Glauser2026 Debüt
Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Debütroman" geht an Susanne Kaiser. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.

 

 

 

 

 

 

PREISTRÄGERIN DES GLAUSER 2026 in der Kategorie "Debütroman": Susanne Kaiser: Riot Girl (Wunderlich)



Riot Girl
Susanne Kaiser
Susanne Kaiser

Riot Girl (Wunderlich)  

Foto © Sima Deghani

Mit ihrem Debüt Riot Girl sticht Susanne Kaiser in offene Wunden unserer Gesellschaft. Schonungslos, aber ohne erhobenen Zeigefinger erzählt der Roman von jungen Frauen, denen zu oft nicht geglaubt wird, die lernen mussten, dass ihre Stimmen im Alltag verhallen, während Übergriffe relativiert, verdrängt oder bagatellisiert werden.

Aus dieser Ohnmacht entsteht eine Protestbewegung, die sich über soziale Medien organisiert. Was als Suche nach Gehör und Gemeinschaft beginnt, kippt in Radikalisierung und Gewalt. Riot Girl zeigt eindrücklich, wie schnell aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit ein zerstörerischer Kreislauf werden kann, wenn Schutzräume fehlen und Verantwortung abgeschoben wird.

Lange Zeit wurden Betroffene sexualisierter Gewalt zum Schweigen gebracht - durch falsche Scham und Strukturen, die Täter allzu oft schützen. Die MeToo-Bewegung hat dieses Schweigen in Teilen aufgebrochen. Wir leben in einer Zeit, in der Täter noch immer Konzernchefs, gefeierte Sportler oder hochrangige Politiker sein können, während Mädchen und Frauen sich rechtfertigen müssen: für ihre Kleidung, ihr Verhalten, ihr Schweigen oder ihr angeblich zu leises Nein.

Große Teile der Handlung spielen im digitalen Raum. Online finden die jungen Frauen den Zuspruch und die Unterstützung, die sie bei Vertrauenspersonen, Behörden und Institutionen vergeblich gesucht haben. Beeindruckend zeichnet Susanne Kaiser mit wenigen Sätzen unterschiedliche Milieus und schafft authentische Charaktere. Beim Lesen entfaltet sich ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann; unweigerlich fragt man sich, auf welche Katastrophe diese Geschichte zusteuert. Das Ende erschüttert und lässt dennoch Hoffnung zu.

Riot Girl überzeugt durch sprachliche Exaktheit, erzählerische Kraft und den Mut, dorthin zu schauen, wo bestehende Systeme an ihre Grenzen stoßen.

 


Außerdem nominiert waren:

Peter Friedrich: Kafkarabesken oder Die Ermittlungen (duotincta)

Robert Lackner: Seidenstrasse (Kremayr &Scheriau)

Tim Sünderhauf: Die Wölfe unter uns (dtv)  

Chris Warnat: 15 Sekunden (Penguin)

 

Jury:

Sabina Naber, Jürgen Heimbach, Kathrin Lange, Caroline Seibt, Daniele Palu und Elke Pistor (Jury-Organisation)

(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier)