Niemand hat es kommen sehen
Gudrun Lerchbaum

Haymon Verlag


ISBN 978-3-7099-8254-9

Erst bemerkt sie niemand, dann haben alle ein Bild von ihr.

Die dörfliche Gerüchteküche brodelt. Durch die Medien zieht sich die wundersame Geschichte: Eine Frau, die ein Jahr lang verschwunden war, ist wieder aufgetaucht, leidet aber an Amnesie. Das jedenfalls behauptet sie selbst. Was in den letzten Monaten passiert ist, wo sie war, weiß sie nicht. Was soll man da denken? Zumal kurz vor Marias Verschwinden ihre pflegebedürftige Mutter gestorben ist. Der Hausarzt spricht es schließlich aus: Hat sie ihre Mutter umgebracht? Doch selbst als weitere Vorwürfe auftauchen, bleibt Maria stumm. Was soll sie ohne Erinnerung denn sagen?

Je ausgiebiger sie schweigt, desto maßloser sprechen die anderen. Maria wird zur Projektionsfläche: Hure, Muttermörderin. Aber ist sie auch wirklich Täterin – jetzt, wo sogar das Landeskriminalamt gegen sie ermittelt? Diese Frage beschäftigt die Ermittler*innen ebenso wie die Medien und die Menschen im Dorf.

Marias Schulfreundin Rafaela kann die Anschuldigungen nicht glauben. Sie passen nicht zu der Person, die sie zu kennen glaubt. Auch der junge Journalist Lando interessiert sich für Maria und ihre Geschichte: Hat sie doch in den ausbeuterischen Strukturen gearbeitet, über die er recherchiert. Über die von Rafaela entflammte Protestbewegung, die sich für die inhaftierte Maria einsetzt - Wir sind Maria! - entdeckt Lando Verbindungen zwischen seiner Titelstory und Marias Vergangenheit. Die werfen auch ein Licht auf den Wandel dörflichen Lebens in Zeiten vom Digitalisierung und Migration und die oft ausbeuterischen Strukturen im Tourismus.

Gudrun Lerchbaum

© Stephan Frisch

Gudrun Lerchbaum

Gudrun Lerchbaum, geboren 1965, wuchs in Wien, Paris und Düsseldorf auf. Während einer unsteten Schullaufbahn und des anschließenden Studiums der Architektur und Philosophie sammelte sie Erfahrungen in zahllosen Jobs. So versuchte sie sich unter anderem als Lagerarbeiterin, Grafikerin, Kellnerin, Sekretärin, Plakatkleberin und Aktmodell in einer Malereiklasse und arbeitete nach Abschluss des Studiums viele Jahre als Architektin. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und eine Stieftochter und lebt heute als freie Schriftstellerin in ihrer Geburtstadt Wien.

Gudrun Lerchbaum zählt zu den spannendsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Alexandra Pöcher | KLEINE ZEITUNG

Krimi oder doch nicht? Auf jeden Fall anders und immer gesellschaftspolitisch aktuell.
Monika Dobler | Buchhandlung Glatteis, München

… eine vielschichtige und ausgereifte Handlung.
Hannah Kattanek | Kreuzer

Erkenne dich selbst, sonst machen es andere für dich. … Gudrun Lerchbaum dehnt die Spannung bis zum Äußersten. … Raffiniert.
Buchkultur | Maria Leitner

Ein unglaublich spannendes Buch … viel alltägliche Spannung … hat mich äußerst gepackt!
ORF Guten Morgen Österreich | Johannes Kößler

Erkennen wir uns oder unser Umfeld hier wieder? Was sagt eine, die schweigt über die anderen? Eine ganz feine, profunde und überraschende Erzählung.
OE24 | Judith Leopold

Dass Lerchbaum viele Details des Alltagslebens einflicht, lässt den inneren Film bunt und plastisch werden.
Presse am Sonntag | Clementine Skorpil

… eine unverkennbare Stimme, ein wienerisch gefärbter Humor, eher an Verhältnissen als an Fällen … interessiert.
All diese Charaktere sind nicht einfach Funktionen in der Mechanik eines Plots, es ist ein Reigen der Improvisationen, in dem jede(r) ihre/seine Rolle selbst entwickelt, ohne dass eine allwissende Regie Ordnung stiften müsste.
FAZ | Peter Körte