Preisträger Roman 2022Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Roman" ist dotiert mit 5.000 Euro für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des vergangenen Jahres.

Der Preisträger 2022 wurde am Samstag, den 21. Mai 2022, in der großen Gala während der Criminale in Iserlohn verkündet und geehrt.

 

Die Ausschreibungen für das Jahr 2023 finden Sie hier ! 

 

                               Preisträger des GLAUSER-Preises 2022 in der Kategorie "Roman": 

Jörg Juretzka:

Nomade

Rotbuch Verlag

   Jörg Juretzka

  Foto © Harald Hoffmann

 Nomade
Begründung der Jury:

In dem Roadmovie Nomade schickt Jörg Juretzka seinen Helden Krystof Kryszinski auf eine Reise durch die Wüste. In seinem vierzehnten Fall forscht der ehemalige Detektiv aus dem Ruhrpott in der Sahara nach Verschollenen. Mit viel Spürsinn ermittelt er wahrscheinliche Routen und wird auch meistens fündig. Auch wenn er letztlich nicht immer auf das trifft, was er sucht.

Mit knappen Worten, skizzenhaft fast, und mit großer Empathie für seine Figuren erzählt Juretzka eine pralle, farbenfrohe Geschichte. Eine sehr persönliche Geschichte, die Fernes sehr nah an den Leser heranrückt, für ihn miterlebbar macht. Beiläufig, aber immer dicht an seiner Hauptfigur, schildert er die politische Lage Nordafrikas aus dem Blickwinkel seines Ermittlers. Jörg Juretzka gelingt es, mit aktuellen Themen wie Migration oder der Rolle der Frauen ein detailliertes Wüstenbild zu malen. Es zeigt den Alltag, mit dem sich Krystof Kryszinski arrangieren muss, will er überleben. Etwas, an dem die Vermissten oft scheiterten, denn meist findet er nur noch Tote. Die Wüste ist gnadenlos, aber faszinierend, dies beschreibt Juretzka in einer Weise, dass beim Lesen die Sandkörner zwischen den Zehen zu knirschen scheinen. Die Sahara ist eine Naturgewalt, in der und mit der Menschen agieren. Schönheit und Grauen liegen stets nah beieinander. Juretzka leuchtet jede Facette aus, bildgewaltig, mit Leichtigkeit und Humor, aber immer mit großem Respekt vor seinen Figuren.

  


 Außerden nominiert waren:

  • Simone Buchholz: River Clyde (Suhrkamp Nova)
  • Petra Ivanov: Stumme Schreie (Unionsverlag)
  • Ina Resch (Regina Ramstetter): Die Farbe des Vergessens (Emons)
  • Michael Wallner: Shalom Berlin – Gelobtes Land (Piper)

Für den GLAUSER-Preis, den Autorenpreis deutscher Kriminalliteratur, konnten Verlage deutschsprachige Romane einreichen, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2020 und November 2021 lag (Originalausgaben).

 

Jury:

Uli AechtnerLena JohannsonAngélique Mundt, Paul OttIlka Stitz und Moni Reinsch (Jury-Organisation)


(Die Aussschreibungen für das Jahr 2023 finden Sie hier.)

Glauser Nominierte Roman 2022 neuDer Preis in der Kategorie "Roman" ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.

Der oder die PreisträgerIn 2022 wird am Samstag, den 21. Mai 2022 in einer großen Gala im Rahmen der Criminale in Iserlohn verkündet und geehrt.

(Die Aussschreibungen für das Jahr 2023 finden Sie hier.)

 

 

Nominierte für den Glauser-Preis 2022 in der Kategorie "Roman":

(in alphabetischer Reihenfolge)

Simone Buchholz: River Clyde (Suhrkamp Nova)

Petra Ivanov: Stumme Schreie (Unionsverlag)

Jörg Juretzka: Nomade (Rotbuch Verlag) 

Ina Resch (Regina Ramstetter): Die Farbe des Vergessens (Emons)

Michael Wallner: Shalom Berlin – Gelobtes Land (Piper)


River ClydeBuchholzGerald von Foris SV 2
Simone Buchholz
River Clyde (Suhrkamp Nova)

Foto © Gerald von Foris/Suhrkamp Verlag

Im 10. Band der Reihe um die Staatsanwältin Chastity Riley nimmt diese eine Auszeit und reist nach Schottland, um dort ein Erbe anzutreten. Ihr sind die Kategorien des bisherigen Lebens und Empfindens entglitten, und sie ertränkt frühere Traumata im Alkohol. In Hamburg werden derweilen ganze Straßenzüge abgefackelt. Die Kollegen vor Ort üben sich in Arbeitsverweigerung, während Riley mit Geistwesen spricht.

Simone Buchholz evoziert mit wenigen Sätzen ganze Ereignis- und Gefühlslandschaften. Genauso wie sich die Kategorien in Rileys Leben auflösen, löst sich die Kategorie Krimi auf. Die Autorin spielt mit den Erwartungen, sie liefert Puzzle-Teile, aus denen sich ein Bild ergibt, sie setzt sprachliche Akzente messerscharf und lupenrein. »River Clyde« ist eine Metapher für das vergangene Leben: »Der Fluss liegt derweil da wie ein über hundertsiebzig Kilometer langer toter Mann.«

 

 

Stumme SchreiePetra Ivanov
Petra Ivanov

Stumme Schreie (Unionsverlag)

Foto: Chris Marogg

Bruno Cavalli ermittelt in einer Spezialabteilung der Sicherheitspolizei gegen einen Kollegen in einem Fall von illegalem Hundehandel. Gleichzeitig bekommt es Cavallis Ehefrau, die Staatsanwältin Regina Flint, mit einem verschwundenen Kind zu tun. Hängen die Fälle miteinander zusammen?

Aufgrund der internen Ermittlungen dürfen sich Cavalli und Flint nicht austauschen, was zunehmend zur Zerreißprobe wird.

Petra Ivanov spinnt dramaturgisch gekonnt ein dicht verwobenes Netz von Hinweisen, falschen Spuren, persönlichen Verwicklungen und zwielichtigen Zeugen, die sich zu einem ungemein fesselnden und rasanten Kriminalfall aufschaukeln. Die Protagonisten, die immer nahbar bleiben und deren Probleme einen nicht kalt lassen, ziehen den Leser immer tiefer in die Abgründe menschlicher Schwächen und krimineller Verstrickungen. Genaue Recherche und überraschende Wendungen runden diesen temporeichen Kriminalroman ab und machen ihn zu einem spannenden Lesevergnügen.

 


NomadeJörg Juretzka

Jörg Juretzka:

Nomade (Rotbuch Verlag) 

 Foto © Harald Hoffmann

Kristof Kryszinski spürt in der afrikanischen Wüste vermisste Menschen auf, teils, um gegen Lohn deren Leben zu retten, teils, um seinem Vagabundendasein einen Sinn zu geben. Touristen durchqueren die Wüste, um sich von der Zivilisation zu erholen, während Einheimische auf der Flucht in die westliche Zivilisation sind. Kryszinski trifft Warlords, überschreitet im doppelten Wortsinn Grenzen, findet und beerdigt Tote. Er ist einsam unterwegs, begleitet nur von seiner Hündin Bella, bis er auf eine anspruchsvolle einheimische Schönheit trifft.

Juretzkas Wüste lebt. Sein flott-witziger Ton und sein staubtrockener Humor überdecken beinah seine subtile Kritik am Menschenhandel, an der Religion und der Rolle, die Frauen in afrikanischen Gesellschaften oft zugewiesen wird. Sein Ruhrpott-Ex-Detektiv Kristof Kryszinski ist so sensibel wie knorrig und einfach Kult.


 

Die Farbe des VergessensIna Resch
Ina Resch:

Die Farbe des Vergessens (Emons)

Die Präparatorin Julie Senninger hat eines Tages ein Spiegelbild ihrer selbst auf dem Obduktionstisch liegen. Könnte es ihre Tochter sein? Als ihr Kind geboren wurde, war Julie ein Junkie. Was damals geschah, ist für sie wie ausgelöscht.

Ina Resch lässt ihre Protagonistin die Fragmente emotionaler Erinnerung zusammensetzen. Sie schickt sie auf eine Reise in ihre Vergangenheit, die einem Drogentrip kaum nachsteht und die Lesenden mit in den Bann zieht. Die Autorin beweist Mut zu einem ungewöhnlichen Plot. Sie fächert ein traumatisches Frauenleben vor uns auf, versöhnt uns aber auch mit einer berührenden Liebesgeschichte, die ihren Ursprung schon in der Kindheit hat. Der Spannungsroman besticht zudem durch minutiöse Recherche, sei es im Obduktionsaal, in der Drogenszene oder in einer muslimischen Metzgerei.

 

Shalom Berlin Gelobtes LandMichael WallnerMichael Wallner:

Shalom Berlin – Gelobtes Land (Piper)

 Foto © Aglef Püschel

Eine Reihe verschwundener Kinder in Berlin. Geht ein Serientäter um? Staatsschützer Alain Liebermann wird in den Fall eingebunden. Die Ermittlungen verlangen ihm alles ab und führen ihn ausgerechnet in den Nahen Osten.

Wunderbar klar nimmt Michael Wallner seine Leserschaft mit auf die rasante Jagd nach einem skrupellosen Verbrecher. Und ins Herz einer jüdischen Sippe, die man einfach lieben muss. Überzeugende Figuren, präzise gezeichnet, eine gute Dosis Überraschungen, gefühlvoll, ohne in den Kitsch abzugleiten. Wenn Kinder die Opfer sind, ist besonders viel Sensibilität gefragt. Wallner hat sie. Er kommt ohne Effekthascherei und unnötige Grausamkeit aus.

Ein glänzender Krimi, überzeugend und voller Atmosphäre. Der dritte Liebermann-Band ist ein großer, kluger Lesespaß.

 


Für den Glauser-Preis 2022 konnten bis zum 30. November 2021 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2020 und November 2021 lag (Originalausgaben). 

Jury:

 Uli AechtnerLena JohannsonAngélique Mundt, Paul OttIlka Stitz und Moni Reinsch (Jury-Organisation)


(Die Aussschreibungen für das Jahr 2023 finden Sie hier.)