RACHE – Ein Tier in der Falle

RACHE – Ein Tier in der Falle

Ein Stein & Berger Thriller. Folge 4

beTHRILLED - Bastei-Lübbe

Ein Stein & Berger Thriller [4]

120 Seiten
September 2020
sofort lieferbar
ISBN 9783732585359
1,99 € [D], SFr. 0,– [CH], 0,– € [A]
     

Folge 4: Victor Hansens Macht in der Unterwelt schwindet – ein verfeindeter Rockerclub will ihn tot sehen. Hansen macht Kommissarin Laura Stein ein Angebot: Er will über die kriminellen Machenschaften der Rockerbande auspacken, wenn die Kommissarin ihn im Gegenzug aus der Schusslinie nimmt. Doch was hat Hansen wirklich vor? 

 

Über die Serie:

Laura Stein ist eine Getriebene. Die junge Kommissarin ging als Jugendliche durch die Hölle und überlebte. Aber die Vergangenheit verfolgt sie bis heute. Unerbittlich jagt sie seit Jahren dem Gangsterboss Victor Hansen hinterher. Um ihn zu stellen, ist ihr jedes Mittel recht. Selbst wenn sie einen Mörder als V-Mann rekrutieren muss …

RACHE von J. S. Frank alias Joachim Speidel – die sechsteilige Thriller-Serie um Kommissarin Laura Stein und Ex-Gangster Wolf Berger. 

Knallhart, überraschend, nichts für schwache Nerven!

eBooks von beTHRILLED: Mörderisch gute Unterhaltung.

 

Joachim Speidel

Joachim Speidel

 

1960 in Balingen/Württemberg geboren. Studierte Germanistik, Geschichte und Politik »durchaus mit heißem Bemühen«, um anschließend mehr als zwanzig Jahre als Medienlektor zu arbeiten. Schreibt Kurzgeschichten und Romane. Nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis 2013 und 2014 und für den Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb 2017. Stipendiat des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg 2018.

Unter dem Pseudonym J. S. Frank hat er die fünfteilige dystopische Thriller-Serie »SMASH99« beim Verlag Bastei-Lübbe veröffentlicht. Im selben Verlag und unter demselben Pseudonym erscheint ab Juni 2020 die neue sechsteilige Thriller-Serie »RACHE«.

 

Weitere Infos unter:

https://joachim-speidel-autor.blogspot.com/
www.autorenwelt.de/person/joachim-speidel
Facebook: www.facebook.com/JoachimSpeidelAutor/
Instagram: www.instagram.com/joachimspeidel/

Leseprobe

1 DAS ATTENTAT

DONNERSTAG, 07. JANUAR

Jemand schüttelte Vicotor Hansen unsanft an der Schulter. Er tauchte ause einem tiefen, traumlosen Schlaf empor. Widerwillig. Sein erster Reflex – zuschlagen. Doch sein Körper war noch schwer wie ein Vierzigtonner, die Hand wollte sich nicht zur Faust ballen.

Zudem hörte er die Stimme seiner Frau am Ohr. Sie flüsterte: »Victor, wach auf. Da stimmt was nicht.«

Er öffnete die Augen. Hatte ihr Gesicht über sich. Sie sah besorgt auf ihn hinunter.

»Was’n los?«, fragte er.

»Ich glaube, da ist jemand im Garten.«

Victor Hansen brauchte eine Weile, bis er die Worte richtig einordnen konnte.

Er schaute auf den Radiowecker. Acht Uhr sieben. Sie lagen noch im Bett, Lizzie und er waren lange auf gewesen. Die Kinder, Otis und Sarah, schliefen noch. Nächstes Jahr würde es ernst werden. Jedenfalls für Otis. Dann hieß es Schule. Er sollte die Zeit bis dahin noch genießen.

»Hast du was gehört?«, fragte er seine Frau, zu seiner eigenen Verwunderung ebenfalls flüsternd.

»Ich weiß nicht«, sagte sie. »So was wie Schritte. Oder wie wenn jemand sich unterhält.«

Victor Hansen war auf einmal hellwach. Er drehte sich im Bett, einem Boxspring-Bett, ein Herzenswunsch seiner Frau, bis er halb auf dem Bauch, halb auf der Seite lag, und suchte mit der Hand zwischen Matratze und Bettrahmen nach seiner Waffe. Einer Glock, Kaliber 45.

Er wollte keine Waffe im Nachttisch deponieren. Sie könnte viel zu leicht von viel zu neugierigen Menschen inklusive seiner Kinder dort gefunden werden. Nachdem Lizzie sich mit dem Boxspringbett durchgesetzt hatte, hatte er sich unter die Matratze eine kleine Tasche für die Pistole nähen lassen.

»Was machst du da?«, fragte Lizzie. An der Stirn und an den Schläfen stachen pochende dunkelblaue Adern hervor.

»Sekunde«, sagte er.

Seine Hand fühlte den kalten Stahl, im nächsten Moment hatte er die Waffe in der Hand.

Lizzie strich sich mit zitternden Fingern die blonden Haare aus dem Gesicht.

Er legte den Zeigefinger auf die Lippen. Beide lauschten. Beide blickten hinüber zum Fenster. Die Rollläden waren heruntergelassen. Durch die Lüftungsschlitze drang das Licht der Morgensonne.

Baukompressoren fingen an zu dröhnen und zu wummern. Sekunden verstrichen. Dann wurde der erste Presslufthammer gestartet. Der nächste folgte, und schon bald erzeugte eine ganze Armee an Bohr- und Abbruchhämmern einen kakofonen Lärm.

Das Haus der Hansens fing an zu beben.

»Scheiße, verfluchte«, murrte Victor Hansen. »Das kann doch nicht sein. Wollen die Idioten etwa die Lehmann-Villa heute abreißen?«

Die Lehmann-Villa befand sich gute fünfzig Meter entfernt von ihnen. Beide Häuser lagen weit außerhalb der Stadt, nahe einem Naturschutzgebiet, nur erreichbar durch eine einspurige Straße. Die Villa war ein Gebäude, das nie fertiggestellt worden war. Die Tochter des Großindustriellen Lehmann hatte es sich in den Kopf gesetzt, auch hier im Grünen ein Domizil zu errichten. Am Ende war ihr alles zu viel geworden, sie schmiss hin, und die Villa blieb als Rohbau stehen und verschandelte die Natur.

»Hast du etwas gehört, dass die Villa bald plattgemacht wird?«, fragte Hansen.

Seine Frau schüttelte den Kopf. »Hätte man uns nicht vorher fragen müssen? Ich meine, bevor die ganze Abbruchindustrie hier anrückt?«

»Keine Ahnung«, sagte Hansen und merkte, wie er sich langsam wieder entspannte. »Kenn mich nicht so aus mit dem, was die Abbruchunternehmen machen müssen oder nicht. Anständig wär’s aber gewesen.«

»Jetzt sind die Kinder auch wach«, seufzte seine Frau, die sich wieder aufs Bett zurücksinken ließ. »Wenn sie es nicht schon vorher waren.«

»Scheiße«, murrte Hansen und verstaute die Waffe wieder unter der Matratze.

Im nächsten Moment explodierten die Rollläden, die Fensterscheiben platzten. Kugeln stanzten Löcher in die Wände des Schlafzimmers, rissen den Verputz herab, die Reproduktion des Klimt-Gemäldes »Der Kuss« wurde zerfetzt, der Rahmen splitterte, das Bild krachte zu Boden.

Lizzie Hansens Schminktisch wurde durchlöchert, der Schminkspiegel zerbarst in tausend Teile.

Schubladen wurden zerfetzt. Holzstücke wurden aus dem Möbel gerissen …