Ingrid Werner stellt einen Weg für das Entwickeln komplexer und beeindruckender Romanfiguren vor.

CharakterCards  

Die intuitive Methode der Figurenentwicklung

von: Ingrid Werner

Sie wollen lebendige und einzigartige Figuren erschaffen, aber nicht die Hundertste Excel-Tabelle mit Augenfarbe, Essgewohnheiten oder anderen Details ihres Personals füttern? Sie sitzen eh immer viel zu viel am Computer und zermartern sich Ihr Gehirn? Ich biete Ihnen an, sich von Bildern verführen zu lassen, endlich einmal wieder etwas mit den Händen zu gestalten und über die Überraschungen zu staunen, die aus Ihrem Unbewussten auftauchen. Das alles passiert mit CharakterCards.

CharakterCards – Was für eine Methode ist das?

Ein guter Krimi lebt von seinen interessant ausgestalteten Figuren. Sie stiften sich gegenseitig zu Handlungen an, der Leser, die Leserin identifiziert sich im besten Fall mit ihnen und fiebert mit, ob ihnen gelingen wird, was sie sich vorgenommen haben. In der Theorie gibt es unzählige Möglichkeiten, Figuren zu entwickeln und bis ins Detail Hintergrundgeschichte, Kleidergröße und ausgefallene Eigenschaften aufzuschreiben. Diese Methoden haben alle ihre Berechtigung und sind auch erfolgversprechend.

CharakterCards setzt anders an: weg vom analytischen Denken, hin zur IntuitionDas entspannt, macht Spaß und führt zu erstaunlichen Ergebnissen. 

Regel 1: Vergessen!

Legt der Mischmasch aus unzähligen gelesenen Ratgebern bei Ihnen als Anfänger den Denkapparat lahm oder wollen Sie als fortgeschrittene Autorin endlich mal aus den Strukturen im Kopf ausbrechen? – Sie profitieren von CharakterCards. 

Denn die erste Regel lautet: Vergessen Sie alle Regeln! Vergessen Sie, was Sie sich bis jetzt ausgedacht haben! Vergessen Sie den Plot!

Bei der Methode CharakterCards stellen Sie alles bisher Erdachte auf null und laden die Intuition ein, die Führung zu übernehmen. Dies gelingt auf denkbar einfache Weise: Sie lassen Bilder sprechen und hören ihnen zu. Im Gehirn sind verschiedene Bereiche für unterschiedliche Aufgaben zuständig. Grob gesagt, das analytische Denken findet in einem anderen Areal statt als die kreative, ganzheitliche Herangehensweise an ein Problem. Sie als Schreibende zapfen oft nur den logisch-analytischen Bereich an. Exzellente und kreative Ergebnisse erzielen Sie allerdings nur dann, wenn beide Hemisphären im Gehirn zusammenarbeiten. Deshalb ist es wichtig, die kreative und intuitiv arbeitende Gehirnhälfte, die in Bildern denkt, in Prozesse einzubeziehen und zu fordern.

Regel 2: Nicht nachdenken!

Woher bekommen Sie diese Bilder, die die Fantasie anregen und die Figuren in ihrer Gesamtheit erstehen lassen? Sie gestalten sie selbst. Aus vielen Fotos suchen Sie sich diejenigen Bilder aus, die Sie gleichsam anspringen. Also bloß nicht groß nachdenken und abwägen! Frauen, Männer, Kinder, Tiere, Landschaften, Gebäude, spirituelle Elemente und alles, was Sie sonst noch auf Fotos finden können, stehen zur Auswahl. Diese Fotos vereinigen Sie nach einer bestimmten Reihenfolge zu einer Collage. Sie beginnen mit der Person, suchen sich danach einen passenden Hintergrund und fügen zum Schluss noch Details hinzu. Für jede Figur, die Sie genauer kennenlernen wollen, kreieren Sie eine eigene Collage. Und Sie werden am Ende sicherlich mit mir übereinstimmen, jede ist ein kleines Kunstwerk.

Regel 3: Reden und Zuhören

Nun folgt der nächste essentielle Teil von CharakterCards: die Besprechung. 

Ohne die Besprechung der Collage hätten Sie eine schön gestaltete Karte, die Ihnen zwar Geheimnisse zuflüstert, Sie selbst könnten diese Geheimnisse aber leider nicht hören. Deshalb ist es eminent wichtig, die Karte sprechen zu lassen. Und das ist wörtlich zu verstehen. Sie selbst müssen reden.

Im Workshop setzt man sich zu zweit zusammen, die eine Teilnehmerin spricht, der andere protokolliert. Wenn Sie zu Hause allein arbeiten, können Sie die Diktierfunktion am Handy aktivieren. Denn es ist unumgänglich zu sprechen. Bitte schreiben Sie Ihre Gedanken nicht selbst auf. Beim Schreiben wird wieder die logisch-analytische Funktion im Gehirn angeknipst und die haben Sie ja gerade in den Urlaub geschickt. 

Zuerst lassen Sie die Collage auf sich wirken. Sie versetzen sich in die Position der Figur auf der Karte und lassen diese Figur erzählen. Das mag sich für manche wie esoterischer Klimbim anhören. Doch nur so eröffnen Sie der Intuition die Möglichkeit zu arbeiten. 

Der Einfachheit halber können Sie sich an einem Fragebogen orientieren, der unter anderem das berühmt-berüchtigte Want und Need der Figur abfragt. Aber diese Fragen sind nur Anhaltspunkte. Die effektivsten Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie sich auf diesen Prozess ganz einlassen und ohne Selbstzensur berichten, was Ihnen in den Sinn kommt. Also auch welche Stimmung die Karte bei Ihnen hervorruft, welche Assoziationen Sie bei der Anordnung der Elemente auf der Karte haben oder bei einzelnen Details. Sie werden ein ganzheitliches Bild Ihrer Figur erhalten und Dinge erfahren, die Sie vorher noch nicht wussten. Eigenschaften, Motive oder Hintergrundinformationen tauchen auf. Die Figur wird schillern, und Sie werden begierig darauf sein, mit ihr die dramaturgische Reise zu beginnen.

Die CharakterCards-Karte ist fertig. Und dann?

Sie haben nun für die Ihnen wichtigen Figuren Karten erstellt und sie auch besprochen. Wie geht es weiter? Höchstwahrscheinlich muss ich Ihnen nicht groß raten, was zu tun ist. Denn diese Methode setzt jede Menge Energie frei, und Sie werden all die Inspirationen in Text umzusetzen wollen. 

Am besten positionieren Sie die Karten rund um Ihren Arbeitsplatz und lassen sie weiter wirken. Denn auch nach der eigentlichen Besprechung können sie Sie zu neuen Erkenntnissen anregen. Mit diesen Karten können Sie auch plotten. Sie nehmen zwei Karten zur Hand und lassen sie wieder erzählen. Welchen Konflikt hat Figur A mit Figur B? Oder Sie betrachten die Vernetzung zwischen mehreren Figuren. Welche Verbindungen bestehen zwischen A, B, C und D?

Berichten einiger Autorinnen zufolge haben CharakterCards auch beim Pitch vor der Agentur oder der Lektorin schon geholfen – als anschaulich-sinnliche Gesprächsgrundlage oder um die fiktionalen Verbündeten ganz konkret vor Ort zu haben. Sie können auch Ihre Lesung durch die Illustration der Protagonisten lebendiger gestalten.

Aber Vorsicht! Die Arbeit mit CharakterCards ist nicht nur überraschend und effektiv, sie kann auch süchtig machen.

Über die Autorin: Ingrid Werner ist Autorin, Lektorin und CCC, auf gut Deutsch CharakterCardsCoach. Ihre Workshops finden in Deutschland und Österreich statt. 

www.werner-ingrid.de, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Denglisch?

Die gemischt deutsch-englische Schreibweise von CharakterCards ist Absicht. Den Begriff charactercards findet man in den Bereichen Animation und Spiel. Davon wollte ich meine Methode CharakterCards absetzen.