Trümmermädchen
Lioba Werrelmann

Trümmermädchen

Annas Traum vom Glück
November 2020
ISBN 9783548063416
10,99 € [D]
     

Lioba Werrelmann alias "LIlly Bernstein":

Eine zerstörte Bäckerei in einer zerbombten Stadt. Ein eisiger Winter, der tausende Opfer fordert. Und mittendrin zwei Frauen, die ums Überleben kämpfen, um die Liebe und die Erfüllung ihres Traums

Köln, 1941. Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.

Lioba Werrelmann

Lioba Werrelmann wurde 1970 als mittleres von drei Bäckerskindern im Rheinland geboren. Sie studierte Politikwissenschaft, Staatsrecht und Germanistik, volontierte beim WDR und arbeitete als Radiomoderatorin und Fernsehautorin. Viele Jahre berichtete sie als Hauptstadtkorrespondentin für den ARD-Hörfunk aus Berlin.

2014 erschien ihr autobiographisches Sachbuch "Stellen Sie sich nicht so an!", in dem sie erzählt, wie ihr angeborener Herzfehler sie mitten im Leben zu einer Vollbremsung zwang.

Danach wollte sie so krasse Geschichten lieber nur noch erfinden, und weil sie Krimis liebt und Berlin vermisst, schrieb sie den Berlin-Krimi "Hinterhaus" - und gewann damit den GLAUSER-Preis als bestes deutschsprachiges Debüt.

Im Dezember 2019 erschien ihr erster Roman. "Erzähl mir was Schönes" ist eine Hommage an die Freundschaft.

Unter dem Pseudonym Lilly Bernstein veröffentlicht Lioba Werrelmann im November 2020 ihren ersten historischen Roman. "Trümmermädchen" spielt im Nachkriegsköln und erzählt die Geschichte einer Bäckersfamilie. "Dieser Roman", sagt die Autorin, "atmet den Duft meiner Kindheit."

 

Pressestimmen

„`Trümmermädchen´ ist ein spannender, anrührender, dazu noch lehrreicher Roman mit liebevoll gezeichneten Charakteren vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges. (...) Ein Wahnsinnsbuch.“ Die Rezensentin, 22. November 2020

„Ein gut recherchiertes Buch, das zugleich voller Herzenswärme steckt.“ Kölnische Rundschau, 24. November 2020

„Dicht und vollkommen unkitschig erzählt.“ Schleswig Holsteinischer Zeitungsverlag, 28./29. November 2020

Gewinnspiel!

Im „Trümmermädchen“ kämpfen Anna und Marie um die Rettung ihrer Bäckerei in der Kölner Altstadt. Trotz aller Gefahren und Entbehrungen geben sie niemals die Hoffnung auf, dass sie eines Tages den uralten Holzofen wieder anfeuern, und dass ein himmlischer Geruch durch die engen Gassen wehen wird – der von frisch gebackenem Brot und köstlichem Gebäck.

Das SYNDIKAT und die Autorin Lioba Werrelmann alias Lilly Bernstein verlosen fünf signierte Exemplare des „Trümmermädchens“.

Was ihr dafür tun müsst? Schickt ein teuflisch leckeres (Weihnachts-)Backrezept hierhin

            Einsendeschluss ist der 15. Januar.

Interview der SYNDIKATs-Redaktion mit der Autorin

Wo schreibst du am liebsten?

Antwort: Überall, wo es still ist. Am liebsten an meinem Schreibtisch mit Blick in den Garten, wo ich nur ab und zu aufstehe, um meine Katzen hinein und hinaus zu lassen.

Warum bist du im SYNDIKAT?

Antwort: Weil es im Verlagsgeschäft manchmal ziemlich krass zugeht, und da ist es wundervoll, sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

Dein Lieblingswort?

Antwort: Tispetak.            

Dein Sehnsuchtsort?

Antwort: Hiddensee.           

Dein Lieblingsgetränk?

Antwort: Hauptsache warm und süß.          

Dein Lieblingsmord?

Antwort: Der, der niemals als solcher erkannt wird.          

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Antwort: Die gibt es nicht. Wenn ich überhaupt etwas hasse, dann sind es die, die meinen, nichts fragen zu müssen, weil sie glauben, schon alles zu wissen.

Leseprobe

Es war der Duft, der sie geweckt hatte. Keine heulende Sirene. Keine Hände, die nach ihr griffen. Kein hastiges Zerren die Treppe hinab. An diesem frühen, stillen Morgen war es einfach nur der Duft, der Anna geweckt hatte. So vertraut, so köstlich.

Es war der schwere, ein wenig saure Geruch von frisch gebackenem Schwarzbrot. Anna liebte Schwarzbrot. Allein bei dem Gedanken an die großen Laibe, die in der Hitze des Ofens vor sich hin waberten, seufzte sie wohlig. Schwarzbrot! Das backte Onkel Matthias nur einmal in der Woche. Heute musste ihr Glückstag sein! Kein Alarm, und dann auch noch Schwarzbrot. Es brauchte fast zwei Stunden, bis es fertig ausgebacken war. Anna war erst elf, aber es gab vieles, was sie schon wusste. Zwei Stunden volle Hitze! Wie viele Briketts dafür wohl nötig waren? Sie würde später Onkel Matthias fragen.

Anna rutschte ein bisschen tiefer ins Bett, so tief, dass ihre nackten Füße die Wand erreichten. Hmmm. „Niemals mehr kalte Füße“, hatte Tante Marie gelacht, als sie in dieses Zimmer gezogen waren, damals, nachdem sie nicht mehr oben bei den Kohns hatten wohnen dürfen. In der engen Kammer unter dem Dach hatten sie im Winter gefroren wie die Schneider. Hier aber, direkt über der Backstube, war es immer herrlich warm. Dafür sorgte der Kamin, der mitten durch den schmalen Raum hindurchging. Anna presste ihre Fußsohlen gegen die Wand. Himmlisch fühlte sich das an. Auch jetzt, im Sommer, konnte sie nie genug davon bekommen. Und Tante Marie hatte natürlich recht behalten. Anna hatte niemals mehr kalte Füße, denn der Ofen bullerte Tag und Nacht.

Sie konnte das Bullern spüren. Es fühlte sich an, als würde ein Riese das ganze Zimmer vorsichtig in seiner Hand hin und her wiegen, mit allem, was darin war, mit dem Bett und der kleinen Kommode und natürlich mit Anna. Dieses Wiegen, dieses sanfte Vibrieren – das war das Feuer, das direkt unter dem Zimmer im Ofen loderte und das Onkel Matthias niemals ausgehen ließ.

Zum Duft des Schwarzbrots gesellte sich nun ein weiterer Geruch. Anna kniff die Augen fest zusammen, sie schnupperte. Dieser Duft war nicht ganz so schwer, und er war nicht ganz so sauer. Er war ein wenig sanfter, doch zugleich durchdringend und schlängelte sich zu ihr hinauf ins Zimmer, strömte durch jede Ritze. Graubrot. So roch Graubrot. Anna lächelte. Und über allem drüber schwebte, ganz leicht und doch unverkennbar, der Duft von frisch gebackenen Brötchen. Kross war dieser Duft und so luftig, dass er gleich weiterschwebte, hinaus in den Hof und durch die enge Gasse.