Leiser Tod in Lissabon
Catrin George

Leiser Tod in Lissabon

Emons Verlag

Mai 2020
ISBN 9783740807832
13,– € [D]
     

»Sie mochte den Tod. Ihrer Meinung nach war Sterben das einzig Gültige im Leben.
Nicht umsonst lautete ein portugiesisches Sprichwort: Wir werden geboren, um zu sterben.Eine Weisheit zum Festhalten.«

Ein psychologisch fein gesponnener Kriminalroman mit politischem Zündstoff

ZWISCHEN TEJO UND DEN SIEBEN HÜGELN

Der Hitzesommer hat Portugals Hauptstadt fest im Griff, als ein Toter in der Kirche São Miguel im malerischen Altstadtviertel Alfama gefunden wird. Inspetora-Chefe Dora Monteiro erkennt auf den ersten Blick, dass der Mord nicht zufällig genau an dieser Stelle geschah. Ein vergilbtes Foto führt sie auf die Fährte eines mächtigen, aber seit Jahrzehnten tot geglaubten Mannes. Ist er der Mörder? Je weiter Dora ermittelt, desto
tiefer gerät sie in ein gefährliches Netz aus alten Seilschaften,
die weit in die Geschichte Lissabons zurückreichen ...

 

Catrin  George
© Marion Louca

Catrin George

Autorenprofil Catrin George Ponciano


Catrin George Ponciano ist seit 1999 in Portugal beheimatet und arbeitet als freiberufliche Journalistin und Schriftstellerin. Die ehemalige Küchenchefin ist 1967 in Bielefeld geboren und wagte in Portugal einen zweiten Neuanfang als Autorin. Im Jahre 2006 legte sie das Messer aus der Hand und nennt seither einen Stift ihr Werkzeug.

Die Journalistin veröffentlicht regelmäßig kulturjournalistische Artikel über Land und Leute, Brauchtum und Stätten. Die Metropolen Lissabon und Porto, die Provinzen Algarve und Alentejo, das Herz Portugals sowie die wild raue Südwestküste gehören in ihr redaktionelles und literarisches Repertoire.

Ihre Reisebüchern mit literarischen Nahaufnahmen »Algarve genießen«, »111 Orte an der Algarve die man gesehen haben muss«, sowie die 2021 erscheinenden Titel »Das Lissabon des Fernando Pessoa« und »111 Orte im Alentejo die man gesehen haben muss«, reflektieren die innige Verbundenheit der Autorin zu ihrem Gastland.

In ihrem Debüt Kriminalroman »Leiser Tod in Lissabon« verwebt George Ponciano ihr politisches Hintergrundwissen über Portugal mit emotionalen Rupturen von Zeitzeugen.

Die Landesvertreterin der Deutsch-Portugiesischen-Gesellschaft Berlin e.V. für den Algarve lädt mehrmals pro Jahr ein zu Begegnungen mit der portugiesischen Literatur. Ihre fundierten Kenntnisse über ihre Wahlheimat vermittelt die Autorin auf maßgeschneiderten Literaturreisen in Kooperation mit Buchhandlungen sowie auf Studienreisen für namhafte Agenturen. Catrin George Ponciano lebt gemeinsam mit ihrem Mann im Algarve in der Nähe von Portimão.

»Leiser Tod in Lissabon« ist die perfekte Mischung aus Spannung, Lokalkolorit, Geschichte und Aktualität, erzählt mit viel Liebe zu Land und Leuten am Schauplatz Lissabon und führt gleichzeitig temporeich durch einen politisch brisanten Plot…«

Anabela Gaspar, Entdecken Sie Algarve Mai 2020, Lagoa, Portugal

»Mörder jagen in Lissabon: Mit diesem wundervoll geschriebenen Krimi tauchen Sie ein in die portugiesische Vergangenheit und lernen dabei nicht nur die schönen Seiten des Lebens kennen. Das Buch ist für mich ein literarischer Traum und schenkt mir ein Lesevergnügen der besonderen Art. Catrin George Ponciano erzählt eine spannende Geschichte mit großer Leidenschaft und riesigem Wissen – bis ins Detail. Ich hoffe, Hauptkommissarin Dora Monteiro löst noch viele weitere Mordfälle…«

Andreas Lahn, PORTUGAL REPORT, Deutsch-Portugiesische Gesellschaft (DPG)

Gewinnspiel meet & greet online!

Catrin George Ponciano:

Meine Protagonistin Inspetora-Chefe Dora Monteiro hat ein Maskottchen. Ich wünsche mir ein Foto von einem „Doppelgänger“, den Namen von Doras Maskottchen und den Grund dafür, warum es so heißt. Der/die drei Gewinnerinnen und ich verabreden uns zu einem jeweils individuell verabredeten Videocall, wo ich Fragen zu „Leiser Tod in Lissabon“ beantworte. Das Foto und die Antworten bitte hierhin mailen.

Einsendeschluss: 6.7.2020 

Interview der Autorin Catrin George Ponciano mit der SYNDIKATS-Redaktion

Wo schreibst du am liebsten?

Überall.       

 Welches ist dein Lieblingskrimi?

LEICHENDIEB – Patricia Mello

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Da gibt es Viele!

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil ich mich inmitten mörderisch herzlicher Kolleginnen und Kollegen absolut sicher fühle.       

Dein Lieblingswort?

Zukunft       

Dein Sehnsuchtsort?

LISSABON      

Dein Lieblingsgetränk?

Der unsichtbare Weißwein „Invísivel“ – Adega Ervideira

Dein Lieblingsmord?

Gift in feinem Essen

Wo findest du Ruhe?

Im Alentejo        

Wo Aufregung?

Beim Pläneschmieden

 Deine persönlich meist gehasste Frage?

Wie findet Ihr Mann denn Ihr Hobby Schreiben?

Leseprobe

Ihr neuer Fall lief anders. Über dem Mord schwebte etwas Diabolisches. Ob das am Tatort in der Kirche oder an den Bibelstellen, dem Gemälde vom Purgatorium oder an Mónicas Gerede von Sodom und Gomorrha und dem apokalyptischen Reiter lag, konnte Dora noch nicht richtig einordnen. Ihr Bauch sagte A zu ihrer Ahnung am Tatort, dass der Mord einen spirituellen Hintergrund hatte. Außerdem glaubte sie, dass Jósua Inácio unschuldig war. Ihr Kopf sagte hingegen B zu den Indizien, und an die musste sie sich letztendlich halten. Ihre Berufserfahrung steckte zwischen ihrem Verstand und ihrer Intuition fest. Wegen ihrer Sympathie für Jósua spielte ihre Intuition verrückt. Als Profi wusste sie genau, wie fatal es sein konnte, persönliche Empfindungen mit den beruflichen Eindrücken zu vermischen. Aber sie schaffte es in diesem Fall nicht, die beiden Ebenen zu trennen. Jósua brachte etwas in ihr zum Pendeln. Etwas ganz tief in ihr Verborgenes. Sie wusste nicht einmal wirklich wo, aber er berührte sie. Das machte sie nervös.

    »Ich könnte scheitern«, sagte sie laut ins Halbdunkel des Zimmers und hatte eigenartigerweise gar keine Angst davor. Im Gegenteil. Scheitern klang regelrecht verführerisch. Aufgeben und den ganzen Kriminalkram hinschmeißen. Wie leicht sich das anfühlen würde, sollte sie endlich damit aufhören, sich wie ein weiblicher Don Quixote aufzuführen und sich permanent gegen die Windmühlen des Patriarchats im Justizapparat aufzulehnen. Dann brauchte sie nicht mehr die Harte, Unnahbare, Giftige zu mimen. Dann musste sie sich nicht mehr ständig gegen angebliche männliche Überlegenheit durchsetzen, gegen inkompetente Ignoranz aufbegehren und versteckte Anspielungen auf sie als Frau scheinbar überhören. Dann brauchte sie nie wieder doppelt so viel zu arbeiten, doppelt so schnell Fälle zu lösen und doppelt so oft Erfolg zu haben wie ihre männlichen Kollegen. Das Glas war leer, Dora schenkte nach und trank gierig. Oh, welch süße Verlockung. Aufgeben und kündigen. Einfach so. Ihre Gefühlswelt glich sowieso einem Scheiterhaufen. Bis zu den Knöcheln stand sie bereits im Reisig. Sie kannte genügend Kollegen aus der Polizei und aus der Justiz, die bloß darauf lauerten, den Haufen anzuzünden. Ein Streichholz genügte, und sie stünde in Flammen.

Vielleicht sollte sie den Fall abgeben. Vielleicht sollte sie aus dem Fenster hüpfen. Vielleicht sollte sie zu ihrem Opa in sein Atelier einziehen und Künstlerin werden. Sie schrieb ihm eine WhatsApp-Nachricht, »Bist du noch wach?«, bekam aber keine Antwort. So blieb sie allein mit ihrem Gedankenkuddelmuddel, trank das Glas leer und schenkte erneut nach. Der Wein würde hoffentlich bald die Notbremse in ihrem Gefühlsdusel finden.

Aus der Nachbarschaft prasselten Geräusche und Gerüche auf sie ein. Das Ehepaar unter ihr aß Pizza, erschnupperte sie. Ihr Nachbar Pedro nebenan schnarchte. Das Ehepaar im fünften Stock im Haus gegenüber übte Tango tanzen. Milonga-Melodien vermischt mit dem melodiösen Atmen eines Knopfakkordeons wehten herüber. Sonst schaute Dora den beiden gern beim Tanzen zu, aber heute nervte sie das Ächzen der Harmonika. Sie hielt sich beide Ohren zu. Jetzt hörte sie zwar das Schnarchen von nebenan und die Musik von gegenüber nicht mehr, aber dafür rauschte das Blut in ihren Handflächen über der Ohrmuschel. Unwirsch drehte sie sich auf den Bauch und versuchte, an etwas Schönes zu denken. An ihren letzten Urlaub an der Algarve zum Beispiel. Es dauerte nicht lange und sie hörte das überwältigende Rauschen der Wogen, und spürte das Vibrieren der an die Felsen schlagenden Wellenberge. Völlig entspannt glitt sie allmählich dem Traumland entgegen, als sie ein penetrantes Scharren vernahm. Sie schlug die Augen wieder auf und das Laken zurück und drehte den Kopf in Richtung Fenster. Ihr Maskottchen, der Rabe Afonso-Henrique, tippelte auf dem Sims hin und her, hüpfte herunter und kletterte zu ihr auf das Sofa. »Dorrra«, krächzte er…

Leseproben & Dokumente