hubyDrehbuchautor und Schriftsteller Felix Huby gestorben

Ein Nachruf von seinem Freund und SYNDIKATS-Kollegen Fred Breinersdorfer

Ein letzter Gruß an meinen verstorbenen Freund Felix Huby:

Mein lieber Freund Huby,

du bist gestorben, ich bin tieftraurig. Diesen Brief wirst du nicht lesen, aber ich muss ihn schreiben.

Weißt du noch, dass wir uns vor der Pandemie zu einem Abendessen verabredet haben? Wieder mal zum Plaudern, Politisieren, Erinnerungen austauschen? Da wäre einiges zur Sprache gekommen.

Weißt du noch, wie ich, gerade mal drei Monate Anwalt, in deinem Stuttgarter SPIEGEL-Büro mit dir meine Akten mit skandalösen Numerus-clausus-Entscheidungen der damals neu gegründeten „Zentrale für die Vergabe von Studienplätzen“ durchging?

Dein Artikel über die Fälle und mich als Anwalt der Abgewiesenen stand im November 1976 im Heft. Das war der Anfang meiner langen Anwaltskarriere als Spezialist für Hochschulrecht. Danke, noch einmal danke! Weißt du noch, wie ich deine Energie bewundert habe, wie du Filbinger abgeschossen hast, dem heftigen Gegenwind getrotzt hast? Wir waren damals schon befreundet und zum Grillen verabredet, da kam dein Anruf. „Ich habe ein Todesurteil in der Hand, das Filbinger als Marinerichter gefällt hat, ich muss mit dem Mann reden.“

Wunderbar, dein erster Krimi, gleich bei Rowohlt in der besten Reihe, die es damals in Deutschland gab. Jetzt muss ich, wie oft schon, einer bösartigen Behauptung, die ich auch in einem Nachruf über dich gelesen habe, energisch entgegentreten: Du hättest heimlich eine Schreibfabrik. Was immer das sein sollte, es hatte einen giftigen Unterton. Diese „Schreibfabrik“ existierte nie, du warst ein wunderbarer Solist, manchmal Ko-Autor, aber kein Textfabrikant. Und nebenbei: Heute sind „Writer’s Rooms“ etwas ganz Normales. Aber du warst kein Headwriter, du warst ein Ermöglicher, Ermutiger, wie bei mir. Selbstlos, großzügig.

Und dann noch das Prädikat „Vielschreiber“, das man dir angehängt hat. Verdammt noch mal, seit wann sind Kreativität und Produktivität von Autoren anstößig? Dein unglaubliches Werk, deine Preise, deine Verdienste sind in den letzten Tagen umfangreich gewürdigt worden - mit Recht. Du warst ein unaufdringlich politisch-kritischer Autor mit dem herrlichen Motto „dem Publikum ein Früchtchen vom Baum der Erkenntnis servieren“.

Und weißt du noch, wie du mir gesagt hast, Richard K. Flesch, der Herausgeber bei Rowohlt, suche einen Krimi ohne Kommissar als Helden? Ich könnte mir doch Mal was überlegen. Dank deiner Fürsprache hat es geklappt. Ich habe den Anwalt Jean Abel erfunden, sechs Romane für Rowohlt und 20 Filme für das ZDF mit ihm als Helden geschrieben. Ohne dich wäre mein Traum, Autor zu werden, Illusion geblieben. Danke, Huby, mein lieber Freund.

Weißt du noch, wie wir uns um die besten Dialoge und Szenen gezofft haben, als wir den heute noch als „Skandal-Tatort“ verschrienen Film „Zweierlei Blut“ geschrieben haben, in dem Götz George von einer Rockergang, deren Chef damals Dietmar Bär war, nackt auf den Anstoßkreis im Wedaustadion in Duisburg gelegt wurde? Die Empörung der Spießer damals, wie würden wir heute noch darüber lachen. Weißt du noch … ach, es gibt noch so viele Erinnerungen. Eines haben sie gemeinsam: Ich habe dich als einen hochintelligenten, angenehm sturen, extrem kreativen, sozialdemokratischen und unschwäbisch großzügigen Freund und Kollegen in Erinnerung.

Mensch, Huby, warum hat diese verdammte Seuche unser geplantes Essen verhindert. Ich könnte heulen. Mach’s gut, wo immer du bist. Adieu!

Dein Fred