Engelsschmerz
Anna Schneider

Engelsschmerz

Midnight by Ullstein

April 2016
sofort lieferbar
ISBN 9783958190177
14,99 € [D]
     

Jule ist spurlos verschwunden. Die Studentin ist nicht verreist, nicht durchgebrannt. Sie ist in Gefahr! Davon ist ihre Mutter überzeugt, die alarmiert nach München reist und die Wohnung der Tochter verwaist vorfindet. Doch die Polizei nimmt ihre Bedenken nicht ernst - außer Kommissarin Annette Kirchgessner, die schon immer einen Riecher für besondere Fälle hatte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Georg "Gigi" Gruber ermittelt sie auf eigene Faust. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Werden sie Jule rechtzeitig finden?

Anna Schneider
© Claudia Toman, Traumstoff

Anna Schneider

wurde in Bergneustadt im Oberbergischen Land geboren und lebt heute mit ihrer Familie in der Nähe von München. Die promovierte Betriebswirtin arbeitete viele Jahre bei einer Frankfurter Großbank im Bereich Personal und war außerdem als Dozentin und Coach tätig. 

Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel 2013 mit dem Stipendium "Tatort Töwerland".
Neben Kurzgeschichten hat Anna Schneider unter diesem Namen zwei Jugendthriller veröffentlicht.

Unter dem Pseudonym "Anna Martens" schreibt sie Krimis und Thriller für Erwachsene. Ihr erster unter diesem Namen erschienene Thriller "Engelsschmerz" war Platz 1 bei Kobo und hielt sich genauso wie die darauf folgenden Titel einige Wochen in den Top 50.

Empfehlung der Woche

Engelsschmerz ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 25. Juli 2016.

Kritikerstimmen

Engelsschmerz war Buchtipp von Hugendubel Berlin.

Ein sehr spannendes, fesselndes und kurzweiliges Lesevergnügen! LiebesLenchen, lovelybooks.de

Keine unnötigen Schnörkel und überschaubares Personal lassen die Handlung zielgerichtet ihren Verlauf nehmen ohne sich mit Längen und Nebenkriegsschauplätzen aufzuhalten. Für mich eine runde, gelungene Sache.
miss_mesmerized, lovelybooks.de

[...] eine wirklich mitreißende Geschichte aus Spannung, Sympathien und Antipathien, mit wechselnden Zeiten und Perspektiven, die ich in einem Schwung lesen musste und das Buch einfach nicht weglegen konnte. Sehr empfehlenswert!
Fabella, Buchzeiten

 

Drei Fragen an Anna Martens

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Bei meinem Einstellungstest für den Polizeidienst nach dem Abitur. Nachdem ich dort nicht genommen wurde, musste ich mir einen anderen Weg suchen, um Tätern auf die Spur zu kommen. Ich begann zunächst lesend. Doch das befriedigte mich nur für eine Weile. Schließlich legte ich selbst Hand an. Herausgekommen sind bisher vier Bücher, ein Dutzend Kurzgeschichten und viele weitere Ideen.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Zehn Tote in einer Kurzgeschichte sind mein Rekord. Sie wurden aufgeschlitzt, vergiftet, erhängt, gestoßen. Und dazu wurde betrogen, gelogen, gestohlen, entführt. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Ich konnte nicht anders. Es ist einfach passiert.

Leseprobe

Prolog

Eisige Kälte ging von den verdreckten Fliesen des Küchenbodens aus. Getrocknetes Blut hatte bizarre Figuren darauf gemalt. Die Eisenfesseln hingen schwer an ihren wunden Handgelenken. Seit Stunden schon saß sie in dieser Haltung. Jeder Muskel schmerzte. Sie wartete. Fixierte mit ihrem Blick das Fenster. Minute für Minute. Dann sah sie die Farben des Sonnenuntergangs, der sich nun blutrot über Himmel und Berge ergoss. Wieder ein Tag vorbei.
Tränen flossen über ihre Wangen. Sie war sich sicher: Draußen funktionierte die Welt so, als wäre nichts geschehen. Die schöne Landschaft, die sie auf ihrer Fahrt hierher betrachtet hatte, schien sie noch zusätzlich zu verhöhnen.
Hier, wo sie war, war nichts schön. Nichts einzigartig. Hier regierten Dreck, Verzweiflung und Hunger. Und dieser penetrante Geruch nach Kot und Verwesung, der in jede Pore einzudringen schien.
Sie zog ihre Beine so nah an sich heran, wie sie konnte, um sich vor der Kälte zu schützen.
Sie war schrecklich müde.
Aber wie jeden Abend begannen ihre Gedanken sich wieder und wieder um diesen einen Punkt zu drehen: Sie allein trug die Schuld an ihrer Lage. Hätte sie doch nur besser nachgedacht!
Wie hatte sie nur so bescheuert sein können? So naiv!
Wütend trat sie mit dem Fuß gegen den Schrank. Sich selbst wehzutun war der einzige Weg, mit der Misere umzugehen – zu spüren, dass sie noch lebte.
Immer hatte sie sich für ausgesprochen clever gehalten. Aber dieses Mal war sie das wohl nicht gewesen. Sie hatte einen verhängnisvollen Fehler gemacht.
Sie horchte in die Stille des Hauses hinein. Sie betete. Aber da war nichts. Kein Geräusch. Schon lange nicht mehr. Sie klopfte wie schon tausend Mal zuvor mit dem Topfdeckel gegen die Wand.
Keine Antwort.
Sie konnte nichts tun, was ihre Lage veränderte. Die Essensvorräte waren längst verbraucht – der Hunger mittlerweile ein ständiger Begleiter ihrer ereignislosen Tage. Hektisch riss sie jeden Schrank auf, den sie erreichen konnte. Obwohl sie wusste, dass sie nichts finden würde. Es war wie ein Zwang. Um wenigstens irgendetwas zu tun.
Um nicht verrückt zu werden.
Noch einmal blickte sie aus dem Fenster, in dem sich die Dunkelheit langsam wie ein Vorhang ausbreitete. Sie zog an der Fußkette und brachte sich in eine einigermaßen bequeme Position.
Vielleicht würde sie der Schlaf nun endlich von den stets gleichen Gedanken erlösen. 
Für immer.