Vorhang zu! (Ben Pruss 1)
André Storm

Vorhang zu! (Ben Pruss 1)

April 2020
sofort lieferbar
ISBN 9783954415298
13,– € [D]
     

Hokuspokus im Pott: Wenn man Leichen einfach wegzaubern könnte …

Bühne frei für ein großartiges Krimidebüt!

Mysteriöse Sabotageakte im Dortmunder Zack-Varieté, ein tragischer Unfall der Schlangenbeschwörerin Lily Polley, der sich als Mordanschlag herausstellt und mittendrin Dortmunds Vorstadtzauberer Ben Pruss …

Am Ort des Geschehens ist der nicht etwa in seiner Funktion als Zauberkünstler - ein Auftritt im Varieté wäre doch eine Nummer zu groß für ihn - sondern als Privatdetektiv.

Leider ist aber auch das eine Nummer zu groß für ihn, denn Ben hat überhaupt keine Ahnung von der Arbeit eines privaten Ermittlers. Und von Mord war schon mal gar nicht die Rede! Doch zum Aussteigen ist es jetzt zu spät, denn Ben steht selbst auf der Liste der Verdächtigen … 

Ein Roman, so grau wie der Himmel zu Zeiten von Kohle und Stahl. Und gespickt mit allen Facetten, die den Ruhrpott so bunt, humorvoll und selbstironisch zeigen, wie er zu allen Zeiten war.

Der Band ist ab April 2020 als E-Book erhältlich, in gedruckter Form ab Herbst 2020.

André Storm

André Storm (* 1974) ist Profizauberkünstler aus Hamm in Westfalen. Seinen „ordentlichen“ Beruf hat er schnell abgelegt, und er freut sich noch heute jeden Tag, dass er das Studium zum Elektroingenieur rechtzeitig abgebrochen hat.

Sein Schreibtalent nutzte er in den letzten Jahren dafür, in seinen Shows „Helden“ auf die Bühne zu bringen, denen man ihre Heldenhaftigkeit auf den ersten Blick nicht unbedingt ansehen kann. Die aber jedes Mal über sich hinauswachsen und so das Publikum auf ihre Seite ziehen.

André Storm ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Rezensionen

"Das Debüt des Autors, der unter dem Pseudonym André Storm als Profizauberkünstler arbeitet, ist ein origineller Ruhrpott-Krimi zum Dauerschmunzeln. […] Ironisch, unblutig,

aber nicht unspannend und mit humorigen Zwischenüberschiften, die die Neugier wach

halten - ein Vergnügen, das sehr gerne empfohlen wird."

- ekz.bibliotheksservice GmbH -

Achtung Gewinnspiel!

5 Bücher "Vorhang zu" zu gewinnen!

Frage: Wie heißt die Schlangenbeschwörerin, die im Buch ihren Tod findet?

Emails bis 30.11.2020 hierhin.

Der Autor gab der SYNDIKATs-Redaktion ein exklusives Interview!

Wo schreibst du am liebsten?

Ganz langweilig: In meinem Arbeitszimmer am Laptop mit „weißem Rauschen“ auf dem Ohr.

Welches ist dein Lieblingskrimi?

Da fällt mir spontan die Mr. Mercedes-Trilogie von Stephen King ein, auch wenn es da natürlich etwas übernatürlich zugeht. Ich liebe auch die „bretonischen“ Krimis von Jean-Luc Bannalec.

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Ralf Kramp steht da ganz oben auf meiner Liste. Er ist nicht nur das Wagnis eingegangen, meinen Krimi in seinem Verlag zu veröffentlichen. Er steht mir auch immer mit seinem wertvollen Rat und seiner Erfahrung zur Seite.

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil ich mich so gefreut habe, dass ich jetzt „richtiger“ Krimiautor bin und unbedingt mehr Kontakt zu diesem ehrenwerten Milieu haben wollte!    

Dein Lieblingswort?

„Mutterseelenallein“, weil es schon beim Aussprechen so traurig ist, dass ich gleich losweinen möchte. Und „Ruhrpott“, weil da irgendwie nicht nur die Region mitschwingt, sondern auch schon ein Lebensgefühl.

Dein Sehnsuchtsort?

Bei Oma am Küchentisch. Inkl. Oma auf der anderen Seite und Lacktischdecke. Da komme ich aber nicht mehr hin.

Dein Lieblingsgetränk?

Hallo? Ich komme aus dem Ruhpott. Bier natürlich!

Dein Lieblingsmord?

Georgie Denbrough in seinem gelben Regenmantel, der von einem Clown im Gulli ermordet wird …

Wo findest du Ruhe?

Couch, Yogamatte, Wasserbett. Und im Urlaub natürlich.

Wo Aufregung?

Bei meinen Auftritten als Zauberer und neuerdings auch bei Lesungen. Und im normalen Leben, welches mir mit unerwarteten Rechnungen, Strafmandaten und Corona-Krisen genug Aufregung bereitet.

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Kannst da das nicht wegzaubern? 

Leseprobe

PROLOG

Der Junge rannte die Straße entlang. Hastig. Obwohl er völlig außer Atem war, zog er das Tempo weiter an. Er schämte sich. Gestern hatte er seiner Mutter hoch und heilig versprochen, er werde ab jetzt pünktlich um sechs zu Hause sein.

Er bog links in die schmale, kopfsteingepflasterte Gasse ab. Noch ein Stück geradeaus, dann rechts – und er hatte es geschafft. Er schaute auf die Uhr. 18.42. Sein T-Shirt und die kurze Jeans klebten ihm am Körper.

Der Junge erreichte das graue Mehrfamilienhaus. Die Haustür stand offen. Er rannte die Treppen hoch, zweiter Stock rechts. Kramte in seiner Hosentasche, griff den Wohnungsschlüssel und öffnete die Tür. »Ich bin’s«, rief er in den leeren Flur. Mit dem Unterarm wischte er sich den Schweiß von der Stirn. 

Sein erster Weg führte ihn ins Wohnzimmer. Der Raum war leer. Der Fernseher nicht eingeschaltet, was merkwürdig war. Sobald Mama nach Hause kam, schaltete sie als Erstes den Fernseher an. War sie noch gar nicht zu Hause? Er spürte einen Druck im Magen. Gewöhnlich war sie um fünf Uhr zurück. Spätestens um sechs. Die Küche war ebenfalls verwaist.

»Mama?«, rief er in den leeren Flur. Keine Antwort. »Mama?«

Ein Blick in sein Zimmer, dann ins Schlafzimmer. Leer. Was sollte er tun? Abwarten? Sollte sie in einer halben Stunde nicht da sein, würde er runter zu Frau Wiesner gehen. Vielleicht wusste sie sogar, wo seine Mutter war. Er beschloss, ihr jetzt gleich einen Besuch abzustatten – nur noch im Badezimmer nachsehen. 

Er drückte die Klinke und schob die Tür auf. Dort hing sie.

Ihr Gesicht blau und aufgedunsen. Ihr rechtes Auge blickte verdreht zur Decke, das linke starrte ihn an. Ihr Körper hing über der Badewanne an einem Seil. Mein Springseil, dachte er mit einer merkwürdigen Sachlichkeit.

Sie war auf den Wannenrand gestiegen, hatte das Seil über das gusseiserne Rohr unter der Decke gebunden und sich daran erhängt. Einer ihrer Pantoffeln lag in der Wanne, der andere hing noch an ihrem Fuß.

Er griff nach dem Umschlag, der auf dem Waschbecken lag. Sein Name stand darauf. Die Worte in dem Brief ergaben allerdings keinen Sinn. Später würde er den Brief noch oft lesen, sehr oft. Jeden Tag. Er faltete ihn zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Dann verließ er das Zimmer und schloss leise die Tür hinter sich. Langsam, als stapfte er durch tiefen Schnee, schlurfte er in den leeren Hausflur.

Und schrie.

KAPITEL 1

Das Kapitel, in dem wir Ben Pruss kennenlernen, der denkt, er sei der Star der Show, aber schon bald eines Besseren belehrt wird.

B

en war damit beschäftigt, mit einer blauen Kunststoff-Stempelmaschine seine Schreibtischunterlage zu verzieren. Über vierzig Mal hatte er bereits gestempelt: Ben Pruss – Ihr Zauberkünstler in Dortmund – Close-Up und Bühne. Dazu seine Telefonnummer, Web- und E-Mail-Adresse. Ihm kam der Gedanke, dass er das Blatt abreißen müsse, bevor er das nächste Mal jemanden in seinen, wie er es nannte, »Büro-Schrägstrich-Probenraum« ließ.

Das Telefon klingelte, und er zuckte schuldbewusst zusammen. Misstrauisch blickte er das Gerät an. Die letzten beiden Anrufe waren nicht eben dazu bestimmt gewesen, seine Laune zu heben. Im Gegenteil. 

Beim ersten Mal war es seine Mutter gewesen, die ihn mit ihrem ständigen »Bennilein« gequält hatte, und beim zweiten Mal seine Vermieterin Frau Heimel. Diese hatte sich lautstark darüber ausgelassen, dass bereits der 18. sei und die Miete immer noch nicht überwiesen. Na, danke auch! 

Und nun verlangte das Telefon zum dritten Mal, dass er dem Gerät seine Aufmerksamkeit widmete. Ben seufzte. Vielleicht war es ja diesmal ein Firmenboss, der einen Zauberer brauchte, dachte er, ohne wirklich daran zu glau-ben und griff nach dem Hörer. »Ben Pruss am Apparat.« 

»Pedro Möller mein Name. Ich hätte gerne einen Termin bei Ihnen. Wenn möglich heute noch. Es ist dringend«, kam eine kantige, männliche Stimme am anderen Ende der Leitung sofort zum Punkt.

Ok. Will Vorgespräch. Scheinbar wirklich ein Firmenboss, dachte Ben und hatte das Gefühl, dass ihm der Name des Typen irgendwie bekannt vorkam. »Ja … Lassen Sie mich mal sehen …« Er raschelte geschäftig mit einigen Papieren und klimperte nutzlos, jedoch deutlich hörbar auf der Tastatur herum – schließlich hatte er seinen Terminplan komplett im Kopf – nächste Woche Freitag, 21 Uhr, Show bei Frau Piontek auf dem Sechzigsten. Ende. »Jaaaa«, sagte er gedehnt, als wägte er im Kopf den stimmigsten Termin ab und rückte virtuelle Zeitfenster zurecht. »Also. Eben hat jemand spontan für heute Nachmittag abgesagt. Passt Ihnen 16 Uhr?«

»16 Uhr ginge bei mir.« 

»Worum geht es denn, wenn ich fragen darf?«

»Ich könnte kurzfristig Ihre Dienste gebrauchen«, gab der Anrufer zurück. Und nach einer kurzen Pause: »Ich hätte da einen Spezialauftrag für Sie.«

*  *  *

Nach diesem Telefonat war Bens Magen noch nervöser, und das ohnehin flaue Gefühl legte kräftig zu. Der Anrufer wollte ihm am Telefon keine Details geben, was genau er mit Spezialauftrag meinte, aber im Prinzip konnte es nur eines bedeuten.

Ben hatte den unüblichen Namen des Anrufers gleich nach dem Telefonat gegoogelt und war direkt fündig geworden. Pedro Möller war Chef des in Dortmund ansässigen Zack-Varietés. Soviel Ben wusste, war die aktuelle Saison voll im Gange, und das neue Programm würde erst im Herbst starten. Vielleicht bedeuteten die Schlüsselbegriffe kurzfristig und Spezialauftrag also, dass er, Ben, als Krankenersatz für einen anderen Künstler einspringen sollte.

»Ach du Scheiße«, murmelte er. Ein Angstpfeil schoss ihm eiskalt von oben nach unten durch den Körper, und er griff instinktiv nach einem Fläschchen mit Bachblüten-Tinktur, welches auf seinem Schreibtisch stand – inmitten einer Vielzahl weiterer Fläschchen, Gläschen und Töpfchen. Befüllt mit allen möglichen Mittelchen, die ihm gegen sein krankhaftes Lampenfieber helfen sollten. Er ließ sich vier Tröpfchen auf die Zunge fallen und meinte, sich gleich etwas ruhiger zu fühlen. Ob es daran lag, dass seine Bachblüten mit hochprozentigem, französischem Cognac gemischt waren, ob er dem Placebo-Effekt auf den Leim gegangen war, oder ob die Bachblüten tatsächlich ihren Dienst taten, war ihm egal. Er wusste nur, dass es das beste Mittel gegen Auftrittspanik und Mutter-induzierte miese Laune war. 

»Ich glaub, das muss ich absagen«, sagte er beklommen zu sich selbst.