Brandenburger Gold
Carla Heinze

Brandenburger Gold

Emons Verlag, Köln
Februar 2018
sofort lieferbar
ISBN 9783740802707
11,90 € [D]
     

In der Potsdamer Pirschheide wird ein Mann durch eine Weltkriegsbombe getötet, kurz darauf gibt es weitere Tote. Eine Spur führt Kriminalhauptkommissar Maik von Lilienthal in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und zu drei Männern, die vor über siebzig Jahren eine folgenschwere Entscheidung getroffen haben, die sie bis ihrem Tod miteinander verband. Als sich Lilienthals Mutter Enne, Fallanalytikerin im Ruhestand, auch noch gegen seinen Willen in die Ermittlungen einmischt und in Lebensgefahr gerät, zählt jede Sekunde.

 

Eine dramatische Geschichte über Vergessen und Schuld.

Carla Heinze

Carla Heinze

Carla Maria Heinze geboren in Kleinmachnow, aufgewachsen in der Nähe von Potsdam und später in Berlin.
Arbeitete u.a. für einen internationalen Konzern als EU-Sicherheitsberaterin in Frankfurt/Main.
In ihren ungewöhnlichen Mordfällen verbindet sie aktuelle Themen der deutschen Vergangenheit. Ihre Geschichten spielen vor allem an historischen Orten in Brandenburg.
Ihr Debütroman »Potsdamer Morde« erschien im März 2014 beim Emons Verlag, Köln.
Ihr zweiter Kriminalroman "Brandenburger Geheimnisse" präsentierte Emons auf der Frankfurter Buchmesse 2015.

Zur Leipziger Buchmesser 2018 erscheint der 3. Roman in der Enne von Lilienthal Reihe "Brandenburger Gold"


Carla Maria Heinze ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und im Syndikat.
Sie lebt und arbeitet im Land Brandenburg zwischen Potsdam und Berlin.

Brandenburger Gold ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 25. Juni 2018

Drei Fragen an Carla Heinze

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Meine kriminelle Laufbahn begann bereits im Kindesalter, als ich mir heimlich nachts Agatha Christies Romane aus der großelterlichen Bibliothek mopste. Seit der Zeit bin ich süchtig nach Verbrechen.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Viele Morde gehen auf mein Konto und viele schlummern noch und warten auf Veröffentlichung.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Verteidigung? Das Wort kenne ich nicht. Wie sagt man auf Plattdeutsch: Wat mutt dat mutt.

Kritikerstimmen

»Aufwändig arrangiert spinnt die Autorin die dramaturgischen Spannungsfäden, taucht in die kriegerische Schreckensvergangenheit des 20. Jahrhunderts hinein. »Brandenburger Geheimnisse« ist alles andere als ein oberflächlich hingeworfener Krimi, ist kein Roman, der sich mit lediglich künstlich aufgesetztem Lokalkolorit schmückt und ans regoinale Leserherz schmeißen will. Barla Maria Heinze hat mit »Brandenburger Geheimnisse« dem stets anwachsenden Regionalkrimimarkt neue und aufregende Seiten hinzugefügt.

Antenne Brandenburg

Leseprobe

Prolog

März 1945

Seine Augen suchten den Himmel ab. Sternenklar. Auch das noch. Er rückte das Koppel zurecht, straffte die Schultern und ging mit forschem Schritt auf das Tor zu. Seine Erscheinung strahlte Autorität aus. Am Pförtnerhäuschen erstattete er Meldung. Der Wachhabende winkte ihn durch. Aus einer Nebentür des Gebäudes trat ein junger Gefreiter, salutierte und stellte sich als Begleitschutz vor. Oh mein Gott, dachte er, der ist ja noch ein halbes Kind.
Sie überquerten den großen betonierten Platz. Kaum sichtbar zwischen anderen Gebäuden lag der Eingang. Zum Hauptquartier vom Dicken. Versteckt bei Potsdam Wildpark.
»Hier entlang, Herr Hauptmann«, meldete der Gefreite. Er wies auf eine unscheinbare Tür zwischen den Erdhügeln, öffnete sie und ließ ihm den Vortritt. Hinter ihnen fiel die schwere Stahltür mit einem dumpfen Laut ins Schloss.
Die Luft drinnen war erstaunlich frisch. Gasschleusenanlagen, fiel es ihm ein. Er folgte dem vorauseilenden Soldaten die Treppen hinunter. Tiefer und immer tiefer gingen sie in den unterirdischen Riesenbunker. Bis auf das Geräusch ihrer schweren Stiefel auf den Betonstufen drang kein anderer Laut zu ihnen.
Im Geiste rekapitulierte er noch einmal, was er bisher erfahren hatte. Wegen eines Führerbefehls. Deshalb war er hier. Jeder Deutsche wusste seit seiner Schulzeit, dass die zwei Sarkophage der beiden Preußenkönige in der Potsdamer Garnisonskirche standen. »Üb immer Treu und Redlichkeit!« Beinahe hätte er aufgelacht. Nicht fröhlich. Nein. Die Fröhlichkeit war ihm schon seit Langem vergangen. Nicht erst seit Stalingrad. Mein Gott, das ahnten doch alle, dass das nicht gut gehen konnte. Unser Paule, dachte er und musste sich für einen Augenblick am kalten Stahlgeländer festhalten. Paule mit den gutmütigen Augen. Ein Kerl riesig wie ein Grizzly. Immer zu einem Scherz aufgelegt. Und lachen konnte er. So ansteckend, auch über sich selbst. Aber seit Stalingrad – aus und vorbei. Er atmete tief ein. Versuchte, den Druck auf der Brust loszuwerden. Wenigstens Kulle war noch da. Sein Bruder im Geiste, Pendant seit Kindertagen. »Mensch, mach endlich, Arne«, hatte Kulle damals heiser geflüstert. In der Ferne hörten sie bereits das Rollen der anfliegenden Flugzeuge. Sie standen dicht beieinander an der Brandmauer einer ausgebrannten Ruine in der Prinzenstraße. Die Luftschutzsirenen waren gerade verstummt. Die Straßen menschenleer. Nur sie beide. Wie in einem Vakuum. Kulle und er. »Biste besoffen, oder was? Mach schon. Überleben will ick. Verstehste? Du bist mein Freund. Nur du kannst mir aus der Scheiße raushelfen.« Da trieb er ihm die Axt mit der stumpfen Seite in die Schulter. Fing den keuchenden Körper auf. Rieb Erdklumpen und Ziegelstaub über den Stoff. In der Ferne hörte er bereits die Flak losballern. Wartete wachsam auf die ersten Einschläge. Als die Bomben auf den Potsdamer Platz niedergingen, schleifte er den Freund zum nächsten Bunker.