Getrennte Wege
Heinrich Peuckmann

Getrennte Wege

Lychatz Verlag

März 2020
sofort lieferbar
EAN 3948143056
9,95 € [D]
     

Plötzlich wird auf Rita Perkau geschossen. Ein Schuss, der sie an der Schulter trifft und schwer verletzt. Für diesen Anschlag auf ihr Leben hat sie einen Verdacht: Sie vermutet, dass ihr Mann eine Geliebte hat, die ihre Rivalin loswerden will, und bittet Ex-Kommissar Völkel um Hilfe. 
Völkel findet heraus, dass Ritas Mann tatsächlich Geheimnisse hat. Aber ob sie ein Grund für einen Mordanschlag sein können? Dann wird auf eine weitere Person geschossen – und wieder ist nur die Schulter verletzt. Völkel folgt der neuen Spur und stößt auf Abgründe, die tief in die Vergangenheit zurückreichen.

Heinrich Peuckmann

Heinrich Peuckmann

Heinrich Peuckmann wurde 1949 in Kamen geboren, wo er noch immer lebt. Aufgewachsen in einer Bergmannsfamilie. Abitur in Unna, Studium der Germanistik, ev. Theologie und Geschichte an der Ruhr Universität in Bochum. Lehrer an einem Gymnasium. Peuckmann ist verheiratet und hat drei Söhne.
Seit 2013 ist Heinrich Peuckmann Mitglied im Präsidium des deutschen PEN.
Seine literarische Arbeit ist sehr vielfältig. Er schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Glossen, pädagogische Artikel. Kleinere Arbeiten auch für das Fernsehen.

„Wieder führt die Handlung in Abgründe menschlichen Verhaltens, in Anpassung an die Gesellschaft, in Widerstand dagegen, vor allem aber in Fanatismus.“  Hellweger Anzeiger, 1.4.20

„In `Getrennte Wege` geht es vor allem um Ziele, die man gehabt hat und die Anpassungen, die sie im Laufe des Lebens erfahren“.  Stadtspiegel, 2.4.20

Interview der SYNDIKATS-Redaktion mit Heinrich Peuckmann

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe alles in meinem Arbeitszimmer mit Blick auf einen schönen, grünen Platz vor meiner Haustür, auf dem es, abgesehen von Kinderrufen, über das ich mich stets freue, sehr ruhig ist.  Hier komme ich selber zur Ruhe, hier entwickeln sich meine Gedanken wie von selbst.  

Was ist dein Lieblingskrimi?

Mein Klassenkamerad Dieter Pfaff, der ein bekannter Schauspieler wurde und nun schon seit einigen Jahren tot ist, kam eines Tages mit einem Krimi von Sjöwall/Waalöö zur Schule. Krimis mit politischem Inhalt, das hat uns damals überzeugt. In dieser Spur bewege ich mich bis heute. Mankell hat sie fortgesetzt.

Wer ist dein Lieblingskollege?

Mein Lieblingskollege ist Klaus Peter Wolf. Wir kennen uns seit Jahrzehnten. Auch in seinen Krimis gibt es Bezüge zur Region, und dabei immer auch zum Ruhrgebiet, aus dem wir beide stammen. Hier lebe ich noch immer, während er zur Nordsee abgewandert ist. Über die Leidenschaft zu Krimis hinaus ist diese Herkunft etwas, das uns verbindet.   

Wo findest du Ruhe?

Ruhe finde ich in meinem Garten, wenn ich unter meiner riesigen Tanne, eine Tasse Kaffee neben mir, selbstvergessen lesen kann.

Wo Aufregung?

Aufgeregt bin ich immer im Stadion des BVB. Ich bin Fan, genau wie mein Kommissar Bernhard Völkel. Ich sitze da gerne mit meinen Söhnen, dann sind wir uns ganz nah. Nach dem Spiel beruhigen wir uns schnell wieder. Fußball ist unsere Freude, aber es gibt Wichtigeres in unserem Leben.

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Vor allem nach einer Lesung hasse ich die Frage: Warum schreiben Sie? Es ist nicht so gemeint, klingt trotzdem wie eine Vernichtung: Warum schreibt so einer wie Sie?   

ACHTUNG Gewinnspiel!

Preisfrage zu einem guten Freund von mir, der kürzlich verstorben ist:

Wie heißt der Torwart, der berühmt wurde durch ein einziges Tor, das gar keines gewesen ist?

Gewinn: Der Erstbeantworter erhält ein Buch mit Porträts von Fußballern, u.a. eines mit diesem Torwart.

Antworten von 3.8. - 9.8. hierhin zu mailen.

 

Leseprobe

Gerade betrat der bekannte Juwelier der Stadt mit seiner Gattin den Garten. Er war der diesjährige Präsident des Rotary-Clubs, in dem auch ihr Mann Mitglied ist. Jetzt wurde es endgültig Zeit, in den Garten zu gehen, der Mann war eitel, wenn er nicht unverzüglich begrüßt wurde, konnte das zur Missstimmung bei ihm und seiner Gattin führen.

Sie lief die drei Stufen zum Rasen hinunter, ging ein paar Schritte in Richtung des Juweliers, da hörte sie plötzlich einen lauten Knall. Wie in Wellen schien sich der Knall über den Garten auszubreiten und betäubte ihr Gehör. Um Gottes Willen, hatte er etwas mit ihrem Fest zu tun? War etwas schiefgelaufen, das alles verderben konnte?

Im selben Moment hörte sie den spitzen Schrei einer Frau und bemerkte die erschrockenen Blicke, die sich auf sich richteten. Was hatte das zu bedeuten? Erst da spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrer rechten Schulter. Sie versuchte, dorthin zu fassen, aber der Schmerz war so heftig, dass ihr schwindlig wurde. Erschrocken blickte sie sich um und sah, dass zwei Frauen in ihrer Nähe entsetzt eine Hand vor ihren Mund hielten, während zwei Männer mit vorgestreckten Armen auf sie zustürzten. Im nächsten Moment spürte sie die Schwäche in ihren Knien und konnte sich, so sehr sie sich auch bemühte, nicht mehr aufrecht halten. Sie stürzte zur Seite und fühlte nur noch, wie eine Hand nach ihrem Arm griff, die sie aber nicht mehr auffangen konnte. Noch bevor sie zu Boden fiel, wurde ihr schwarz vor Augen.

Als nächstes nahm sie ein diffuses Gemurmel um sich herum wahr. Der stechende Schmerz in ihrer Schulter war noch da, aber sie lag weich. Als sie die Augen öffnete, sah sie mehrere Gesichter, die sich über sie beugten. Sie tastete mit der linken Hand nach der Unterlage, auf der sie lag und merkte, dass es das Sofa war. Also war sie hierher getragen worden.

Mit der Zeit nahmen die Gesichter Konturen an. Das vertraute Gesicht war jenes von Robert, dazu hatte sich ein Mann über sie gebeugt, den sie nicht kannte. Er trug eine rote Weste, war er jemand vom Rettungsdienst? Falls das stimmte, musste sie längere Zeit hier gelegen haben. Um Gottes Willen, was war dann mit Roberts Fest passiert? Hatte sie ihm seinen Ehrentag verdorben?

Sie versuchte wieder, zu ihrer Schulter zu greifen, aber der fremde Mann hielt ihre Hand fest.

„Ich habe ihre Schulter verbunden“, sagte er, „es blutet nicht mehr. Ich gebe Ihnen jetzt eine Spritze gegen die Schmerzen, dann bringen wir sie ins Krankenhaus.“

„Ins Krankenhaus? Was ist denn passiert?“

Der Mann antwortete nicht, sondern blickte fragend zu Robert hinüber. 

„Bleib ganz ruhig, Rita“, sagte Robert schnell, „es wird sich alles klären.“

„Was wird sich klären?“

„Warum auf dich geschossen worden ist.“

Geschossen? Jetzt, wo Robert es ausgesprochen hatte, merkte sie, dass sie es längst geahnt hatte. Jemand hatte ihr Gewalt angetan, er hatte es auf ihr Leben abgesehen. Aber warum?

Sie richtete sich ein wenig auf und sah durch das große Fenster hinunter in den Garten. Dort war keiner der Gäste mehr zu sehen, nur die beiden Angestellten trugen benutzte Gläser und Teller zusammen und stellten sie auf den Tisch neben dem Essen. Das Fest also war ausgefallen, Roberts großer Tag war zerstört worden. Und sie, dachte sie, sie trug daran die Schuld, obwohl sie wusste, dass der Gedanke Unsinn war. Sie hatte sich ja nicht selber in die Schulter geschossen. Jemand anderer hatte das getan. Aber warum?