Abtrünniges Blut

Abtrünniges Blut

596 Seiten, Softcover im Großformat
September 2018
sofort lieferbar
ISBN 9783947373161
19,90 € [D], SFr. 0,– [CH], 20,50 € [A]
     

London, 1748. Ein Serienmörder durchstreift die eisigen Straßen der Stadt. Seine Opfer hinterlässt er bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Doch die Justiz wird von einer politischen Intrige in Atem gehalten: In Regierungskreisen herrscht die Sorge, Anhänger des abgesetzten Stuart-Königs könnten das Land in einen neuerlichen Tumult stürzen. Richter Henry Fielding beauftragt daher einen ehemaligen Spion der Krone, die Abtrünnigen aufzuspüren – John Shinfield, Esquire.

Seine Nachforschungen führen John in Londons vornehmste Herrenhäuser und schmutzigste Gassen. Was haben die Verschwörer mit den bestialischen Morden an jungen Prostituierten zu tun? Und warum wird John immer mehr von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt, je tiefer er gräbt?

 

Tobias Quast
© Henning Mack

Tobias Quast

Tobias Quast, geboren und aufgewachsen in Wuppertal, war bereits in zahlreichen Jobs tätig und arbeitete unter anderem als Buchhändler, freier Journalist, Model, Lehrbeauftragter, Medikamentenzusteller, Geschäftsführer eines Startups, Übersetzer und Unternehmensberater. Seine breit gefächerten Interessen prägen nicht nur sein Berufsleben, sie zeigen sich auch in seinem heimischen Bücherregal, wo Klassiker neben Fantasy-Schmökern und PKW-Betriebsanleitungen stehen. Seit seinem Literaturstudium in Düsseldorf faszinieren ihn jedoch besonders düstere Romane vergangener Epochen. Nach Aufenthalten in England, Finnland und den USA lebt und arbeitet Tobias Quast heute als Autor im Rheinland. Unter dem Pseudonym "Jakob Bedford" veröffentlichte er einen Historischen Thriller.

Abtrünniges Blut ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 22. Oktober 2018.

Drei Fragen an Autor Jakob Bedford

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?

Ich bin jemand, der außerordentlich (Freunde sagen auch: übertrieben) rechtschaffen ist. Selbst Falschparken bereitet mir Bauchschmerzen. Sich irgendwo vordrängeln, ist nicht meins. Gepaart ist dies mit einem ausgeprägten Unrechtsbewusstsein. Doch irgendwo in mir ist wohl auch eine andere Seite. Die raus will. Das schriftstellerische Leben mit dem Verbrechen ist quasi Therapie. Ausgleich. Freunde reagieren auf meinen Thriller meist mit einem schockierten: „Das hast DU geschrieben?“

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?

Auch wenn die Opfer in »Abtrünniges Blut« in der Mehrzahl unter üblen Umständen erschlagen werden, ist doch das Wort meine liebste Tatwaffe. Worte können schärfer sein als das Schwert. Die verbale und damit emotionale Qual vor dem finalen Dolchstoss ist etwas, das meine Täter in der Regel gut beherrschen.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Gar nichts. Die Opfer haben alle sehr gelitten. Schuldig im Sinne der Anklage.

Rezensionen

»Liebe Menschen da draußen, es ist etwas geschehen. Etwas, das ich nicht hatte kommen sehen. Etwas Ungeheuerliches. Eine Premiere in vielerlei Hinsicht. Ich habe einen Thriller gelesen. Und er hat mir gefallen.«
Katharina Hoppe, gassenhauer.literaturblog, 01.10.2018

»Es war so spannend, dass ich die letzten Kapitel in einem durchgelesen habe - ich habe dafür sogar eine Nacht durchgelesen. Weil ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte.« (Lovelybooks)

Leseprobe:

Ohne zu blinzeln gewahrte er aus seiner finsteren Nische heraus, wie im Türrahmen eine junge Frau erschien. Unbeholfen hielt sie sich mit einer Hand am Holz fest. Nach einem kurzen Moment tat sie drei schwankende Schritte nach vorne, in die Gasse. Fast sah es so aus, als stolpere sie. Doch im letzten Moment gewann die Frau wieder Halt, drehte sich ruckartig um und schloss die Tür hinter sich. Schnaufend lehnte sie mit dem Rücken gegen das Holz.
Das Haar hatte sie unter einer zerschlissenen Haube zusammengebunden. Ihr Körper steckte in einem Mantel, der viel zu dünn für diese Witterung war. Ein grauer Rock reichte bis zu den Knöcheln. Das Schuhwerk war abgetragen und löchrig.
Die Frau war hübsch. Er leckte sich über die Unterlippe. Ihr rundes Gesicht wirkte müde und verbraucht, doch sie war hübsch. Für eine kleine Hinterhof-Hure. Sie fuhr sich in einer ungeschickten Bewegung mit einem Mantelärmel über die Stirn, dann stieß sie sich mit der anderen Hand von der Tür ab. Unverständlich murmelte sie etwas und stolperte aus dem Lichtschein in die Gasse.
Er meinte, den billigen Gin aus ihrem Mund riechen zu können. Fast war er ein wenig enttäuscht, als sie ihm in der Dunkelheit entgegen schwankte, das Licht der kleinen Laterne im Rücken. Ihre Gestalt war ein grauer Umriss im zuckenden Nebel. Er kniff die Augen zusammen. Die Hure machte es ihm wirklich äußerst einfach.
Die Frau hustete und wischte sich mit dem Handrücken etwas aus dem Mundwinkel. Abrupt blieb sie stehen, hob den Kopf und wandte ihn unstet nach links und rechts. Als versuche sie, in der Dunkelheit etwas auszumachen. Für einen Augenblick schaute sie genau in seine Richtung. Er runzelte die Stirn und hielt den Atem an.
Ein unverständlicher Fluch kam aus dem Mund der Frau, dann stolperte sie weiter die Gasse hinunter. Beinahe auf seiner Höhe, begann sie leise eine Melodie vor sich hin zu summen.
Er ließ sie nicht aus den Augen. Sturzbetrunken, eindeutig. Hatte die paar Kröten von ihrem letzten Freier wohl geradewegs in eine Flasche Gin investiert. Angewidert schüttelte er den Kopf und trat aus der Mauernische. Was für eine verdorbene Person. Sie hatte es wahrlich verdient, von ihm gezüchtigt zu werden. Sein Herz begann schneller zu schlagen.
Erstaunt hielt die Frau inne. Irgendwo in den Tiefen ihres benebelten Verstandes bemerkte sie, dass sie nicht alleine war. »Wa...?«, stammelte
sie und hielt den Kopf schief. Vergeblich bemühten sich ihre halbgeschlossenen Augen, etwas zu erkennen.
Sie waren keine zwei Schritte voneinander entfernt. Er sah, wie sie ihn blind anschielte. Ein Faden Spucke lief über ihr Kinn und tropfte auf den dünnen Mantel. Dann grinste die Frau schief, drehte die Augen in den Höhlen nach oben.
»Ei... ein Guinea ...«, lallte sie und fügte ein kaum verständliches »Sir« hinterher. Sie warf einen schmatzenden Kuss in die Dunkelheit. »K... komm schon, du ... du Hengst.« Schwankend wischte sie mit ihrem Ärmel über den Mund. »G... Guinea«, wiederholte sie.
Er trat einen lautlosen Schritt auf die Frau zu. Die Gin-Wolke, welche sie verströmte, war kaum auszuhalten. Seine Finger schlossen sich um ihren Oberarm.