2021_02_18_Gerlach_quadrat_00.jpgWir empfehlen diese Woche ein Buch unseres SYNDIKATS-Mitglieds Gunter Gerlach - eine Hommage an ihn: "Ein falsches Wort und du bist tot"

 

Gunter Gerlach war zweimal GLAUSER - Preisträger in der Kategorie Kurzkrimi, 2005 und 2003 sowie Ehren-GLAUSER - Preisträger 2013.

 

 

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"Dann heißt es Demenz. Schon fängt das Vergessen an, verschieben sich Worte, verwechseln sich Buchstaben. Alles durcheinandert, alles wird absurd, nahezu komisch und da ist der Gedanke, dass das das ist, was man schon immer geschrieben hat: Absurde Geschichten. Anschließend kommt die Angst, nie mehr zu schreiben und das schreiben zu können. Und dann?Ist es Zeit Gunter Gerlach ein "Lesmal"’ zu setzen. Mit einem Buch: "Ein falsches Wort und du bist tot“, eine Sammlung seiner Kurzgeschichten." 

 

Ein Artikel von seinem Freund und Kollegen Lou Probsthayn :

 

„Ein falsches Wort und du bist tot.“

„Mit dem Titel kannst Du Dich doch vergessen!“ „Bin dabei“, hätte der Autor Gunter Gerlach vermutlich mit einem vielsagenden Lächeln geantwortet, im Wissen seines eigenen Entschwindens.

Denn irgendwann hieß es Demenz. Und schon fing das Vergessen an, verschoben sich Worte, verwechselten sich Buchstaben – A sagte B zu C – alles wurde absurd, nahezu komisch und da war dann der Gedanke, dass das das war, was man schon immer geschrieben hat: Absurde Geschichten. Anschließend kam die Angst, nie mehr zu schreiben und das schreiben zu können. 

So kann es Gunter Gerlach ergangen sein, der vielleicht, aber auch nur vielleicht, schon 2012 ahnte, dass das mit dem Vergessen Gewalt über seinen Geist annehmen könnte. In seiner damalig publizierten Kurzgeschichte „Gold im Gebirge“ sagt der Protagonist: „Möglicherweise ist jetzt genau das passiert, was ich immer befürchte: Ich bin dement, habe Alzheimer oder einen anderen Morbus-Dings im Kopf. Als Schriftsteller wäre ich damit erledigt. Schon nach ein paar Seiten, wüsste ich nicht mehr, was ich am Anfang geschrieben habe.“  So sein literarisches Alter Ego, der schon damals den Ausstieg aus seinem Kopf fürchtete. Gunter Gerlach auch? Das wissen wir natürlich nicht, aber nach über 30 Romanen, eben aus diesem Kopf, hat der Autor dennoch, gerade gegen sein Vergessen angeschrieben. Aber seine letzten beiden Romane „Hässliche Männer“ und „Eine Hamburger Prostituierte “ sollten unveröffentlicht bleiben. In ihnen ließ sich schon die schwarzen,  alles verschlingenden Wortlöcher der Demenz lesen.  

Und dann? War es Zeit für den Literatur Quickie Verlag, ihm ein ”Lesmal“ zu setzen. Mit einem Buch: "Ein falsches Wort und du bist tot“, ist eine Sammlung seiner bester Kurzgeschichten. Verlegenderweise hat der Verlag unter der Headline "Eine Wort- ausgabe für Gunter Gerlach“ ein Crowdfunding ins Leben gerufen. Auf dem Weg in sein Vergessen, sollte seine Literatur unvergessen gemacht werden. 131 Unterstützer*innen sind diesem Aufruf auf startnext gefolgt, darunter Kollegen*innen wie Friedrich Ani, Doris Gercke, Nina George oder auch Regula Venske

„Wenn ich schreibe“, so sagte Gunter Gerlach einmal, „verschwinde ich in meinen Büchern. Ich lebe in einer Welt, die ich selbst geschaffen habe. Das ist das Paradies.“ 

„Nun verschwindet der Meister der grotesken Geschichten“,  erinnert Regula Venske an ihn.  „Aufgrund einer grausamen Krankheit leider in eine Welt des Vergessens. Und wie schon gesagt. In dem im Literatur Quickie Verlag nun erscheinenden Erzählband „Ein falsches Wort und du bist tot“ kommt uns Gunter Gerlach noch einmal entgegen, so wie wir ihn lesen und lieben. Krimi- und kafkaesk!“

Alles Wichtige über den Autor und alle wichtigen Worte von Gunter Gerlach finden sich unwiderruflich  unter www.gunter-gerlach.de

Lou A. Probsthayn