Mordsreise
Ingrid Schmitz

Mordsreise

Insel-Krimi
Juli 2020
ISBN 9783958132177
     

Ab April 2020 als E-book auf allen Online-Plattformen erhältlich.

Mia Magaloff und ihre Freundin Gitti haben eine Busreise nach Leer in Ostfriesland gewonnen. Sie entpuppt sich als Verkaufsveranstaltung in einer Halle. Schlimmer noch: Das Kassenhäuschen ist von der Polizei versiegelt worden. Erst kürzlich war hier der Hallenbesitzer unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Mia und Gitti wollen schnellstens weg. Sie nehmen die nächste Fähre nach Spiekeroog, um wenigstens auf der Insel ein paar schöne Tage zu verleben. Doch da haben sie die Rechnung ohne ihre Verfolger gemacht.

Ingrid Schmitz
© (c) Ingrid Schmitz

Ingrid Schmitz

geboren 1955 in Düsseldorf, arbeitete dort als Speditionskauffrau bei einer kanadischen Reederei und später im sowjetischen Außenhandel. Seit 2000 ist sie hauptberuflich Schriftstellerin. Bisher hat sie an die 60 Krimikurzgeschichten veröffentlicht und 16 Kriminal-Anthologien herausgegeben. Im Jahr 2006 begann sie mit dem Kriminalromanschreiben und erfand die Serienfigur Mia Magaloff.

1. Fall (2006) Sündenfälle, Gmeiner Verlag - Thema: Kirche
2. Fall (2007) Mordsdeal, Gmeiner Verlag - Thema: Tablettenhandel
3. Fall (2009) 2 Leben - 1 Tod, Droste Verlag - Thema: Virtuelle Welt
4. Fall (2014) Liebeskiller, Leporello Verlag - Thema: Lovescammer
5. Fall (2016) Spiekerooger Utkieker, Leda Verlag - Thema: Inselmorde
6. Fall (2020) Mordsreise, edition oberkassel - Thema: Verkaufsveranstaltung

Außer der Reihe erschien im September 2017 der Roman "Mord im Krimihotel" (KBV) 

2014 schrieb sie die Biographie "Currywurst und Dolce Vita" des Auswandererpärchens Anke und Dirk Leithäuser (bekannt durch VOX Goodbye Deutschland).

Ingrid Schmitz ist Mitglied bei: „Mörderische Schwestern“.
Auf Facebook, Twitter und Google+ sendet sie jeden Morgen "Mörderisch liebe Grüße".

Ein paar Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an die Autorin:

Wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten schreibe ich Zuhause. Entweder auf dem Sessel, früh Morgens auf dem Bett oder im Sommer auf der Terrasse. Natürlich würde ich die Spiekeroog-Krimis sehr gerne auf der Insel schreiben, aber das ist leider nicht immer möglich.

Welches ist dein Lieblingskrimi?

Einen Lieblingskrimi gibt es für mich nicht. Ich liebe alles Krimis von Ingrid Noll, die eine wundervolle Ironie haben und ich mag den schwarzen Humor von Tatjana Kruse und anderen deutschsprachigen Krimiautor*innen. Die Liste wäre lang.

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Das ist aber eine gemeine Frage. Würde ich einen/eine vergessen, ich könnte mich auf der Criminale nicht mehr blicken lassen. Darauf gehe ich besser nicht ein.

Warum bist du im SYNDIKAT?

Das Syndikat ist für mich wie eine große Autorenfamilie. Ich bin seit 2000 dabei und habe viele wundervolle Kolleg*innen kennengelernt. Mir ist am Anfang meiner Autorenlaufbahn sehr mit Rat und Tat geholfen worden. Auch die Criminalen waren legendär. Aus so manchen  Autor*innen wurden Freund*innen. Später habe ich dann meine Erfahrungen als Autorin weitergegeben. Das macht das Syndikat aus. Es ist ein Geben und Nehmen – oder umgekehrt.  

Dein Lieblingswort?

Mein Lieblingswort ist „Sameja“. Das ist zwar ein Name und heißt „Die Wilde“, aber er klingt so schön.  

„Durchsuchungsbeschluss“ könnte auch eines sein, weil viele es immer mit „Durchsuchungsbefehl“ verwechseln. 

Dein Sehnsuchtsort?

Mein Sehnsuchtsort ist tatsächlich Spiekeroog. Die Insel ist zu meiner zweiten Heimat geworden.

Dein Lieblingsgetränk?

Eifeler Mineralwasser. Kein Scherz. 

Dein Lieblingsmord?

Mein Lieblingsmord steckt in der Geschichte „Das Brotmesser“ von Martina Bick – aus der Anthologie „Mord zwischen Messer und Gabel“ (Hg Andrea C. Busch). Vorsicht Spoiler: Jemand wird mit einem Brotmesser ermordet und die Tatwaffe schnell in einen rohen Brotteig gesteckt, der anschließend gebacken wird. Genial.  

Wo findest du Ruhe?

Ruhe … zum Schreiben … finde ich morgens um 6 Uhr … direkt nach dem Aufwachen und der ersten Tasse Kaffee.

Wo Aufregung?

Morgens um 10 Uhr … wenn mein Mann mit mir frühstückt und über die Gesellschaft diskutieren will. 

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Was macht die Schreiberei?

Achtung GEWINNSPIEL!

Gewinn:

1. Preis:
Eine mindestens 30-minütige Online-Konferenz mit der Autorin, in der man sie mit Fragen löchern kann und

2. Preis:

ein Bücherpaket mit meinen Spiekeroog-Krimis: „Spiekerooger Utkieker“ und  „Mordsreise“.

Frage: Wo wohnt die Privatermittlerin Mia Magaloff? 

Antworten bitte hierhin.

Leseprobe

Walther hob den Hörer hoch und wurde überfallen.

Ich brauche dich! Sofort!« 

»Messie-Moritz?«, fragte Walther und bekam ein Fluchen zurück. 

»Hör auf damit! Mir ist nicht danach! Komm nach Leer!« 

»Mitten in der Nacht? Außerdem, warum sollte ich dir helfen? Du hast dein Versprechen nicht eingehalten!« 

»Du bekommst alles zurück … wenn ich nicht mehr bin. Das habe ich schriftlich festgelegt!« Walther lachte laut auf. »Wenn du nicht mehr bist? Das dauert mir zu lange! Ich soll in deinem Vermächtnis stehen? Das will ich sehen … Schwarz auf Weiß!« 

»Zeig ich dir! Komm jetzt! Sofort!« 

»Also gut, aber sag erst, worum es geht.« So schnell wollte Walther sich nicht einschüchtern lassen. 

Moritz wurde hysterisch: »Es geht um Leben und Tod! Du bist der Nächste, wenn du nicht kommst! Das muss als Warum reichen.« Freizeichen. 

Walther fasste sich ans Herz, spürte die unregelmäßigen Schläge. Er ging wieder zurück ins Schlafzimmer, wo seine Frau Nette leise schnarchte. Wenn er sie jetzt weckte, müsste er ihr alles haarklein erklären. Wie wohl? Er zog die Jacke vom Stuhl, der krachte aufs Parkett. Nette schnellte hoch: »Wo fährst du hin? Walther! Komm sofort zurück!« 

Er bekam nicht mehr mit, wie Nette nach seinem Handy griff, das er in der Eile auf dem Tischchen hatte liegenlassen. Nachdem auch das keine Klarheit brachte, nahm sie ihr eigenes zur Hand und löschte den letzten Chatverlauf. 

 

Walther hatte sich verspätet. Er hoffte, dass Moritz mal wieder übertrieben hatte. Übertreibung war sein Markenzeichen, in allem. Mehr ist mehr hieß seine Devise. Selbst mit dreiundvierzig Jahren hatte sein Freund diese ruinöse Einstellung nicht aus seinem Gehirn gelöscht bekommen, das gleichlautende Tattoo nicht weglasern lassen. Er wollte Karriere machen, vom Schnäppchenjäger zum Ramschgott. Dementsprechend sah es in seiner Halle aus. Reizüberflutung in Perfektion, falls sich seit letzter Woche nicht etwas Grundlegendes verändert hatte - zum Positiven. Doch eher bekamen Fuchs und Hase Häschen. So eine Schande! Würde die Halle ihm gehören, er hätte etwas Großartiges damit auf die Beine gestellt und sich am angrenzenden Bürogebäude dumm und dämlich verdient … 

Walther stand vor dem grauen Flachbau. Kurz überlegte er, wo Moritz wohl sein mochte, im Büro oder in der Halle? Keine Frage! Er hämmerte kräftig gegen das verbeulte, aber gut gesicherte Stahltor. Als sich nichts tat, ging er drei Schritte rückwärts, um die Lage zu peilen. Zwischen Tor und Boden schimmerte Licht durch einen schmalen Spalt. 

Walther griff vergeblich zum Handy. Plötzlich fiel ihn jemand von hinten an. 

»Keine Poli …!« 

Walther drehte sich aus der unfreiwilligen Umarmung und drückte dem Gegner dabei den Ellbogen ins Gesicht. 

»Spinnst du?«, näselte Moritz. Blut lief aus den Nasenlöchern. 

Walther wollte fühlen, ob die Nase gebrochen war. 

Moritz zuckte zurück. 

»Nichts passiert«, sagte Walther. »Schief wie immer«, besänftigte er ihn, verschwieg aber, dass der früh Ergraute wie ein Scheintoter aussah. 

Moritz tupfte die Boxernase trocken und warf das Papiertuch achtlos weg. 

»Komm mit!« 

Es dauerte sehr lange, bis der Angeschlagene das Tor mit all den Schlössern und Riegeln wieder hinter ihnen gesichert hatte. Langweilig wurde es Walther in der Zwischenzeit nicht. Er sah zur maroden Dachkonstruktion. Noch immer hatte Moritz sie nicht reparieren lassen, riskierte, dass es irgendwann und irgendwo reinregnete und die Berge von Kartons durchnässten, die aussahen, als seien sie mit riesigen Lastern einfach abgekippt worden. Moritz stupste ihn an: »Beeil dich!« 

Schmale Wege schlängelten sich von einem Ramschberg zum Nächsten. Walther folgte dem Krempelkönig und betete, dass der von ihnen verursachte Luftzug nirgendwo eine Lawine auslöste. 

Sie erreichten den Durchgang zum nächsten Hallenraum. Dicke Kunststoffmatten trennten ihn ab. Was sich dahinter verbarg, wusste er, weil er Moritz damals dabei geholfen hatte, die Regale aufzubauen und die Kleiderständer hinzustellen. Sein Freund und er hatten sich dabei gut ergänzt. Moritz war mit seiner Körpergröße ein guter Festhalter und Walther brachte die nötige Kraft für das Montieren mit. Für das Sortieren der Bekleidung war seine Frau Nette zuständig gewesen. In dem Zusammenhang winkte ihm sein schlechtes Gewissen zu. 

»Schon wieder neue Ware?«, fragte Walther und zwängte sich zu den Paletten mit den aufgerissenen Kartons. 

Moritz nickte. Seine Augen glänzten. Aber es war ein eher fiebriger Glanz. »Ja, und morgen kommt der Bus mit den nächsten Kunden!« 

Das schockte Walther jetzt nicht. Jede Woche kam ein Bus mit angeblichen Reisegewinnern hierher, die mit minderwertiger Ware abgezockt werden sollten. »Deswegen hast du mich mitten in der Nacht hierhergelockt? Damit ich die Klamotten aufhänge? Ich fasse es nicht!« Er öffnete stöhnend die Outdoorjacke, unter der er noch das Oberteil des Schlafanzugs trug, weil es schnell gehen musste.

»Nein … das heißt … ja«, antwortete Moritz. 

»Was denn jetzt? Worum geht’s?« 

»Lass uns in den Kassenraum gehen.« Er gab einem der Kleiderständer einen Schubs. Die dünnen Polyesterblusen flogen wie auf einem Kettenkarussell. Moritz machte die Tür hinter Walther zu, warf sich auf den Bürostuhl und hüllte sich zunächst einmal in unerträgliches Schweigen. Dabei wischte er sich mehrmals über die feuchten Augenlider. 

»Raus damit!«, sagte Walther. »Wieso hast du nicht mehr lange zu leben? Warst du beim Arzt? Hat er dir das gesagt? Und wieso bin ich der Nächste?« 

Moritz schüttelte den Kopf. »Ich bin da in eine Sache hineingeraten … habe auf den Deal meines Lebens gehofft, jetzt soll er mich mein Leben kosten.« 

»Wegen der Klamotten? Deswegen wird man nicht umgebracht. Also, normalerweise …« 

»Du hast ja keine Ahnung!«, sagte Moritz.