Der Bräutigam
Zwei Schwestern, eine Entführung und ein grausamer Serienkiller – packende Psychospannung aus Deutschland
Benjamin Wiater
Saga Egmont Bücher
Taschenbuch
Ein rauschendes Familienfest, das zum Albtraum wird
Im Alten Land geht die Angst um. Der sogenannte „Bräutigam“ entführt immer wieder Frauen, ohne Spuren zu hinterlassen. Seine Opfer werden nie gefunden. Der einzige Hinweis: eine anonyme Hochzeitsannonce in der örtlichen Zeitung, wenig später gefolgt von einer Todesanzeige.
Auf einer Familienfeier erfahren die Architektin Nora und ihre jüngere Schwester Sofie von seinen Verbrechen. Die beiden tun das Ganze als Gruselgeschichte ab. Doch am nächsten Morgen ist Sofie verschwunden. Obwohl die Polizei unter Hochdruck ermittelt, geraten die Nachforschungen schnell in eine Sackgasse. Bald darauf wird Noras größte Angst zur schrecklichen Gewissheit: In einer seiner makabren Annoncen verkündet der Bräutigam die anstehende Heirat mit Sofie. Wenn Nora ihre kleine Schwester retten will, gibt es nur ein Mittel: Sie muss dem Mörder von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Und ihr bleibt nicht viel Zeit, bis er ihr sein tödliches Ja-Wort gibt …
Benjamin Wiater
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Benjamin Wiater Benjamin Wiater, geboren 1982 in Hildesheim, studierte Germanistik, Philosophie und Sinologie in Köln, Prag und Berlin. Er war als Lagerarbeiter, Archivaushilfe, Ashram-Hausmeister, Bartender und Krav Maga-Trainer tätig. Heute lebt er in Köln.
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Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Benjamin Wiater
Wo schreibst du am liebsten?
Ich habe mir einen Schreibplatz eingerichtet, an dem ich von Büchern, Zitaten, Bildern und Figuren aus Romanen und Filmen umgeben bin. Das ist eine super Motivation.
Welcher ist dein Lieblingskrimi?
„Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris ist für mich das Nonplusultra der Psychothriller. Das lese ich jedes Jahr wieder.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Für die fantastischen KollegInnen, für den Austausch und gemeinsame Projekte, für die Workshops, Lesungen und Vorträge auf der CRIMINALE. Bei „Der Bräutigam“ hat eine Kollegin das Lektorat übernommen, das war eine tolle Zusammenarbeit!
Dein Lieblingsgetränk?
Grüner Tee, der gibt mir morgens den sanften Anschub, mich an den Schreibtisch zu setzen.
Dein Lieblingsmord?
Kommt auf die Beteiligten an. Jeder Mord hat seine Vorzüge :-D
Wo findest du Ruhe?
Beim Lesen, am liebsten auf der Couch bei Tee und Jazz oder im Café.
Wo Aufregung?
Im Nachtleben, vor allem in Cocktailbars. Ich hab selbst lang als Barkeeper gejobbt. Das hat eine Menge Stoff für Krimis geliefert.
Leseprobe
Prolog
Der Hochzeitstag war gekommen. Er half ihr, das Brautkleid anzuziehen. Eigentlich durfte er sie nicht sehen. Das brachte Unglück. Aber das Kleid war zu groß, und mit ihren zitternden Händen schaffte sie es nicht, die Riemen zu schnüren. Auch das Schminken musste er übernehmen. Das störte ihn nicht. Im Gegenteil. Es steigerte seine Vorfreude, sie für die Trauung herzurichten.
„Du siehst wunderschön aus“, sagte er, als sie fertig war.
Vor dem Spiegel straffte er sein Jackett und rückte die Fliege zurecht. Er machte in dem schwarzen Anzug keine schlechte Figur. Sie würden das perfekte Brautpaar abgeben.
Er verhüllte ihr Gesicht mit einem Schleier, der nach Mottenkugeln roch. Fast verdeckte er die Angst in ihren Augen.
„Aufgeregt zu sein, ist normal“, sagte er. „Keine Sorge, bei mir bist du in guten Händen.“
Er reichte ihr ein Bouquet aus weißen Rosen. Zum Hochzeitsmarsch traten sie vor den Altar. Feierlich vollzog er die Zeremonie. Sie weinte, und er musste laut sprechen, um sie zu übertönen. Er nahm es ihr nicht übel. Der ergreifende Moment rührte auch ihn.
„Willst du mich zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen, mich lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheidet?“
Sie bekam die Worte nicht heraus. Er musste noch einmal fragen. Nachdrücklich.
„Ja“, stieß sie hervor. „Ich will.“
Der Ring war zu eng. Sie schrie, als er ihn auf ihren Finger schob. Der eingravierte Name war nicht ihrer. Es war der Name einer Toten.
„Hiermit erkläre ich uns zu Mann und Frau.“
Er schlug den Schleier zurück. Ihr Gesicht war nass von Tränen, das Make-up zerlaufen. Er zog sie an sich und küsste seine Braut.
Auf der Treppe mussten sie achtgeben, nicht auf den Saum des Kleids zu treten. Er machte einen Scherz darüber. Nach der Hochzeit war er immer aufgekratzt. Sie lachte nicht, ging wackelig, er musste sie festhalten, damit sie nicht stürzte. Oben hob er sie auf. Sie wand sich in seinen Armen. Er unterband das. Traditionen waren wichtig. Vorsichtig, damit sie sich nicht den Kopf stieß, trug er sie ins Schlafzimmer. Sie wehrte sich nicht mehr, als er sie auf das Ehebett legte.
Die Rosen stellte er in die Blumenvase auf dem Nachttisch. Um die Vase lagen verwelkte Blütenblätter vom letzten Mal. Der Schleier, den er ihr jetzt abnahm, war an mehreren Stellen eingerissen. Auf dem Brautkleid prangten verwaschene Blutflecke, die er nicht rausgekriegt hatte. Sorgsam zog er es ihr aus und hängte es an einem Kleiderbügel an die Schranktür. Es sollte nicht zerknittern. Er wusste nicht, wann er es wieder brauchte.
Er streifte das Jackett ab, knöpfte das Hemd auf und stieg aus den Schuhen. Dabei summte er. Seine Frau wandte sich ab, als er sich zu ihr legte. Ihre Schultern bebten. Wimmernd krümmte sie sich zusammen und schlang die Arme um ihren nackten Körper. Sanft, aber bestimmt drehte er sie zu sich um.
„Bitte nicht“, schluchzte sie. „Bitte nicht.“
Er streichelte ihr Haar, küsste ihre Wange.
„Sei nicht traurig“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Es ist doch unsere Hochzeitsnacht.“
