Hier finden Sie alle bisherigen PreisträgerInnen der GLAUSER-Krimipreise seit 1987 sowie die jeweils weiteren Nominierten.

2021: Tommie Goerz: Meier, Ars Vivendi

 

Foto: Autorenfoto

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Begründung der Jury:

Der Knast ist nicht nur ein Ort, an dem Verbrecher resozialisiert werden sollen. Man kann dort auch sehr viel lernen. Über Menschen, ihr Verhalten, das Verbrechen und ... wie man beim nächsten Mal ungeschoren davonkommt. 

Genau das tut Meier, der unschuldig wegen Mordes 10 Jahre einsitzt und sich sorgfältig auf die Zeit nach seiner Freilassung vorbereitet. Denn er hat einen Plan, dessen Umsetzung sein einziges Ziel ist – Satisfaktion!

Tommie Goerz überrascht von Beginn an. Er kümmert sich weder um Grammatik noch um stilistische Konventionen. Kurze Sätze, prägnante Beschreibungen, keine Schnörkel ... aber so direkt auf den Punkt, dass es die Leserinnen und Leser entweder abstößt oder in die Geschichte hineinzieht. Dazwischen gibt es nichts.

Das Leben im Gefängnis? Scheiße! Das Leben danach? Auch! Aber es gibt viel zu lernen.

Der Autor ist um die Fähigkeit zu beneiden, mit wenigen, kernigen Worten Menschen, Situationen oder Orte so zu beschreiben, dass man sie plastisch vor Augen hat. Er schafft Charaktere, die gleichermaßen glaubhaft realistisch wie erschreckend sind. Dabei zeichnet er ein Bild der Gesellschaft, das wie eine Karikatur der Wirklichkeit wirkt, aber wohl lediglich eine leichte Überzeichnung darstellt.

Meier, der Protagonist, ist das Produkt seines Knastaufenthaltes und wer nach diesem Roman noch vorbehaltlos an die Resozialisierung glaubt, dem ist nicht zu helfen.  Und ... Meier wurde im Knast nicht zum Heiligen. Dennoch hofft und bangt man mit ihm. Er ist ein Underdog, auf dessen Seite man sich einfach schlagen muss. 

Der vorliegende Roman ist ein Plädoyer für den Mut, etwas Ungewöhnliches auszuprobieren und dafür, sich von Konventionen nicht vom Beschreiten neuer Wege abhalten zu lassen. 

Und es ist ein Plädoyer für die menschliche Würde. Ein großartiges Buch, das die Jury mit Freude ausgezeichnet hat. 


 Außerden nominiert waren:

  • Zoë Beck: Paradise City (Suhrkamp)
  • Oliver Buslau: Feuer im Elysium (emons)
  • Christoph Heiden: Zurück im Zorn (Gmeiner)
  • Stefan Slupetzky: Im Netz des Lemming (Haymon)

Für den GLAUSER-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2021, konnten bis zum 30. November 2020 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2019 und November 2020 lag (Originalausgaben). 
Die Liste der eingereichten Romane können Sie  hier herunterladen.

Jury:

Dieter AurassJohanna BüchelAndreas PittlerAndreas Schäfer und Claudia Schmid.

JuryorganisationMichaela Pelz


2021: Laura Noll, Der Tod des Henkers, Gmeiner-Verlag

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Begründung der Jury:

„Im Sommer 1942 wussten wir nicht alles, jedoch wussten wir genug, um zu wissen, dass wir es nicht genau wissen wollten. „ (S.151)

Laura Noll wagt sich mit ihrem Debüt „Der Tod des Henkers“ an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Vergangenheit, das Attentat auf Reinhard Heydrich, den Henker von Prag, und die darauffolgenden grausamen Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Besatzer. Wer sich dem Thema deutscher Schuld im Dritten Reich zuwendet und zudem mit einer Fülle an verbürgtem Material konfrontiert ist, setzt sich bei der Literarisierung vielerlei Gefahren aus, doch Laura Noll meistert die Herausforderung, die ihrem Stoff innewohnt. Vorsichtig und bedacht füllt sie die nicht durch Quellen belegten Leerstellen in der Geschichte des Heydrichattentats, ohne diese zu verwässern oder mit dem Wissen der Nachgeborenen zu belasten oder gar zu bewerten.  


Nie erliegt sie dabei der Versuchung, ihr enormes Wissen fortwährend mit dem Leser teilen zu wollen, sondern ordnet dieses konsequent den Erfordernissen des Genres unter. Für eine Romandebütantin ungewöhnlich souverän beherrscht sie seine Prämissen, und versteht es, eine Spannung aufzubauen, die den Leser dem Ausgang des Romans entgegenfiebern lässt, obwohl das Ende der Geschichte um das Attentat auf die Bestie von Prag, insbesondere die Massaker an der tschechischen Zivilbevölkerung, hinlänglich bekannt ist. Geschickt platziert sie immer wieder ruhige, beschreibende Erzählpassagen, die dem Leser  kleine Atempausen vom hochdramatischen Geschehen verschaffen und lebendige Bilder der Stadt Prag und des damaligen Alltagslebens vermitteln, die den Leser tief im Romangeschehen verankern. 
Mit dem historisch verbürgten Gestapokommissar Heinz Pannwitz gelingt ihr zudem eine Ermittlerfigur, deren Hin- und Hergerissensein zwischen seiner Stellung im nationalsozialistischen Machtgefüge und seinem Mitgefühl mit den Bewohnern der besetzten Tschechei überzeugt und berührt. Mit großem Einfühlungsvermögen und sprachlicher Finesse zeigt Laura Noll auch alle anderen Akteure als Kinder ihrer Zeit. Vielen Figuren, Vertreter beider Seiten, der deutschen und der tschechischen, gibt sie eine Stimme und kann so ein authentisches und facettenreiches Bild der schwierigen, durch unglaubliche Brutalität von Seiten der Deutschen vergifteten Beziehung zwischen unseren beiden Nachbarstaaten zeichnen, die bis heute Wirkungen zeitigt. Laura Noll führt ihre Leser an ein hochaktuelles, sich durch zunehmenden Nationalismus in ganz Europa zuspitzendes Thema heran und zeigt dabei einen literarischen Gestaltungswillen, dessen Ergebnisse beeindrucken. Der Kriminalroman tritt hier als Literatur in Erscheinung- großartig!

Außerdem nominiert waren:

    • Grandl, Peter: Turmschatten. Verlag Das neue Berlin
    • Horvath, Michael: Wiener Hundstage. Emons-Verlag
    • Riffko, Ben: Grünes Öl. Heyne
    • Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg. Btb

 

 

Für den GLAUSER-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2021, konnten bis zum 30. November 2020 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungszeitraum zwischen Dezember 2019 und November 2020 lag (Originalausgaben).

Die Jury war:

Eric BarnertFranziska FranzClaudia RiklPatricia HollandSylvia Grünberger und 
Michael Kibler (Juryorganisation)
. 

Juryorganisation: Michael Kibler


2021: Raoul Biltgen "Der ruhende Pol" In: Les Cahiers Luxembourgeoises, 3/2020

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Raoul Biltgen

 Raoul Biltgen

Foto: © Philippe Matsas

Ein Mann sitzt in einem Park in einer kleinen Stadt in Luxemburg und zählt. Er will das richtige Verhältnis zwischen Krähen, Kindern, Müttern, Bäumen und allem anderen herausfinden, denn er ist Statistiker und für eine solche Arbeit ausgebildet. Das tut er seit drei Jahren. Sein Ergebnis soll das Leben der Stadt verbessern, und nun steht er kurz davor, eine Lösung zu finden für das Problem. Er stammt aus einem anderen Land, doch die Stadt hat ihn vor vielen Jahren aufgenommen, und nun will er ihr etwas zurückgeben, indem er aufgrund seines Zählens Empfehlungen ausspricht. Ende November hat er seine Beobachtungen abschließen wollen. Doch dazu kommt es nicht, denn auf einmal stimmen seine Zahlen nicht mehr. Dann verschwinden Kinder, und natürlich wird der Mann verdächtigt, weil er aus einem anderen Land kommt. Und immer da sitzt, sommers wie winters. In der Nähe ist ein Kinderspielplatz ...

Die Story fordert Geduld beim Lesen, denn eigentlich passiert ja sehr lange nichts. Dafür tritt der zählende Mann immer deutlicher hervor, wird sein Denken und Handeln verständlich. Kunstvoll spielt der Autor mit Sprache und Stil und lässt nur ab und zu zwischen den Sätzen und Zeilen hervorblitzen, was um diesen sonderbaren Mann herum geschieht. Diese behutsam aufgebaute Taktung sorgt dafür, dass die Leser*innen unweigerlich hineingezogen werden in die Geschichte und auch auf die Seite des Krähen-, Bäume-, Kinderzählers. Und am Ende lässt der Autor einen Paukenschlag ertönen, der leiser und schrecklicher nicht sein könnte.

 

Außerden nominiert waren:

 

  • Katja Bohnet"Die Schwarzfahrerin". In: Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel. Knaur 2020
  • Joe Fischler"Konrad war ein guter Mann". In: Stille Nacht, nie mehr erwacht. Krimis für die kalte Jahreszeit. Rowohlt Taschenbuch Verlag 2020
  • Regina Schleheck: "Peinlich".  In: Diebe, Mörder, Galgenstricke. Wellhöfer 2020
  • Leif Tewes"Der Sinn des Lebens". In: Banken, Bembel und Banditen. Gmeiner 2020

  

Die Liste aller eingereichten Kurzgeschichten können Sie  hier 406.8K und  hier (November-Einreichungen)  412.3Kherunterladen.

Jury:

Almuth Heuner,  Maren GrafJennifer B. WindVolker Streiter,  Thomas Kowa,

Marlies Ferber (Juryorganisation).


2021: Andreas Götz

Wir sind die Wahrhei, Verlag Dressler

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Leahs Zwillingsbruder Noah wurde so verprügelt, dass er ins Koma fällt.  Es scheint, als wären Flüchtlinge dafür verantwortlich. Aber wieso, wo Noah sich doch immer als Flüchtlingshelfer engagiert hat? Rechte Kreise schüren die Gerüchte, die nur Sinn machen, wenn Noah sich wirklich heimlich zu einem ausländerfeindlichen Neonazi entwickelt hat. Aber kann das wirklich sein?  

Leah will es nicht glauben. Noah selbst kann sie jedoch nicht fragen, denn er ringt mit dem Tod und niemand weiß, ob er jemals wieder zu sich kommen wird. Auch die verzweifelten Eltern darf sie nicht mit dem belasten, was sie bewegt. 
Denn da sind diese Videobotschaften, die andeuten, dass Noah nicht der ist, für den alle ihn halten. Sind sie echt? Oder Fake? Und welche Rolle spielt Eva, die früher schon für Noah geschwärmt hat?
Als Leah bei ihren Recherchen den charismatischen Alexander kennenlernt und sich in ihn  verliebt, erscheint Noahs Wandel plötzlich nachvollziehbar, der pseudophilosophisch rechte Sumpf wirkt plötzlich ganz okay und der sonst so bestechend klare Blick für Recht und Unrecht trübt sich auf einmal … 

Die Jury hat das Buch ausgewählt, weil Leahs dramatische Suche nach der Wahrheit in der sehr authentisch geschriebenen Ich-Perspektive so spürbar ist und den Leser unweigerlich in ihre Gefühlswelt zieht.

Ständig stellt sich die Frage, welches Gedankengut tolerabel ist und ab wann rechtem Populismus, der die Freiheitsrechte des Einzelnen verletzt, ganz klar Einhalt geboten werden muss.  

Der komplexe Roman setzt sich mit politischen Positionen auseinander, ohne in Klischees zu verfallen oder allzu schlichte Erklärungen zu liefern. Ein echtes Leseerlebnis für jeden, der denkt, er sei gegen braunen Sumpf auf jeden Fall immun …

Zudem nominiert waren:

    • Hansjörg Nessensohn: Delete Me, Verlag Ueberreuter
    • Ursula Poznanski: Cryptos, Verlag Loewe

Für den Jugend-GLAUSER 2020 konnten bis zum 31. Oktober 2020 deutschsprachige Jugendkrimis von Verlagen eingereicht werden, die im Jahr 2020 erstmals erschienen sind (Originalausgaben). 

Die Liste der eingereichten Romane können Sie hier herunterladen. 

Jury:

Jutta SiorpaesBeatrix Mannel, Marion Meister 

Betreuung der Jugendjury: Petra Steps.

Juryorganisation: Erich Weidinger


Der Preis "Kinderkrimi" (bis 12 Jahre) wird seit 2020 getrennt vom Jugendkrimi (ab 12 Jahre) verliehen.

 

2021: Jana Scheerer

Geister sind unser Geschäft, Verlag Woow Books

Geister-sind-unser-Geschäft-Bd-2-9783961770625-771x1024.jpgSchöffling & Co. Verlag – Jana Scheerer

Jana Scheerer

Geister sind unser Geschäft, Verlag Woow Books  

Die Kinder Harald, Wiebke und Trix sind die Spürnasen der Detektei Donnerschlag. Sie lassen sich nicht so leicht täuschen, schon gar nicht von Erwachsenen die den Mythos um die Grüne Johanna für Wirklichkeit halten. Immerhin besagt die Detektivregel 27: Ein Detektiv gibt sich nicht mit übernatürlichen Erklärungen zufrieden. Was also steckt hinter der grün leuchtenden Spukgestalt, die ausgerechnet zur Osterreisezeit abends auf dem Deich des betulichen Nordseestädtchens auftaucht, wenn die Touristen kommen? Warum fließt in manchen Häusern grünes Wasser aus der Leitung? Und wie funktioniert der grüne Nebel über dem Wasser, der auch noch anfängt zu sprechen? Alle im Ort sind alarmiert. Der Autorin Aurora Schwarz und ihrer Zwillingsschwester, die ausgerechnet jetzt zur Lesung aus Auroras neuestem Buch über das Geheimnis der grünen Johanna anreisen, kann der Wirbel nur recht sein. Die Bürgermeisterin ist jedoch weniger begeistert, denn die aus allen Himmelsrichtungen herbei eilenden Geister- und Schatzjäger sind ihr alles andere als geheuer. Aber die Kids von der Detektei Donnerschlag lassen sich nicht so schnell ins Boxhorn jagen …

Ein Detektivfall, in dem die drei Kinder nach allen Regeln des Detektivhandwerks ermitteln und auf lang gehütete Geheimnisse stoßen. 

Dieser Kinderkrimi hat alles, was ein Detektivroman braucht. Überraschend, spannend, humorvoll und ziemlich clever. Die Protagonisten sind mit feinem Gespür und viel Liebe charakterisiert. Die jungen Detektive sind Kinder, die auch mal was falsch machen und Angst haben. Keine Superhelden, worin sie sich von vielen ähnlichen Titeln wohltuend unterscheiden. Die Autorin bestätigt mit diesem Kinderroman die Aussage: Lesen macht Spaß! Bei diesem Buch ist das sogar noch untertrieben!

 

Zudem nominiert waren:

  • Sven Gerhardt: Mister Marple und die Schnüfflerbande – Die Erdmännchen sind los, Verlag CBJ
  • Oliver Schlick: Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Verlag Ueberreuter

Für den Jugend-GLAUSER 2021 konnten bis zum 31. Oktober 2021 deutschsprachige Jugendkrimis von Verlagen eingereicht werden, die im Jahr 2021 erstmals erschienen sind (Originalausgaben). 

 Die Liste der eingereichten Romane können Sie hier 233.0K herunterladen.

 

Jury:

Jutta SiorpaesBeatrix Mannel, Marion Meister 

Betreuung der Jugendjury: Petra Steps.

Juryorganisation: Erich Weidinger.


2021: Angela Eßer

Die Jury des SYNDIKATS hat den Ehren-GLAUSER 2021 der bei München lebenden Autorin Angela Eßer in Würdigung ihres bereits zwei Jahrzehnte andauernden, herausragenden Engagements im Bereich der deutschsprachigen Kriminalliteratur zuerkannt. 
Die PreisträgerIn 2021 wird am Samstag, den 24. April 2021, in einer großen Online-Gala geehrt.

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 2001 gab Angela Eßer ihre erste Krimi-Anthologie heraus, es folgten bis dato über 20 weitere, 2010 wurde eine ihrer Kurzgeschichte für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. 2002 organisierte sie gemeinsam mit vielen KollegInnen die Criminale in München, 2003 hob sie mit drei MitstreiterInnen das „Krimifestival München“ aus der Taufe und blieb bis 2009 Mit-Organisatorin, 2005 wurde sie für sieben Jahre Sprecherin des Syndikats, 2008 ist sie Mitbegründerin der „Pfälzer Krimitage“ sowie 2014-2018 Chef-Organisatorin der Criminale. Darüber hinaus initiierte sie den „Bloody-Cover-Preis“ und den „Krimitag“ am 8. Dezember. Gemeinsam mit Nina George gründete sie 2011 die Initiative „JA zum Urheberrecht“. Aktuell macht sie sich, federführend mit Stefanie Gregg, für mehr Unterstützung seitens der Bayrischen Landesregierung für AutorInnen während der Corona-Krise stark. Zusammenfassend stellt Angela Eßer sozusagen das personifizierte Netzwerken für den deutschsprachigen Krimi dar.

© Foto: Sarah Koska

 

Begründung der Jury

Die treffende Kombination „Wein & Leichen“ stellt den Beginn der jahrzehntelangen Begeisterung von Angela Eßer für den Krimi dar, denn unter diesem Titel gab sie gemeinsam mit einer Kollegin 2001 ihre erste Anthologie heraus, die sich auch gleich höchst erfolgreich verkaufte. Es sollten noch über 20 weitere Anthologien folgen, von denen auffallend viele mit (tödlich-köstlichen) kulinarischen Genüssen zu tun haben. Doch die Liebe der geborenen Krefelderin zu ihrer Wahlheimat München sollte ihr schließlich 2009 die Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis bringen, und zwar mit der Kurzgeschichte „6 Uhr 23 – Guten Morgen München“ aus der Anthologie München blutrot, erschienen in der höchst erfolgreichen Blutrot-Reihe der Kölnisch-Preußischen Verlagsanstalt, für deren vier Bände sie gemeinsam mit Andreas Izquierdo verantwortlich zeichnete. Das Thema Kulinarik & Krimi macht die Autorin auch bei ihren Kochseminaren zum Inhalt, sei es, dass sie zur Tea-Time mit Miss Marple lädt, die Küchengeheimnisse der Signora Brunetti verrät oder Tödliches mit Whisky hinunterspült. 

Neben ihrem literarischen Schaffen hat sich Angela Eßer auch von Anfang an für die Förderung des deutschsprachigen Krimis engagiert. Gemeinsam mit einer Vielzahl von bayrischen KollegInnen organisierte sie 2002 die Criminale in München, wo auch der Startschuss für die jährliche Verleihung des „Bloody Covers“ fiel, der von ihr erfundenen Prämierung der besten optischen Gestaltung eines Kriminalromans.  Das Stemmen großer Festivals scheint ihr viel Spaß bereitet zu haben, denn bereits im Jahr darauf hob sie gemeinsam mit Till Bastian, Andreas Hoh, Andreas Mäkler und Sabine Thomas das „Krimifestival München“ aus der Taufe, dessen Mit-Organisatorin sie bis 2009 war. Seit München ist sie auch Mitglied im Syndikat, deren Sprecherin sie ab 2005 für sieben Jahre wird, mit wechselnden KollegInnen an ihrer Seite. In diesen Jahren wächst die Mitgliederzahl des Syndikats von noch überschaubaren 200 Personen auf 500 und dann explosionsartig weit darüber hinaus, was eine beachtliche organisatorische und strukturelle Herausforderung dargestellt hat. Es ist unbestritten in besonderem Maß ihrem Engagement zu verdanken, dass das Syndikat heute zu den größten Berufsverbänden seiner Art zählt. In jener Zeit erdachte sie auch den „Krimitag“ rund um den 8. Dezember, Friedrich Glausers Todestag, an dem mit Krimilesungen Geld für einen guten Zweck gesammelt wird. 2008 ist sie Mitbegründerin der Pfälzer Krimitage. Nach einer kurzen Pause übernahm Angela Eßer 2014 für fünf Jahre das Amt der Chef-Organisatorin der Criminale, jenseits der örtlichen Macher des Festivals zuständig für die Akquise neuer Austragungsorte, und das in Zeiten geringer werdender öffentlicher Mittel, sowie für die Stringenz und Wiedererkennbarkeit des größten deutschsprachigen Krimievents.

Des Weiteren hat Angela Eßer in ihrer Zeit als Sprecherin des Syndikats gemeinsam mit Kollegin Nina George die Initiative „JA zum Urheberrecht“ gegründet, denn die grundsätzliche Situation von AutorInnen, stets in ihren Rechten gefährdet und oft in prekären Lebenssituationen gefangen, rückte immer mehr in ihren Fokus. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie jüngst im Zuge der Corona-Epidemie federführend gemeinsam mit Stefanie Gregg sowie vielen anderen KollegInnen im Rücken die Bayerische Landesregierung zu mehr Schutz und Unterstützung von KünstlerInnen, natürlich im Speziellen von SchriftstellerInnen, unter anderem mit einem offenen Brief aufforderte.

Und wenn sie gerade nicht so viel zu tun hat, wie geschehen in den letzten zwei Jahren, verliebt sie sich während des Krimistipendiums „Tatort Töwerland“ so sehr in die Insel Juist, dass sie sofort eine Anthologie zu diesem wunderbaren Nordseeeiland herausgibt.

Angela Eßer steht für die Liebe zum Krimi kombiniert mit dem Willen und der Tatkraft, das Genre selbst sowie dessen „Hinterland“ stärken und vorwärts bringen zu wollen. Sie ist Netzwerkerin im besten Sinn des Wortes, und dafür gebührt ihr unser Dank.

Die Ehren-GLAUSER-Jury des SYNDIKATS 2021: Tatjana KruseSabina Naberund Paul Lascaux.