Preisträgerin des GLAUSER 2021 in der Kategorie "Debütroman":

Noll, Laura: (Foto:  © Dana Maiterth)
Der Tod des Henkers. 
Gmeiner-Verlag

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Begründung der Jury:

„Im Sommer 1942 wussten wir nicht alles, jedoch wussten wir genug, um zu wissen, dass wir es nicht genau wissen wollten. „ (S.151)

Laura Noll wagt sich mit ihrem Debüt „Der Tod des Henkers“ an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit, das Attentat auf Reinhard Heydrich, den Henker von Prag, und die darauffolgenden grausamen Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer. Wer sich dem Thema deutscher Schuld im Dritten Reich zuwendet und zudem mit einer Fülle an verbürgtem Material konfrontiert ist, setzt sich bei der Literarisierung vielerlei Gefahren aus, doch Laura Noll meistert die Herausforderung, die ihrem Stoff innewohnt. Vorsichtig und bedacht füllt sie die nicht durch Quellen belegten Leerstellen in der Geschichte des Heydrichattentats, ohne diese zu verwässern oder mit dem Wissen der Nachgeborenen zu belasten oder gar zu bewerten.  
Nie erliegt sie dabei der Versuchung, ihr enormes Wissen fortwährend mit dem Leser teilen zu wollen, sondern ordnet dieses konsequent den Erfordernissen des Genres unter. Für eine Romandebütantin ungewöhnlich souverän beherrscht sie seine Prämissen, und versteht es, eine Spannung aufzubauen, die den Leser dem Ausgang des Romans entgegenfiebern lässt, obwohl das Ende der Geschichte um das Attentat auf die Bestie von Prag, insbesondere die Massaker an der tschechischen Zivilbevölkerung, hinlänglich bekannt ist. Geschickt platziert sie immer wieder ruhige, beschreibende Erzählpassagen, die dem Leser  kleine Atempausen vom hochdramatischen Geschehen verschaffen und lebendige Bilder der Stadt Prag und des damaligen Alltagslebens vermitteln, die den Leser tief im Romangeschehen verankern. 
Mit dem historisch verbürgten Gestapokommissar Heinz Pannwitz gelingt ihr zudem eine Ermittlerfigur, deren Hin- und Hergerissensein zwischen seiner Stellung im nationalsozialistischen Machtgefüge und seinem Mitgefühl mit den Bewohnern der besetzten Tschechei überzeugt und berührt. Mit großem Einfühlungsvermögen und sprachlicher Finesse zeigt Laura Noll auch alle anderen Akteure als Kinder ihrer Zeit. Vielen Figuren, Vertreter beider Seiten, der deutschen und der tschechischen, gibt sie eine Stimme und kann so ein authentisches und facettenreiches Bild der schwierigen, durch unglaubliche Brutalität von Seiten der Deutschen vergifteten Beziehung zwischen unseren beiden Nachbarstaaten zeichnen, die bis heute Wirkungen zeitigt. Laura Noll führt ihre Leser an ein hochaktuelles, sich durch zunehmenden Nationalismus in ganz Europa zuspitzendes Thema heran und zeigt dabei einen literarischen Gestaltungswillen, dessen Ergebnisse beeindrucken. Der Kriminalroman tritt hier als Literatur in Erscheinung- großartig!

 

Außerdem nominiert waren:

    • Grandl, Peter: Turmschatten. Verlag Das neue Berlin
    • Horvath, Michael: Wiener Hundstage. Emons-Verlag
    • Riffko, Ben: Grünes Öl. Heyne
    • Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg. Btb

 

 

Für den GLAUSER-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2021, konnten bis zum 30. November 2020 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungszeitraum zwischen Dezember 2019 und November 2020 lag (Originalausgaben).

Die Jury war:

Eric BarnertFranziska FranzClaudia RiklPatricia HollandSylvia Grünberger und 
Michael Kibler (Juryorganisation)
. 

Juryorganisation: Michael Kibler

 (Die Aussschreibung für das Jahr 2022 finden Sie hier.)

 

Der Preis in der Kategorie "Debütroman" ist mit 2.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.

Der oder die PreisträgerIn 2021 wird am Samstag, den 24. April 2021 in einer großen Online-Gala verkündet und geehrt.

 (Die Aussschreibung für das Jahr 2022 finden Sie hier.)

Nominierte für den GLAUSER-Preis 2021 in der Kategorie "Debütroman":

(in alphabetischer Reihenfolge)

  • Grandl, Peter: Turmschatten. Verlag Das neue Berlin
  • Horvath, Michael: Wiener Hundstage. Emons-Verlag
  • Noll, Laura: Der Tod des Henkers. Gmeiner-Verlag
  • Riffko, Ben: Grünes Öl. Heyne
  • Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg. Btb

 

 
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Grandl, Peter: (© Proxenos)

Turmschatten

Verlag Das neue Berlin

„Der Mensch war ein merkwürdiges Wesen. Der Tod von Millionen bewegte ihn nicht annähernd so sehr wie das tragische Schicksal des Einzelnen, wenn es nur anschaulich genug präsentiert wurde."

Ein alter Mann jüdischen Glaubens übt Selbstjustiz, indem er drei Neonazis im Keller seiner Behausung gefangen hält. Sie sind in seinen technisch nahezu perfekt gesicherten Wohnturm mit dem Vorhaben eingedrungen, ihn zu töten.

Nicht nur die Kleinstadt, in der der alte Mann lebt, nein, Millionen von Menschen werden von ihm im Internet zu einem Voting aufgerufen. Es geht dabei um Leben oder Tod: Freilassung der Angreifer oder deren Hinrichtung.

Während eine großangelegte Befreiungsaktion der Polizei beginnt, wird bekannt, dass der Geiselnehmer Mossad-Agent war, der jede Verhandlung ablehnt. Das Voting jedoch ist bereits in vollem Gange und nicht mehr aufzuhalten.

Dieses Buch fasziniert durch seine fesselnde Thematik. Wer unterscheidet zwischen Gut und Böse? Hier nimmt der Täter keine Rücksicht auf die Schuldfrage, sondern überträgt die Verantwortung Millionen von Menschen im Internet. Ein faszinierender Thriller, der nicht zuletzt die Thematik der brandaktuellen Kommunikationswege und deren Gefährlichkeit beschreibt.

 

 

 Autor: Michael HorvathTitel: Wiener HundstageReihe: Kriminalroman, Region: ÖsterreichET:  Juli 2020ISBN 978-3-7408-0913-3, (i4)_(0913-3)ebook: 978-3-96041-649-4, (e2)_(649-4)Horvath Michael Copyright Thomas Lehmann

Horvath, Michael: (Foto: © Thomas Lehmann)

 Wiener Hundstage.

Emons-Verlag

„Wien darf nicht Chicago werden, hat ein freiheitlicher Abgeordneter mal charmant formulieren lassen. Wie auch immer, die Angelegenheit war alles, nur nicht mein Job. Zumindest dachte ich das damals.“

Wien Mitte der 90er Jahre: Während eine Hitzewelle die Stadt im Griff hat, recherchiert der Journalist Paul Mazurka den Tod einer Kollegin. Ein befreundeter Fotograf, der mehr zu wissen scheint, verschwindet spurlos. Paul gerät fortan in ein Dickicht aus undurchsichtigen Figuren, Polizei, dubiosen Agenten und kirchlichen Würdenträgern. Als er Anna begegnet, die er von früher kennt, scheint sich der Nebel langsam zu lichten, als ein weiterer Mord geschieht. Spätestens da ist Paul klar, dass er nur gewinnen kann, wenn er seinen Gegnern immer einen Schritt voraus ist.

Mit feiner Ironie und Lokalkolorit lässt Michael Horvath seine Figur eine überaus spannende Geschichte erzählen, die weit über die Grenzen Wiens hinaus reicht, einen realen Hintergrund hat und in ein furioses Finale mündet. Fortsetzung unbedingt erwünscht!

 

 

9783839227008.jpgnoll-laura-1278.jpgNoll, Laura: (Foto:  © Dana Maiterth)

Der Tod des Henkers.

Gmeiner-Verlag

„Im Sommer 1942 wussten wir nicht alles, jedoch wussten wir genug, um zu wissen, dass wir es nicht genau wissen wollten.“

Laura Noll wendet sich in ihrem atmosphärisch dichten, bildreichen und hoch spannenden Debüt „Der Tod des Henkers“ einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit zu, dem Attentat auf Reinhard Heydrich, den Henker von Prag, und den darauffolgenden grausamen Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer. Souverän verdichtet sie das umfangreiche historische Faktenmaterial zu einem Kriminalroman und ordnet dieses konsequent den Erfordernissen des Genres unter. Mit dem historisch verbürgten Gestapokommissar Heinz Pannwitz gelingt ihr eine Ermittlerfigur, dessen Hin- und Hergerissensein zwischen den Erfordernissen des Amtes, seiner Stellung im nationalsozialistischen Machtgefüge, und seinem Mitgefühl mit der tschechischen Zivilbevölkerung überzeugt und berührt. Mit großem Einfühlungsvermögen und sprachlicher Finesse zeigt Laura Noll die Akteure ihres beeindruckenden Debütromans als Kinder ihrer Zeit, nie erliegt sie der Versuchung, die Beweggründe ihres Handelns, mögen sie noch so grausam sein, mit dem Wissen der Nachgeborenen zu bewerten. Ein Balanceakt, der auf ganzer Linie gelungen ist. 

 

 

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Riffko, Ben:

Grünes Öl.

Heyne

„Wenn die Folterknechte meine Zelle betreten, schreie ich ihnen entgegen: ‚Ich bin unschuldig!‘ Unschuldig, ohne überhaupt zu wissen, wessen sie mich für schuldig halten.“

Ben Riffkos rasant erzählter ökologischer Wirtschafts- und Politthriller verpackt aktuelle Themen in einer spannenden Handlung mit beklemmenden Momenten. Dabei geht es nicht nur es um moderne Umwelttechnologien, sondern auch das weltweite Ölgeschäft, internationalen Waffenhandel, Terrorismus, Flüchtlinge und die Machenschaften von Geheimdiensten.

Die belgischen Jungunternehmer Jacques und Al-Gé haben eine bahnbrechende Methode gefunden, Algen gentechnologisch so zu verändern, dass man aus ihnen einen umweltfreundlichen, preisgünstigen Treibstoff gewinnen kann. Sie suchen für ihr Start-up passende Investoren. Allerdings stoßen sie dabei nicht nur auf finanzierungsfreudige Wirtschaftsexperten, sondern auch auf skrupellose Terroristen und werden in Machenschaften internationaler Geheimdienste verwickelt.

Riffkos Sprache ist lebendig und verführt zum Weiterlesen, je stärker sich die einzelnen Handlungsfäden einander annähern. Der thematisch verflochtene interessante Thriller, in dem es auch um die Skrupellosigkeit der entsprechenden Akteure geht, wirkt besonders einfühlsam und ist äußerst spannend zu lesen. 

 

  

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Ruschel, Rudolf: (Foto: © Christian Kerber)

Ruhet in Friedberg

Btb

„Da werden die Kommissare noch Jahre quer durchs Land und darüber hinaus ermitteln, bis da einmal etwas mit Hand und Fuß herausschaut.“ 

Sollte der Begriff des schwarzen Humors eine Steigerung haben, dann ruht sie hier: in Friedberg. 

Eine Truppe mit einer solchen Patina zusammenzuschreiben und sie Dinge gemeinsam und gegeneinander tun zu lassen, das zeugt schon von feiner Beobachtungsgabe, vielleicht aber auch von einer traumatischen Kindheit des Autors: Die Bestatter Hubsi, „dumm wie ein Meter Feldweg“, Andi, der lieber Schriftsteller wäre, Fipsi mit seinem unnützen Wissen, Gustl mit der pflegebedürftigen Mutter, die nur die Rezepte von Dr. Oetker als Heilmittel akzeptiert – sie alle geraten in die brutal mahlende Mühle der Naturgesetze. Denn wenn ein spackendürrer Alkoholiker beerdigt wird, kann sein Sarg nicht 150 Kilo wiegen… 

Aus einer solchen Anekdote in permanenter Missachtung politischer Korrektheit einen bis zum Krieg in Ex-Jugoslawien reichenden Plot zu spinnen, zeugt von einer Unverfrorenheit, die unserer Zeit den Spiegel vorhält. Was die Gesellschaft versucht, mit Vokabular zu bekämpfen, hält im Alltag weiterhin Hof: Rassismus, Homophobie und Sensationsgier. 

Eine Räuberpistole, die sich alles traut – und der beste Beweis dafür, wie stilvoll Klamauk als Krimi funktionieren kann. 

  


Für den GLAUSER-Preis 2021 konnten bis zum 30. November 2020 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2019 und November 2020 lag (Originalausgaben).
 

 Die Liste der eingereichten Romane können Sie  hier herunterladen.



Die Jury war:

Eric BarnertFranziska FranzClaudia RiklPatricia HollandSylvia Grünberger und 
Michael Kibler (Juryorganisation)
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 (Die Aussschreibung für das Jahr 2022 finden Sie hier.)