2018 wurde am Samstag, dem 5. Mai 2018 während der 32. CRIMINALE, dem Jahrestreffen des SYNDIKATs, in Halle an Edith Kneifl überreicht.