Der ferne Tod
Willi Zurbrüggen

Der ferne Tod

Roman
September 2015
sofort lieferbar
ISBN 9783945191040
19,80 € [D], 20,– € [A]
Sonderpreis 0,– €
     
Dieser Roman ist eine hochspannende, bild- und sprachmächtige Tour de force durch wildbewegtes Meer und weiten Wüsten. Ein ungewöhnlicher, mit subtilem Humor unterlegter Politkrimi; ein page turner mit Tiefgang, der den Leser bis ans überraschende Ende in Atem hält.
Willi Zurbrüggen

Willi Zurbrüggen

Willi Zurbrüggen wurde 1949 in Borghorst/Westfalen geboren und gehört zu den renommiertesten Literaturübersetzern in Deutschland. Nach einer Lehre als Bankkaufmann arbeitete er für eine Investmentbank in Frankfurt am Main. Später absolvierte er eine Übersetzerausbildung am Englischen Institut in Heidelberg. Seit 1980 arbeitet Willi Zurbrüggen als freier Autor und Literaturübersetzer. Sein übersetzerisches Werk umfasst rund 100 Romane, Erzählbände, Lyrik und Essays, die er aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen und für die er viele Preise bekommen hat.

2010 erschien sein Debütroman NORDLICH (Edition Büchergilde, 412 S.)

2015: DER FERNE TOD (Draupadi Verlag, Heidelberg, 316 S.)

Empfehlung der Woche

Der ferne Tod ist die Empfehlung der Woche der SYNDIKATs-Redaktion vom 3. Januar 2016.

Kritikerstimme

Die Helden dieses außergewöhnlichen Krimis sind der ehemalige GSG 9-Offizier Thomas Marder - dessen Freund und Kamerad grausam ermordet wurde - sowie die iranische Ermittlerin Zhora, die eigene Gründe hat, bei der Verfolgung der Mörder nicht von seiner Seite zu weichen. Aber es geht um viel mehr als um drei Morde im Hafen... Kriminalassistent Willie Burgwald findet die Spur, die so heiß ist, dass sie einen "Weltenbrand" verursachen könnte.
Amazon-Rezensent

Drei Fragen an Willi Zurbrüggen

Wann begann Ihre kriminelle Laufbahn?
Ich bin Spätberufener. Vor drei Jahren etwa fing das an.

Wie viele Verbrechen gehen auf Ihr Konto?
Erst eines. Als Serientäter habe ich aber schon zwei weitere in Planung.

Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?
Nichts, Euer Ehren. Ich bin ein hoffnungsloser Fall, ein unverbesserlicher Schreibtischtäter.

Leseprobe

29. April 1999, Bremerhaven

1 -  Zuerst kommen die Ratten. Sie machen sich über die blutigen Stellen her. Zwei oder drei stoßen mit spitzen Schnauzen in die leeren Augenhöhlen und reißen grunzend Bindehautfetzen und Muskelfäden heraus. Eine weitere beschnüffelt die breite Halswunde, unter der sich eine dunkle Lache gebildet hat, die schon einzutrocknen beginnt. Andere haben sich durch den klaffenden Riss in der Bauchdecke bis ins Innere des Körpers vorgearbeitet und fressen die Eingeweide. Es ist noch dunkel. Als die Morgendämmerung heraufzieht, werden streunende Hunde und frühe Möwen vom Blutgeruch angelockt. Auf der ausgetretenen Steintreppe, die vom Kai zum Wasser hinunter führt, kommt es zu einem fauchenden, knurrenden, bellenden, kreischenden Tumult, der den stellvertretenden Hafenmeister weckt. Gähnend und die Arme streckend tritt er aus dem Bürocontainer, in dem er gegen Ende seiner Nachtschicht eingeschlafen ist. Die Luft ist kühl, von der Weser weht eine leichte Brise herüber.
Der stellvertretende Hafenmeister ist ein alter Fahrensmann, in Rente mittlerweile, doch als Vertretung des Hafenmeisters zur Stelle, wann immer der ihn braucht. In dieser Nacht ist das wieder der Fall gewesen. Im Gehen zieht er sich die Hosenträger über die Schultern. Der tierische Radau in der Mitte des Kais wird lauter. Sehen kann er noch nichts. Wahrscheinlich balgen sich die üblichen Verdächtigen - Hunde, Katzen, Möwen und Ratten - um einen angeschwemmten Fischkadaver. Das Gejaule und Gekreisch kommt von der schmalen Treppe, die ins Hafenbecken führt, und an deren Fuß üblicherweise Dingis und kleine Segelboote festmachen. Dem Lärm nach zu urteilen, scheint es sich diesmal um einen besonders großen Kadaver zu handeln.
„Hohhh, hohhh!“, ruft der alte Mann näherkommend und klatscht in die Hände. Die Tiere nehmen davon keine Notiz. Möwen flattern auf und stoßen kreischend wieder herab, Hunde bellen und knurren, dazwischen das unheimliche Fauchen der Ratten. Dann sieht er es.