Die Spur der Ikonen
Andreas Pittler

Die Spur der Ikonen

Kriminalroman
März 2017
sofort lieferbar
ISBN 9783839220405
11,99 € [D], 12,40 € [A] , SFr. 17,90 [CH]
Sonderpreis 0,– €
     
Zwischen den Wiener Bezirken Margareten und Wieden verläuft die Wiener Mauer, ein von der Staatspartei der ÖDR errichteter "Antifaschistischer Schutzwall" nach Vorbild der Berliner Mauer. An ihm werden zwei Schmuggler vom Grenzschutz gestellt. Hauptwachtmeister Peter Landsrait beginnt mit der Aufklärung des Falls. Die politische Großwetterlage erweist sich dabei als ebenso hinderlich wie die Interventionen der allmächtigen Staatspartei.
Andreas Pittler

Andreas Pittler

Andreas P. Pittler, geboren 1964 in Wien, studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien und wandte sich danach dem Journalismus zu. Seit 1985 veröffentlichte er 36 Sachbücher, zumeist historischen Inhalts, darunter Biographien über Bruno Kreisky und Samuel Beckett. Zudem erschienen seit 2000 insgesamt 17 Romane und zwei Bände mit Kurzgeschichten. 2016 wurde ihm von Bundespräsident Heinz Fischer der Berufstitel "Professor" verliehen.

Empfehlung der Woche

Die Spur der Ikonen ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 13. März 2017.

Kritikerstimmen

Das Ganze vollzieht sich auf einer sprachlich hohen Ebene, sodass Pittler selbst bei der Schilderung der Lektüre einer einfachen Zeitungsschlagzeile oder des Konsums eines Süßgebäcks äußerst prosaisch wird. Und dabei gleichzeitig doch den Wiener Dialekt, der nun einmal in Ottakring dominiert, nicht zu kurz kommen lässt. Außerdem treibt der 1964 in Wien geborene Autor die Geschichte stets zügig voran, lässt keine Leerpausen zu.
Wiener Zeitung, 4.3.17, Mathias Ziegler

Man wird auch von Flitscherln (leichten Mädchen) hören, Brot aus der Kredenz holen (Ist denn Anrichte schöner? NEIN!), und wenn jemand eine Zigarette raucht, dann tabakiert er. Danke, Andreas Pittler.
Kurier, 21.1.17, Peter Pisa

Der Mann ist Serientäter. Andreas Pittler schreibt reihenweise historische Krimis, die er als unterhaltsame Geschichtslektionen versteht. Wenn er nicht gerade an anderen Stoffen arbeitet.
Falter, 1.2.17, Sebastian Fasthuber

Drei Fragen an Andreas Pittler

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Wenn man es genau betrachtet, dann in der Volksschule. Meine Grundschullehrerin bestellte circa 1974 meine Eltern ein, da sie der Ansicht war, ein neunjähriger Junge, der beim Aufsatzwettbewerb eine mittelalterliche Folterszene mit Daumenschrauben, Zungensieb und Eiserner Jungfrau ablieferte, verdiene doch eine genauere Betrachtung. Und doch dauerte es von diesem Zeitpunkt an noch ein Vierteljahrhundert, ehe mein erster Kriminalroman in den Buchhandlungen landete. Und auch heute noch bin ich eher Gemischtwarenhändler als Fachgeschäft, denn "nur" 16 meiner bislang 53 publizierten Bücher sind Kriminalromane.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Gar keines, denn für jedes Verbrechen, das ich begangen habe, ist natürlich die Gesellschaft verantwortlich. Ich kann da gar nichts dafür. Außerdem müsste man noch gesondert diskutieren, ob allfällige Todesfälle denn wirklich Verbrechen und nicht vielmehr unglückliche Zufälle, Verkettungen ungünstiger Ereignisse oder ganz allgemein Schicksalsschläge waren – breites Grinsen.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet. (Matthäus Kapitel 7, Vers 1)

Leseprobe

Beinahe lautlos bog der Ford Taunus vom Mittersteig in die Neugasse ein. Langsam rollte er die große, einschüchternde Mauer entlang, an deren Zinnen vereinzelt Suchscheinwerfer angebracht waren, die periodisch gespenstische Lichtkegel auf die andere Straßenseite warfen. Die Fenster auf der Westseite waren allesamt dunkel, jene auf der Ostseite gar nicht erst zu sehen. Auf halber Strecke zur Margaretenstraße hielt der Wagen an.
"Und du bist dir sicher, dass es hier ist?", fragte der Beifahrer, der nervös nach den Scheinwerfern Ausschau hielt. Der Lenker des Fahrzeugs zündete sich gelassen eine Chesterfield an. "Glaubst du, ich mach das zum ersten Mal, oder was?"
"Ich frag ja nur", gab sein Spezi kleinlaut zurück. "Und jetzt?", ließ er sich nach einer kurzen Pause erneut vernehmen.
"Jetzt warten wir", statuierte der andere, während er gemächlich den Rauch der Zigarette ausblies.
Minuten vergingen, die dem einen wie eben Minuten, dem anderen aber wie Stunden vorkamen. Der Fahrer griff nach seiner Zigarettenschachtel und hielt sie dem Jüngeren unter die Nase. "Da. Nimm eine. Das beruhigt." Kurz ward von der rechten Fahrzeugseite aus Widerspruch erwogen, doch dann griff der Mann schweigend zu und zündete sich umständlich selbst eine Zigarette an. Gleich darauf unterdrückte er aufsteigenden Husten, dafür ein mitleidiges Lächeln des Älteren erntend. "Scheiß di ned an, Bua", kam es gönnerhaft im lokalen Idiom aus dessen Mund, "uns kann ja nix passieren. Im schlimmsten Fall erwischt´s die Ostler."
"Und wenn die da oben auf uns schießen?" Die Anspannung des Jüngeren klang durchaus nicht ab.
"Na was soll sein? Ich geb Vollgas. In 100 Meter sind wir auf der Margaretenstraße, und dann können die uns gar nichts mehr." Er kurbelte das Fenster hinunter und klopfte am Glasrand Asche ab. "Wir verschwinden im Renz – und die Ostler in Sibirien. Das ist alles."
Der Gedanke an das verruchte Nachtlokal mit seinen nackten Mädchen schien den Jüngeren endlich ein wenig zu beruhigen. Der Ältere ahnte, welche Gedanken seinem Partner durch den Kopf gingen. "Wie´s auch kommt. Dir legt heute nur die Mitzi die Handschellen an."
Die Maria war der Star unter den Schönen der Nacht. Abend für Abend strippte sie auf der Bühne der Erotik-Bar in der Ramperstorfer Gasse. Und gegen einen kleinen Aufpreis durfte man dann mit ihr nach hinten gehen, um privat mit ihr ein Gläschen Schampus zu leeren. Ehe man sich, entsprechendes Entgelt vorausgesetzt, auch selbst entleeren durfte. Je nach der Höhe der Summe vor ihr, auf ihr oder in ihr. Und der Beifahrer spürte, dass sich nun auch der letzte Körperteil, der bislang noch nicht angespannt gewesen war, versteifte.