Der Kirmesmörder – Jürgen Bartsch
Regina Schleheck

Der Kirmesmörder – Jürgen Bartsch

Biografischer Kriminalroman
August 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783839219393
12,99 € [D], 13,40 € [A] , SFr. 18,90 [CH]
Sonderpreis 0,– €
     
Langenberg, 1966. Der Fall Bartsch erschütterte die Nachkriegs-BRD wie kein anderes Kapitalverbrechen. Jürgen Bartsch, der nach einer Kindheit voller Kälte und Missbrauch zu einem sadistischen Soziopathen wurde, lockt Kinder von Kirmesplätzen in Essen und Umgebung, um sie zu quälen, zu missbrauchen und zu ermorden. Bei der Jagd nach dem Kirmesmörder gerät eine ganze Region in Panik. Als Jürgen Bartsch schließlich gefasst wird, fordern die Menschen Vergeltung.

Regina Schleheck

Geboren 1959
Stationen: Wuppertal, Köln, Herford, heute Leverkusen
Tätigkeitsfelder: Fünffache Mutter, Oberstudienrätin, freiberufliche Referentin, Lektorin, Herausgeberin und Autorin
Veröffentlichungen: v.a. Kurzprosa und Hörspiel, u.a. "Klappe zu – Balg tot", Wurdack 2009, 2015 neu aufgelegt bei Der Kleine Buch Verlag, "Mordsmütter" (Hg.), ViaTerra 2011
Auszeichnungen: u.a. Deutscher Phantastikpreis 2008 für das SF-Hörspiel "Mark Brandis – Bordbuch Delta VII", steinbach sprechende bücher, 2. Totenschmaus-Preis 2009 für Hörbuch-Krimi-Kurzgeschichten, Kürzestkrimipreis Criminale 2012, nominiert für den Würth-Literaturpreis 2012, Friedrich-Glauser-Preis 2013 Sparte Kurzkrimi, weitere Auszeichnungen und Nominierungen siehe www.regina-schleheck.de

Empfehlung der Woche

Der Kirmesmörder – Jürgen Bartsch ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 30. Januar 2017.

Kritikerstimmen

Ein literarisches Puzzle - intensiv, bewegend und erhellend."
Gong/Hörzu, 26. August 2016

Getrieben von Angst vor der Schande
Die "Causa Bartsch" beschäftigte mich bereits in meiner Jugend, wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass er 1976 in die Sicherungsverwahrung des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt verbracht wurde. Da gab es zuhause einmal mehr die eindringliche Warnung mit niemandem Fremden mitzugehen.
Heute, knapp 50 Jahre nach dem letzten Mord und 40 Jahre nach seinem Tod in der LWL Klinik, berührt mich der Werdegang dieses Menschen erneut.
Es war der 21. Juni 1966, als Jürgen Bartsch festgenommen wird. Bis dahin hatte er in den vergangenen vier Jahren vier Jungen in Alter zwischen 8 und 13 Jahren in einem Luftschutzstollen auf sadistische Weise missbraucht, getötet und notdürftig verscharrt. Seinem fünften Opfer gelang die Flucht. Ein juristischer Prozess gegen den "Jahrhundertmörder" endet schließlich mit einer Jugendhaftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Im Alter von 39 Jahren stirbt der Kirmesmörder auf dem Operationstisch in Eickelborn, todesursächlich ein Narkosefehler.
Der Kriminalroman "Der Kirmesmörder Jürgen Bartsch" beginnt mit dem schrecklichen Verbrechen an Paul, dem Jungen, der sich retten konnte. Ein Schaudern beim Gedanken an das, was sich in realita in dem Bunker abgespielt hat, ruft in dem Leser Wut, Abscheu und ein unbeschreibliches Grauen hervor.
In den folgenden Kapiteln erfahren wir aus der Perspektive verschiedener Personen, die mit Jürgen Bartsch Kontakt hatten, seine Entwicklung vom aufgeweckten, fröhlichen Kleinkind bis zum ungeliebten Adoptivsohn; gepiesackt, geprügelt, selber misshandelt, oftmals verstoßen, aufgewachsen ohne soziale Kontakte und kaum geliebt. Nach außen gab er sich stets charmant, war eine gepflegte Erscheinung. Doch die Autorin Regina Schleheck gewährt uns einen Einblick in sein Innerstes, sodass man trotz der Grausamkeit bisweilen Mitleid mit dem jungen Bartsch bekommen kann. Ein junger Mann auf der Suche nach Zuneigung und Anschluss in der Gesellschaft. Es stellt sich die Frage nach der Schuld.
Ein absolut eindrucksvoller Kriminalroman, der tiefe Einblicke in die menschliche Psyche gibt, der einmal mehr aufzeigt, was mit einem Menschen geschehen kann, wenn das soziale Umfeld schädigt, der die damalige Denkweise der Gesellschaft wunderbar herausarbeitet.
Ein beeindruckend feinfühlig und zugleich schonungslos offener Roman über einen der spektakulärsten Fälle der Nachkriegsgeschichte.
Den Roman sollten Sie auf keinen Fall verpassen!
Carola Ludger, Thalia-Buchhandlung in Lippstadt, 12. August 2016

Vier Fragen an Regina Schleheck

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
1999 schrieb ich meine erste Kurzgeschichte. Eher zufällig, nicht mit dem Gedanken, schriftstellerisch tätig zu werden. Es war ein Krimi.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Auf dem Konto kommt wenig an. Umso mehr Verbrechen sind daher erforderlich. Ein paar Hundert werden es sein. Das ist das Schöne an Kurzkrimis: Es geht schnell und schmerzlos.

Warum haben Sie sich für ein Leben mit dem Verbrechen entschieden?
I love it.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Was gerade zur Hand ist. Je zufälliger, umso realitätsnäher. Wer wird schon als Mörder geboren?

Leseprobe

Paul
Als er zu sich kam, war das Erste, was er wahrnahm, der eigene Herzschlag. Er durchpulste seinen Körper derart mächtig, als wäre da nichts außer diesem einen Organ, das ihn vollständig ausfüllte. Poch. Poch. Poch. Jedem Schlag folgte ein Rauschen, das sich in Wellen ausbreitete, die Ohren betäubte und einen Schleier über sein Bewusstsein zog. Die Erschöpfung machte ihn weich. Seine Wahrnehmung gab nach, wich wieder, wie das Meer sich schäumend über den glatt gespülten Sand zurückzog, zwischen Körnchen, Muscheln und Treibgut versickernd, winzige luftige Bläschen zurücklassend, die eins nach dem anderen lautlos zerplatzten. Wie ein tiefes, ruhiges Atemholen vor den nächsten und übernächsten Wellen. Die dennoch unerbittlich und immer brutaler aufbrandeten und nach und nach, Brecher für Brecher, wieder an die Oberfläche spülten, was sich dort unten am Meeresgrund verborgen hatte. Der Schmerz. Er komprimierte das, was einst sein Kopf gewesen sein mochte, zu einer kleinen glühenden Kugel. Pochen, Rauschen, Schmerz. Pochen, Rauschen, Schmerz.
Er wurde gewahr, wie sein eigener Atem sich durch diese geballte Wucht einen Weg bahnte, spürte die Nase, den Mund, taub und trocken, weil da etwas war. Ein undefinierbarer Pfropfen von weicher Konsistenz und saurem Geschmack, der entfernt an einen Apfel erinnerte. Weiter oben mussten seine Augen sein, aber er konnte nichts sehen. War er erblindet? Die Pein, die das nächste Pochen aus allen Regionen des Körpers in sein Bewusstsein spülte, verdrängte den Gedanken.
Drei weitere Schmerzzentren meldeten sich: Arme, Beine, Unterleib. Dann kam die Erkenntnis. Schlag auf Schlag. Es war stockdunkel. Er war splitternackt. Lag an Armen und Beinen fest verschnürt auf einem kalten steinigen Untergrund, spürte Geröll und Feuchtigkeit unter sich. Die Luft roch modrig und es stank. Der brennende Schmerz, der in seinem Unterleib tobte, ließ ihn an Durchfall denken. Ich muss mich vollgeschissen haben, dachte er, ohne sich zu erinnern. Es fühlte sich feucht an da unten, nackte Haut auf nacktem nassen Stein. Jemand hatte ihn ausgezogen. Jemand?
Der Jemand! Der ihn gefesselt und geknebelt hatte! Nichts anderes konnte das Ding in seinem Mund bedeuten. Er wusste jetzt auch, dass er nicht blind war, wusste, dass seine Augen verquollen, aber nicht verletzt sein mochten, die eigene Betäubung und die Dunkelheit hatten ihn in die Irre geführt. Er lag in der Höhle!
Der Gedanke, dass er vollkommen hilflos war, verletzt, halb tot vermutlich – der Kerl hatte ihn töten wollen! - ließ ihn krampfen und würgen. Der Knebel! Er ließ keine Luft rein, keine Galle raus. Da war sie wieder, die Anmutung von Apfel. Sie kam aus seinem Magen! Er hatte Apfelsaft getrunken, sie beide, im ‚Stadtkrug‘. Nein, der andere hatte ein Bier getrunken. Und ihn frei gehalten.
Der andere! Das Ungeheuer!
Sie hatten sich unterhalten, einfach so. Nein, der Kerl war auf ihn zugegangen, er hatte ihn angesprochen. Ihn eingeladen auf ein Bier. Er musste von Anfang an etwas von ihm gewollt haben. Warum war ihm das nicht aufgefallen? Doch, natürlich hatte er sich gefragt, was der Typ von ihm wollte. Natürlich war er ihm ein bisschen merkwürdig vorgekommen. Aber vollkommen harmlos! Kaum älter als er selbst. Gut gekleidet, aber gar nicht hochnäsig. Umgänglich und unkompliziert.
Paul stöhnte. Erschrak von dem eigenen Geräusch. Lauschte mit angehaltenem Atem ins Dunkel. War er wirklich allein?
Nichts.
Er hatte davon gesprochen, hatte ihm gesagt, er werde wiederkommen. Um ihn fertig zu machen. Was hatte er, Paul, diesem Ungeheuer bloß getan? Ihm graute vor dessen Wiederkehr! Den winzigen erlösenden Moment lang, als der Stein mit voller Wucht auf seinen Kopf krachte, hatte er geglaubt, der andere hätte ihn bereits erschlagen. Die Ausholbewegung, dann der Aufprall. Genau! Daher der Kopfschmerz! Aber es hatte nicht gereicht. Sonst wäre er nicht wieder zu sich gekommen.
Warum hatte er den Kerl überhaupt sehen können?
Da waren Kerzen gewesen!

Termine

Wann Was Wo
08. Dez 19
19:30 Uhr
KRIMITAG Köln
Christmas in Crime
Alhbach Forum
50827 Köln