Einmal kurz die Welt retten

Einmal kurz die Welt retten

Krimis

Gmeiner-Verlag

Herausgegeben von Jennifer B. Wind

Taschenbuch
2022, März 2022
sofort lieferbar
ISBN 9783839201282
12,– € [D], SFr. 17,90 [CH], 12,40 € [A]
     

Die Welt steht vor dem Kollaps. Den führenden Wissenschaftlern zufolge werden im Jahr 2052 wichtige Ressourcen aufgebraucht und große Teile der Welt aufgrund des Klimawandels unbewohnbar sein. Milliarden Menschen drohen Obdachlosigkeit, Hunger und Armut.
24 dramatische, sarkastische, skurrile und tiefsinnige Kurzgeschichten deutschsprachiger Topautorinnen und -autoren widmen sich den drängendsten Themen unserer Zeit und regen zum Nachdenken an. Sie sind ein Appell an uns alle: Der Kampf um das Morgen muss heute beginnen!

 

Mit Geschichten von Dieter Aurass, Raoul Biltgen, Katja Brandis, Veronika A. Grager, Anne Grießer, Petra K. Gungl, Reinhard Kleindl, Regine Kölpin, Beatrix Klamlovsky, Uwe Laub, Mari März, Günter Neuwirth, Regina Schleheck, Claudia Schmid, Ursula Schmid-Spreer, Ingrid Schmitz, Alex Thomas, Heidi Troi, Eva Maria Nielsen, Fenna Williams, Barbara Wimmer, Janet Zentel und Jennifer B. Wind.

Reinhard Kleindl
© Tinksi

Reinhard Kleindl

Reinhard Kleindl, geboren 1980 in Graz, absolvierte ein naturwissenschaftliches Studium und veröffentlichte schon früh Kurzgeschichten. Nach seinem Abschluss begann er, als freier Wissenschaftsjournalist zu arbeiten, und kam bald darauf mit dem Trendsport "Slackline" in Kontakt. Er wurde zum Profi und realisierte Projekte rund um den Globus, etwa über den Victoria Falls oder auf den Drei Zinnen in Südtirol. Das Schreiben begeiltete ihn weiterhin. Nach drei Kriminalromanen bei Haymon erscheint nun sein Thriller STEIN bei Goldmann.

Dieter Aurass

Dieter Aurass

Ich bin Jahrgang 1955, war über 41 Jahre Kriminalbeamter beim Bundeskriminalamt und der Bundespolizei und habe mich erst sehr spät entschlossen, meiner neuen "Berufung" zu folgen ... Kriminalromane zu schreiben.

Seit 2013 schreibe ich und am 06. Juli 2016 erschien mein erstes Verlagsbuch im GMEINER-Verlag unter dem Titel "Frankfurter Kaddisch". Inzwischen sind 9 weitere Bücher dazugekommen, unter anderem 2019 im HEYNE-Verlag der historische Kriminalroman "Rheinlandbastard".
Im Frühjahr 2020 wird mein 11. Kriminalroman im Verlag CW Niemeyer unter dem Titel "Jeden 3. Tag" erscheinen.

Also kann ich nur rundum zufrieden sein ... und bin es auch!

Regina Schleheck

Biografische Angaben:
Regina Schleheck hat sich im Krimi wie in der Phantastik einen Namen gemacht. Mit dem Friedrich-Glauser-Preis für einen Kurzkrimi und dem Deutschen Phantastik Preis für ein SciFi-Hörspiel wurden ihr die begehrtesten Auszeichnungen beider Genres zugesprochen – neben vielen anderen.
Die 1959 geborene hauptberufliche Oberstudienrätin, nebenberufliche Referentin, Herausgeberin, Lektorin, fünffache Mutter, lebt und lehrt in Leverkusen und hat seit 2002 Hunderte Kurzgeschichten, Hörspiele, Romane sowie andere Prosa und Lyrik veröffentlicht.

Veröffentlichungen:
* Mörderischer Niederrhein. 12 Krimis. Gmeiner 2021
* Christian Linker und Regina Schleheck (Hg.): Traumbilder. BoD 2020
* True Crime: Der Kirmesmörder. Regina Schleheck. Sprecher: Monty Arnold. SAGA Egmont 2020
* Christian Linker und Regina Schleheck (Hg.): Traumfabrik. BoD 2019
* Mörderisches Bergisches Land. 11 Krimis und 125 Freizeittipps. Gmeiner 2019
* Mörderisches Leverkusen und Umgebung. 11 Krimis und 125 Freizeittipps. Gmeiner 2018
* Tod in Herford. Edition Oberkassel 2018
* Wipper-Wein. Kinder- und Jugenderzählung. Frankfurt am Main: vss 2018
* Luca und das Mal der Fürsten. Jugenderzählung. vss 2018
* Basilikumdrache und Schöpfungskrönchen. Phantastische Geschichten. Hörbuch. iFuB 2017
* Der Kirmesmörder – Jürgen Bartsch. Gmeiner 2016
* Wer mordet schon in Köln? 11 Krimis und 125 Freizeittipps. Gmeiner 2016
* Basilikumdrache und Schöpfungskrönchen. Phantastische Geschichten. iFuB 2016
* Sonne, Mord und Meer. Hg.: Regina Schleheck. Der Kleine Buch Verlag 2016
* Klappe zu – Balg tot. Bitterböse Geschichten. Der Kleine Buch Verlag 2015
* Untertauchen. SciFi-Novelle. 110th 2014
* Mechthild Zimmermann und Regina Schleheck (Hg.): Sonne, Mord und Ferne. ViaTerra 2013
* Die Weissagung des Drachen. Fantasyerzählung. Berlin: Satzweiss, 2012.
* Mark Brandis. Aktenzeichen Illegal. Hörspiel nach N. v. Michalewsky. Folgenreich (Universal), 2011.
* Mechthild Zimmermann und Regina Schleheck (Hg.): Mordsmütter. Edition ViaTerra, 2011
* Adventsgeschichte von A bis Z. Hörspiel für Ü-Zehner. Drachenmond Verlag, 2009
* Mark Brandis. Bordbuch Delta VII. Hörspiel nach N. v. Michalewsky. Steinbach Sprechende Bücher, 2007
* mehrere hundert Kurzgeschichten, weitere Prosa- und Lyrik-Veröffentlichungen siehe Homepage

online: www.regina-schleheck.de

Günter Neuwirth
© Kurt Lhotzky

Günter Neuwirth

Faktenlage

Im Jahr 1966 in Wien geboren und ebenda aufgewachsen. Danach einige Jahre wohnhaft in Graz. Nun befindet sich der Lebensmittelpunkt am Waldrand der steirischen Koralpe.

In jungen Jahren durch Auftritte als Keyboarder in Wiener Jazzclubs, mit zwei Solokabarettprogrammen und literarischer Performance auf Kleinkunstbühnen aktenkundig geworden.

Mittlerweile hauptsächlich als Autor mit dem Schwerpunkt im Bereich Kriminal- und Spannungsliteratur tätig.

Ingrid Schmitz
© (c) Ingrid Schmitz

Ingrid Schmitz

geboren 1955 in Düsseldorf, arbeitete dort als Speditionskauffrau bei einer kanadischen Reederei und später im sowjetischen Außenhandel. Seit 2000 ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. Bisher hat sie an die 60 Krimikurzgeschichten veröffentlicht und 16 Kriminal-Anthologien herausgegeben. Im Jahr 2006 begann sie mit dem Kriminalromanschreiben und erfand die Serienfigur Mia Magaloff.

1. Fall (2006) Sündenfälle, Gmeiner Verlag - Thema: Kirche
2. Fall (2007) Mordsdeal, Gmeiner Verlag - Thema: Tablettenhandel
3. Fall (2009) 2 Leben - 1 Tod, Droste Verlag - Thema: Virtuelle Welt
4. Fall (2014) Liebeskiller, Leporello Verlag - Thema: Lovescammer
5. Fall (2016) Spiekerooger Utkieker, Leda Verlag - Thema: Inselmorde
6. Fall (2020) Mordsreise, edition oberkassel - Thema: Verkaufsveranstaltung
7. Fall (2022) Mördermuschel, edition oberkassel - Thema Rache

Außer der Reihe erschien im September 2017 der Roman "Mord im Krimihotel" (KBV) 

2014 schrieb sie die Biographie "Currywurst und Dolce Vita" des Auswandererpärchens Anke und Dirk Leithäuser (bekannt durch VOX Goodbye Deutschland).

2021 wurde ihr erster Jerry Cotton-Heftroman im Bastei Lübbe Verlag veröffentlicht. Folge 3339 Mit der Liebe kam der Tod. Es werden weitere Heftromane folgen.

2022 wird in "Einmal kurz die Welt retten" Hrsg. Jennifer Wind, Gmeiner Verlag, ihr erster Science-Fiction Kurzkrimi erscheinen.  

Ingrid Schmitz ist Mitglied bei: „Mörderische Schwestern“.
Auf Facebook, Twitter und Google+ sendet sie jeden Morgen "Mörderisch liebe Grüße".

Raoul Biltgen
© Philippe Matsas

Raoul Biltgen

geboren 1974 in Luxemburg. 1993 Umzug nach Wien. Schauspielausbildung in Wien. Dann Ensemblemitglied am Landestheater Bregenz, anschließend Dramaturg am Theater der Jugend Wien. Seit 2003 freischaffender Schriftsteller, Schauspieler und Theatermacher. Seit 2015 zusätzlich als Psychotherapeut bei der Männerberatung Wien und in der Justizanstalt Sonnberg tätig.

Seine knapp 50 Theaterstücke wurden bisher in Europa, Mexiko und China gespielt. Er ist Autor mehrerer Bücher (zuletzt "Adam spricht") und zahlreicher Kurzgeschichten. Preisträger des niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises 2017. Raoul Biltgen hat 2021 den GLAUSER in der Kategorie Kurzkrimi gewonnen. Zuvor war er bereits vier Mal nominiert (2014, 2017, 2020 und 2021 in der Kategorie Kurzkrimi, 2018 in der Kategorie Roman).

Raoul Biltgen stand schon einmal unter Mordverdacht.

Heidi Campidell Troi

Heidi Troi, geboren in Brixen/Südtirol, arbeitete wechselweise als Grundschullehrerin und Theaterpädagogin – zurzeit ist sie mal wieder Theaterpädagogin am TPZ Brixen. Nach der Veröffentlichung einiger Kurzgeschichten in  Anthologien, feierte sie 2020 ihr Debüt als Krimi- und Kinderbuchautorin.

Heidi Troi ist auch Mitglied der Mörderischen Schwestern und der Autorengruppe "Die Mord(s)lustigen".

Claudia Schmid
© Larissa Schmid

Claudia Schmid

lebt in der Metropolregion Rhein-Neckar zwischen Mannheim und Heidelberg. Bereits als Kind im niederbayerischen Passau von kriminellen Ideen verfolgt, studierte sie mit großem Spaß Germanistik und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim mit Abschluss Magister Artium. Sie ist Redakteurin bei Kriminetz.de und außerdem als Kommunikationstrainerin tätig. Claudia Schmid spielt mit Vorliebe kleine Rollen in Fernsehkrimis und flaniert hin und wieder beim TATORT durchs Bild.

Zusätzlich zu ihren vielen Büchern hat sie über fünf Dutzend Kurzgeschichten veröffentlicht. Sie schreibt Kriminelles, Historisches, Theaterstücke, Hörspiele, Essays und Kurzgeschichten.

Auszeichnungen: Claudia Schmid ist Ehren-Kriminalkommissarin der Polizei Mannheim - Heidelberg. Sie gewann den Quo Vadis-Kurzgeschichtenpreis 2011 und mehrmals einen Literaturpreis der Buchmesse im Ried.

Ihr Kurzkrimi "Gute Nachbarschaft" erreichte im Mai 2020 einen der vier zweiten Plätze beim Erzähl-Wettbewerb des Mannheimer Morgens »Erzähl mir was« bei ca. 300 Einsendungen. Die Leserinnen und Leser der Tageszeitung stimmten über die Texte der Finalrunde ab.

Jennifer B. Wind
© Jennifer B. Wind

Jennifer B. Wind

Jennifer B. Wind, in Leoben geboren, im Murtal und in Wien aufgewachsen,
lebt mit ihrer Familie südlich von Wien. Die ehemalige Flugbegleiterin mit
Klavier-, Gesangs- und Schauspielausbildung schreibt für alle Altersklassen,
Romane, Drehbücher, Songtexte, Gedichte, Theaterstücke, Kolumnen und
Kurzgeschichten, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Gleich
ihr Debüt, der Thriller „Als Gott schlief“, wurde zum Bestseller, der
Nachfolger „Als der Teufel erwachte“ ein Achtungserfolg, der von Kritikern
unter anderem als „Fanal für die Menschlichkeit“ gefeiert wurde. „Die Maske
der Gewalt“, der Auftakt einer neuen Thriller-Serie war wochenlang auf der
Bild Bestseller Liste, Band 2 “Die Maske der Schuld” wurde für den Fine
Crime Award 2020 nominiert. sie ist auch als Ghostwriter, Rezensentin und
Sprecherin tätig und unterstützt seit vielen Jahren die Jury des zeilen.lauf
und schreib.art Wettbewerbs. Als Mentorin fördert sie Autor:innen und als
Coachin im Bookerflyclub kümmert sie sich um Nachwuchsautor:innen. Seit
Jahren ist sie aktiv in Sachen Tier- und Umweltschutz unterwegs und setzt
sich gegen Gewalt an Kindern und Frauen ein. In ihrer Freizeit malt,
zeichnet und singt sie und arbeitet ehrenamtlich für diverse Autorenvereine.
Sie ist u.a. Mitglied im Syndikat, bei den mörderischen Schwestern, bei
den österreichischen Krimiautor/innen und bei Writers for Future.

Mehr über die Autorin finden Sie
hier: www.jennifer-b-wind.com

Ein exklusives Interview mit der Autorin

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil ich es wichtig und schön finde, sich zu vernetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu fördern, egal ob als Anfänger oder Profi. Das Schreiben ist ein einsamer Akt.  Im Syndikat findet man den perfekten Ausgleich im Austausch mit Gleichgesinnten, die alle eine große Liebe verbindet: die zur Spannungsliteratur in allen Facetten.

Dein Lieblingswort?

Bussi         

Dein Sehnsuchtsort?

Australien, Asien, Hawaii, Israel, Jordanien

Dein Lieblingsgetränk?

Schwarzer Tee mit Schuss ?

Dein Fetisch?

Bücher

Was möchtest du in der Welt gerne ändern?

Werden wir aufhören, die Erde auszubeuten, ohne die wir nicht leben können? Wird es jemals möglich sein, dass Mensch, Tier und Umwelt koexistieren, ohne sich gegenseitig existenziell zu bedrohen? Ich muss zugeben, ich weiß es nicht. Aber ich werde die Hoffnung niemals verlieren. Denn ich wünsche mir nicht nur für meine Kinder, Enkel und Urenkel, dass sie die Chance bekommen, auf einer gesunden Erde in einer friedlichen Umgebung zu leben ohne Angst haben zu müssen. Ich wünsche mir das für alle Lebewesen auf diesem Planeten.

Was soll so bleiben wie es ist?

Dass wir nie aufhören, einander Geschichten zu erzählen.

Deine persönlich meist gehasste Frage?
Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Leseprobe: Afrika Mon Amour

Afrika Mon Amour

Von Jennifer B. Wind

 

Sahara, Niger, 28. August 2025

 

Ich bin in der Hölle. Der Geruch von verbrannter Haut liegt in der Luft. Einbildung? Albtraumhafte Illusion? Meine Fußsohlen brennen, als ginge ich über glühende Kohlen. Ich wage nicht, nach unten zu sehen, und blinzle in die Ferne. Nichts. Nur Sand, Sonne, Himmel und wieder Sand. Eine Maske aus Schweiß, Tränen, Staub, Blut und Haar klebt auf meinem Gesicht. Bloß nicht stehen bleiben, obwohl alles in mir schreit. Immer weiterlaufen. Durch meine Eingeweide frisst sich etwas Böses, das mir nicht viel Zeit lässt, Hilfe zu finden. Etwas, das mir mehr Angst macht als alles andere. Etwas, das unter dem Elektronenmikroskop aussieht wie ineinander verknotete Würmer. 

Blut tropft auf den Sand. So eine Scheiße! Aus meinem Shirt reiße ich einen Stoffstreifen, den achten mittlerweile, und stecke die Enden in die Nasenlöcher. Mein freigelegter Bauch ist von blauen Flecken übersät. Aus einem Hämatom in Höhe des Bauchnabels sickert Blut. Viel zu schnell ergreift es von meinem Körper Besitz. Vielleicht, weil ich geschwächt bin, ausgehungert und ausgedörrt. Was gäbe ich für ein Stückchen Taguella oder einen Schluck aus dem Gdah? Doch schon beim Gedanken daran rebelliert mein Magen. Im Gehen würge ich blutige Galle hoch und spucke sie aus.

Wann habe ich zuletzt etwas gegessen? Das Dörrfleisch an meinem Rucksack stinkt, das verrührte und abgeseihte Kamelblut hängt in einer Isolier-Flasche am Rucksack. Mein Trinknotvorrat. Ich würge abermals. In meiner Wasserflasche kochen vier, vielleicht fünf Schlucke. Bevor sie verdunsten, werde ich sie trinken. Ein letztes Mal das Gefühl von klarer Flüssigkeit in meinem Rachen auskosten. Unbarmherzig scheint die Sonne auf mich herab. Zusammen mit dem Fieber fühlt es sich an, als würde ich in einem Kessel sitzen. In meiner Lunge kratzt es. Beim Husten landen feine Blutspritzer auf dem Verband meiner rechten Hand, die ich vor den Mund gehalten habe. Und dann passiert, wovon ich gehört und wovor ich mich gefürchtet habe. Meine Beine versagen, ich spüre sie nicht mehr, gleichzeitig zucken meine Arme unkontrolliert. Wie ein nasser Sack falle ich auf den Boden, schnappe nach Luft. Die Wüste verschwimmt vor meinen Augen, und ich denke darüber nach, wie etwas, das sich derart richtig angefühlt hat, so unglaublich schief gehen konnte. 

   

Die Kinder waren in der Pubertät, mein Mann und ich hatten uns nichts mehr zu sagen. Zum Glück hatte ich eine Leidenschaft. Schon Jahre vor dem Abitur meiner Jüngsten habe ich heimlich begonnen zu schreiben, im Keller, in der Waschküche. Den Roman wollte ich verschweigen und publizierte in einem Verlag, der ausschließlich E-Books vertrieb, selbstverständlich unter Pseudonym: Jeff Hicks Debüt war eine Dystopie der etwas anderen Art, in einer außergewöhnlichen Erzählweise und ziemlich brutal. Obwohl ich den Roman mit Freude und Herzblut geschrieben hatte, rechnete ich nicht mit viel Aufmerksamkeit. Das Buch schlug jedoch ein, die Presse war ganz wild nach Interviews, die ich nicht geben konnte. 

Bald meldete sich ein großer Verlagskonzern, der mich unter Vertrag nahm, denn Dystopien standen Ende des 20. Jahrhunderts hoch im Kurs, schließlich wartete jedermann darauf, dass die Maya-Prophezeiungen sich erfüllten. Und dazwischen stand ich: zu kurz für mein Gewicht, flachbrüstig, cellulitegeplagt, mit tiefen Augenringen, Hängebauch, abgekauten Fingernägeln und einem Haar, das nie aussehen würde wie Heidi Klums, obwohl ich erst Ende 20 war. 

Mein Selbstwertgefühl war durch den Erfolg weiter geschrumpft. Was würden die Leser sagen, wenn sie mich bei einem Auftritt sahen? In der Folgezeit mauerte ich mich noch mehr zu Hause ein, bis sich ein Agent meldete. Alles änderte sich. Und wieder bemerkte es niemand.

Am allerwenigsten Lars, der nach wie vor an meinem rechten Ohr vorbei sah, wenn er mit mir sprach. Nach meiner Rundumerneuerung, seelisch und äußerlich, absolvierte ich mein erstes Interview, gleich im Fernsehen. Lars hatte die Sendung nicht gesehen, aber alle Nachbarn, Freunde und Familie oder was sich dafür hielt. Danach gab es kein Zurück mehr. Drei weitere Romane waren schnell erdacht und zu Papier gebracht. Lars wurde immer unleidlicher. In mir schwoll eine Sehnsucht an, die ich lange Zeit nicht richtig zu deuten wusste und über die ich nur mit meinem Agenten sprach, der auch dafür eine Lösung aus dem Hut zauberte: ein Selbstfindungsseminar auf Madeira. Grüne Smoothies, Yoga, Qigong und vegane Kost waren drei Wochen lang meine Wegbegleiter, und in dieser Zeit reifte der Wunsch, etwas Neues zu wagen. Am besten ganz weit weg von allem, was ich kannte. Raus aus der Box.

Ich teilte meinem Agenten den Entschluss mit, ein Buch über die Tuareg zu schreiben. 

„Was wissen Sie über dieses Volk?“, fragte er mich. 

Ich blieb stumm. Ratlos. In dieser Nacht schlief ich nicht. Meine Beine wollten nicht stillhalten, mein Geist nicht abschalten. Mein Unwissen ließ mich erzittern und erstaunen.

Im Internet buchte ich eine Rundreise durch Afrika, die im Süden ihren Anfang nehmen sollte. In Namibia angekommen umfing mich die Hitze wie ein zu schwerer Mantel. Das Brennen in meiner Kehle wurde zu einem steten Begleiter. Und ich fragte mich zum ersten Mal, wie man diese Temperaturen aushalten konnte, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. 

Afrika nahm mich sofort in Besitz: die Kargheit der Landschaft, die lächelnden Menschen mit ihren sanften Augen, die wilden Tiere, die ich viel seltener zu Gesicht bekam, als ich gedacht hatte. Und auch das Klima tat mir gut. Zum ersten Mal war von meinen Allergieanfällen keine Spur. Es war wunderschön. Aber frei fühlte ich mich da noch nicht. 

Zu Beginn suchte ich Anschluss an diverse Gruppen und Safaris, bemerkte jedoch schnell, dass dies nicht mein Weg war. Das pompöse Zelt mit allem Luxus fühlte sich wie ein Fremdkörper in dieser ursprünglichen Welt an. Irgendwann konnte ich nicht mehr im Bett schlafen. Am Morgen war ich die Einzige, die mit tiefen Augenringen zum opulenten Frühstücksbuffet schlurfte. Essen wie zu Hause: Kaffee, Honig, Wurst, Marmelade und Käse. Essen wie in Amerika: Baked Beans, Rührei, Speck, Schinken und Muffins. Mit einem Ruck fegte ich die Muffins vom Tablett und lief aus dem Zelt. Draußen setzte ich mich in den heißen Sand und beobachtete die Tour-Guides in ihren weißen Gewändern. Kemal, hockte sich zu mir. 

„Das ist nicht das Afrika, das ich erleben wollte.“

Kemal nickte. „Was willst du?“ 

„Ich will das Leben aufsaugen, inhalieren. Die Menschen hier kennenlernen, sie begreifen, das Land erleben, es fühlen, mich selbst spüren.“

Es war mein letzter Abend im Ressort. 

Einen Monat später, nach einer beschwerlichen Reise mit vielen Höhen und Tiefen, kam ich im Tschad an. Die Nomaden nahmen mich auf. Ich fügte mich rasch in den Stamm ein, wohnte bei einer Familie in deren Lederzelt, lernte Taguella zu backen, das Brot der Tuareg, und Kamele zu melken. Mit Wasser verdünnt wurde diese Milch zum Essen getrunken. Die Reste ließen wir in ged??n, Holzschalen verschiedener Größe, offen stehen, wo sie vergoren. Die Familie hatte zwei Ziegen, aus deren Milch wir Butter und Käse zubereiteten. 

Abseits der Arbeit schrieb ich an meinem Buch, wie ich es vorgehabt hatte, fühlte mich endlich frei und war glücklich. 

Bis zu jenem Tag, an dem dieses Pärchen in unsere Siedlung kam. Rachel und Ben waren angeblich zuvor beim Glamping gewesen. „Dann wurde eines Nachts alles aus unseren Zimmern gestohlen.“ Rachel kratzte sich an der Wange, die bereits blutverkrustet war. „Reisepass, Geld, Handy. Als wir am nächsten Tag zum Frühstück gehen wollten, war es so ruhig, und dann haben wir es gesehen.“ Rachel schluchzte an Bens Brust. Dabei fiel mir auf, dass ihr am Hinterkopf ein Büschel Haare fehlte. 

Ben fuhr fort: „Alle Gäste waren tot. Abgeschlachtet. Sie lagen in ihrem eigenen Blut. Wir konnten nichts mehr für sie tun. Der Gestank … Es war furchtbar.“

Ich ahnte von Anfang an, dass die beiden nicht die ganze Wahrheit sagten, irgendwas an ihrer Geschichte war seltsam unglaubwürdig. „Wieso haben Sie überlebt?“

Beide drucksten eine Weile herum, dann brach Rachel das Schweigen: „Wir waren nicht in unserem Zelt. Es war heiß, wir haben hinter einem Busch … Wir sind dort auch eingeschlafen.“

Mit den Amis kam das Grauen über unseren Stamm.

Leseprobe: Green Reset

Auszug aus „Green Reset“ von Jennifer B. Wind

 

Manchmal bin ich so glücklich, dass ich es mit der Angst zu tun bekomme, ich könnte in einer Matrix gefangen sein, die mir diese wunderbare Welt nur vorgaukelt. Dass alles nicht echt ist. Dass Adam nur ein Hologramm ist wie alle anderen Menschen hier und ich eigentlich alleine auf einem Raumschiff lebe, das mich glauben lässt, ich wäre auf der Erde. Dann bekomme ich Panik, ich könnte jederzeit aufwachen und wieder in der eigentlichen Welt im Jahre 2022 landen. 

Nach einem kleinen Tanz verabschieden sich alle von uns. Adam und ich bleiben zurück. Nia und Koni tapsen herein. Koni legt sich wie immer vor unser Bett, während Nia es sich an der Fußseite auf dem Bett gemütlich macht. Das stört Adam und mich nicht bei unserem Abendritual. 

Wie jeden Tag schlafe ich danach satt ein, in jeder Hinsicht.

Ich höre das Rattern von Maschinengewehren. Das Schreien von Menschen, die aus ihren Häusern gezerrt werden. Ich sehe brennende Bäume, graue Asche auf Menschen. Oh Gott, wo bin ich? Ich kann nicht atmen. Hastig greife ich mir an den Hals, er fühlt sich an wie zugeklebt. Manisch schlage ich um mich und wache schweißgebadet auf.

Mein Puls rast und ich ringe nach Luft. Meine Haut brennt. Ich bin allein in der Matrix, draußen herrscht immer noch Krieg, Menschen gegen Menschen, Menschen gegen Tiere, Menschen gegen die Erde. 

Vor meinen immer noch geschlossenen Augen blitzen Bilder auf: tote Elefanten, blutende Rhinozerosse, brennende Wälder, verkohlte Koalas, sterbende Wale, Plastik in Vogelmägen, Küken im Schredder, Affen in Käfigen, Schweine dicht an dicht, die sich gegenseitig die Schwänze abknabbern, tote Meere, vermüllte Wiesen, schlickig-gelbe Flüsse, versmogte Städte, marschierende Soldaten, Atompilze, hungernde Kinder, maskierte Gesichter, stapelweise Särge, verkrüppelte Embryos in einem Eimer, auf dem Bauch liegende Menschen an Atemgeräten, zerbombte Häuser, weinende Menschen in kleinen Schlauchbooten auf hoher See … alles Leid der Welt auf einmal. Die Bilder blitzen wie im Zeitraffer durch. Schneller, immer schneller. Es pocht in meinem Kopf. Ich ertrage es nicht. 

»Aufhören!« Ich schreie und wage es gleichzeitig nicht, meine Augen zu öffnen.

Gewinnspiel

Verlost werden 2 Buchboxen mit signiertem Taschenbuch und nachhaltigem Überraschungsinhalt.

Frage: Was würdest du tun, wenn du für ein Jahr lang die Macht über alle Länder der Erde hättest?

Maile bitte bis 10. Mai 2022 hierhin.

Termine

Wann Was Wo
18. Mai 22
19:00 Uhr
Morde - literarisch humorvoll serviert von Ingrid Noll & Claudia Schmid Haus der Bildung
74523 Schwäbisch Hall
19. Mai 22
18:00 Uhr
Auch Bullen schreiben Krimis - Der Spagat zwischen Realität & Fiktion
Podiumsveranstaltung/Moderation Sandra Lüpkes, mit Dieter Aurass, Jörg Schmitt-Kilian, Klaus Stickelbröck, Carsten Schütte und
VHS Iserlohn
58644 Iserlohn