ewc KopieIm renommierten Círculo de Bellas Artes (einer in Architektur gefassten Wertschätzung der Künste im Zentrum Madrids) trafen sich vom 10. Bis 12. Juni die Vertreter von 21 Literaturverbänden zur diesjährige Generalversammlung des EWC (European Writers Council). Ziel war es, sich über die in den jeweiligen Ländern aktuelle Situation und geplante Veränderungen zu informieren, aber auch sich über die Herausforderungen und Einschnitte der Arbeits- und Lebensumfelder der AutorInnen auszutauschen und Schwerpunkte für gemeinsame Maßnahmen zur Durchsetzung unserer Interessen zu planen. Das SYNDIKAT haben Jens J. Kramer (Vorsitzender) und Monika Pfundmeier (Beirätin) vertreten.

Madrid, 10.-12 Juni: Es musste natürlich genau in der Hitzewelle sein. Das Thermometer kletterte auf bis zu 37°, jeder Schatten war kostbar, während in den Cafés kalter Wasserdampf über die Gäste versprüht wurde. Das Círculo de Bellas Artes bot nicht nur klimatisierte Räume, sondern auch eine Dachterrasse, auf der die Vertreter der europäischen Literaturverbände sich kennenlernen und diskutieren konnten. Eingeladen und ausgerichtet hatte diese Veranstaltung der ACE (Asociación Colegial de Escritores) in Zusammenarbeit mit dem Centro Español de Derechos Reprográficos (CEDRO) und dem Círculo de Bellas Artes (CBA)- Casa Europa.

Germany JJK 2

 

41 Delegierte aus 21 Ländern, die 160.000 Autor:innen und ÜbersetzerInnen aus dem europäischen Buchsektor vertraten, berichteten im Rahmen des Burning Issues Forums zu spezifischen nationalen und europäischen Dringlichkeiten und Herausforderungen im Bereich der Autorenrechte und des Urheberrechts, der wirtschaftlichen Verwertung und der kollektiven Rechtewahrnehmung.

 


© Foto: Nina George

Darüber hinaus tauschten sich die Delegierten intensiv über kulturpolitische Fragen der literarischen Übersetzung und über Marktmechanismen aus, die die Verbreitung von Literatur fördern (aktuell leider eher selten) oder auch einschränken (aktuell leider in vielen geplanten Veränderungen); über die Bedeutung von Parität und Vielfalt im Buchsektor im Hinblick auf die Sichtbarkeit und Anerkennung von Texten von AutorInnen. Deutlich wurde auch die Notwendigkeit, vehement für die Freiheit des Wortes einzutreten, insbesondere angesichts der Krisen in Belarus und der Ukraine.

Ein Empfang sowie ein musikalisch-poetischer Abend und ein Konzert von Tania Rusz and Company rundeten die dreitägige Konferenz ab.

Die nächste Jahreshauptversammlung des EWC wird vom 2. bis 4. Juni 2023 in Berlin stattfinden.

Die Redner und Themen des Burning Issues Forum, 11. Juni 2022:

Nicole Pfister Fetz 4AUTORENRECHTE UND WIRTSCHAFTLICHE FRAGEN

- Über die Runden kommen: Wie können Autoren auf dem Markt des 21. Jahrhunderts ihren Lebensunterhalt mit ihrer Arbeit verdienen? Von Ambre Morvan, Beraterin für Verlagsverträge und öffentliche Politik, The Society of Authors (UK)
- Öffentliche Verwaltungen und Urheberrecht: Widerstände und Ziele von Jorge Corrales, Geschäftsführer, CEDRO (Spanien)
- E-Books und digitale Ausleihe in öffentlichen Bibliotheken: Bildungsauftrag oder kostenloses Buffet (am Werk der Schreibenden)? Von Monika Pfundmeier, Vorstandsmitglied von Syndikat e.V. - Verband deutschsprachiger Krimiautoren (Deutschland/Österreich/Schweiz)

© Foto: Nina George

CULTURE POLICY ISSUES

- Frauen in der Literatur: Reden wir über Gender, Vielfalt und Inklusion. Von Nicole Pfister Fetz, Generalsekretärin des Schweizerischen Schriftsteller- und Übersetzerverbands A*dS (Schweiz) 

- Die Projektion von literarischen Werken und Autoren und die Übersetzung auf europäischer Ebene. Von Pepa Roma, Asociación Colegial de Escritores de España, Referentin für internationale Beziehungen (Spanien)

- #FREEALLWORDS - Unterstützungsprojekt von Autoren für Autoren Alena Makouskaya, EWC Vorstandsmitglied (Belarus), Nicole Pfister Fetz (A*dS) und Eystein Hanssen, EWC Vorstandsmitglied (Norwegen).

Das Burning Issues Forum wurde von Maïa Bensimon, EWC-Vizepräsidentin (Frankreich) und Alena Makouskaya, EWC-Vorstandsmitglied (Weißrussland), moderiert.

Schwerpunkte und Handlungsableitungen aus den diskutierten Themen:

- Transparenz in der Verwertungskette

In etlichen Ländern wird die Urheberrechtsrichtlinie (URL) unterlaufen, verschleppt oder schlichtweg ignoriert. Die jeweiligen Verbände werden vom EWC bei der Anmahnung ihrer Rechte unterstützt (ein europäischer Dachverband kann stärker Druck ausüben) und sollten sich hierzu verstärkt an EWC wenden.

- E-Lending

Dieses Thema war den meisten Mitgliedern nicht bewusst. Der Vortrag von Monika Pfundmeier sorgte dafür, die Brisanz des Themas zu verdeutlichen. Ein wesentlicher Punkt ist, dass Deutschland dabei als wichtigster europ. Buchmarkt eine Vorreiterrolle einnimmt. Die Bibliotheken und Archive arbeiten international konzertiert. Wenn es uns in Deutschland gelingt, die Änderungen abzuwenden, haben die anderen Länder ebenfalls ein Chance, diesen geplanten Verschlechterungen auszuweichen. Wenn die Veränderungen umgesetzt werden, wird dies europaweit einen Domino-Effekt auslösen mit der Folge der Verschlechterung unserer Situation.

Es wurde eine internationale Task force gegründet (inkl. Monika und Jens), um Daten zu sammeln und gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, Bewusstsein zu schaffen, den Status zu wahren ggf. Verbesserungen zu entwerfen und zu erwirken.

- #freeallwords

Die Vertreter der Norweger und Schweizer SchriftstellerInnenverbände haben diese Initiative ins Leben gerufen und sponsern sie mit fast 70 000,- €. Damit sollen Texte belarussischer und ukrainischer SchriftstellerInnen übersetzt und einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht werden. Das Programm ist ausdrücklich auf Langfristigkeit angelegt und soll auch andere Länder umfassen, in denen das freie Wort bedroht wird. Wir hoffen auf weitere Unterstützung, durchaus auch von staatlicher Seite.

Ein herzliches Willkommen ...

Zwei neue Mitgliedsorganisationen wurden auf der Jahreshauptversammlung des Europäischen Schriftstellerverbandes am 12. Juni 2022 einstimmig als Vollmitglieder aufgenommen: Die Unia Literacka (Polen) und die Norwegian Writers for Children (NBU). Erfahren Sie mehr über den Schriftstellerverband im Abschnitt EWC Mitglieder.

Der European Writers' Council hat sein neues Logo vorgestellt

Mit dem Wechsel in die Zukunft ändert sich auch das Logo des EWC. Für das neue Design, das einer Schreibmaschinentastatur nachempfunden ist, zeichnet EWC-Vizepräsident Miguel Ángel Serrano (Spanien) verantwortlich.

"Ich bezeichne dieses Design gerne als "Neo-Vintage"", erklärt Serrano. "Es ist klar und sauber, kraftvoll und wiedererkennbar, passt aber auch zu einer gewissen Mythologie über das Schreiben. Außerdem habe ich zu Hause eine sehr alte Schreibmaschine, die mich die ganze Zeit angestarrt hat".

IMG 0855

 

Die Herausforderungen der Zukunft

"Es ist uns eine Ehre, unsere Kollegen im 'House of Europe' persönlich zu treffen, nach drei Jahren einer sehr schweren Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftskrise und in einem der entscheidendsten Momente für Europa und den Buchsektor in den letzten Jahren", unterstreicht Nina George, Präsidentin des Europäischen Schriftstellerverbandes, EWC, die Bedeutung dieser Veranstaltung. George fügt hinzu: "Wir befinden uns in einem entscheidenden Moment für die Freiheit, die Vielfalt und die Lebensfähigkeit der Quellen der gesamten Buchkultur und der Literaturwirtschaft, sei es der Umgang mit dem Recht des geistigen Eigentums, seien es die Veränderungen im Bereich der künstlichen Intelligenz, und vor allem: wie werden wir auf diktatorische, kriegerische und freiheitliche Angriffe auf Schriftsteller, Medien und Kulturschaffende reagieren."

 

© Foto: Monika Pfundmeier

Für Manuel Rico, Präsident des ACE, "ist es eine Ehre und Genugtuung, diese Veranstaltung in Madrid zu einem Zeitpunkt auszurichten, der für die Zukunft Europas nach fast drei Jahren Pandemie und einem Krieg in unmittelbarer Nähe zu seinen Grenzen so wichtig ist. Es ist auch eine Möglichkeit, das Engagement der spanischen Schriftsteller für die tiefsten Werte der europäischen Literatur und ihrer Autoren sowie für die Verteidigung der Meinungsfreiheit, des Urheberrechts und des Bürgersinns zu unterstreichen, die heute von verschiedenen Seiten bedroht sind. Ohne Autoren gibt es keine Kultur".Monika Pfundmeier 3

© Foto: Nina George

Der EWC präsentierte im Rahmen einer exklusiven Vorschau das Übersetzungsprojekt #FreeAllWords (freeallwords.org) des Europäischen Schriftstellerverbandes zur Unterstützung von Schriftstellern aus Weißrussland oder der Ukraine, deren Meinungsfreiheit bedroht ist. Drei Texte wurden bereits von der Übersetzerin Ángela Espinosa Ruiz und von den folgenden Autoren aus der Ukraine und Weißrussland ins Spanische übersetzt, um den Auftakt des europäischen Unterstützungsprojekts von Autoren für Autoren zur Verteidigung der Rede- und Meinungsfreiheit zu markieren.

- Kaciaryna Andrejeva (BELARUS): EIN GEDICHT VON HINTER GITTERN

- Svetlana Lavochkina (UKRAINE): EL JARDÍN DE LAS DELICIAS DEL DONBÁS

- Barys Piatrovič (BELARUS): WERBUNG FÜR DIE DIKTATUR

- Ángela Espinosa Ruiz (SPANIEN): ÜBERSETZUNGEN