Endstation Heidelberg
Marlene Bach

Endstation Heidelberg

Emons Verlag

August 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783954519682
10,90 € [D], 11,30 € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
An einem rabenschwarzen Tag verliert Mila Böckle nicht nur ihren Job, sondern ihren Freund gleich mit dazu. In Heidelberg soll sie für eine Weile die Pension einer Bekannten übernehmen – und sich wieder neu verlieben. Doch dann fällt ihr am Bahnhof eine tote Frau vor die Füße. Wie es der Teufel will, gelangt deren Handtasche in Milas Besitz. Und schon steckt Mila mitten in der mörderischen Jagd nach dem Geheimnis der Toten.
Marlene Bach
© Foto: privat

Marlene Bach

Marlene Bach wurde 1961 in Rheydt geboren und wuchs nahe der holländischen Grenze auf. Sie ist promovierte Psychologin und lebt seit 1997 in Heidelberg. Im Jahr 2006 erschien mit "Elenas Schweigen" ihr erster Kriminalroman im Emons Verlag, dem bislang sechs weitere folgten. Daneben verfasst sie Kurzgeschichten. Im Jahr 2011 erhielt sie den Walter-Kempowski-Literaturpreis.

Empfehlung der Woche

Endstation Heidelberg ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 26. September 2016.

Kritikerstimme

Was Marlene Bachs Bücher jedoch auszeichnet, ist die scharfe Beobachtungsgabe sowie die sparsame und dennoch äußerst treffende Beschreibung von Personen und Situationen. Vor allem aber glänzt sie mit einer ordentlichen Portion Humor. Nicht platt und aufgesetzt, sondern fein, bitterböse und perfekt platziert.

morgenweb, 21.3.2013

Drei Fragen an Marlene Bach

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Ziemlich früh. Im Bücherschrank meiner Eltern stand fast alles, was Agatha Christie und Edgar Wallace geschrieben haben. Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, mit deutlich kargerem Fernsehprogramm als heute und dem nächsten Kino ziemlich weit entfernt, war das Lesen eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Bei der Auswahl, die mir damals zur Verfügung stand, musste ich wahrscheinlich "kriminell" enden.

Was ist Ihre Lieblingstatwaffe?
Eine, bei der ich etwas lernen kann. Zum Beispiel wofür eine Saufeder gut ist oder warum ein Mord mit Kaliumchlorid schwer nachweisbar ist.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich bemühe mich, Leser nicht zu Voyeuren von Gewalt zu machen. Mir ist der Einblick in die Persönlichkeiten, deren Motive und Ambivalenzen wichtig – und was geschehen muss, damit "moralische Grenzen" überschritten werden.

Leseprobe

Die Kommissarin lehnte sich zurück. Dann fuhr sie sich mit beiden Händen durch die Haare. Dabei sog sie die Luft ein, so tief, dass ich es hören konnte. Ich kannte das. Das hatte Jens auch manchmal getan, bevor er losbrüllte. Aber Frau Moosers Stimme blieb ganz ruhig.
»Wissen Sie, Frau Böckle, wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich mir gut überlegen, ob ...«
Es klopfte. Wieder war es Herr Pöltz. Diesmal blieb er in der Tür stehen.
»Kommt ihr mal? Sie sind durch.«
Sie gingen hinaus auf den Flur und unterhielten sich mit ihrem Kollegen. Erneut dauerte es. Diesmal kam Frau Mooser allein zurück. Sie setzte sich wieder auf ihren Platz und wischte sich ein paar Krümel von ihrem Pulli.
»Also fassen wir zusammen«, begann sie. »Sie haben Frau Dr. Kölln nie gesehen. Ein Mann hat Sie verfolgt, aber Sie können ihn nicht beschreiben. Die Mütze wurde aus Ihrer Unterkunft gestohlen. Und die Tatsache, dass Sie zur selben Zeit wie Frau Kölln am Bahnhof waren, ist reiner Zufall. Stimmt das?«
»Ja, genauso ist es.«
»Sie sollten sich das noch einmal überlegen.«
»Das brauche ich nicht. Das stimmt alles ganz genau.«
Frau Mooser sah mich mit dem gleichen Blick an, den ich bei Mutter Reschke gesehen hatte, als ihr Ältester behauptete, er hätte keine Ahnung, warum am Treckerreifen lauter Hühnerfedern klebten.
»Wir haben in der Pension nichts gefunden, das in Zusammenhang mit unserem Fall steht. Es gibt also keine Handhabe, Sie festzuhalten. Das bedeutet auch, dass ich nichts für Sie tun kann, wenn Sie bei Ihrer Aussage bleiben.«
»Das heißt, ich kann gehen?«
Ich wollte aufstehen, aber Frau Mooser hatte es nicht so eilig wie ich.
»Einen Moment! Wir sind noch nicht fertig. Sie müssen warten, bis das Protokoll geschrieben ist. Außerdem will ich Ihnen noch etwas sagen. Und das tue ich nur aus einem einzigen Grund: damit ich mir später keine Vorwürfe machen muss. Also hören Sie mir gut zu. Sollten Sie in irgendeiner Weise in diese Angelegenheit verstrickt sein, und sollte dieser Mann, der aussieht wie ein Wolf und Sie verfolgt, vielleicht doch existieren, dann ist es das Dümmste, das wirklich Allerdümmste, was Sie tun können, nicht mit uns zu kooperieren.«
Ich nickte. Frau Mooser schien das nicht zufriedenzustellen.
»Am besten, ich erkläre Ihnen das noch einmal, Frau Böckle. Damit ich auch sicher sein kann, dass Sie mich verstanden haben: Wenn Rotkäppchen mit einem Steak in seinem Körbchen durch den Wald läuft und einem Rudel Wölfe begegnet, was wird wohl passieren?«
»Die Wölfe fallen über Rotkäppchen her und nehmen ihm das Steak ab?«
»Ganz genau.« Sie beugte sich vor, als hätte sie Sorge, ich könnte sonst vielleicht nicht mitbekommen, was sie sagte. »Aber sie fressen nicht nur das Steak.«