Trugbilder

Trugbilder

Angermüllers 11. Fall

Gmeiner-Verlag

Taschenbuch
2021, Juli 2021
sofort lieferbar
ISBN 9783839227909
14,– € [D], SFr. 20,90 [CH], 14,40 € [A]
     
„Tonya ist eine erfolgreiche Influencerin“, erzählt die Mutter von Kommissar Angermüllers Nachbarin. Sie sorgt sich, weil ihre Tochter längst von einer Reise zurück sein wollte. Als in einem geschlossenen Strandbad am Pönitzer See eine verbrannte Frauenleiche entdeckt wird, ist Angermüller alarmiert. Doch es ist nicht seine Nachbarin. Sein erster großer Fall nach dem Sabbatjahr verlangt dem Kommissar einiges ab und auch in seinem Privatleben gibt es neue Verwicklungen. Wie gut, dass er sich des Öfteren den ganzen Frust von der Seele kochen kann.
Ella Danz

Ella Danz

Ella Danz, gebürtige Oberfränkin, lebt seit ihrem Publizistikstudium in Berlin, wo sie lange Jahre beruflich in der Ökobranche engagiert war. Mittlerweile ist sie als freie Autorin tätig. Neben dem Krimischreiben gilt ihre Leidenschaft – sie gehört der weltweiten Slow Food Bewegung an - der Pflege einer nachhaltigen, genussvollen Esskultur. Diese wird in ihren Romanen denn auch ausgiebig zelebriert, und eine spannende Handlung mit kulinarischen Genüssen zu köstlichen Gourmet-Krimis verbunden – klassischen Whodunnits, deren Stil und Atmosphäre gern mit denen Agatha Christies verglichen werden.
„Osterfeuer“, ihr erster Krimi aus der Reihe mit dem Feinschmecker und Kommissar Georg Angermüller, erschien 2006 im Gmeiner Verlag, 2007 folgte „Steilufer“, 2008 "Nebelschleier". Und auch im aktuellen Band „Trugbilder“ (Juli 2021), Angermüllers 11. Fall, findet der interessierte Leser im Anhang die Rezepte aus der Geschichte zum Nachkochen.
Neben dem Syndikat ist Ella Danz auch Mitglied im Netzwerk der „Mörderischen Schwestern“.

Einige Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Ella Danz:

Einige Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Ella Danz:

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?

Ich habe zwei: Schreiben und Kochen. Die haben viel gemeinsam. Beides ist Arbeit, manchmal sehr anstrengend, aber immer erfüllend. Und letztlich obliegt es der Köchin/Autorin aus den unterschiedlichen Zutaten etwas Spannendes, Verlockendes zu komponieren. Weder darf man ein Gericht versalzen, noch darf es zu lasch sein, eine gewisse Schärfe ist nicht schlecht und letztlich sollte es beim Essen Genuss bereiten – wie ein guter Krimi beim Lesen.

Was steht am Anfang, wenn du einen neuen Krimi schreibst?

Es sind oft Orte, die mich inspirieren, oft sehr idyllische Orte. Ein Gutshaus auf dem Land, ein alter Verladeturm am Oderstrand oder wie in „Trugbilder“ ein See, an dessen Ufern ein kleiner Ort  und gegenüber ein nettes Café liegen. Und dann passiert ein Mord,  der den vermeintlichen Frieden zerstört. Wer ist das Opfer, warum grade hier, wo finde ich den Täter, was ist das Motiv? Angermüller beginnt zu ermitteln und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Was tust du am liebsten, um nach einem anstrengenden Tag abzuschalten?

Ich geh – ihr ahnt es schon - in meine Küche, gieße mir ein Glas Negroamaro ein und werde kreativ, denn Kochen wirkt auf mich wunderbar entspannend. Gemüse schneiden, Fleisch oder Fisch schmoren, Nudelteig herstellen, einen köstlichen Nachtisch zubereiten macht mir großen Spaß. Die Gerüche, die Geschmäcker, wie sich ein Hefeteig anfühlt –  wie aus  guten Zutaten ein neues, schmackhaftes Ganzes entsteht, das ist Magie. Man würzt und schmeckt ab, stellt sich das Endergebnis vor und freut sich auf die glücklichen Gesichter der Esser. Ich weiß jetzt gar nicht, ob der Angermüller diese Leidenschaft von mir übernommen hat oder ich von ihm…?

Leseprobe

Unwillkürlich war Angermüller stehen geblieben,

um sich einen ersten Eindruck von der Szenerie zu verschaffen.

Im Sommer war dies hier sicher eine beliebte

Badestelle voller Erholungssuchender und planschender

Kinder, aber um diese Jahreszeit ein sehr einsamer Platz.

Und genau deshalb hatte sich jemand diesen Ort ausgesucht,

um etwas zu tun, das niemand bemerken sollte.

Er straffte sich und sah zu Jansen, der ebenfalls neben

ihm verharrt hatte.

…Sie waren an der äußeren Ecke

der mit Steinplatten ausgelegten Umrandung vor den

Umkleidekabinen angelangt, wo Doktor Steffen von

Schmidt-Elm hockte und konzentriert seiner Arbeit

nachging. Erst jetzt konnten die Kommissare ausmachen,

was vor dem Rechtsmediziner lag. Beide stoppten

gleichzeitig und starrten auf das gespenstisch anmutende

Wesen. Der Anblick löste bei Angermüller mehr

als Unbehagen aus. Schließlich räusperte er sich.

»Grüß dich, Steffen! Noch gar nicht richtig angekommen,

schon wieder im Dienst.«

»Wat mutt, dat mutt. Grüß dich, Schorsch, hallo, Jansen.

Mit einem kurzen Lächeln begrüßte Schmidt-Elm die

Kommissare. Er war der Einzige hier, der die fränkische

Version von Angermüllers Vornamen benutzte.

»Puh, schon ein bisschen heftig als Wiedereinstieg«,

meinte Angermüller mit Blick auf die menschlichen

Überreste, an denen Steffen gerade erste Untersuchungen

vornahm: ein schwarzer Schädel ohne Haare, der

Mund mit seinen zwei Reihen Zähnen geöffnet wie zu

einem Grinsen, die schwarzen gebeugten Arme wie gestikulierend

in die Luft gereckt.

»Da stimme ich dir zu«, bestätigte Steffen und rückte

seine Lesebrille zurecht.

»Magst du schon irgendwelche Erkenntnisse weitergeben?

«, fragte Angermüller, auch wenn er befürchtete,

dass es noch nicht viel sein konnte, und der Rechtsmediziner

es ohnehin vorzog, seine Befunde erst durch die

Obduktion zu verifizieren.

»Ich kann euch nur zum Offensichtlichen etwas sagen.

Man gedachte, diesen Körper zu verbrennen, was sehr

hohe Temperaturen, gute Belüftung und einen wirksamen

Brandbeschleuniger in ausreichender Menge benötigt.

Davon hat man sicher was auf das Opfer geschüttet,

am Kopf angefangen, der ja sehr stark betroffen ist.

Auch der Oberkörper wurde damit übergossen, und da

es sich um eine schlanke Person handelt, haben wir diese

typische sogenannte Fechterstellung aufgrund der durch

die Hitze verkürzten Muskeln und Sehnen.«

Steffen wies auf die so geisterhaft ins Leere greifenden

Arme des Leichnams.

»Doch insgesamt reichte die Menge Brandbeschleuniger

nicht aus, denn wie ihr seht, ist der Körper von den

Knien abwärts noch einigermaßen unversehrt.«

Den Anblick der zierlichen Füße mit den lackierten

Nägeln fand Angermüller fast am schlimmsten, und er

schaute schnell woanders hin. Es war ein so eindeutiger

Hinweis auf ein Leben, das abrupt und gegen den Willen

des Individuums beendet worden war, dass ihn schauderte.