Sturm über den Highlands

Sturm über den Highlands

Kriminalroman

Emons Verlag

Taschenbuch
April 2022
sofort lieferbar
ISBN 9783740813604
13,– € [D], SFr. 18,70 [CH], 13,40 € [A]
     
Schatten über Schottlands wilder Schönheit

Douglas MacKeith macht auf seiner Farm in Caithness eine erschütternde Entdeckung: Einige seiner Schafe wurden brutal getötet. Alison Dexter, private Ermittlerin aus Inverness und Freundin der Familie, reist in den Norden Schottlands, um vor Ort zu recherchieren. Unterwegs nimmt sie die Backpackerin Kimberly mit, nicht ahnend, dass sie mit der jungen Frau noch mehr Unruhe in ihr einstiges Heimatdorf bringt. Dann erschüttert ein weiteres Verbrechen die Dorfbewohner – doch dieses Mal hat es der Täter nicht auf Schafe abgesehen...
Sybille Baecker
© Hans Haller| buchszene.de

Sybille Baecker

Sybille Baecker ist gebürtige Niedersächsin und Wahlschwäbin. Ihr Herz schlägt für die Highlands und die rauen Küsten Schottlands, die sie immer wieder gern und ausgiebig bereist. Ebenso hegt sie ein Faible für den (Scotch) Whisky.

Die Fachfrau für »Whisky & Crime« ist Autorin der erfolgreichen Krimiserie um den Kommissar und Whiskyfreund Andreas Brander, der bereits zahlreiche Fälle in "The Länd" rund um die Universitätsstadt Tübingen aufklären konnte.

Doch auch in Schottland geht sie mittlerweile auf Tätersuche. Hier nimmt in den nördlichen Highlands die Privatdetektivin Alison Dexter die Ermittlungen auf.

2020 wurde Baecker für ein Krimiprojekt mit dem Arbeitsstipendium der Mörderischen Schwestern e.V.  ausgezeichnet.

Ein exklusives Interview mit der Autorin

Dein Sehnsuchtsort?

Antwort: Der aktuelle Krimi lässt es erahnen: Schottlands Nordküste – ich liebe diese raue, karge Landschaft.

 

Dein Lieblingsgetränk?

Antwort: Da wir gerade in Schottland sind: Zu besonderen Anlässen gern mal einen guten Scotch Whisky. Tagsüber tut’s auch ein Tee.

 

Wo schreibst du am liebsten?

Antwort: Ganz unspektakulär – zu Hause an meinem Schreibtisch.

 

Was erwartet deine Leser*innen in deinen Krimi - cozy, thrill, …?

Antwort: Eher cozy, was nicht heißt, dass es in meinen Krimis nicht auch mal zur Sache gehen kann. Aber ich bin kein Fan von ausschweifenden Beschreibungen von Gewaltszenen. Für mich steht die Ermittlung im Vordergrund – die Frage: Was und wer steckt hinter einer Tat? Und zwischendurch darf gern auch mal geschmunzelt werden.

Leseprobe

Das Schaf war tot. Der Regen hatte das Blut, das aus der aufgeschnittenen Kehle geflossen war, in den weichen Boden gespült. Noch immer tröpfelte leichter Nieselregen auf das Fell. Der Mai war kalt und feucht. Douglas MacKeith starrte auf das tote Tier zu seinen Füßen. Es lag auf der Seite, die Klauen hatten die Erde aufgewühlt, ein Vogel hatte dem Schaf ein Auge ausgepickt. Der Geruch von Dung und nasser Wolle hing in der Luft.

  »Wer macht so etwas?« Tiefe Furchen bildeten sich im Gesicht des Sechzigjährigen. Er war groß, sein Körper drahtig, mit sehnigen Muskeln von der jahrelangen harten Arbeit. Der Wind strich durch sein graues Haar und den kurzen Bart aus schwarzen und grauen Stoppeln. Die braunen Augen blickten betrübt auf das Elend.

  »Ich hab dich sofort angerufen, als ich es entdeckt habe.« Conor Greenless war ebenso alt wie Douglas. Sie kannten sich seit Kindertagen. Der Mann stand neben ihm, die Hände in den Taschen seiner verschlissenen Waxcotton-Jacke vergraben, die Schultern hochgezogen. Er war kleiner, leicht untersetzt, Wangen und Nase waren gerötet und von Äderchen durchzogen. »Eine Sauerei ist das, eine elende Sauerei.«

  Douglas' Blick schweifte über die Weide, die in leichten Wellen bergab bis zur Kante der Klippen verlief. Die Herde graste in sicherer Entfernung. Kleine Grüppchen – Mutterschafe mit ihren Lämmern. In der Ferne sah er auf dem Pentland Firth die Fähre von Scrabster zu den Orkney-Inseln übersetzen. Möwen ließen sich vom Wind tragen und kreischten über ihren Köpfen.

  »Kannst du mal mit anpacken?«

  »Was willst du machen?«

  »Ich kann sie nicht hier liegen lassen.« Douglas deutete mit dem Kopf auf seinen in die Jahre gekommenen Land Rover.

  Gemeinsam hievten sie das tote Schaf auf die Ladefläche.

  »Du solltest das anzeigen«, riet Conor ihm.

  »Und dann?« Douglas schnaufte abfällig. »Irgendwelche besoffenen Rowdys haben sich einen üblen Spaß erlaubt. Ich find schon raus, wer's war, und dann wird er die Rechnung dafür bekommen.«

  Conor sah ihn stirnrunzelnd an.

  »Danke, dass du mir gleich Bescheid gegeben hast.« Fleisch und Fell würde er nicht verwerten können, aber ein totes Tier beunruhigte die Herde. Und Stress war nicht gut für seine Schafe. Douglas öffnete die Wagentür, und Trevor sprang heraus. Der schwarz-weiß gefleckte Border Collie trippelte aufgeregt hechelnd um ihn herum. »Ich dreh eine Runde, muss schauen, ob der Rest der Herde okay ist.«

  »Soll ich dich begleiten?«

  »Nein, lass gut sein.«

  Douglas sah Conor hinterher, der in seinen alten Nissan stieg und über die holprige Weide davonfuhr. Er klopfte kurz an sein Hosenbein, sodass der Hund an seine Seite trabte, und begann seinen Rundgang.