RACHE - Der Informant
Joachim Speidel

RACHE - Der Informant

Folge 1

Bastei Lübbe Entertainment

RACHE [1]

Juni 2020
sofort lieferbar
ISBN 9783732585328
1,99 € [D]
     

Laura Stein ist eine Getriebene. Die junge Kommissarin ging als Jugendliche durch die Hölle und überlebte. Aber die Vergangenheit verfolgt sie bis heute. Unerbittlich jagt sie seit Jahren dem Gangsterboss Victor Hansen hinterher. Um ihn zu stellen, ist ihr jedes Mittel recht. Selbst wenn sie einen Mörder als V-Mann rekrutieren muss …

 

Folge 1: Einunddreißig junge ukrainische Frauen verschwinden spurlos an der polnisch-deutschen Grenze. Jahre später meldet sich ein Kronzeuge bei Laura Stein – er ist bereit, gegen seinen Boss Victor Hansen auszusagen. Der einstige Unterwelt-Boss ist längst in der feinen Gesellschaft angelangt. Doch die Aktion misslingt. Laura muss auf Plan B zurückgreifen: Wolf Berger, Hansens ehemaliger Mann fürs Grobe, frisch aus der Haft entlassen …

 

RACHE – die sechsteilige Thriller-Serie um Kommissarin Laura Stein und Ex-Gangster Wolf Berger. Knallhart, überraschend, nichts für schwache Nerven!

eBooks von beTHRILLED: Mörderisch gute Unterhaltung.

Joachim Speidel

Joachim Speidel

1960 in Balingen/Württemberg geboren. Studierte Germanistik, Geschichte und Politik »durchaus mit heißem Bemühen«, um anschließend mehr als zwanzig Jahre als Medienlektor zu arbeiten. Schreibt Kurzgeschichten und Romane. Nominiert für den Agatha-Christie-Krimipreis 2013 und 2014 und für den Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb 2017. Stipendiat des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg 2018.

Unter dem Pseudonym J. S. Frank hat er die fünfteilige dystopische Thriller-Serie »SMASH99« beim Verlag Bastei-Lübbe veröffentlicht. Im selben Verlag und unter demselben Pseudonym erscheint ab Juni 2020 die neue sechsteilige Thriller-Serie »RACHE«.

Leseprobe

1  WENN DU FRIEDEN WILLST …

MITTWOCH, 16. SEPTEMBER, 18:27 Uhr

»Ich bin tot«, murmelter der Mann, der mit dem Rücken an der Wand auf dem fleckigen Bett saß.

Ganz langsam schob er sich den Lauf der Parabellum 08 in den Mund, während er die LKA-Beamtin Laura Stein mit weitaufgerissenen Augen anstarrte.

»Was soll der Bullshit?«, sagte Laura. »Was, verdammt noch mal, machst du da?«  Ihre Dienstwaffe, die sie mit beiden Händen umfasst hielt, war auf ihn gerichtet.

Seine Kiefer und Lippen begannen zu arbeiten, aber er brachte nur ein undeutliches Gurgeln hervor.

»Ich versteh kein Wort!«, bellte sie ihn an. »Kein einziges beschissenes Wort!«

Nur das Summer der fetten Stubenfliegen war in dem stickigen Zimmer zu hören.

Im nächsten Moment fing der Mann wieder an zu gurgeln.

Er hatte eine fleckige, löchrige Unterhose an. Ansonsten war er nackt. Sein Körper ein speckig glänzender Fleischberg mit Blutergüssen und Schürfwunden. Das Bett, auf dem er saß, ein schiefes Metallgestell mit einer Matratze, die so aussah, als wäre sie durch einen Abwasserkanal gezogen worden.

Laura verfluchte sich schon, überhaupt hergekommen zu sein. In dieses Derecksloch.

Sie kannte den Mann. Slatan Mihajlowic. Serbe. Nach dem Krieg auf dem Balkan war er als junger Mann nach Deutschland gekommen. Hatte mit Drogen gedealt und irgendwann das Zeug, das er vertickte, auch selbst geschluckt, geraucht, gespritzt. Hatte schließlich einen erfolgreichen Entzug gemacht. Und im Alkohohl seinen neuen Seelentröster gefunden. Der hatte ganze Arbeit geleistet. Der ehemals schlanke Slatan war zu einem wundgelegenen See-Elefanten mutiert. 

Laura spürte, wie die Spannung in ihr langsam nachließ. Vor nicht mal einer Minute hatte sie mit ihrem Kollegen Dennis Thienemann die Wohnung betreten. Die Tür war offen gewesen. Als sie die sonderbaren Geräusche hörten, wussen sie, dass hier etwas nicht stimmte. Sie hatten sich mit gezückten Waffen Zimmer für Zimmer vorgearbeitet und waren schließlich hier gelandet. Hier in diesem nach Pisse und Scheiße riechenden Zimmer.

»Ist der irre?«, flüsterte ihr Dennis zu. Er war fast zwei Meter groß. Ein ehemaliger Landesmeister im Zehnkampf. Eine imposante Erscheinung. Türrahmenfüllend. So leicht durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Außer durch Situationen, in denen er zur Waffe greifen musste. Dann wurde er zum Nervenbündel. Das wusste Laura nur zu gut.

Sie schüttelte den Kopf. Zu Slatan, sagte sie: »Hör mal her, jetzt nimm mal ganz brav die Knarre aus deiner Futterluke und erzähl mir, was los ist. Einverstanden?«

Ein erneutes Gurgeln.

Laura verdrehte die Augen. »Falls du dich nicht mehr daran erinnern solltest, jetzt ganz langsam zum Mitschreiben: Du hast mich vorhin angerufen. Kurz vor meinem wohlverdienten Feierabend. Du wolltest mir was sagen. Was Dringendes. Also, was soll das Theater hier?«

Der Mann riss die wässrigen Augen auf, ließ sie von links nach rechts wandern, als müsse er sich erst vergewissern, dass nicht noch mehr Menschen hier im Zimmer standen, und klappte den Unkerkiefer weit nach unten. Seine Hand zitterte, als er den Lauf der Parabellum aus dem Mund zog.

»Ich bin tot«, wiederholte er mit heiserer Stimme.

»Bist du nicht«, sagte Laura und schüttelte verärgert den Kopf. »Du siehst zwar aus wie eine verdammte Leiche, aber du bist nicht tot.«

»Doch«, sagte der Mann.

»Bist du nicht. Wenn du tot wärst, könntest du nicht reden, du Schwachkopf! Du bist nicht mal am Sterben. Du liegst hier nur in deinem eigenen Dreck und versuchst, mich zu verarschen.«